Gleich zu Anfang werde ich die Frage beantworten, die für einen großen Teil der Menschheit eine zentrale Bedeutung in ihrem Leben hat und meine Zielgruppe erheblich einschränken könnte. Und zwar: Gibt es einen allmächtigen Schöpfer, der uns vom Himmel aus beobachtet und nach unserem Tod unseren weiteren Wohnort bestimmt (Himmel/Hölle/Nirvana)?
Wenn man darüber diskutiert, enden die Diskussionen meistens im kruden “Bodycounting”. Man vergleicht, wer mehr Menschen getötet hat, die Religiösen (Inquisitoren, Kreuzritter, Terroristen) oder die Atheisten (Kommunisten, Nazis). Und wer am Ende die meisten Tote “übrig hat”, hat verloren. Wie beim Uno-Kartenspiel. Meistens trifft es dann die Atheisten, denn wenn es um Todesopfer geht, kann keiner mit Hitler oder Stalin mithalten.
Doch dieser Diskussionsansatz ist völlig falsch, denn es spielt für die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht, überhaupt keine Rolle, wer mehr Menschen getötet hat. Die einzig wichtige Frage ist, ob man die Existenz Gottes wissenschaftlich beweisen kann. Es ist völlig unwichtig, ob religiöse Menschen immer die mit der besten Moral waren und Atheisten immer nur Böses über die Welt brachten. Das einzig wirklich Wichtige ist, das sich die Existenz Gottes- oder besser gesagt: der von Menschen gemachten Götter- bereits hundertprozentig wissenschaftlich widerlegen lässt. Ohne einen Blick in die Bibel oder den Koran zu werfen.
Hier sind die Gründe:
1. Das Existenz-Argument
Das Universum ist so unglaublich komplex, das es für viele Menschen kein Zufall sein kann. Dasselbe gilt für das Leben: wie können sich einzelne Atome zu so etwas Komplexem wie eine Zelle, einen Frosch oder gar Charlie Sheen zusammenformen? Es existieren so viele Dinge, die so unglaublich komplex sind, das es einen Schöpfer geben muss, denn das alles hätte sich nicht von alleine bilden können. Dies ist das “Ur-Argument” aller Religiösen: “Es kann nicht alles geben ohne Gott”, heißt es. Nun, egal ob Charlie Sheen oder das Universum, das Argument taugt zu gar nichts. Denn: Nur weil wir etwas nicht wissen, bedeutet das nicht, das Gott dahintersteckt. So ist der Glaube an Übernatürliches ja überhaupt erst entstanden: Ein Blitz schlägt ein, wir wissen nicht, warum, also war es ein Blitzgott. Wir hatten zu dieser Zeit einfach keine Möglichkeiten, nachzuforschen, wir konnten keine Daten aus Wolken sammeln und so den Prozess eines Blitzeinschlags genau erklären. Deswegen war es ein Gott (und irgendwann wurde aus diesen ganzen Göttern ein Gott).
Dasselbe gilt aktuell für das Universum und das Leben. Wir sind noch weit entfernt, zu erklären, wie beides entstanden ist. Also glauben wir an einen Gott. Im Klartext: Die Tatsache, dass wir keinen Beweis für etwas haben, ist für religiöse Menschen der Beweis für die Existenz eines übernatürlichen Schöpfers. Aber das ist Quatsch. Möglicherweise sind wir 100, 1.000 oder sogar 10.000 Jahre entfernt, das Leben und das Universum zu erklären, vielleicht werden wir es nie genau wissen. Aber eins wissen wir schon jetzt: Es war kein Gott, denn dafür gibt es und hat es auch nie irgendwelche wissenschaftliche Beweise gegeben.
Außerdem stellt sich eine viel wichtigere Frage: Wenn es einen Gott gibt, woher wissen wir, wer der richtige ist? Wie können wir annehmen, dass der Schöpfer des Universums automatisch auch unser Gott ist? Somit kommen wir zur Nummer 2.
2. Das Religionen-Argument
Wohin führt Wissenschaft und wohin führt Religion?
Es gibt und gab auf der Erde schon immer eine Unsumme an Religionen, Kulten und anderen Welterklärungen und Lebenssinnspender für Arme. Christentum, Islam oder Hinduismus sind da nichts besonderes, aber sie haben die meisten Anhänger, genauso wie Facebook, Twitter und StudiVZ nicht die einzigen sozialen Netzwerke sind, aber die mit den meisten Mitgliedern. Aber: Woher wissen wir, wer die richtige Religion hat? Die Antwort für viele lautet: Wir haben alle denselben Gott, nur mit verschieden Namen. Schauen wir mal nach: Christen, Muslime und Juden haben einen Gott, die Hindus haben mehrere hundert Gottschaften, die Buddhisten und Konfuzianer haben gar keinen Gott- und das soll alles der selbe Gott sein? Für wie dumm halten sie die Menschen?
Und wie sieht es mit den heiligen Schriften aus? Hat einer schon mal die Veden (heilige Schriften der Hindus) mit dem Koran und der Bibel verglichen? Wenn wir alle denselben Gott haben, warum lässt Gott dann zuerst seinen “Sohn” auf die Erde schicken, der die Menschheit erlösen soll, nur um dann 600 Jahre später seinen “einzig wahren Propheten” loszulassen, die beide jeweils eine verschiedene Religion gründen und dessen Anhänger sich dann auch noch jahrhundertelang gegenseitig bekämpfen? War er mit dem Werk von Jesus nicht zufrieden und hat deshalb Mohammed geschickt? Aber was ist dann mit den Hindus, Buddhisten, Konfuzianer, Taoisten und Shintoisten? Spätestens jetzt sollte diese schöne Illusion gestorben sein. Es ist entweder so, das nur einer Recht hat, oder alle liegen falsch. Das zweite ist wahrscheinlicher.
Da alle Völker, Stämme und Sippen irgendwann religiöse Gefühle entwickeln, ist es offensichtlich, dass Religion nichts weiter als ein menschliches Bedürfnis ist. Nichts weiter. Und nicht nur das- denn nicht nur Religionen sind nichts besonderes, sondern auch der Mensch. Somit kommen wir zur Nummer 3.
3. Das Erde/Mensch-Argument
Das Universum besteht aus Hunderten Milliarden Galaxien mit noch mehr Planeten. Unser Sonnensystem ist überhaupt nichts Besonderes und die Erde sowieso nicht. Warum sollte Gott also so viel Platz im Universum schaffen, um sich so einen kleinen, ja winzigen Planeten auszusuchen, wo er seine Propheten hinschickt? Was noch skeptischer macht ist jedoch die Tatsache, dass der Mensch in der 4,6 Milliarden Jahre Geschichte der Erde erst vor rund 40.000 Jahren aufgetaucht ist. Das sind rund 0,001% der Erdgeschichte. Der Mensch ist also in 99,999% der Erdgeschichte gar nicht dagewesen. Wenn Gott den Menschen “nach seinem Ebenbild” schuf, warum hat er dann so viel Zeit damit vergeudet, Bakterien, Fische, Dinosaurier, Säbelzahntiger und Affen bei ihrer Entwicklung zuzusehen? Kann es nicht doch sein, dass der Mensch nur eine ganz normale Säugetierart ist, ohne göttliche Zutaten?
Die moralische Frage
Atheisten aus der Sicht von religiösen Fundamentalisten
Es spielt zwar keine Rolle bei der Frage nach der Existenz Gottes, aber oft wird auch, um die Existenz Gottes zu belegen, die moralische Karte gespielt. Religiöse Menschen stehen moralisch über Atheisten, die Bibel und der Koran haben den Menschen ethisches Verhalten beigebracht, Atheisten dagegen hätten nur Unheil über die Welt gebracht (z.B. Hitler, Stalin). Außerdem seien religiöse Menschen glücklicher und sogar gesünder als Atheisten.
In Wahrheit haben wissenschaftliche Studien bereits gezeigt, dass religiöse Menschen keine höhere Moral haben als Atheisten. Dies ist ein weit verbreiteter Irrtum. Die Bibel und der Koran haben die Menschen keinesfalls ethisches Verhalten beigebracht. Die Wahrheit ist, dass desto mehr Macht Religion in der Politik und der Gesellschaft hatte, desto weniger Frieden und Freiheit gab es. Die Kirche benutzte Religion als eine politische Ideologie, sie versklavte quasi den Großteil der Bevölkerung, die Bauern, und hatte keinen Skrupel, bei Widerstand Gewalt anzuwenden (Inquisition, Ketzer, Hexenverfolgungen). Unsere aktuelle Gesellschaft wurde keineswegs von Priestern oder Päpsten geformt, sondern von Leuten, die sich gegen die Macht der Kirche auflehnten und deshalb sogar von ihnen bekämpft wurden, wie z.B. Martin Luther, Voltaire oder Immanuel Kant.
Es gab keinen gesellschaftlichen Fortschritt, der nicht von der Kirche bekämpft wurde: Religionsfreiheit, Demokratie, Emanzipation, Säkularismus usw. Die islamische Welt dagegen hat nie den Prozess der Aufklärung erlebt, was dazu führte, das sie der westlichen Welt bis heute politisch, wirtschaftlich, militärisch und kulturell unterlegen ist. Die Tatsache, dass im 20. Jahrhundert gerade Atheisten die schrecklichsten Verbrechen begangen, kann man wahrlich nicht auf den Atheismus als Ganzes zuschieben. Denn der Atheismus ist im Gegensatz zu den vielen verschiedenen Religionen kein einheitlicher Block mit Regeln und Vorschriften, sondern lediglich die Ablehnung an den Glauben an ein höheres Wesen. Mehr als das eint die Atheisten nicht mehr. Hitler war in erster Linie Nationalsozialist und Stalin Kommunist, beide haben ihre Verbrechen nicht mit dem Atheismus begründet, sondern mit ihren Ideologien, die oft sogar religiöse Züge trugen. Es gab auch keine atheistischen Terroristen oder andere gewalttätige Organisationen, die Verbrechen im Namen des Atheismus begangen haben. Dagegen haben religiöse Menschen sehr oft ihre Verbrechen mit ihrer Religion begründet.
Der “Kreuzzug” der neuen Atheisten
Bleibt nur die Frage, ob religiöse Menschen wirklich glücklicher und gesünder sind als Atheisten. Das ist wohl zutreffend, denn im Gegensatz zu religiösen Menschen glauben Atheisten nicht an ein Leben nach dem Tod und damit auch nicht, dass sie ihre Verwandten nach ihrem Ableben jemals wiedersehen können. Außerdem bekommen Atheisten prozentuell weniger Kinder als religiöse Menschen und sterben sogar früher. Doch beides spielt letztlich keine Rolle, denn auch Atheisten können ihr Leben (im Diesseits) genießen ohne ein Versprechen auf postmortale Exkursionen. Oder, um es mit den Worten von Vince Ebert auszudrücken: “Die Tatsache, das religiöse Menschen glücklicher sind als Atheisten, trägt genauso wenig zur Diskussion bei wie das betrunkene Menschen glücklicher sind als nüchterne”. Und religiöse Menschen haben hauptsächlich deshalb mehr Kinder, weil sie nun mal oft in den ärmeren Schichten am stärksten vertreten sind, während Akademiker und Intellektuelle viel öfter Atheisten sind. Desto gebildeter und wohlhabender, desto mehr Sicherheit und Freiheit es in einem Land gibt, desto mehr Menschen sind Atheisten. Deswegen leben die meisten Atheisten ja auch in Ländern wie Deutschland, Frankreich oder England und nicht in Brasilien, Mexiko oder Nigeria.
Ich frage mich auch: Warum ist es notwendig, an Gott zu glauben, wenn Gott doch die Menschen nach ihrem Verhalten beurteilt? Wenn ein Atheist nun Hunderten Menschen das Leben retten würde, würde er dann trotzdem in die Hölle kommen, nur, weil er nicht an Gott geglaubt hat? Ich dachte, Gott sei gnädig? Dann sollte man Atheisten auch keine wortwörtliche “Höllen-Angst” einjagen, sondern sie nur nach ihren Taten beurteilen. Dann könnten Atheisten, falls es einen Himmel gibt, ja auch hinein.
Kann Gott den Atheisten wirklich übel nehmen, dass sie nicht an ihm glauben? Eine Sammlung von altmesopotamischen Märchen soll mich dazu bringen, einen Wanderprediger der vor 2000 Jahren lebte, als meinen Erlöser anzusehen? Sorry, Jahwe- zu viele Propheten, zu viele heilige Bücher, zu viele Leichenberge und zu wenig gute Ratschläge. Aber wenn es wirklich reicht, ein moralisch gutes Leben zu führen, dann ist es doch unwichtig, ob man an Gott glaubt oder nicht. Atheisten müssen also kein schlechtes Gewissen haben, solange sie sich gut verhalten…
Das Höhlengleichnis von Platon
Das Höhlengleichnis von Platon
… wird von Religiösen oft benutzt, um die Haltung von Atheisten zu erklären. Wikipedia schreibt dazu:
“Platon beschreibt einige Menschen, die in einer unterirdischen Höhle von Kindheit an so festgebunden sind, dass sie weder ihre Köpfe noch ihre Körper bewegen und deshalb immer nur auf die ihnen gegenüber liegende Höhlenwand blicken können. Licht haben sie von einem Feuer, das hinter ihnen brennt. Zwischen dem Feuer und ihren Rücken befindet sich eine Mauer. Hinter dieser Mauer werden Bilder und Gegenstände vorbeigetragen, die die Mauer überragen und Schatten an die Wand werfen. Die „Gefangenen“ können nur diese Schatten der Gegenstände wahrnehmen. Wenn die Träger der Gegenstände sprechen, hallt es von der Wand so zurück, als ob die Schatten selber sprächen. Da sich die Welt der Gefangenen ausschließlich um diese Schatten dreht, deuten und benennen sie diese, als handelte es sich bei ihnen um die wahre Welt.
Platon (bzw. Sokrates) fragt nun, was passieren würde, wenn man einen Gefangenen befreien und ihn dann zwingen würde, sich umzudrehen. Zunächst würden seine Augen wohl schmerzlich vom Feuer geblendet werden, und die Figuren würden zunächst weniger real erscheinen als zuvor die Schatten an der Wand. Der Gefangene würde wieder zurück an seinen angestammten Platz wollen, an dem er deutlicher sehen kann.
Weiter fragt Platon, was geschehen würde, wenn man den Befreiten nun mit Gewalt, die man jetzt wohl anwenden müsste, an das Sonnenlicht brächte. Er würde auch hier zuerst von der Sonne geblendet werden und könnte im ersten Moment nichts erkennen. Während sich seine Augen aber langsam an das Sonnenlicht gewöhnten, würden zuerst dunkle Formen wie Schatten und nach und nach auch hellere Objekte bis hin zur Sonne selbst erkennbar. Der Mensch würde letztlich auch erkennen, dass Schatten durch die Sonne geworfen werden.
Erleuchtet würde er um keinen Preis sein altes Leben in der Höhle wiederaufnehmen wollen und wenn er es doch täte, über seine Erkenntnisse berichten. Da sich seine Augen nun jedoch umgekehrt erst wieder an die Dunkelheit gewöhnen müssten, könnte er (zumindest anfangs) die Schattenbilder nicht erkennen und gemeinsam mit den anderen deuten. Aber nachdem er die Wahrheit erkannt habe, würde er das auch nicht mehr wollen. Seine Mitgefangenen nähmen ihn als Geblendeten wahr und schenkten ihm keinen Glauben: Man würde ihn auslachen und „von ihm sagen, er sei mit verdorbenen Augen von oben zurückgekommen“. Damit ihnen nicht dasselbe Schicksal zukäme, brächten sie von nun an jeden um, der sie „lösen und hinaufbringen“ wollte.”
Radikale Atheisten im Vergleich
Für einen Religiösen ist die Sache klar: ein Atheist ist jemand, der an einer Höhle festgekettet ist und nur das glaubt, was er selbst sieht, während er Dinge, die über seinen Erklärungsgrad liegen, einfach nicht wahrhaben will und deshalb sogar Menschen verfolgt, die etwas anderes behaupten (die Märtyrer). In Wahrheit ist das aber ein krasser Denkfehler: Ein Religiöser würde, wenn er in der Höhle ist, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Gottheit erfinden, die ihm alles erklärt: die Höhle wäre von Gott für ihn und seine Glaubensanhänger geschaffen worden, die Schatten wären die Verkünder Gottes und außerhalb der Höhle sei der Himmel, den nur Gottes Gläubige betreten würden.
Der Atheist dagegen hätte nur das geglaubt, was er gesehen hätte, was bedeutet, dass er keinen Gottesglauben hätte. Was außerhalb der Höhle ist, hätte er schlicht im Dunkeln lassen müssen, da er es nicht wissen konnte. Wenn sie die Höhle verlassen hätten, hätte der Atheist alles neu erforscht und Theorien aufgestellt, wie die Welt nun wirklich funktioniert. Der Religiöse dagegen hätte sofort seinen Glauben zerstört gesehen, denn alles, was er sich in der Höhle eingebildet hätte, wäre nun widerlegt. Deshalb ist das Höhlengleichnis Platons in Wirklichkeit ein Plädoyer für den Atheismus als gegen ihn.
Vince Ebert über Gott:
Fußball und Religion
“Fußball und Religion haben verblüffende Gemeinsamkeiten. Ihre Anhänger entscheiden sich in einer Lebensphase, in der sie jung, unerfahren und schlecht informiert sind. Dann ist für jeden ernsthaften Fan der jeweilige Verein für alle Zeiten heilig. Ohne jedoch zu realisieren, dass die Entscheidung ob Bayern oder Schalke, ob Islam oder Judentum mehr mit dem Breiten- als mit dem Wahrheitsgrad zu tun hat. Während der heiligen Messe – beim Fußball auch „Spiel“ genannt – stärkt man das Gemeinschaftsgefühl durch das Absingen von Liedern, die von Generation zu Generation überliefert wurden. Das berühmte „Ole Ole Oleee“ entspricht hierbei dem „Großer Gott wir loben Dich“. In der Bibel hieß es: Und er scharte 12 Apostel um sich. Im Fußball: 11 Freunde sollt ihr sein.
In jedem Club gibt es eine Handvoll Fanatiker, die vor den Kathedralen bzw. Stadien Glaubenskriege führen, indem sie sich gegenseitig die Birne einhauen. Kern der ganzen Idee ist ein immaterielles Wesen, das die jeweiligen Anhänger als „Gott“ bezeichnen. Bei den Germanen hatte der Fußballgott sogar einen Namen: Thor.
Glaubt man den Aussagen der Bibel, so hat Gott sechs Tage gebraucht, um die Welt zu erschaffen. Das Licht wurde jedoch erst am vierten Tag erfunden. Das bedeutet, dass der alte Herr im Himmel die ersten drei Tage im Dunkeln gearbeitet hat. Und nicht wenige behaupten, er habe in dieser Zeit Regionen wie Niederbayern oder Ostwestfalen erschaffen.
Wissenschaftler haben dagegen errechnet, dass bereits 10-43 Sekunden nach dem Urknall alle Naturgesetze feststanden. Wenn es also wirklich ein Schöpfer war, das alles erschaffen hat, dann hat er direkt nach dem Big Bang seinen Laden dichtgemacht und ist nach Hause gegangen. Das Schlimmste, was man über Gott sagen kann ist also nicht, dass er böse, zynisch oder gefühllos sein könnte, sondern dass er so wenig aus seinem Talent gemacht hat.
Jahrhundertelang gingen die größten Denker wie selbstverständlich davon aus, dass es einen Schöpfer geben muss. Die Idee, dass das alles völliger Unsinn sein könnte, ist ziemlich neu. Noch vor 200 Jahren wurde jeder ernstzunehmende Wissenschaftler, der die Existenz Gottes leugnete, als abgedrehter Spinner bezeichnet. Heute ist Gott für viele aufgeklärte Köpfe allenfalls ein tschechischer Schlagersänger. Der Atheismus breitet sich immer mehr aus. Gott ist tot. Die Polizei glaubt, es steckt ein Existenzialist dahinter. Oder wie Woody Allen bemerkte: Es gibt nicht nur keinen Gott, sondern versuch’ mal am Wochenende einen Klempner zu kriegen.
Trotzdem sind wir von Natur aus zum Glauben verdammt. Warum, ist klar. Der Mensch ist wahrscheinlich das einzige Lebewesen, dass sich seiner Vergänglichkeit bewusst ist. Mit diesem Bewusstsein entsteht fast automatisch der Hunger nach Unsterblichkeit. Doch wir alle werden sterben. Und das ist erst mal eine bodenlose Frechheit. Dabei hätte alles ganz anders kommen können. Bevor Adam im Paradies die Frucht des ewigen Lebens essen konnte, hat er sich nämlich von Gott erwischen lassen während er vom Baum der Erkenntnis aß. Deswegen sind wir intelligent aber sterblich. Umgekehrt wären wir unsterblich aber doof. Eine nicht ganz uncharmante Alternative.
Die Hand Gottes
Tatsächlich existiert kein einziger schlagkräftiger Beweis, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Der buddhistische Lama Ole Nydahl ist da ganz anderer Meinung: „Wenn du Dich auf eine Party in einen Sessel setzt und jemand kommt und setzt sich drauf, dann weißt du, dass du tot bist.“ Bedauerlicherweise ist der Nydahlsche Sessel-Test unter Experimentalphysikern bisher noch nicht anerkannt.
Wer dennoch sicher ist, dass „danach“ irgendetwas existiert, glaubt an eine Gewissheit, die alles andere als gewiss ist. Man schließt quasi eine Versicherung im Diesseits gegen Feuer im Jenseits ab. Früher machte das noch Sinn. Im Mittelalter hatte man eine Lebenserwartung von 40 Jahren plus Ewigkeit. Heute haben sie eine von 80 Jahren plus Nix. Schön ist das nicht.
Dennoch sind sogar viele Nichtgläubige der Auffassung, wenn herauskommt, dass es keinen Gott gibt, wäre der Teufel los. Ohne Glauben, so sagen sie, würde die öffentliche Ordnung den Bach runtergehen und die Menschen würden Amok laufen. Aber schon heute laufen ja genug Leute Amok, gerade weil sie an Gott glauben. Ich denke, es könnte kaum schlimmer kommen.
Macht der Glaube an Gott die Menschen wenigstens frei? Abraham hörte die Stimme des Herrn, die ihm befahl, seinen Sohn zu töten. Abraham denkt: Naja, wenn der das sagt, muss es schon seinen Grund haben. Unsere erste philosophische Frage an Abraham sollte lauten: „Bist du bescheuert??? Da behauptet jemand, er wäre Gott, erteilt Dir einen aberwitzigen Befehl und Du fragst noch nicht mal nach seinem Personalausweis?“
Alle Religionen versichern uns, dass, wenn wir bestimmte Rituale verrichten, Gebete wiederholen, uns an Normen anpassen, unsere Leidenschaften, Triebe, Gedanken und Wünsche unterdrücken, dass wir dann etwas Wunderbares jenseits dieses bedeutungslosen Lebens finden werden. Das ist Quatsch. Der Glaube und die Hoffnung auf das Jenseits macht nicht frei. Im Gegenteil. Wenn überhaupt etwas frei macht, dass ist es die Loslösung von dem absurden Gedanken, dass danach irgendetwas auf uns wartet. Oder dass irgendjemand irgendetwas von dort oben kontrolliert, regelt und ordnet. Der Glaube an Gott macht nicht frei. Er ist in Wirklichkeit eine subtile Form von Abhängigkeit. Wenn es überhaupt so etwas wie innere Freiheit gibt, dann nur, wenn wir keinem Gott hinterherrennen.
Ein Mann steht an den Niagarafällen. Plötzlich rutscht er aus und kann sich gerade noch an einer dünnen Wurzel festhalten. In dem Moment teilen sich die Wolken, ein Lichtstrahl scheint auf ihn und eine tiefe Stimme tönt: Ich, der Herr, bin hier! Lass die Wurzel los und ich werde dich retten! Der Mann überlegt kurz und ruft dann: Ist noch jemand anderes da oben…?
Wir kreisen um einen unbedeutenden Stern, der sich am Rand einer unbedeutenden Galaxie befindet. Ein kosmologisches System, dass so empfindlich und instabil ist, dass es jederzeit explodieren könnte. Ein ziemlich unbehaglicher Gedanke, vor allem, wenn man gerade die Anzahlung für ein Haus geleistet hat. In der 14 Milliarden Jahre alten Weltgeschichte gibt es uns gerade mal mickrige 200.000 Jahre. Aus wissenschaftlicher Sicht ist der homo sapiens sapiens ein Krümel kosmischer Staub im Materialwert von etwa zwei Euro achtzig. Wahrscheinlich ist genau diese Tatsache der Grund, weshalb wir uns so sehr nach einem Leben nach dem Tod sehnen. Es ist das unerträgliche Gefühl, sinnlos und unwichtig zu sein.
Doch genau die Akzeptanz der tiefen metaphysischen Sinnlosigkeit unserer Existenz schafft den Freiraum zur individuellen Sinnstiftung. Der Philosoph Michael Schmidt-Salomon schreibt dazu: „Nur in einem an sich sinnlosen Universum genießt der Mensch das Privileg, den Sinn des Lebens aus seinem Leben selbst zu schöpfen. Sprich: Der Sinn des Lebens liegt eben nicht im Übersinnlichen, sondern im Leben selbst. Freiheit durch Sinnlosigkeit.“
Einen großen Nachteil allerdings hat diese Lebensphilosophie: Der Atheist hat keinen Namen, der er auf dem Höhepunkt sexueller Ekstase hinausschreien könnte.”
Zitate
“Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde”(Ludwig Feuerbach)
“Glauben heißt nicht wissen. Aber Religion heißt nichts wissen wollen.” (Erhard Blanck)
“Die Religion stützt sich vor allen und hauptsächlich auf die Angst.”(Bertrand Russell)
“Das ist der Grundgedanke: dass wir alle schlecht wären, hielten wir uns nicht an die christliche Religion. Mir scheint es, dass der größte Teil der Menschen, die sich daran gehalten hatte, außerordentlich schlecht war.”(Bertrand Russell)
“Religionen sind Schuldgefühle mit unterschiedlichen Feiertagen”(Vince Ebert)
siehe auch: www.bibelkritik.ch- hier können sie lesen, worauf Religionen sich wirklich begründen: auf Angst, Misstrauen (die Furcht vor der Hölle) sowie Schuld und Selbstzweifel (der Mensch ist immer schlecht, Gott ist immer gut).








März 13, 2011 um 14:32 |
Starker Tobak!
Mir fehlen allerdings die Quellenangaben. Hier müsste noch gründlicher recherchiert werden. Ansonsten tiefgründig aber dennoch mit zwinkerndem Auge. Weiter so!
März 14, 2011 um 15:39 |
Eine sehr interessante Sichtweise.