Gibt es einen Gott?

Gott bei der Erschaffung Adams

Gott bei der Erschaffung Adams

Gleich zu Anfang werde ich die Frage beantworten, die noch immer für einen großen Teil der Menschheit eine zentrale Bedeutung in ihrem Leben hat und meine Zielgruppe erheblich einschränken könnte. Und zwar: Gibt es einen allmächtigen Schöpfer, der uns vom Himmel aus beobachtet und nach unserem Tod unseren weiteren Wohnort bestimmt (Himmel/Hölle/Nirvana)?

Wenn man darüber diskutiert, enden die Diskussionen meistens im kruden “Bodycounting”. Man vergleicht, wer mehr Menschen getötet hat, die Religiösen (Inquisitoren, Kreuzritter, Terroristen) oder die Atheisten (Kommunisten, Nazis). Und wer am Ende die meisten Tote “übrig hat”, hat verloren. Wie beim Uno-Kartenspiel. Meistens trifft es dann die Atheisten, denn wenn es um Todesopfer geht, kann keiner mit den Kommunisten und Nazis mithalten.

Doch dieser Diskussionsansatz ist völlig falsch. Denn es spielt für die Frage, ob es einen Gott gibt, überhaupt keine Rolle, wer mehr Menschen getötet hat. Die einzig wichtige Frage ist, ob sich die Existenz Gottes, oder besser gesagt- die Existenz der menschengemachten Götter- wissenschaftlich widerlegen lässt. Ohne einen Blick in die Bibel oder den Koran zu werfen.

Schöpfer des Universums vs. menschengemachte Götter

Das Universum ist so unglaublich komplex, dass es für viele Menschen kein Zufall sein kann. Dasselbe gilt für das Leben: Wie können sich einzelne Atome zu so etwas Komplexem wie eine Zelle, einen Frosch oder gar Charlie Sheen zusammenformen? Es existieren so viele Dinge, die so unglaublich komplex sind, das es einen Schöpfer geben muss, denn das alles hätte sich nicht von allein bilden können. Dies ist das “Ur-Argument” aller Religiösen: “Es kann nicht alles geben ohne Gott”, heißt es. Nun, egal ob Charlie Sheen oder das Universum, das Argument taugt zu gar nichts. Denn: Nur weil wir etwas nicht wissen, bedeutet das nicht, das Gott dahintersteckt. So ist der Glaube an Übernatürliches ja überhaupt erst entstanden: Ein Blitz schlägt ein, wir wissen nicht, warum, also war es ein Blitzgott. Wir hatten zu dieser Zeit einfach keine Möglichkeiten, nachzuforschen, wir konnten keine Daten aus Wolken sammeln und so den Prozess eines Blitzeinschlags genau erklären. Deswegen war es ein Gott (und irgendwann wurde aus diesen ganzen Göttern ein Gott).

Dasselbe gilt aktuell für das Universum und das Leben. Wir sind noch weit entfernt, zu erklären, wie beides entstanden ist. Möglicherweise sind wir 100, 1.000 oder sogar 10.000 Jahre entfernt,  das Leben und das Universum zu erklären, vielleicht werden wir es nie genau wissen. Also glauben wir an einen Gott. Im Klartext: Die Tatsache, dass wir keinen Beweis für etwas haben, ist für religiöse Menschen der Beweis für die Existenz eines übernatürlichen Schöpfers. Aber das ist Quatsch, denn die Abwesenheit von Beweisen ist kein Beweis für einen Schöpfer. Und: Wie können wir annehmen, dass der Schöpfer des Universums identisch mit den menschengemachten Göttern ist?

Wer hat den richtigen Gott?

Es gibt und gab auf der Erde schon immer eine Unsumme an Religionen, Kulten und anderen Welterklärungen und Lebenssinnspender für Arme. Christentum, Islam oder Hinduismus sind da nichts Besonderes, aber sie haben die meisten Anhänger, genauso wie Facebook, Twitter und StudiVZ nicht die einzigen sozialen Netzwerke sind, aber die mit den meisten Mitgliedern. Aber: Woher wissen wir, welche die richtige Religion ist? Die Antwort für Viele lautet: Wir haben alle denselben Gott, nur mit verschieden Namen. Schauen wir mal nach: Christen, Muslime und Juden haben einen Gott, die Hindus haben mehrere hundert Gottschaften, die Buddhisten und Konfuzianer haben gar keinen Gott- und das soll alles der selbe Gott sein?

Und wie sieht es mit den heiligen Schriften aus? Hat einer schon mal die Veden (heilige Schriften der Hindus) mit dem Koran und der Bibel verglichen? Wenn wir alle denselben Gott haben, warum lässt Gott dann zuerst seinen “Sohn” auf die Erde schicken, der die Menschheit erlösen soll, nur um dann 600 Jahre später seinen “einzig wahren Propheten” loszulassen, die beide jeweils eine verschiedene Religion gründen und dessen Anhänger sich dann auch noch jahrhundertelang gegenseitig bekämpfen? War er mit dem Werk von Jesus nicht zufrieden und hat deshalb Mohammed geschickt? Aber was ist dann mit den Hindus, Buddhisten, Konfuzianer, Taoisten und Shintoisten? All diese Religionen sind miteinander unvereinbar. Entweder hat einer Recht, oder alle liegen falsch. Da alle Völker, Stämme und Sippen Religionen haben, ist es offensichtlich, dass Religion nichts weiter als ein menschliches Bedürfnis ist. Und nicht nur Religionen sind nichts Besonderes, sondern auch der Mensch.

Der Platz des Menschen im Universum

Das Universum besteht aus Hunderten Milliarden Galaxien und noch mehr Planeten. Unser Sonnensystem ist überhaupt nichts Besonderes und die Erde folglich auch nicht. Warum sollte Gott so viel Platz im Universum schaffen, um sich einen kleinen, ja winzigen Planeten auszusuchen, um dort seinen Propheten hinzuschicken? Was noch skeptischer macht ist jedoch die Tatsache, dass der Mensch in der 4,6 Milliarden Jahre Geschichte der Erde erst vor rund 40.000 Jahren aufgetaucht ist. Das sind rund 0,001% der Erdgeschichte. Der Mensch ist also in 99,999% der Erdgeschichte gar nicht dagewesen. Wenn Gott den Menschen “nach seinem Ebenbild” schuf, warum hat er dann so viel Zeit damit vergeudet, Bakterien, Fische, Dinosaurier, Säbelzahntiger und Affen bei ihrer Entwicklung zuzusehen? Könnte es vielleicht doch so sein, dass der Mensch nur aus bilogischem Anbau ist, ohne göttliche Zutaten?

Die moralische Frage

Es spielt zwar keine Rolle bei der Frage nach der Existenz Gottes, aber kommen wir nun zum am Anfang des Artikels erwähnten Bodycounting zurück. Die Behauptung, dass religiöse Menschen moralischer als Atheisten seien, während Atheisten nur Unheil über die Welt gebracht hätten, ist einer der häufigsten Kritikpunkte an den Atheismus (“Ohne Gott ist jedes Verbrechen erlaubt”). Die Geschichte spricht aber auch nicht unbedingt für die Religionen: Unsere moderne, freie Gesellschaft des Westens wurde keineswegs von Priestern oder Päpsten geformt, sondern von Leuten, die sich gegen die Macht der Kirche auflehnten und deshalb sogar von ihnen bekämpft wurden.

Die Tatsache, dass im 20. Jahrhundert gerade Atheisten die schrecklichsten Verbrechen begangen, kann man nicht auf den Atheismus als Ganzes zuschieben. Denn der Atheismus ist lediglich die Ablehnung an den Glauben an ein höheres Wesen und kein einheitlicher Block mit Regeln und Vorschriften. Weder Hitler (der gar kein Atheist war) noch Stalin haben ihre Verbrechen mit dem Atheismus begründet, sondern mit ihren Ideologien, die oft sogar religiöse Züge trugen. Es gab auch keine atheistischen Terroristen oder andere gewalttätige Organisationen, die Verbrechen im Namen des Atheismus begangen haben. Dagegen haben religiöse Menschen sehr oft ihre Verbrechen mit ihrer Religion begründet.

Ein weiteres gern gehörtes Argument lautet: Religiöse Menschen sind glücklicher, gesünder und bekommen mehr Kinder als Atheisten. Atheismus würde sich also gar nicht lohnen. Auch dieses Argument spielt bei der Gottesfrage keine Rolle. Vince Ebert hat dies so formuliert: “Die Tatsache, das religiöse Menschen glücklicher sind als Atheisten, trägt genauso wenig zur Diskussion bei wie das betrunkene Menschen glücklicher sind als nüchterne”. Und natürlich können auch Atheisten ihr Leben (im Diesseits) genießen, ohne ein Versprechen auf postmortale Exkursionen.

Ist der Glaube an Gott wichtig?

Wenn Gott die Menschen nur nach ihren Taten beurteilt, ist es dann überhaupt notwendig, an Gott zu glauben? Wenn ein Atheist nun Hunderten Menschen das Leben retten würde, würde er dann trotzdem in die Hölle kommen, nur, weil er nicht an Gott geglaubt hat? Kann Gott den Atheisten wirklich übel nehmen, dass sie nicht an ihm glauben? Eine Sammlung von altmesopotamischen Märchen soll mich dazu bringen, einen Wanderprediger der vor 2000 Jahren lebte, als meinen Erlöser anzusehen? Sorry, Jahwe- zu viele Propheten, zu viele heilige Bücher, zu viele Leichenberge und zu wenig gute Ratschläge. Aber wenn es wirklich reicht, ein moralisches Leben zu führen, dann ist es doch unwichtig, ob man an Gott glaubt oder nicht. Atheisten müssen also kein schlechtes Gewissen haben, solange sie sich gut verhalten…

Zitate

“Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde” (Ludwig Feuerbach)

“Glauben heißt nicht wissen. Aber Religion heißt nichts wissen wollen.” (Erhard Blanck)

“Die Religion stützt sich vor allen und hauptsächlich auf die Angst.” (Bertrand Russell)

“Das ist der Grundgedanke: dass wir alle schlecht wären, hielten wir uns nicht an die christliche Religion. Mir scheint es, dass der größte Teil der Menschen, die sich daran gehalten hatte, außerordentlich schlecht war.”(Bertrand Russell)

“Religionen sind Schuldgefühle mit unterschiedlichen Feiertagen” (Vince Ebert)

5 Antworten to “Gibt es einen Gott?”

  1. Essener Says:

    Starker Tobak!

    Mir fehlen allerdings die Quellenangaben. Hier müsste noch gründlicher recherchiert werden. Ansonsten tiefgründig aber dennoch mit zwinkerndem Auge. Weiter so!

  2. Muharrem ersoy Says:

    Eine sehr interessante Sichtweise.

  3. Dr.Treznok Says:

    Das Problem sind ja nicht die Atheisten, sondern die Anti-Theisten. Die gerade heutzutage immer mehr zunehmende Religionsfeindlichkeit impliziert nicht nur Antisemitiismus. Deutschlands führende Organisation für Eugenik und Rassenhygiene – die Giordano-Bruno-Stiftung – macht ja vor allem mit Religionsfeindlichkeit Werbung und erhält dabei Zulauf vor allem aus der “linken” Szene – und das, obwohl Literaturvergleiche sofort nahelegen, dass die GBS kaum andere Ziele verfolgt als die NSDAP,. Selbst die Zielgruppe der zu Tötenden – Menschen mit Down-Syndrom, Spastiker oder Muskeldystrophiker – ist die gleiche. Das macht den Anti-Theismus gefährlich.

    • arprin Says:

      Deutschlands führende Organisation für Eugenik und Rassenhygiene – die Giordano-Bruno-Stiftung

      Ich stimme sicher nicht mit allem überein, was die GBS macht, aber ich habe dort noch nie etwas von Eugenik gelesen.

  4. basaran Says:

    Ich finde ein Unding Atheisten = Kommunisten und Nazis gleichzusetzen, denn fast alle Atheisten und Kommunisten wurden von den Nazis verfolgt.

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