Terroristenversteherlogik

Mohamed Atta- Ein Opfer von Armut und Unterdrückung?

Osama ist immer toter, die Haie vom Indischen Ozean verdauen gerade seine letzten Überreste, und die nächste Generation steht auch schon bereit. Er war die Ikone des internationalen Terrorismus, wie Kurt Cobain für den Grunge, und sein Tod ist ein großer Moment im Kampf gegen den Terror. Das nehme ich zum Anlass, um über einen gängigen Mythos zu schreiben, der weitverbreitet ist und oft die Runde bei Diskussionen macht.

Ohne zu sagen, worum es geht, hier erstmal Zitate:

Michael Moore:

“Was könnte dich dazu bringen, 3000 Menschen zu töten? …Richtig: Es muss etwas ganz Schreckliches gewesen sein, dass deinen Geist völlig verwirrt hat…Also wenn dir klar ist, wie ein Mensch zu einem Terroristen wird, und du erkennst, daß wir, du und ich, es sind, die ihn zum Terroristen werden lassen, wäre es dann nicht ein Beweis gesunden Menschenverstands, unser bisherigen Verhalten zu ändern?”

“Wie würden die Armen und Verzweifelten dieser Welt von uns denken, wenn wir als das Land bekannt werden würden, das seinen Reichtum mit anderen teilt?…Wer würde uns dann noch umbringen wollen?”

Jürgen Todenhöfer:

” Dem internationalen Terrorismus würde sofort der Boden entzogen, wenn der Westen aufhören würde, die muslimische Welt zu unterdrücken.”

Hagen Rether:

“Stellen Sie sich vor, hier würden dauernd asiatische Rentner nach Deutschland fliegen, um unsere Töchter zu f…, und die Söhne könnten auch nichts machen, denn die müssen Fußbälle nähen für die asiatische Champions League – da gibt’s doch denn einen oder anderen Vater hier im Saal, der sich einen Sprengstoffgürtel umschnallen möchte.”

Peter Ustinov:

“Terror ist der Krieg der Armen und Krieg ist der Terror der Reichen.”

Gerard Dunkl:

“Wer einen Menschen tötet und behauptet, es im Interesse der Machtlosen getan zu haben, wird »Terrorist« genannt; wer aber im Interesse der Mächtigen Millionen tötet, wird »Held« genannt.”

“Je gewaltsamer jemand das Verbrechen und den Terror bekämpfen will, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß er an den Ursachen von deren Entstehung beteiligt ist.”

Der Terrorismus ist also nichts weiter als ein Nebeneffekt der Unterdrückung der Armen durch die Reichen. So sagen es uns jedenfalls eine Reihe von selbsternannten Experten. Aber: Stimmt das eigentlich auch?

Die wütenden Söhne reicher Väter

Eigentlich braucht man gar nicht lange, um diesen politischen Mythos zu widerlegen. Denn jeder von uns weiß, dass es keine hungernden Afrikaner oder arbeitslosen Mexikaner waren, die das World Trade Center zerstörten, sondern die Clique eines Multimillionärs, die in keinster Weise unterernährt waren und ihre Taten nicht im Namen der Armen begangen, sondern im Namen des Dschihad. Terroristen töten auch nicht nur reiche Menschen oder die aus reichen Ländern, sondern meistens Angehörige ihrer eigenen Religion. Einem Typen wie Osama bin Laden vorzuwerfen, dass er sich um die Armen der Welt kümmert, ist völlig absurd. Osama waren die Armen der Welt egal.

Und nicht nur ihm, allen Terroristen erging es genauso. Terrorismus ist ein politisches, kein ökonomisches Problem, siehe hier:

Die wütenden Söhne reicher Väter

Dieser Bericht zeigt u.a.:

- Zwei Drittel der Mitglieder der deutschen RAF, der irischen IRA und der türkischen Volksbefreiungsarmee hatten einen Universitätsabschluss.

- Osama bin Laden, Mohamed Atta und der nigerianische Umar Abdulmutallab hatten alle wohlhabende Väter.

- Mitglieder der Hizbollah oder palästinensische Selbstmordattentäter stammen genauso oft aus wohlhabenden Familien wie aus ärmeren.

- In einem Staat mit größeren zivilen Freiheiten ist es wesentlich unwahrscheinlicher, dass jemand zum Terroristen wird: Terrorismus ist also ein hauptsächlich politisches Problem.

Wer kann dann ernsthaft, wie es Herr Moore, Herr Rether, Herr Todenhöfer, Herr Ustinov und Herr Dunkl ständig tun, behaupten, dass der Terrorismus durch Armut entsteht? Ich will damit nicht sagen, dass man die Armut einfach ignorieren sollte, sondern dass man Armut und Terrorismus nicht in einen Topf werfen kann.

Dieser Artikel von Dirk Maxeiner, gefunden bei der Homepage von Henryk M.Broder, bringt es auch auf den Punkt:

“Für einen Zusammenhang zwischen Armut und Terrorismus gibt es keine historischen oder soziologischen Belege. Im Gegenteil: Schon die Prototypen des modernen Terrorismus, die russischen Attentäter des späten 19. Jahrhunderts, waren Bürgersöhne und junge Adlige. Auch die deutsche RAF und ihre Genossen in Italien, Japan und anderswo kamen weder aus der Arbeiterklasse, noch kannten sie soziales Elend aus ihrer Umgebung. Bin Laden wuchs in saudischen Millionärskreisen auf, nicht in afghanischen Flüchtlingslagern. Soziale Motive spielen in der Propaganda islamischer Fundamentalisten kaum eine Rolle. Gottlosigkeit, Sittenlosigkeit, moralische Verkommenheit, lauten ihre Anklagepunkte gegen den Westen. Die Terroristen betrachten sich nicht als Noble Robin Hoods, sondern als Kreuzzügler (diesmal in umgekehrter Richtung). Die Fanatiker ersehnen geradezu eine Existenz in freudloser Armut. Die Taliban haben seit dem Beginn ihrer Herrschaft in Afghanistan keine einzige Schule und kein einziges Krankenhaus gebaut. Nach dem Grund dafür gefragt antwortete einer ihrer Vertreter mit einem Gleichnis: Nach einem Flugzeugabsturz würden sie doch auch keine Schulen für ihre Kinder bauen. Sie würden einfach dasitzen und auf die Erlösung warten. Das tiefere Ziel des neuen Terrors ist die Erlösung von allem irdischen – und der Tod.”

Daniel Pipes schrieb im Winter 2002 eine längeren Bericht darüber: Gott und Mammon: Verursacht Armut den militanten Islam?

Was für eine Überraschung: Armut hat mit Terrorismus also weniger zu tun als Dracula mit dem Sonnenlicht. Es hat offenbar nur was damit zu tun, dass es manchen Menschen Spaß macht, andere Menschen zu töten. Bedeutet dass, das man Terroristen wie Osama einfach so töten soll?

Muss man den Menschen hinter dem Terroristen sehen?

Man könnte auch fragen: Muss man den Menschen hinter dem Pädophilen sehen? Würde jemand auf die Idee kommen, Mitleid oder Verständnis für Kinderschänder zu zeigen, da die meisten von ihnen als Kinder selbst Opfer von sexuellem Missbrauch waren oder durch ein traumatisches Erlebnis ein gestörtes Verhältnis zur Sexualität entwickelten? Wohl eher nicht. Keiner hat Mitleid mit Pädophilen.

Eins steht außer Frage: Egal ob Adolf, Saddam oder Osama- all diese Buben waren Menschen. Sie gehörten der Gattung der Homo sapiens an. Ob ein Terrorist, ein Pädophiler oder ein Banker. Aber eben nur biologisch. Alle anderen Kriterien der Menschlichkeit fallen bei ihnen weg. Die Frage, ob sie “Menschen” sind, ist völlig überflüssig, es kommt nur darauf an, ob sie anderen Mitmenschen gefährlich werden können. Deswegen sehe ich in einem Terroristen hauptsächlich eine Gefahr für andere Menschen und nicht einen normalen Menschen “wie du und ich”. Das wiederum ist nicht “unmenschlich”, sondern nur vorbeugend.

13 Antworten to “Terroristenversteherlogik”

  1. Lullermann Says:

    Wenn also die Terroristen allesamt aus ziemlich gutem Hause kommen und ihre Schergen allesamt mutmasslich aus eher bescheidenen Verhältnissen; gibt es dann tatsächlich einen Widerspruch zu dem, was z.B. Peter Ustinov sagt?
    Vergessen wird hier ergo wohl nur, dass ein Krieg (zwischen Staaten) offensichtlich legitim ist.
    IST ein Krieg legitim? Kann er es überhaupt sein?
    Ustinov hat es klug erkannt:
    Fussvolk wird verheizt, während es den Obrigkeiten vor, während und nach einem Krieg stets gut geht.
    Aber wie sieht es mit dem erklärten Krieg der sog. Terroristen aus?
    Ihr Krieg ist schlicht nicht ‘erlaubt’ worden, jedenfalls von keiner Konvention gedeckt (welche immer sich auf dieser Welt auch erlauben darf, einen Krieg zu erlauben…)
    Ist es also nicht äusserst schizophren, zu glauben, dass ein Krieg erst dann ein erlaubter Krieg ist, wenn ihn sich zwei, oder mehrere Staaten ‘erklären’?
    Übrigens gibt es auch im ‘erlaubten’ Krieg Terror.
    Dabei denke ich an den weltberühmten (Bomber-) Harris.
    NACHWEISLICH hat er zigtausende Menschen ermorden lassen, obwohl es für seine Startegie aber auch so gar keinen Grund mehr gab. Bislang streitet man sich nämlich wohl kaum noch darüber, dass Dresden, Hamburg etc. wohl nur noch Rache war.
    Pädophile sind übrigens geistesgestört!
    Würdest Du unserer Kanzlerin ergo die gleiche Diagnose stellen wollen, wenn sie blinden Auges Soldaten in ein Land schickt, dessen Geschichte eigentlich einer Heilung bedürfte, aber auf keinen Fall einen Krieg, oder eine Besatzung gegen die dort lebenden? (nur, um medizinisch weiter zu argumentieren..)
    Nur für den Fall, dass Du mich bis hierhin falsch verstanden hast:
    Ustinov hat es gesagt und es gibt keinen Zweifel, dass Krieg Terror ist und Terror Krieg!
    Die Blickrichtung ist unerheblich! Nehme es mir bitte nicht übel, aber ich glaube, dass Krieg und die ‘gemütliche’ Reaktion darauf stets in die Hose gehen……
    Erklärungen kann es aber nicht geben, denn wer kann sich schon vorstellen, einen Menschen zu töten.
    Ach ja, Du hattest mir ja schon einmal geschrieben, dass Du es könntest.
    Auf welcher Seite würdest Du Dich eigentlich aufgehoben fühlen (können)? Und für wie legitim hieltest Du das Umbringen dann?
    Also, dass Du beinahe traurig bist, nicht bei der Tötung; nein besser Lequidierung, Osamas nicht dabei gewesen zu sein, ist mir klar.
    Es ‘entschuldigt’ aber nicht dafür, ALLES gegen solche Gedanken und gegen den Krieg zu tun.
    Die Dreitausend aus dem Turm sind dann nämlich immer noch tot.

    • arprin Says:

      Ich verstehe nicht genau, was du mir sagen willst. Bist du etwa auch ein Terroristenverstehr? Ich weiß aus deinen anderen Kommentaren, dass du kein Terroristenrechtfertiger bist, aber wenn du Herrn Ustinov verteidigst, läuft da irgendwas schief.

      Und Kriege sind nicht legitim, Hitler hätte nicht Polen angreifen sollen. Zwischen den Ideologien von Hiltler und bin Laden gibt es keine so großen Unterschiede. Sowohl Terrorismus auch als Kriege sind also illegitim.

      Außerdem macht es mir nicht Spaß, bei der “echten” Tötung eines Menschen dabei zu sein, nur war bin Ladens Tod ein Teil der Weltgeschichte. Das ist was anderes als ein ganz normaler Tod.

  2. Lullermann Says:

    Zunächst sollten wir klar stellen, ob ICH Dich richtig verstanden habe. Kann ja sein, dass ich auf dem Holzweg bin.
    Also ich habe Dich so verstanden, dass Terroristen ähnlich wie Pädophile ‘behandelt’ werden sollen, nämlich als Verbrecher.
    Dazu habe ich gesagt, dass Kinderschänder krank sind.
    Ich hätte wahrlich dem Wunsch eines Elternteils kaum etwas entgegen zu setzen, wenn dieser den Vergewaltiger seines Kindes töten wollte.
    Hier gehe ich ausnahmsweise damit konform, dass solche Menschen wohl eher nicht therapierbar sind, denn zwischen der (kranken) Phantasie eines Menschen und des Handelns liegen Welten…..
    Ich möchte dieses Problem aber nicht näher betrachten.
    Zum Geistesstand eines Kriegsführers aber gäbe es denn doch noch etwas zu sagen.
    Und hierzu habe ich lediglich danach gefragt, ob Du eigentlich heutige Kriegsführer für ‘normal’ hältst.
    Unterstrichen habe ich das damit, dass wohl ein Krieg NIEMALS legal sein kann.
    Herrn Ustinov habe ich auch nicht verteidigt. Ich habe ihn lediglich verstanden.
    Sämtliche, von Dir genannten, Zitate haben aber den gleichen Inhalt. Sie sagen mir, dass Krieg falsch ist.
    Und es ist auch falsch, in, oder während eines Krieges einen Schuldigen finden zu wollen.
    Erinnern wir uns an Deinen Beitrag:

    ….Alle anderen Kriterien der Menschlichkeit fallen bei ihnen weg. Die Frage, ob sie „Menschen“ sind, ist völlig überflüssig, es kommt nur darauf an, ob sie anderen Mitmenschen gefährlich werden können…..

    Hast Du den von mir zitierten Bomber-Harris ‘überlesen’?
    Machst Du also DOCH einen Unterschied zwischen einem erklärten Krieg und dem der Terroristen?

    Nur nochmal zum besseren Verständnis:

    wäre ich, oder jeder meiner ‘Leute’ bedroht, oder tatsächlich tätlich von Terroristen angegriffen, würde ich mich entsprechend zur Wehr setzen. Und ich kann Dir hier versprechen, dass solche Leute sich zu gegebener Zeit wünschen würden, nicht geboren worden zu sein, aber ich lese aus Deinen Beiträgen eben nicht, dass man leidlich LEGITIM vergeltet, sondern, dass Deine Gedanken einer gewissen Prävention entsprungen sind – beinahe ‘posthum’ Osama nochmal umbringen zu wollen.

    Der Widerspruch allerdings bleibt, nämlich dass die so viel gepriesenen Terroristen gar nicht aus ärmlichen Verhältnissen stammen, sondern ihr Leben durchaus auch als Geschäftsleute hätten verbringen können.

    1. machen und sind das heute auch die ‘Legitimkrieger’
    (ihre Kriege kosten dabei allerdings sehr viel mehr Menschen das Leben und nehmen gewaltige Ressourcen in Anspruch)
    2. kann ich da tatsächlich noch eine gewisse Selbstlosigkeit entdecken, wenn jemand zum Terroristen wird. Solche Leute bekommen nämlich keine üppige Pension und werden sicher nicht mit einem grossen Zapfenstreich in ihren Ruhestand verabschiedet.

    In diesem Sinne bin ich ein Terroristenversteher, mache allerdings auch keinen Unterschied zwischen ihnen und einem Mörder!

    Als ich jung war, gab es die RAF. Ihre Taten schockierten mich und ich wahr gefesselt von all den Polizisten, die damals mit Maschinenpistolen patrollierten.

    Heute sehe ich das natürlich alles sehr differenzierter. Und ich kann die Gründe dieser Menschen für ihre Taten nachvollziehen.
    Sie waren natürlich äusserst beschränkt in ihrer Annahme, dass man es mit einer Hand voll Leuten wirksam schaffen könnte, sich mit einem Staat an zu legen…..
    Und auch ihre Vorgehensweise war abartig!
    Aber mich beschleicht heute manchmal auch eine gewisse Sympathie für diese Leute, wenn ich mich durch unfähige Politiker um mein Leben betrogen fühle.

    Eines bleibt aber:

    Diese leute kamen aus gutem Hause und waren nicht wirklich debil.

    Und da sind wir wieder bei Deinem Beitrag. Sind Terroristen Krieger zweiter Klasse, oder ist Krieg legitim, egal, wer ihn führt?

    Wer zwischen nach Genfer Konvention geführtem, und dem ‘Krieg’ der sog. Dschihadisten aber unterscheidet, der sollte doch nicht stammtischmässig seine Meinung endgültig fassen.
    Während ich hier nämlich schreibe, haben sämtliche Legaten dieser Welt uns ein Stück weiter um unser Leben betrogen!
    Und bei diesem Gedanken könnte ich mir sogar vorstellen, mich zu irgendeiner Zeit mit irgendwelchen Gedanken zu solidarisieren.
    Nur faschistisch sollten sie nicht sein ;-)

    Und wenn ich Dich immer noch richtig verstehe, dann sollen alle Dschihadisten in ‘ihrer’ Hölle schmoren!
    Ihre Beflügelung zu ihren Taten kann ich nämlich auch überhaupt nicht respektieren.

    Übrigens ist meine aufrichtige Trauer um die Opfer von 9/11 immer noch gegenwärtig. Und sie werden, sobald ich mich erinnere, stets ein Teil von meinem Leben sein. Der Tag, an dem Osama starb ist allerdings für mich kein geschichtlicher Tag.
    Und ich möchte mich hier gar nicht darin verrennen, was alles passiert wäre, wenn nicht so mancher Mensch durch Meuchelmörderhand umgebracht worden wäre.
    Solche Gedanken verschwenden stets die in Hollywood :-)
    Dazu habe ich nicht das Potential.

    • arprin Says:

      Du hast viel Text geschrieben, Lullermann.
      Nur so viel: Ja, für mich sind Kriegsverbrechen genauso schlimm wie Terrorismus. Aber es gibt manchmal einen himmelweiten Unterschied zwischen Terroristen und Politikern, die Kriege führen lassen. Du kannst nicht Lincoln, Roosevelt, Bolivar und andere kriegsführende Persönlichkeiten mit bin Laden vergleichen. Bei Saddam, Gaddafi und natürlich Hitler stimme ich dir zu, aber eben nicht immer. Auch muss man die Situation bedenken, in der Entscheidungen getroffen wurden: Bomber Harris hat nicht einfach so aus Spaß beschlossen, Deutschland zu bombardieren, es handelte sich um den wohl barbarischsten Feind, den man sich vorstellen kann. Dennoch will ich nichts damit rechtfertigen, denn auch in Kriegen, die gegen totalitäre Diktaturen geführt werden, können Verbrechen geschehen.
      Und dein Kommentar zur RAF: “…Und ich kann die Gründe dieser Menschen für ihre Taten nachvollziehen…”- Wieso? Bist du etwa auch der Meinung, dass Kapitalismus genauso schlimm ist wie Kommunismus?

  3. Lullermann Says:

    Mit dem vergleich zwischen Kapitalismus und Kommunismus gehen wir hier evtl. zu sehr ins Detail.
    Warum Kriege geführt werden, wenn sie denn sämtlichst abartig sind, ist also nicht die Frage.
    Nur kann man alle Begründungen für einen Krieg in einen Topf schmeissen und daraus eine verdammt giftige Suppe kochen.
    Ausgelöffelt wird diese aber stets vom sog. Fussvolk. Unbeteiligte eigentlich, oder dazu gezwungene Menschen.
    Mindestens aber Leute, wie Du und ich.
    Ich glaube aber, dass ich deutlich genug geschrieben habe, dass ich Terroristen und ihre ‘Sache’ für eher schlimmer halte, als einen ‘normalen’ Krieg, wobei es in einem solchen ‘normalen’ Krieg eben auch Terroristen gibt.
    Der Terrorismus hat nur einen kleinen Haken:
    Die, gegen den er sich richtet, können sich nicht wirklich verteidigen.
    Evtl. ist es das, was den ‘klassischen’ Terror per se abartiger erscheinen lässt.
    In einer Diktatur können und konnten die Menschen zwar wenig gegen das Kriegsgeschrei der ‘Führer’ unternehmen, aber wie sieht es denn heute aus?
    Werden wir gefragt, wenn Soldaten in ferne Länder zum Krieg spielen entsandt werden?
    Liegt es in unserem Interesse, welches doch wohl meistens kaum weiter als bis zum Arbeitsplatz und zurück reicht?
    NEIN!
    Ich glaube also, dass die Trauer um einen Menschen kaum einen Unterschied erfährt, ob dieser von einer feindlichen Kugel getötet wird, oder durch einen Anschlag ums Leben kommt.
    Und wegen des Kapitalismus ( im weitesten Sinne) sind gerade erst kürzlich in Griechenland Menschen ums Leben gekommen.
    Und hierbei unterscheide ich eben nicht anhand der Anzahl der Opfer. JEDES ist eines zuviel.
    Kommunismus übrigens ist gar keine schlechte Sache, aber die Menschen konnten bisher damit nicht gut umgehen.
    Der Kapitalismus aber, welcher als quasi legale Droge seine Blüten treibt, steht dem Kommunismus in nichts nach.
    Manager werden sogar im Insolvenzverfahren mit Millionen abgefunden, während tausende andere existenzbedroht und suizidgefährdet sich selber überlassen werden.
    Und die meisten ‘modernen’ Kriege werden doch wohl ausschliesslich wegen des lieben Geldes geführt, oder?
    Es sind die von uns noch vor Jahren ‘belächelten’ Ölkriege, für die Menschen ihr Leben lassen müssen!
    Ich finde also, dass man das Wort Kommunismus nicht ausschliesslich als Schimpfwort begreifen sollte, wenn man es mit dem Wort Kapitalismus vergleicht.
    Um aber beim Terror zu bleiben.
    Mir ginge es in dieser Unterhaltung lieber darum, den anderen nicht davon überzeugen zu wollen, dass es bei Mördern, oder ihren Auftraggebern (Politiker) irgendeinen Unterschied gibt.
    Ich möchte es mir nämlich nicht so einfach machen und sagen:
    Terror gehört verboten, bei erklärten Kriegen aber darf man schon ‘mal ein Auge zudrücken…

    Wegen des Gebotes der Fairness aber, wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt davon sprechen kann, gebe ich Dir 100 % tig Recht.
    Die Beweggründe der Terroristen sind häufig nicht nachvollziehbar und äusserst schwammig, vor allem aber stark auf ihre eigenen, kleinen und oft belanglosen Bedürfnisse beschränkt. Nur sehe ich das eben auch bei den ‘Unternehmungen’ unser aller demokratisch gewählten Politiker.

    Darf ich Dir für Deine ‘Anstrengungen’ in Deinem Blog trotzdem ein Lob aussprechen? Unermüdlichkeit in der besseren Form nennt man das wohl ;-) Sehr viele Leute scheinen diese wichtigen Themen ja nicht gerade sehr stark zu interessieren :-(

    • arprin Says:

      In den “Ölkriegen” wurden die meisten Zivilisten von Terroristen umgebracht, ob nun den nicht selten iranisch-syrisch organisierten “irakischen Widerstand” oder den Taliban in Afghanistan(wobei es in Afghanistan jetzt nicht so viel Öl gibt…), insofern sind diese Kriege kein gutes Beispiel.

      Der Kapitalismus ist dem Kommunismus in allem haushoch überlegen, aber wie kein System auf der Welt perfekt. Man kann es so sagen: Der Kapitalismus funktioniert nicht, aber es ist das am wenigsten nicht funktionierende System der Welt.

      Und mein Blog ist für sein Alter- drei Monate- gar nicht so schlecht besucht, ich hatte schon mal 100 Besucher an einem Tag. Nur sind diese eben nicht so oft wie du gewillt, Kommentare abzugeben.

  4. Lullermann Says:

    Na, denn geht’s ja ;-)
    Und weiterhin viel Erfolg.

  5. Essener Says:

    Zu jeder Tat gehört ein Motiv. Das ist das logische und rationale Vorgehen, um ein Verbrechen zu verstehen, – mit dem Ziel einer rechtstaatlichen Ahndung.

    Sie bleiben bei Ihrer Kritik die Antwort darauf schuldig, welches Motiv hinter dem Terror steckt. Was treibt diese Menschen an, andere Menschen zu töten?

    Es gehört zur Rechtstaatlichkeit, das Motiv zu ergründen. Denn aus ihm ergibt sich die rechtliche Konsequenz. Mord wird anders geahndet wie Totschlag.

    Beim Terrorismus ist es nicht anders wie bei jedem anderen Verbrechen. Die Tat hat ein Motiv. Es ist die Aufgabe eines rechtstaatlichen Justizsystems, dieses Motiv zu ergründen. Danach muss vor einem ordentlichen Gericht die Schuld des Täters zweifelsfrei nachgewiesen werden. Ist dies der Fall, wird das Strafmaß vom Gericht verkündet und vom Justizvollzug vollstreckt.

    Dieses Vorgehen hat sich im Laufe der Jahrhunderte im Zuge der Entwicklung des Rechtstaates herausgebildet.

    Ich vermisse bei Ihrer Vorgehensweise die Berücksichtigung all dieser Aspekte! Also: Um Verbrechen in Zukunft zu verhindern, und das ist das Ziel einer sinnvollen, präventiven Herangehensweise, muss zunächst verstanden werden, was den Täter zur Tat treibt. Weiß man dies, kann man im Vorfeld Bedingungen schaffen, die eine solche Tat unwahrscheinlich machen.

    Also: Es genügt schon, sich an die Gepflogenheiten des rechtstaatlichen Justizsystems zu halten, um eine probate Herangehensweise für das Thema Terror zu finden!

    • arprin Says:

      Hääh? Die Motive von Terroristen sind, dass sie glauben, dass sie in den Himmel kommen, wenn sie sich oder andere in die Luft sprengen. Was soll man da noch erforschen und wie soll man so eine Tat “präventiv verhindern”? Oder habe ich ein zu schlechtes Bild von Terroristen?

      Welches Motiv haben Terroristen ihrer Meinung nach und wie könnte man “im Vorfeld Bedingungen schaffen, die eine solche Tat unwahrscheinlich machen”?

  6. Essener Says:

    Es fällt sehr leicht, Motive für den Terror zu finden. Hier nur einige Beispiele, bezogen auf die Situation in Gaza und den von Israel illegal besetzten Gebieten.

    1. Israel, die USA und die gesamte westliche Welt missachten Artikel 33 der vierten Genfer Konvention. 1

    Der brutale israelische Angriff auf den Gazastreifen im Dezember 2008 ist dafür ein erschreckendes Beispiel.

    2. Seit 1967 besetzt Israel unrechtmäßig palästinensisches Land und verletzt damit geltendes Völkerrecht. 2

    3. Israel, die USA und die gesamte westliche Welt missachten das vom Völkerrecht garantierte Recht auf Rückkehr für die palästinensischen Flüchtlinge. 3

    4. Israel, die USA und die gesamte westliche Welt missachten die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, insbesondere Artikel 13 Absatz 2. 4

    Dies sind sehr gut belegte Tatsachen. Diese Tatsachen wiederum bilden die Grundlage für ein Motiv.

    Jede rechtstaatliche Herangehensweise muss sich diesen Tatsachen stellen, oder sie ist nicht rechtstaatlich. Womöglich ist aber eine solche Herangehensweise gar nicht intendiert? Womöglich kommen Dinge ans Licht, die man besser im Dunkeln lässt?

    1 http://www.admin.ch/ch/d/sr/i5/0.518.51.de.pdf

    2 http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Nahost/un-sr-242.pdf

    3 http://www.palaestina.org/fileadmin/Daten/Dokumente/Abkommen/UN-Resolutionen/resolution_194__11.12.1948.pdf

    4 http://www.un.org/en/documents/udhr/index.shtml#a13

    • arprin Says:

      Mit diesem Unsinn geben sie mit letztendlich recht, auch wenn sie es nicht merken. Ich sagte, dass die Motive von Terrorristen politisch motiviert sind und nichts mit der vermeintlichen Armut dieser Menschen zu tun hat. Der Multimillionär Osama bin Laden ist ein gutes Beispiel dafür.

      Zu ihren “Argumenten”: Was soll man davon halten? Sie reden von der Unterdrückung der Palästinenser und kommen mit dem Völkerrecht und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Ist es ihnen aber schon mal in den Sinn gekommen, dass die muslimischen Führer sich noch viel weniger um Menschenrechte kümmern? Assad hat mehr Menschen getötet als während der “Operation Gegossenes Blei” von Israel. Die Taliban haben zig mehr Afghanen getötet als die westlichen Soldaten. Während des sogenannten “Schwarzen Septembers” in Jordanien 1970 wurden wahrscheinlich mehr Palästinenser getötet als in 60 Jahren Krieg mit Israel.

      http://en.wikipedia.org/wiki/Black_September_in_Jordan

      Die Menschenrechte werden in der muslimischen Welt täglich gebrochen, in jedem Land. Aber es macht nur Schlagzeilen, wenn Israel oder die USA dafür verantwortlich gemacht werden können. Dies ist eine zutiefst rassistische Einstellung.

      Wenn sie mal über Palästina hinaus schauen würden, würden sie merken, dass der Nahe Osten traditionell sehr blutig ist, ohne dass die Israelis sich einmischen würden. Saddam hat 1988 mehr Iraker getötet als alle Kriegsparteien während der 8-jährigen Besatzung seit des Landes seit 2003.

      http://en.wikipedia.org/wiki/Al-Anfal_Campaign

      Aber interessiert sie das überhaupt? Interessiert es die ganzen selbsternannten Palästinahelfer? Haben sie schon den Terror von schiitischen Milizen im Irak mit den Ereignissen von 1988 (und 1991) entschuldigt?

      Sie glauben offenbar allen ernstes, dass die Araber in allen Ländern sich wirklich Sorgen um das Wohlergehen der Palästinenser machen und dass ihre Verzweiflung sie dann zu Terroristen werden lässt. Die Wahrheit ist jedoch, nirgendwo werden die Rechte der Palästinenser mehr missachtet als in ihren arabischen Brüderländern. In Libanon z.B. leben Palästinenser tatsächlich in Apartheid, es gibt Berufsverbote und andere Formen der Diskriminierung:

      http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5917689,00.html

      Der UN-Flüchtlingswerk wird zur Hälfte von den USA finanziert. Weniger als 1% der Spenden kommen von den arabischen Ländern. Die Palästinenser sind den Arabern scheißegal. Sie sind nur der Vorwand für ihren Hass.

      http://www.unrwa.org/etemplate.php?id=87#funding

      In Israel haben Palästinenser mehr Rechte als in allen arabischen Ländern. Der Gazastreifen ist seit 2005 nicht besetzt, das ist eine Tatsache. Die humanitäre Situation in Gaza wird propagandistisch ausgeschlachtet. Natürlich gibt es viele Probleme, aber den Menschen in Gaza geht’s besser als in den meisten anderen arabischen Städten. Die Lebenserwartung liegt bei 72, höher als in Russland oder Indien. Die Kindersterblichkeit ist niedriger als in der Türkei und Ägypten. 92% der Bevölkerung sind alphabetisiert- ein Wert, von dem die meisten arabischen Länder(Ägypten, Tunesien, Algerien, Jemen) nur träumen können. 15% der Bevölkerung sind übergewichtig. Dennoch behaupten die Terroristen immer wieder, die Palästinenser würden in KZ’s leben und bräuchten noch mehr Hilfe. Sie machen das nur aus einem einzigen grund: Die Bevölkerung gegen Israel aufzuhetzen.
      Lebenserwartung: http://www.welt-auf-einen-blick.de/bevoelkerung/lebenserwartung.php
      Kindersterblichkeit: http://www.welt-auf-einen-blick.de/bevoelkerung/kindersterblichkeit.php
      Analphabetenrate: http://www.welt-auf-einen-blick.de/bevoelkerung/alphabetisierung.php
      Gesundheitsbericht/Übergewicht: http://www.emro.who.int/palestine/reports/monitoring/WHO_special_monitoring/gaza/Gaza%20Health%20Assessment%20%2829Jun09%29.pdf

      Diese Palästinisierung aller Probleme der muslimischen Welt ist ein großes Problem in dieser Region. Fehlt noch, dass man für die Bürgerkriege in Jemen, Algerien, der Islamischen Revolution, den Massakern der Taliban und dem Genozid in Darfur den Israelis die Schuld gibt. Nur, wenn die Muslime endlich EIGENVERANTWORTUNG übernehmen, wird sich im Nahen Osten wirklich was ändern.

      Zum Thema Palästina empfehle ich ihnen DRINGEND diesen Artikel:

      http://www.heise.de/tp/artikel/22/22744/1.html

      Die Erfahrungen, die der Autor dort schildert, stehen ihnen hoffentlich noch bevor.

  7. Pizi Says:

    Ich möchte deinen Schilderungen gar nicht widersprechen, aber du gehst auf keinen der von Essener genannten Punkte direkt ein. Deine Argumente entkräften seine keineswegs. Nur weil die arabischen Staaten die Menschenrechte vielleicht noch ärger mit Füßen treten und sich kein bisschen um die Palästinenser scheren, darf man Israels Poltik nicht kritisieren? Man kann ein Übel nicht mit einem anderen rechtfertigen oder relativieren. Ein Übel bleibt ein Übel, auch wenn es noch üblere Übel gibt…

    Ich halte auch die Palästinenser nicht für Engel (ich habe auch deinen Link dazu gelesen), dennoch stimme ich den oben genannten Punkten zu. Und du kannst sie scheinbar auch nicht widerlegen. Es ist Zeit von der Gut-Böse-Polarität wegzukommen und damit meine ich beide Seiten.

    • arprin Says:

      Ich habe keine Gut-Böse-Polarität. Natürlich hat auch Israel Fehler gemacht. Aber dies ist keine Entschuldigung für den palästinensischen Terror. Die von Essener genannten Punkte sind entweder falsch (z.B. das imaginäre Rückkehrrecht oder die nicht-existierende Besatzung) oder basieren auf einer extrem einseitigen Sicht der Dinge (Menschenrechte und die Genfer Konvention werden viel öfters durch die arabischen Länder verletzt).

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