Definition des “modernen Antisemitismus”- oder: Warum die Welt Israel so sehr hasst

Man kann Antisemitismus eigentlich leicht erklären:

Vor nicht allzu langer Zeit forderten Mitglieder der Linken einen Boykott israelischer Waren. Und wie erst jetzt herauskam, verteilten Sie in Flugblättern auch Hass-Propaganda gegen Israel und Juden. Das zeigt auf erschreckende Weise, das der Antisemitismus, diese barbarische, menschenzerfressende Ideologie und Mutter aller Paranoia, keineswegs ein der Vergangenheit angehörendes Phänomen ist.

Es gibt wohl nur zwei Dinge auf der Welt, die Menschen verschiedener Völker, Religionen und Ideologien überall auf der Welt eint: Die Leidenschaft zum Fußball und zum Antisemitismus. Wie kaum eine andere Konstante zieht sich der Hass auf Juden durch die Geschichte hindurch. Doch wie kann es sein, das eine so kleine Gemeinschaft immer wieder zum Opfer von Pogromen, Diffamierungskampagnen oder Weltverschwörungstheorien wird? Sogar Menschen, die Großartiges für unsere Kultur geleistet haben, wie Martin Luther oder Henry Ford, waren radikale Antisemiten.

Die Frage, warum es immer Juden trifft, wurde schon so oft diskutiert, das dieses Forschungsfeld (Antisemitismusforschung) ein eigener Berufsstand geworden ist. Es stellt sich sogar oft die Frage, ob einzelne Positionen von Menschen wirklich als “Antisemitismus” bezeichnet werden können (siehe auch Henryk M.Broder dazu). Es geht hier nicht darum, die “Antisemitismuskeule” zu schwingen oder einfach nur Mitleid mit Juden zu erzeugen, sondern der Frage nachzugehen, warum es so viele Menschen auf der Welt angeht, wenn Juden etwas tun, was ihnen nicht gefällt.

Israel-Boykott, 2006…

Um uns ein Bild von dem zu machen, wovon wir reden, sollten wir den Begriff Antisemitismus erst einmal definieren: Antisemitismus bedeutet, dass man Juden weniger leiden kann als wirklich notwendig. Aber es bedeutet auch, dass man Juden für irgendwie “anders” hält. Über jedes Volk auf der Welt- seien es nun Italiener, Engländer, Chinesen oder Japaner- gibt es Vorurteile. So auch über Juden. Aber beim Antisemitismus handelt es sich nicht einfach nur um Vorurteile, sondern um Ressentiments. Der Antisemit stellt den Juden vor einer “No-Win”-Situation: Wenn Juden sich integrieren, gelten sie als “Parasiten” in der Gesellschaft, wenn sie sich nicht anpassten, gelten sie als “Fremde”. Waren sie reich, galten sie als Ausbeuter, waren sie arm, galten sie als Schmarotzer.

… und Juden-Boykott, 1933

Als nächstes sollten wir uns die geografischen Verbreitung anschauen: Wo ist Antisemitismus “zuhause”? Bis auf einige Ausläufer in China und Japan findet man Antisemitismus eigentlich nur in Ländern, wo es einen großen Anteil von Christen oder Muslimen gibt, also in Europa, im Nahen Osten sowie in Nord- und Lateinamerika und Australien. Dagegen spielt es scheinbar keine Rolle, wie viele Juden in einem Land leben- den Antisemitismus kann es auch ohne Juden geben. Die meisten Antisemiten haben vermutlich noch nie einen Juden getroffen und hassen sie trotzdem.

Vom religiösen “Antijudaismus” zum “Antisemitismus”

Obwohl es sich anfangs um eine jüdische Sekte handelte, spaltete sich das Christentum spätestens nach dem Brand des Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n.Chr. ab und wurden eine eigene Religionsgemeinschaft. Als solche hatten sie durchschlagenden Erfolg in Europa. Die Juden dagegen blieben in ihrer ursprünglichen Heimat und kämpften für Jahrzehnte um ihre Unabhängigkeit im Römischen Reich. Alleine beim “Großen Jüdischen Krieg (66-70)” wurden nach Angaben vom Historiker Josephus 1,1 Millionen Juden getötet (nach Angaben von Tacitus sogar 6 Millionen, aber dies ist sicher eine übertriebene Schätzung).

Durch die sogenannte “Diaspora”, der Zerstreuung der Juden, verloren die Juden für Jahrhunderte eine Heimat und wurden überall, wo sie lebten, zur Minderheit. Das förderte den Antisemitismus genauso wie die Tatsache, dass die Juden ihren Glauben nicht abschwören wollten und an ihre eigenen Sitten und Gebräuchen festhielten. War der Antisemitismus am Anfang noch eine rein christliche Angelegenheit, so wurde er ziemlich schnell auch von den Muslimen übernommen, die die Juden in ihren Herrschaftsgebieten als “Dhimmis” behandelten, das heißt als Bürger zweiter Klasse. Es entstanden Legenden, wonach die Juden Brunnen vergiften oder christliche Kinder töten würden, um ihr Blut zu trinken. Judenfeindliche Gesetze waren an der Tagesordnung und es kam nicht selten in der Geschichte Europas und des Islams zu blutigen Pogromen mit Hunderten oder Tausenden Toten, wie z.B. während der Kreuzzüge, der Pestepidemie in den Jahren 1347-1351 oder der spanischen Inquisition.

Hauptursache für den Antijudaismus waren also religiöse Gründe. Doch wie eh und je gab es auch wirtschaftliche Gründe: So wurde den Juden vorgeworfen, Wucherer zu sein. Ob nun die Ritualmordlegende, der Wucherer-Mythos oder die Pest: Die Juden waren immer die Sündenböcke, wenn etwas Schlechtes passierte. Wie viele Menschen durch den Antijudaismus getötet wurden, ist schwer einzuschätzen. Aber die Zahl lag sicher bei mehreren Hunderttausenden.

Während des 18. und des 19.Jahrhunderts besserte sich die Lage der Juden. Im Zuge der Französischen Revolution bekamen die Juden in Frankreich im Jahre 1791 dieselben Rechte wie Nicht-Juden. Später wurde dies auch in Preußen durchgesetzt. Der Einfluss von Religionen ging im 19.Jahrhundert in Europa stark zurück, so auch  der Antijudaismus. Für die Juden war dieses Jahrhundert das Jahrhundert der sogenannten “Judenemanzipation”.

Die Zeiten änderten sich. Und damit auch die Bedürfnisse der Menschen. Aber eines blieb immer da: Die Suche nach einem Sündenbock. Da es nun aus der Mode gekommen war, mit der “Gottesmordtheorie” gegen Juden zu hetzen, entstand der Antisemitismus. Anstatt zu verschwinden, reformierte sich der Judenhass und kam stärker zurück als je zuvor.

Die Mutter aller Weltverschwörungen

Manifest des Hasses: Die “Protokolle der Weisen von Zion”

Im Jahre 1905 erschien die “Bibel” des Antisemitismus. Dieses legendäre Hass-Pamphlet ist bis heute die geistige Grundlage aller jüdischen Weltverschwörungstheorien und gleichzeitig auch die Geburtsstunde des Antisemitismus. Zu dieser Zeit gab es gerade in Europa gewaltige Veränderungen in nahezu allen Bereichen: Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaften. Dies hatte auch psychologische Folgen für die Menschen in Europa. Viele konnten sich die ganzen Veränderungen und damit einhergehende Probleme nicht erklären. Bis die Protokolle kamen.

Die Protokolle beschreiben eine Verschwörung des sogenannten “Weltjudentums“. Die sogenannten “Weisen von Zion” planen, alle Regierungen auf der Welt zu unterwandern und damit die Weltherrschaft zu übernehmen. Um diese Pläne zu verwirklichen, würden sie

-Kriege und Revolutionen entfesseln
-die Presse unterwandern, um die öffentliche Meinung zu manipulieren
-Wirtschaftskrisen inszenieren, mit der Folge, das Nationalstaaten und die Reste nationaler Wirtschaft geschwächt werden. Letztlich können sie nur im internationalen Wirtschaftsgeflecht aufgefangen werden und weiterbestehen.
-Verbreitung von Krankheiten

Sogar der Antisemitismus würde von den Weisen von Zion erschaffen, denn der „ist für sie notwendig, um ihre Brüder aus den unteren Kreisen zusammenzuhalten”.

Das die Protokolle falsch waren, war nicht sonderlich schwer zu erkennen. Sie waren von der satirischen Schrift “Dialogue aux enfers entre Machiavel et” („Gespräche in der Unterwelt zwischen Machiavelli und Montesquieu“), in der der französische Kaiser Napoleon III. kritisiert wurde, inspiriert und wurden an vielen Stellen einfach abgeschrieben. Statt Napoleon III. hieß es nun die Juden.

Bis heute ist es so, das die Protokolle von ihren Anhängern so interpretiert werden, das es nicht darauf ankommt, ob sie echt sind, sondern nur darauf, ob das, was in den Protokollen steht, aktuell passiert oder nicht. Für sie ist es klar, das die aktuellen Ereignisse auf der Welt der “Beweis” sind, dass die Protokolle “umgesetzt” würden. Aber: Kriege gab es schon immer, genauso wie Krankheiten und Wirtschaftskrisen. Und das Gerede um die “jüdische Weltpresse”, das mit dem Gerede um die sogenannte “Israel-Lobby” wiederbelebt wurde, ist einfach schwachsinnig. In den Medien wurden Juden oder Israelis nie verschont.

Der Antisemitismus entnahm alle seine modernen Märchen über Juden von den Protokollen. Insofern kann man sagen, das dieses Buch wohl das Buch ist, dass die meisten Menschenleben kostete, vergleichbar mit “Das Kommunistische Manifest” und “Mein Kampf”.

Der “moderne” Antisemitismus

Nach dem Holocaust war die Zeit vorbei, in dem man seinen Antisemitismus einfach so ausleben konnte. Sechs Millionen ermordete Menschen innerhalb von vier Jahren (1941-1945) waren so grausam für die Menschen, dass der “klassische” Antisemitismus (1880-1945) ausstarb. Aber: Nur der klassische. Kein Mensch konnte nun mehr öffentlich von sich sagen “Ich bin ein Antisemit”, aber mit rasender Geschwindigkeit kehrte der Antisemitismus zurück, und zwar in einer subtilen Form: dem “Antizionismus” und der “Israelkritik”.

Der “moderne” Antisemitismus offenbart sich im radikalen Hass gegen Israel. Für Antisemiten ist Israel “der Jude unter den Staaten” wie der französische Historiker Leon Poliakov es treffend beschrieb. Deswegen ist es kein Wunder, das Israel das wohl meist gehasste Land der Welt ist, noch vor den USA. Wie man hier sieht, bekam Israel von der UNO zusammengerechnet 145 Resolutionen, mehr als alle drei Staaten, die danach folgen: Sudan, DR Kongo und Somalia (dabei ist Israel so klein, das man es in der Landkarte nicht erkennen kann). Kein Land auf der Welt wird von der UNO so ungerecht behandelt, kein Land wird so oft “boykottiert”, kein Land wird von den internationalen Medien so dämonisiert wie Israel.

Natürlich ist Kritik am Staate Israel völlig legitim und in keinster Weise antisemitisch. Aber es gibt einen Unterschied zwischen der Kritik an der Politik des Staates Israel und dem, was Antisemiten darunter verstehen. Um es kurz zusammenzufassen: Wer wirklich ausgewogen über den israelisch-palästinensischen Konflikt berichtet, der bringt keine Vergleiche zwischen der aktuellen Politik Israels und der der Nazis (bzw. Gaza mit dem Warschauer Ghetto) oder der Apartheid in Südafrika, der ruft nicht zum Boykott israelischer Waren auf, der kritisiert nicht nur ausschließlich die Israelis, sondern auch mal die Palästinenser und deren friedenshindernde Politik und vor allem interessiert er sich auch mal für andere Konflikte in der Welt, die um ein vielfaches mehr Menschenleben fordern.

Unter diesen Gesichtspunkten hat leider ein Großteil der “Israelkritiker” antisemitische Motive. Der Konflikt zwischen dem jüdischen Staat und den Palästinensern wurde zu einer Herzensangelegenheit für alle die, die sich von ihrer empfundenen “Schuld” reinwaschen wollten. Kein anderer Konflikt bekam dieselbe überragende Stellung in den internationalen Medien, auch nicht die Konflikte zwischen Palästinensern und anderen arabischen Staaten, bei denen weitaus mehr Menschen zu Tode kamen als bei den Konflikten mit den Israelis. Die Antisemiten wissen das natürlich und fantasieren von einer ominösen “Antisemitismuskeule (wahlweise auch “Auschwitzkeule”), mit der angeblich jede Kritik an Israel mit dem Vorwurf des Antisemitismus abgeschmettert wird und Israelkritiker “mundtot” gemacht werden. Der Antisemitismusvorwurf werde angeblich als “politische Waffe” benutzt.

Der “Antizionismus”

Beim “Antizionismus”, der politisch korrekten, linken Variante des Antisemitismus, handelt es sich wohl um die modernste aller Formen des Antisemitismus. Der Übergang zwischen beiden ist fließend und nicht mehr zu unterscheiden. Die Vorstellung, das der Zionismus eine “faschistische Ideologie” wäre, ist völlig absurd, der Zionismus ist nichts weiter als eine jüdische Nationalbewegung. Aber dass das die Antisemiten anders sehen, war klar, denn sie sehen in der Vorstellung jüdischer Selbstbestimmung natürlich eine weitere “Verschwörung” der Juden gegenüber Nicht-Juden.

Der Antizionist hat die gleiche Einstellung zu Israel wie der Antisemit zum Juden: Er stört sich nicht daran, was Israel macht oder unterlässt, sondern daran, dass es Israel gibt. »Feind der Welt«, »Feind der Menschen«, »blutrünstige und machtgierige Bastion gegen die Völker«, »Sinnbild alles Bösen«, »Garten des Bösen«. Drei Zitate sind von modernen antizionistischen Linken, zwei von Hitler und Goebbels. Die Zuordnung fällt schwer. Dies zeigt, wie kurz dieser Weg vom »Antiimperialismus der dummen Kerls« (Isaak Deutscher) zum Antisemitismus ist.

Israelkritik und Antisemitismus: Die “Zehn Gebote” für israelkritische Antisemiten

Die nach dem Zweiten Weltkrieg durch strenge gesellschaftliche Tabus unterdrückten Stereotype sind nach 50 Jahren wieder aufgetaucht. Wenn man Israel “kritisieren” möchte, kann man sich auch antisemitisch äußern. Man muss sich nur an gewisse “Regeln” halten. Im Internet wurden diese treffend formuliert:

Erstes Gebot – Hebe so oft wie möglich hervor, dass du kein Antisemit bist! Wenn nötig, lass dir eine möglichst dumme Ausrede einfallen, weshalb du nie und nimmer ein Antisemit sein kannst, z. B. weil die Palästinenser schließlich auch Semiten sind oder weil Jesus auch Jude war.

Das ist sicherlich die wichtigste aller Regeln. Schon in den Protokollen wird behauptet, dass die Juden den Antisemitismus für ihre Zwecke ausnützen würden. Man könnte eine neue Bezeichnung für sie finden: Die „Ich-bin-kein-Antisemit“-Antisemiten.

Zweites Gebot – Betone stets, wie schrecklich du den Holocaust findest, dass es jetzt aber wohl genug damit sei! Wie lange soll sich Deutschland, nach all den großzügigen Entschädigungszahlungen, denn noch kollektiv schuldig fühlen?

Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“ sagte einmal der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex. Eine weise Aussage: Es sind nicht die Juden, es sind die Nicht-Juden, die besessen vom Holocaust sind. Philipp Kurowski nennt es „Holocaustneid“. Die Methode lautet: Suche nach historischen Verbrechen (Indianer, Sklaven, Vietnam, Hiroshima, Kommunismus), um den Holocaust möglichst klein erscheinen zu lassen. Gleichzeitig werden aber niemals aktuelle Völkermorde wie im Sudan oder Kongo benannt, denn dann könnte das Leid der Palästinenser klein erscheinen. Aktuell gibt es nur die Palästinenser, früher nur Nicht-Juden. Und dann fragt man: Warum sind die Juden da was besonderes?

Im Klartext: Man ist den Juden „neidisch“ auf den Holocaust, weil sie sich dadurch in eine ewige Opferrolle gestellt hätten und auf ewige Wiedergutmachungszahlungen beharren würden. Die Behauptung, dass die Juden ihre Opferrolle „ausnutzen“ würden, ist weitverbreitet. Dabei haben die Deutschen übrigens nicht „zu viel“ für den Holocaust gezahlt (siehe hier). Aber da in N-TV, N24 und Phoenix ständig Holocaustdokumentationen laufen, ist für den Antisemiten die Sachlage klar: Die Juden „beherrschen“ die Medien und wollen den Deutschen schlechtes Gewissen einjagen, damit sie sich auf ewig mit  Israel solidarisieren. In Wirklichkeit ist der Grund aber der, das der Zweite Weltkrieg und der Holocaust für Historiker das ist, was für Fußballfans das Champions-League-Finale ist: Holocaustdokumentationen bringen halt hohe Einschaltquoten. Nur deshalb sind deutsche Sender so vom Holocaust besessen.

Übrigens ist die Strategie der „jüdischen Medien“, falls es sie denn gab, sowieso gescheitert, denn kaum ein Land hat in Deutschland einen so schlechten Ruf wie Israel. So stimmten im Jahr 2008 in einer Umfrage 49% der Teilnehmer die Aussage: „Israel führt einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“, eher oder voll und ganz zu und 40.5% bejahten die Ansicht: „Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reichen mit den Juden gemacht haben.“ Mehr als die Hälfte hält Israel für die größte Bedrohung für den Weltfrieden. Da haben die „jüdischen Medien“ aber versagt…

Drittes Gebot – Denk immer daran, was für ein mutiger, tabubrechender Held du doch bist, weil du Israel kritisierst! Deklariere dich möglichst als Opfer der „Antisemitismus-Keule“. Ziehe aus dem Holocaust die Lehre, dass du nicht tatenlos zusehen kannst, wie die Israelis heute die Palästinenser unterdrücken. Unterdrückung in anderen Regionen dieser Erde ignorierst du geflissentlich, dort sind ja keine Juden am Werk.

Der größte Beweis von der Besessenheit der Antisemiten von den Juden ist seine „Anteilnahme“ an dem Leid der Palästinenser. Die Palästinenser werden zu einer Projektionsfläche für alle die, die Juden als Verbrecher sehen und damit ihre antisemitischen Gefühle ausleben wollen. Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, dass der israelisch-palästinensische Konflikt so viel Aufmerksamkeit bekommt, außer der Besessenheit des Antisemiten von dem Juden. Oder kann jemand eine andere Begründung dafür liefern, dass das Leid der Palästinenser unter der israelischen Besatzung so unglaublich mehr Entsetzen auslöst als das Leid der Menschen in Darfur, im Kongo oder in Somalia? Sind Afrikaner denn nicht genauso viel Wert als Palästinenser? Oder, um in der Region zu bleiben, das Leid der Palästinenser im Libanon oder Jordanien, wo es ihnen noch viel schlechter geht als in Israel? Die Besessenheit vom Leid der Palästinenser wurde auch schon auf satirische Weise kritisiert, siehe hier, hier, hier.

Wenn die Tschetschenen nicht von den Russen unterdrückt wurden, sondern von einem jüdischen Staat, dann würden weltweit Menschen Solidarität mit dem tschetschenischen Widerstand zeigen und die Politik Russlands mit denen der Nazis vergleichen (wobei die Maßnahmen der russischen Regierung wesentlich brutaler sind als die der israelischen Regierung). Es gebe Verschwörungstheorien, wonach die Geiselnahme in Beslan vom russischen Geheimdienst inszeniert wurde. Russische Waren würden boykottiert werden. Antirussische Demonstranten würden Plakate mit Inschriften wie „Tod den Russen“ halten. Und wenn die Palästinenser nicht von Juden unterdrückt werden würden, dann könnte man das Wort „Palästinenser“ wahrscheinlich nicht einmal aussprechen und würde genauso wenig darüber hören wie dem Kurdenkonflikt in der Türkei. Aber es gibt in unserer Gesellschaft nun mal keine so ausgeprägte Feindschaft gegenüber Russen wie zu Juden. Keine andere Nation auf der Welt wird so sehr missbraucht wie die Palästinenser von den „Israelkritikern“.

Auch die „Lehre“, die einige Deutsche vom Holocaust gewonnen haben, ist ziemlich fragwürdig: Weil die Deutschen 6 Millionen Juden umgebracht haben, müssen sie nun aufpassen, dass die Juden nicht ihre Fehler wiederholen? Die Täter von damals passen auf, dass die Opfer nicht rückfällig werden? Der Holocaust verpflichtet die Juden zu höherem moralischen Verhalten? Nun, es gab auch andere Völkermorde in der Geschichte. Aber würde jemand den Belgiern vorschreiben, das sie aufpassen sollten, dass die Kongolesen nicht dieselben Verbrechen begehen wie sie während der Kolonialzeit, und dass die Kongolesen aufgrund ihrer Geschichte zu höherem moralischen Verhalten verpflichtet sind?

Viertes Gebot – Immunisiere dich gegen jede Kritik. Die Massenmedien werden schließlich eh von den „Weisen von Zion“ – Pardon, ich meinte natürlich die „Israel-Lobby“ – kontrolliert, auch wenn statistisch gesehen rund acht Zehntel der gesamten westlichen Nahost-Berichterstattung neutral bis „israelkritisch“ und nur ein Bruchteil tatsächlich pro-israelisch ist.

Der Mythos, oder besser gesagt- die Paranoia- von den Juden „kontrolliert“ zu werden, ist einer der Bestandteile des Antisemitismus, die sich während der Jahrhunderte kaum geändert haben. Sogar ein gewisser Konrad Adenauer beschwor die „große Macht“ der Juden in Amerika. Und Hollywood-Star Marlon Brando war sich sicher: Die Juden kontrollieren Hollywood. Es gehört zu einer Lieblingsbeschäftigung von Antisemiten, zu zählen, wie viele Politiker, Wirtschaftsleute, Medienmogule oder Wissenschaftler jüdischen Glaubens sind und dann daraus zu schlussfolgern, das Juden „zu viel“ Einfluss auf der Welt haben.

Was kann Steven Spielberg dafür, dass es keine besseren Regisseure in Hollywood gab (Der weiße Hai, E.T., Indiana Jones, Jurassic Park)? Was kann Einstein dafür, dass keiner vor ihm die Relativitätstheorie entdeckt hat? Hier spielt sicherlich auch der Neid auf die kulturellen Errungenschaften der Juden eine Rolle. Gleichzeitig kommt so gut wie niemand auf die Idee, nachzuzählen, wie viele Katholiken, Schwule oder Linkshänder in wichtigen Positionen vertreten sind. Hat schon jemand behauptet, Afrikaner würden im französischem Fußballsystem bevorzugt, da 80% der französischen Fußballnationalmannschaft ursprünglich aus Afrika kommt?

Ein weiterer Anstoß für die Behauptung von „zu großem jüdischen Einfluss“ waren die „neuen Protokolle“. Im Jahre 2006 erschien das Buch „Die Israel-Lobby“ (hier eine kritische Analyse des Buches). Dieses Buch war lediglich eine Neuauflage der antisemitischen Protokolle, aber eine sehr erfolgreiche. Die Besessenheit, von der angeblich übermächtigen Israel-Lobby, verfolgt zu werden, hat dieselben Auswüchse erreicht wie die paranoiden Verschwörungstheorien, die schon im Jahre 1905, also mehr als hundert Jahre zuvor, veröffentlicht wurden.

Fünftes Gebot – Miss mit zweierlei Maß: Selbst das kleinste Vergehen, dessen sich Israel schuldig macht, wiegt immer noch millionenfach schwerer, als das schlimmste von Palästinensern oder Anderen verübte Verbrechen! Verharmlose „Hamas, Hamas, alle Juden ins Gas“-Sprechchöre palästinensischer Demonstranten. Das meinen die doch eh nicht so…

Der jüdische Siedlungsbau in Westbank, der als „Landraub“ und „Kolonialismus“ bezeichnet wird, erregt das Weltgewissen mehr als es die Millionen Tote im Kongokrieg. Und natürlich auch viel mehr als der palästinensische Terror. Wie im dritten Gebot erläutert, sind die Juden aufgrund des Holocausts scheinbar zu moralisch höherem Verhalten verpflichtet.

Die Tatsache, dass Israel die einzige demokratie im Nahen Osten ist, ist für Israelkritiker offenbar nichts wert. Stattdessen wird sogar behauptet, das Israel ein „Apartheidstaat“ wäre. Das gerade Israel diesen Titel bekommt, wenn man sich seine Nachbarstaaten ansieht, ist nur ein weiteres Beispiel für die antisemitische Doppelmoral. In Syrien werden Kurden systematisch diskriminiert, in Libanon ist Palästinensern der Zugang zu etlichen Berufen verboten, im Iran werden nicht nur Regimekritiker unterdrückt, sondern auch Bahai und Christen, auf Homosexualität steht die Todesstrafe, Frauen werden wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Das alles ist egal, wenn Israel in seiner Verfassung festschreiben will, das es ein „jüdischer Staat“ ist. Dann schreien alle kollektiv: Apartheid! (Anmerkung dazu: In Ägypten sind 10% der Bevölkerung Christen, aber in der ägyptischen Verfassung wird der Islam als „Staatsreligion“ festgelegt, wie in so gut wie jedem arabischen Staat im Nahen Osten).

Die vermeintlichen Völkerrechtsverletzungen Israels machen viel mehr Schlagzeilen als die der gesamten restlichen Menschheit, ob bei der UNO oder  amnesty international. Ob der Siedlungsbau und die Maßnahmen zur Bekämpfung des Raketenbeschusses völkerrechtswidrig sind, ist umstritten. Klar ist aber: Israel bekommt mehr als die Hälfte der UN-Resolutionen im UN-Menschenrechtsrat. Sudan, Ruanda und Nordkorea gelten dort also als bessere Hüter von Menschenrechten als Israel.

Sechstes Gebot – Denk daran, die Palästinenser sind arme, unterdrückte Wesen! Ihre Terroranschläge auf israelische Schulbusse und Diskotheken sind nur verzweifelte Hilfeschreie. Israel hat kein Recht, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Tut es das doch, ist dies nur ein weiterer Beweis für seine aggressive, unversöhnliche Haltung.

Man stelle sich vor, eine tibetische Terrororganisation würde im Stile der RAF Terroranschläge verüben, bei dem etliche chinesische Zivilisten getötet werden würden. Würde irgendjemand „Verständnis“ dafür haben, da die Tibeter seit Jahrzehnten von den Chinesen unterdrückt werden und ihr Land verloren haben? Hatten die Leute Verständnis für die IRA, da die Briten sich unrechtmäßig einen Teil Irlands angeeignet haben und die dortigen Katholiken unterdrückten? Nein, hatten sie nicht. Die einzigen, die Verständnis bekommen, wenn sie Terror anwenden, sind die Palästinenser.

Siebtes Gebot – Sei vernichtend in deiner „Israelkritik“: Benutze eine möglichst übertrieben-polemische Sprache, nenne Israel z. B. einen rassistischen, imperialistischen, kolonialistischen, Gottes-, Apartheids- oder was-auch-immer-Staat. Am besten sagst du, dass die Juden den Palästinensern heute dasselbe antun, was die Nazis früher den Juden angetan haben. Benutze Wendungen wie „Westbank-Ghetto“ oder „KZ Gaza“. Das wirkt, und es entlastet dich auch von deinen eigenen Schuldgefühlen gegenüber den Holocaustopfern!

„Apartheid“, „KZ“, „Völkermord“- das ist nur eine kleine Auswahl von Aussagen, die „Israelkritiker“ und „Antizionismus“ verwenden, um den Staat Israel zu dämonisiert. Über die Lage im Gazastreifen habe ich schon berichtet:

Die Bevölkerung des Gazastreifens hat sich in der Zeit der israelischen Besatzung von 1967 bis 2005 verdreifacht, von 400.000 auf 1,2 Millionen. Die „Mauer“ zwischen Israel und den Palästinensergebieten besteht in Wirklichkeit zu 96% aus High-Tech-Zaun, dennoch werden immer nur Bilder der anderen 4% gezeigt. Die Anzahl von Terroranschlägen hat durch den Sicherheitszaun deutlich abgenommen. Die Lebenserwartung in Gaza liegt bei 72 Jahren, höher als Russland (66), Indien (69), der Ukraine (68). Gleichzeitig hat Gaza eine geringere Säuglingssterblichkeitsrate (21 Tote/1 000 Lebendgeburten) als Angola (182), Iran (37), Indien (32), Ägypten (28) und Brasilien (27). Die Alphabetisierungsrate in Gaza liegt bei 92,% weit höher als in Indien (48), Ägypten (59) oder gar im reichen Saudi Arabien (71). In einem Bericht der WHO über den Gesundheitszustand der Gazaner wurde eine weite Verbreitung von Übergewicht, besonders bei Jugendlichen festgestellt. Bei den Jugendlichen zwischen 10-16 Jahren sind 15,9% übergewichtig. Bei den Frauen gibt es 24,6% Übergewichtige, bei den Männern 6,5%. Dagegen konnten nur 1,5% untergewichtige Babys gefunden werden, Tendenz seit der letzten Studie sinkend.

Ein Video über die humanitäre Situation in Gaza:

„Food not needed“- das sagt alles.

Aber das hindert die „Israelkritiker“ nicht daran, krankhaft Vergleiche zu ziehen zwischen den Israelis und den Nazis. Auf Palästina-Solidaritätsdemonstrationengab es schon Transparente wie »Stoppt Sharons Endlösung«, »Stoppt den israelischen Holocaust in Palästina«, »Der Geist von Auschwitz schwebt über Palästina«, oder richtiggehend poetisch: »Der Tod ist ein Meister aus Israel«. Der klassische Vergleich von Gaza mit dem Warschauer Ghetto ist menschenverachtend.

Achtes Gebot – Vergiss auch niemals, dass bereits Israels Entstehung ein schlimmes Unrecht war und es erst dann Frieden mit den Palästinensern geben kann, wenn Israel sich kollektiv und reumütig zu seiner historischen Schuld bekennt.

Die Delegitimierung des Staates Israel gehört zu den üblichen Hetzmethoden der Antisemiten und Antizionisten. Es gab einen Teilungsplan, in dem das Gebiet, das für den jüdischen Staat vorgesehen war, eine jüdische Bevölkerungsmehrheit hatte (auch wenn die meisten erst nach 1882 kamen). Und: Es gab, was viele Israelkritiker konsequent verschweigen, die gewaltsame Vertreibung von 840.000 Juden aus den arabischen Ländern. Spätestens da hatte Israel ein Existenzrecht: Als die Araber sie vertrieben, wussten sie sicherlich auch, dass ein nicht geringer Anteil von ihnen nach Israel gehen würde. Sie haben ihre Gebiete mindestens genauso von Juden „gesäubert“ wie die Juden von den Arabern. Das ist eine Tatsache.

Und: Wenn Israel aufgrund der Vertreibung der Araber im Jahre 1948 kein Existenzrecht hat, wie viel Existenzrecht hat dann die Türkei? Der Staatsgründung gingen Völkermorde an Armeniern, Assyrern, Aramäern und Griechen voraus, die bis zu 2 Millionen Tote forderten. Der christliche Bevölkerungsanteil ging von 20% auf deutlich weniger als 1% zurück. Auch während der Staatsgründungen Indiens, Pakistans und der Bundesrepublik Deutschland gingen ethnische Säuberungen voraus. Aber offenbar war keine für die Menschheit so schlimm, das man ihnen ihr Existenzrecht absprach.

Neuntes Gebot – Such dir einen „guten Juden“, der auch so „israelkritisch“ ist wie du, z. B. Norman G. Finkelstein, Felicia Langer oder Uri Avnery. Betone dabei stets, dass wenn ein Jude etwas Kritisches über Israel sagt, es ja unbedingt auch stimmen muss. Und ein Jude kann schließlich kein Antisemit sein, gell?

Mittlerweile gibt es einen regen Markt an „Alibijuden“. Niemand von den Islamverstehern würde wohl auf die Idee kommen zu sagen dass Islamkritiker wie Henryk M. Broder nicht islamophob sein können, da sie sich mit islamkritischen Muslimen wie Necla Kelek oder Hamed Abdel Samad solidarisieren. Aber wenn ein „Israelkritiker“ mit einem Juden befreundet ist, kann er gar kein Antisemit sein. Paradoxerweise kann man die Behauptung, dass Juden selbst schuld sind am Antisemitismus, tatsächlich untermauern- anhand von solchen „Intellektuellen“ wie Finkelstein, Langer oder Avnery.

Zehntes Gebot – Vergiss niemals: Im Zweifelsfall ist immer Israel schuld! Mach Israel prinzipiell für alle Übel dieser Welt verantwortlich! Solidarisiere dich mit der Hamas und Hisbollah, nimm an Anti-Israel-Demonstrationen teil, rufe zum Israel-Boykott auf! Gib dich dabei aber stets als „Freund“ Israels aus.

Die berüchtigten „kritischen Freunde Israels“ benutzen diese Formel immer wieder. „Wir haben nichts gegen Juden, nur gegen Zionismus und Rassismus“. Das darf nie fehlen, ansonsten könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, dass sie wirklich gegen Juden wären. Dies wäre natürlich eine Fehleinschätzung: Sie vergleichen zwar die Israelis mit den Nazis, rechtfertigen Terror gegen die israelische Bevölkerung, boykottieren israelische Waren, ABER- sie sind natürlich keinesfalls gegen Juden. Nur gegen Israel…

Die aktuellen Folgen des “modernen Antisemitismus”

Die Folgen des modernen Antisemitismus sind schon jetzt spürbar. Die Situation für Juden in Europa hat sich dramatisch verschlechtert. Wie man in diesem Bericht erfährt, werden Juden in Europa zunehmend für die Politik Israels verantwortlich gemacht. Es kommt zu etlichen Schikanen, die mit dem Palästinakonflikt “begründet” werden. In der schwedischen Stadt Malmö sind viele jüdische Familien mittlerweile nach Israel ausgewandert, da sie den Hass, der ihnen entgegenkam, nicht mehr ertragen konnten. In vielen anderen Städten wird Juden empfohlen, ihre Kinder nicht mehr auf Schulen zu schicken, wo viele Araber sind. Auch in Deutschland ist muslimischer Antisemitismus weitverbreitet.

Propaganda und Hetze gegen Israel ist in der Gesellschaft weit verbreitet. So sehr, das sogar im größten sozialen Netzwerk, Facebook, Hass-Propaganda gegen Israel weitverbreitet ist. “Israelkritische” Demonstrationen verwandeln sich zu antisemitischen Hass-Veranstaltungen, Boykotte israelischer Waren sind ebenfalls keine Seltenheit mehr. Umfragen zufolge glaubt ein Großteil der Europäer, das Israel die “größte Bedrohung für den Weltfrieden” ist. Nicht wenige Leute behaupten, das an diesen Zuständen Israels Politik in Palästina Schuld ist, wie z.B. der Bürgermeister von Malmö. Es ist für sie in Ordnung, Juden pauschal für die Taten Israels verantwortlich zu machen. Ist es für sie auch “in Ordnung”, Muslime pauschal für die Taten der Taliban, al-Qaida und Mahmud Achmedinedschad verantwortlich zu machen?

Islamischer Judenhass

Am schlimmsten zeigt sich der Antisemitismus heute in den islamischen Ländern. In den Medien und dem politischen Spektrum ist er genauso massiv verbreitet wie in Deutschland während der Nazi-Zeit. In diesem Bericht wird gezeigt, wie sehr die Hetze schon vorangeschritten ist:

Hass- Karikaturen gegen Juden in der islamischen Welt sind an der Tagesordnung. Vergleiche mit antisemitischen Karikaturen im Dritten Reich sind nicht mehr von der hand zu weisen. Die israelische Fußballnationalmannschaft kann aktuell nur in Europa auftreten, da sie in Asien sofort “boykottiert” werden würden. Auch die israelische Tennisspielerin Shahar Peer wurde 2009 in Dubai von den Veranstaltern “boykottiert”.

Der Ministerpräsident des mehrheitlich muslimischen Malaysia sagte bei einer Veranstaltung der OIC im Jahre 2003 ganz unverhohlen, das die Juden “die Welt über Handlanger regieren würden”. Die Aussagen im Wortlaut: “The Europeans killed 6 million Jews out of 12 million, but today the Jews rule the world by proxy … They get others to fight and die for them … They survived 2,000 years of pogroms not by hitting back, but by thinking. They invented . . . socialism, communism, human rights, and democracy so that persecuting them would appear to be wrong – so they may enjoy equal rights with others. With these they have now gained control of the most powerful countries.

Mahathir bin Mohamad hat sich bei zahlreichen Gelegenheiten antisemitisch geäußert. So behauptete er, sie seien nicht bloß hakennasig, sondern verstehen Geld instinktiv“. Schindlers Liste, Steven Spielbergs berühmter Film über den Holocaust, wurde von Mahathirs Regierung mit der Begründung verboten, der Film wäre zu pro-jüdisch. Auch in der Charta der Hamas finden sich antijüdische Verschwörungstheorien, wonach die Juden Schuld an den beiden Weltkriegen wären, an der französischen Revolution und die USA beherrschen würden.

Antisemitisches Plakat in einem Kairoer Stadion am 2.April 2011

Necmettin Erbakan, ein Islamist, ehemaliger Ministerpräsident der Türkei und der politische “Vater” des türkischen Präsidenten Erdogan, nannte Juden schon mal “Bakterien” und “Krankheiten” und sagte in einem Interview mit der “Welt”, in der er Erdogan kritisierte (“Erdogan ist ein Kassierer des Zionismus”):

Seit 5700 Jahren regieren Juden die Welt. Es ist eine Herrschaft des Unrechts, der Grausamkeit und der Gewalt. Sie haben einen starken Glauben, eine Religion, die ihnen sagt, dass sie die Welt beherrschen sollen. Sehen Sie sich diese Ein-Dollar-Note an. Darauf ist ein Symbol, eine Pyramide von 13 Stufen, mit einem Auge in der Spitze. Es ist das Symbol der zionistischen Weltherrschaft. Die Stufen stellen vier „offene“ und andere geheime Gesellschaften dar, dahinter gibt es ein „Parlament der 300“ und 33 Rabbinerparlamente, und dahinter noch andere, unsichtbare Lenker. Sie regieren die Welt über die kapitalistische Weltordnung.”

Wann hört der Antisemitismus auf?

Wann reden wir vom Antisemitismus endlich als ein Phänomen der Vergangenheit? Vorurteile wird es immer geben. Aber wann wird man aufhören, die Juden ständig mit doppelten Standards zu messen, Verschwörungstheorien zu erfinden und sie zu boykottieren? Oder anders formuliert: Wann wird es normal sein, dass die israelische Fußballnationalmannschaft ein Spiel in Teheran, Damaskus oder Kairo bestreitet? Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung. Eine Erklärung für Antisemitismus gibt es nicht, außer der banalen Tatsache, dass man halt immer einen Sündenbock braucht und die Christen und Muslime sich dafür nun mal die Juden aussuchten.

Es gab bis jetzt drei historische Phasen des Judenhasses- der Antijudaismus, der klassische Antisemitismus, der zum Holocaust führte und der moderne Antisemitismus, der in subtiler Form daherkommt wie dem “Antizionismus” und der “Israelkritik”. Es muss keine vierte Phase geben. Es kann schon sein, das viele Menschen, die sich im Grunde nicht mal für Politik interessieren, durch die antiisraelische Berichterstattung in den Medien aufgehetzt werden. Aber: Muss man deshalb den Menschen hinter dem Antisemiten erkennen? Ich sage: Nein, denn egal wie Rassismus entsteht, man kann keine Rechtfertigung dafür finden. Und Leute, die behaupten, das am Antisemitismus Israels Politik in Palästina Schuld ist, sind meistens die, die eine “Pauschalisierung” der Muslime aufgrund der Zehntausenden Toten durch den islamistischen Terror befürchten. “Solange sich Antisemitismusforscher nur damit beschäftigen, WARUM Juden verfolgt werden und nicht warum JUDEN verfolgt werden, finden sie nur Ausreden für Arbeitslose, Deklassierte und im Grunde an sich selbst leidende Menschen.“- Henryk M. Broder.

Was die Linken für Kuba und Venezuela empfinden, empfinde ich für Israel. Obwohl das Land eigentlich nichts mit mir zu tun hat, fühle ich eine tiefe Solidarität. Denn: Israel trennt die Spreu vom Weizen. Sind sie für Demokratie, Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung von Frauen und Homosexuellen und für Frieden? Dann gibt es keine Frage, auf wessen Seite sie stehen sollten. Israel ist sicher nicht “perfekt”, wie kein Land auf der Welt- es gibt auch ultraorthodoxe Juden und radikale Zionisten, gegen die vorgegangen werden muss- aber sie sind die einzige Demokratie im Nahen Osten. Die Gegner Israels sind faschistische, antidemokratische Organisationen wie die Hamas, die in ihrem Judenhass der NSDAP in nichts nachstehen. Wer Israel kritisiert, muss kein Antisemit sein, aber wer sich mit der Hamas solidarisiert, ist es auf jeden Fall.

Aus diesen Gründen gibt es keine zwei Meinungen in dieser Frage. Lang lebe Israel!

Literaturhinweise

Leon de Winter schrieb im Jahre 2003 folgenden Bericht über den modernen Antisemitismus:

http://www.zeit.de/2003/51/Antisemitismus

Über den “Antizionismus” der Linken:

http://www.d-a-s-h.org/dossier/07/08_grundlagenantizionismus.html

Henryk M.Broder über den Antizionismus:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/we/

Über die Verlogenheit der “Israelkritiker” während des Gazakriegs:

http://www.bernerzeitung.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/IsraelKritik-basiert-auf-Hass/story/31620088

Über das angebliche “Tabu” Israelkritik:

http://www.ksta.de/html/artikel/1246883770459.shtml

Über doppelte Standards bei der Betrachtung Israels:

http://www.spme.net/cgi-bin/articles.cgi?ID=4861

Andreas Müller, auch Autor bei der Achse des Guten, fragt sich: Wann wäre ich gegen Israel?

http://feuerbringer.com/2011/04/24/wann-ware-ich-gegen-israel/

Über antisemitische Tendenzen in der deutschen Gesellschaft:

http://scepticmaniac.wordpress.com/2010/12/19/herr-h-ware-stolz-auf-uns/

Wikipedia-Artikel über Antisemitismus nach 1945:

http://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus_%28nach_1945%29

Videos

Video über Leitfaden für antizionistische Propaganda:

http://www.youtube.com/watch?v=2DMWpYzszKw

Before you boycott Israel…

http://www.youtube.com/watch?v=saeky9I5T9c

Ist Israel ein Apartheidstaat?

http://www.youtube.com/watch?v=BpjQEvmtNdk

2 Antworten zu „Definition des “modernen Antisemitismus”- oder: Warum die Welt Israel so sehr hasst“

  1. Daniel sagt:

    Einen sehr schönen Artikel haben sie da geschrieben, auch wenn ich leider noch nicht dazu gekommen bin, ihn komplett zu lesen. Muss ein Haufen Arbeit gewesen sein. Weiter so!

    Grüße, Daniel

  2. Lullermann sagt:

    Bis auf die Zehn Gebote habe ich jetzt alles gelesen.
    Ich muss zugeben, dass mir ein Hass, wie z.B. der im 3. Reich, so bis heute nicht aufgefallen ist.
    Und ich muss aber auch zugeben, dass ich bis heute dachte, in einer dermassen modernen Welt zu leben, in der man einen latenten Hass auf die Juden ignorieren kann. Wobei ich Hass in keiner Form toleriere.
    Die Israelis übrigens sind nicht alle Juden..!
    Schon ein Grund, jeden Judenhasser für ziemlich dumm halten zu dürfen, wenn er nur ‘mal so gegen Israel wettert.
    Deswegen aber ‘…lang lebe Israel..’! aus zu rufen, fiele mir nicht ein. Die Israelis wussten nämlich bis heute schon, wie sie sich gegen die ewigen Randalierer aus den Nachbarländern zur Wehr setzen können/konnten und ich bewundere diese Leute dafür, dass sie aufzeigen, dass in dieser Region der Erde wohl überwiegend nur Gross-Schnauzen leben, jedenfalls auf seiten der Muslime.
    Aber nein, für mich gibt es immer zwei Seiten, oder auch Pole. Das eine kann ohne dem anderen nicht existieren.
    Es besteht zwar Klarheit darüber, dass ein Zusammenleben nicht durch Hass untermauert sein darf, aber das wäre dann ein weiterer Grund, mich vor einem Juden zu verneigen und ihm ob seiner exorbitanten ‘Geduld’ und ‘Ausdauer’ Respekt zu zollen.
    Respekt; das ist denn auch das Zauberwort!
    Einen Sündenbock suchen?
    Was macht wohl jemand, der einen Sündenbock benötigt? Er lenkt vom eigenen Versagen ab! Ergo reden wir hier über dummfreche Bastarde, die ihr eigenes Leben nicht in den Griff bekommen. DIE sind es mir nicht Wert!
    An Deiner Stelle also würde ich mich da nicht so reinhängen, denn Du wirst an der Situation der Juden nichts ändern können. Klar, EINEN Anhänger Deiner Meinung hast Du ja: MICH!
    Aber ohne resigniert zu haben, finde ich mich mit vielem im Leben ab.
    Jemand, der in meiner Nähe Scheissjude schreit, ist nur eins dieser Grossmäuler. Jemandem, der in meiner Nähe nicht nur verbal angegriffen wird, werde ich so gut es geht zur Hilfe eilen. Allerdings mache ich einen kleinen Unterschied, nämlich KEINEN! Jedenfalls nicht deswegen, weil der Angegriffene schwarz, weiss, bunt, Jude, oder Christ, oder Atheist wäre ;-)

    Ansonsten aber habe ich überhaupt nichts gegen Deinen Einsatz für die Juden ein zu wenden!

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