Dass der GröFaZ noch immer der berühmteste Deutsche im Ausland ist, sollte nicht sehr verwundern. Das Dritte Reich ist halt das krasseste Kapitel im Geschichtsunterricht. Da kommt kein anderer heran. Einen berühmteren Botschafter werden die Deutschen erst dann haben, wenn einer es schafft, noch mehr Menschen umzubringen als Hitler- und das wollen wir ja nicht hoffen.
Was ich aber doch verwunderlich finde ist dass Hitler in anderen Ländern der Welt nicht nur berühmt ist, sondern auch bewundert wird. Und ich meine damit nicht von der Hamas oder anderen judenhassenden Banden, sondern von niemand geringeres als den Indern.
Was verbindet Hitler überhaupt mit Indien? Als einziges würde einem einfallen, dass er sich das Hakenkreuz von den Indern abgeguckt hat, aber mehr nicht. Doch beim zweiten Blick offenbart sich: Als die Nazis Krieg mit den Engländern führten, erhofften sich indische Nationalisten eine englische Niederlage und stellten sogar eine eigene Armee für die Nazis bereit, die der SS unterstellt war und in Europa für das Deutsche Reich kämpfte. Der Anführer dieser “Indischen Legion” war Subhash Chandra Bose- neben Gandhi und Nehru der dritte große Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Gandhi schrieb Hitler übrigens im Jahre 1940 einen kritischen Brief, der mit der Anrede “Dear Friend Hitler” begann- der Titel eines Films, den die hitlerbesessenen Inder im Jahre 2010 produzierten.
Big in India
Ein Deutscher in Indien wundert sich- Wie Adolf nach Indien kam:
“Pakistan ist das Gegenteil von Deutschland: Im Norden ragen die Berge in den Himmel, das Meer brandet im Süden an die Küste, die Problemzonen mit Arbeitsmangel und Radikalen finden sich im Westen, die blühenden Landschaften im Osten. An diese verkehrte Welt gewöhnt man sich recht schnell. Doch mit einem Gegensatz findet man sich nicht ab: Die meisten Menschen hier mögen Hitler.
Kürzlich war ich beim Friseur, einem alten Mann, der noch ohne Haarschneidemaschine und anderem elektronischen Schnickschnack arbeitet. Eine klapprige Schere, ein Kamm, eine Sprühflasche mit Wasser, das ist sein Werkzeug. Das Ergebnis war akkurat, aber ich war trotzdem nicht glücklich.
Ich sagte: “Ich sehe aus wie Hitler.”
Er betrachtete mich im Spiegel, lächelte zufrieden und sagte: “Yes, yes, very nice.”
Ich verzichtete auf eine Diskussion, fuhr nach Hause und bemühte mich, den Scheitel zu beseitigen.
Peinliche Momente
Gut, dass es nicht wieder zu dem üblichen Hitler-Gespräch gekommen war. Pakistaner suchen dieses Thema, wenn sie erfahren, dass man aus Deutschland kommt. “Wir sind auch Arier”, sagen sie dann, weil sie irgendwo aufgeschnappt haben, dass es ein indogermanisches Urvolk gab, die Aryas. Und: Hitler, ach, was war das für ein genialer Feldherr!
Manchmal ist es am besten, die eigene deutsche Herkunft zu verschweigen.
Es sind peinliche Momente, weil die Menschen glauben, sie machten einem mit ihrem Bekenntnis eine Freude. Ich vermute, die meisten Inder und Pakistaner haben keine Ahnung, was dieser Mann angerichtet hat. Sie sehen in ihm den schneidigen Führer, der sich mit Briten und Amerikanern anlegte.
In der islamischen Welt, nicht nur in Pakistan, sondern weiter von Iran bis in die Maghreb-Staaten, spielen sicher auch antisemitische Haltungen eine Rolle. Das Gespräch, wenn man sich denn darauf einlässt, landet schnell bei der Ungerechtigkeit, die den Palästinensern widerfahren sei, als man ihnen ihr Land wegnahm.
Vor Scham im Boden versinken
Man kann versuchen, solche Gespräche abzublocken, wie kürzlich ein deutscher Bekannter: Er sagte einem Taxifahrer in Iran, er solle aufhören mit dem Unsinn, schließlich hätte er als Dunkelhäutiger unter Hitler mit Sicherheit nicht lange überlebt. Der Taxifahrer guckte ihn mit großen Augen an: “Aber ich bin doch ein Arier!”
Man kann aber auch einfach nur im Boden versinken, wie damals, als uns deutsche Freunde bei unseren pakistanischen Verwandten in London besuchten. Aus heiterem Himmel fing ein Onkel an, bewundernd über Hitler zu sprechen, darüber, welche militärischen Leistungen er angeblich doch vollbracht und wie er Deutschland aus der wirtschaftlichen Misere geführt hätte. Unsere Freunde saßen da, hörten mit versteinerter Miene zu und wussten nicht, wie ihnen geschah. Mir war das Lächeln im Gesicht gefroren. Später, bei passender Gelegenheit, baten meine Eltern um Entschuldigung, unsere Freunde sahen es uns nach.
Sprung von Hitler zu Mercedes
Ich weiß nicht, woher diese Faszination rührt, nicht nur für die Nazis, sondern für alles Deutsche. Dass das heutige Deutschland ein anderes ist als das “Dritte Reich”, nehmen die meisten Menschen kaum wahr, sie haben ja nicht einmal die nächste Großstadt auf dem Subkontinent gesehen, woher sollen sie also wissen, wie es heute in der Bundesrepublik aussieht.
Der Sprung von Hitler zu Mercedes ist für viele Pakistaner deshalb nicht weit (“Very excellent car, but a little too expensive”). Vor ein paar Tagen fuhr ein weißer Mercedes aus den siebziger Jahren vor mir, im Stadtzentrum von Islamabad. Darin saß eine siebenköpfige Familie. Am Heck prangte ein Aufkleber: ein schwarzes Hakenkreuz in einem weißen Kreis, umgeben von Rot. Darunter: “I like Nazi.”
Bettwäsche aus der Nazi-Kollektion
Es sind nicht ausschließlich Muslime, die einen irritierenden Nazi-Kult pflegen: In Indien wurde vor ein paar Jahren von einem Hindu ein Restaurant mit dem Namen “Hitler’s Cross” eröffnet, einschließlich “Führer”-Porträt im Eingang. Ein hinduistischer Geschäftsmann verkaufte Bettwäsche mit Hakenkreuzen, die mit der in Indien verbreiteten Swastika, dem hinduistischen Hakenkreuzsymbol für Glück, wenig zu tun hatten: Die Laken, Kissen- und Deckenbezüge gehörten laut Werbebroschüre zu einer Ausstattung mit dem Namen “The Nazi Collection”. Die englische Fassung von “Mein Kampf” gibt es selbst in den Buchläden der entlegensten Orte zu kaufen. Und in indischen Schulbüchern wurde Hitler schon mal als großartiger Staatslenker gefeiert.
Einmal besuchten meine Frau und ich das Café in dem wunderschönen Hotel “Imperial” in Neu-Delhi. Es hat einen Garten mit Palmen, hervorragenden Tee und freundliche Kellner in Uniformen, die an die Kolonialzeit erinnern. Ein junger Mann bediente uns. Sein Namensschild rief mein Interesse hervor, ich fragte ihn nach dem Grund seines für indische Verhältnisse doch ungewöhnlichen Namens. “Oh, meine Eltern haben mich nach einer großen historischen Persönlichkeit benannt”, erklärte er uns. In schwarzen Lettern stand auf dem goldenen Schild: Adolf.”
Das indische Restaurant mit dem Namen “Hitler’s Cross”:
Ein südländischer Hitler:
Die Kellner haben das Motto des Restaurants verinnerlicht:
Auch die “Schweizer Wochenzeitung” berichtete über den Hitler-Wahn in Indien:
“Mein Kampf” in Indien- Gandhis Bücher liegen daneben
“Mehr als sechzig Jahre nach Adolf Hitlers Tod ist seine Hassschrift in manchen Teilen Indiens überaus beliebt. Woher kommt das?
Auf dem Kahn-Markt im wohlhabenden Süden Delhis gehen TouristInnen und Angehörige der indischen Mittelschicht einkaufen. Restaurants, Cafés im westlichen Stil, traditionelle und moderne Bekleidungsgeschäfte gibt es hier, Läden mit Unterhaltungselektronik, CDs und Büchern. In den zwei Buchhandlungen am Markt kann man auch Adolf Hitlers «Mein Kampf» erwerben. Das Buch, das im deutschsprachigen Raum verboten ist, liegt direkt neben Büchern des indischen Unabhängigkeitskämpfers Mahatma Gandhi, der sich der Gewaltfreiheit und Toleranz verschrieben hatte. «Es ist eines der Bücher, das sich gut verkaufen lässt», sagt der Buchhändler Anup Bamhi. Kunden seien vor allem indische Männer im mittleren Alter.
Kaum eine Buchhandlung oder ein Strassenverkäufer, die oder der «Mein Kampf» nicht im Sortiment hätte. Verschiedene Verlage geben das Buch als Reprint heraus. «Allein in Delhi», so K. C. Maiti, Verleger des Jaico Publishing House, «haben wir zwischen April und Dezember 2008 mehr als 10 000 Exemplare verkauft.»
«Anders als in Deutschland oder Europa wächst man hier nicht automatisch mit einer Aversion gegen Hitler auf», sagt der Historiker Sumit Sarkar: «Hitler wird als jemand gesehen, der gegen die Briten, die ehemalige Kolonialmacht, gekämpft hat.» Mit seiner Frau Tanika Sarkar hat er das Wesen der hindu-nationalistischen Bewegung untersucht, die sich vor allem gegen Minderheiten in Indien richtet. In den dreissiger Jahren hatten die Hindu-NationalistInnen eine starke Neigung zum italienischen Faschismus und deutschen Nationalsozialismus. Als besonders bedenklich erachtet Sarkar den Kult, der um Hitler entstanden sei. Es seien vor allem gebildete InderInnen, die sich von ihm angezogen fühlten.
Das Buch gebe es nicht nur in englischer Übersetzung, sondern auch in vielen der indischen Regionalsprachen, ergänzt Tanika Sarkar: «In Rajasthan wird es von der Dorfjugend gelesen, aber auch am renommierten St. Stephens College von den gebildeteren Schülern. Neunzig Prozent der Bewerber haben in der Aufnahmeprüfung auf die Frage, wer die historische Persönlichkeit sei, die sie am meisten bewundern, geantwortet: Hitler», berichtet Tanika Sarkar, die viele Jahre am College unterrichtet hat.”
Die FAZ berichtete 2002:
Machtmensch- Warum Hitler bis heute in Indien verehert wird
“Sechs von zehn Studenten nennen den Namen Adolf Hitler, wenn sie gefragt werden, welchen Menschen sie am meisten bewundern. Das ergab vor kurzem eine Umfrage im St. Stephen’s College in Neu-Delhi, einem der Elite Colleges Indiens. Der Diktator habe seinem Volk nach der Demütigung durch den Versailler Vertrag Selbstachtung gegeben, lautet die häufigste Begründung der Studenten für Ihre Wahl.
Die Hitler-Verehrung, die bis in hochgebildete Kreise reicht, ist ein indisches Phänomen, das viele deutsche Besucher seit jeher verwundert und erschreckt. Die indischen Gesprächspartner sind ihrerseits betroffen, dass Deutsche den von ihnen als Held empfundenen Mann herabsetzen.
Wie kommt es zu dieser merkwürdigen Hitler-Verehrung? Indem er die Kolonialmacht England angriff, verhalf Hitler Indien indirekt zur Unabhängigkeit im Jahre 1947. Das vom Krieg geschwächte England konnte Indien nicht mehr halten. Dieser Aspekt der Geschichte blendet bis heute alle anderen aus: den Holocaust, die Kriegsleiden des gesamten Kontinents, die Ermordung des jüdischen Volks, das in Indien übrigens stets ehrenwert behandelt worden ist. Deutschland ist zu weit weg, seine Geschichte allzu isoliert von der indischen, als dass selbst die gebildete Schicht Indiens dieses Gesamtbild der Taten Hitlers gerecht wertend in den Blick bekäme. So konnte es etwa geschehen, dass man 1997 eine Hitlerstatue in der Nähe von Darjeeling aufstellen wollte oder dass 1999 mehrfach die ganzseitige Annonce einer Technologiefirma mit einem Baby in Hitleruniform erschien. Die Überschrift lautete: „Born to Rule“. So wird auch einem populären rechtsradikalen Politiker in Bombay nicht energisch widersprochen, wenn er immer wieder seiner Bewunderung für Hitler Ausdruck verleiht.
Der schmerzlich empfundene eigene Mangel an nationaler Selbstachtung gibt der Hitler-Verehrung eine psychologische Richtung. Die immer noch stark hierarchisch aufgebaute Gesellschaft sucht nach „Gurus“, auch nach Machtmenschen, die dem Volke jene Selbstachtung, welche sie durch fortgesetzte Armut, ständige soziale Konflikte und Probleme und durch die Bevormundung des Auslandes verlieren. Praful Bidwai, der sich in der „Hindustan Times“ entsetzt von den Umfrageergebnissen zeigt, sieht darin eine Verbindung zu der nationalen indischen Erziehung, die Nationalstolz und Nationalismus überbetonen. Vor allem die gegenwärtige rechtsgerichtete Koalitionsregierung versuche, diesen Stolz aufzuputschen und in Aktionsprogrammen – etwa gegen Minoritäten – zu kanalisieren.”
Und zum Bollywood- Blockbuster: Bollywood verfilmt Hitlers Liebesleben
“Kitschige Tanzszenen aus dem Bunker? Sentimentale Liebeslieder zum Bombenhagel? Indiens melodramatische Traumfabrik „Bollywood“ dreht einen Film über Adolf Hitler und sein Liebesleben. Die letzten Tage im Berliner Bunker. Titel des bizarren Projekts: „Dear Friend Hitler“. Da hat jemand Nerven: Ein buntes Kostümspektakel über das Nazi-Monster? Hitler ganz harmlos? Der Massenmörder als Musical-Hit?
„Es wird eine Romanze, allerdings nicht im typischen Sinn“, verspricht Regisseur Rakesh Ranjan Kumar, der sich bei seinem Erstlingswerk eher am deutschen Erfolgsstreifen „Der Untergang“ orientieren will. Heißt also: Weniger Kitsch, mehr Ernst. „Mein Film soll Hitlers Persönlichkeit und Unsicherheiten zeigen, sein Charisma und seine Paranoia während seiner letzten Tage.“
Nur schwer vorstellbar: Hitler-Geliebte Eva Braun wird in dem kuriosen Werk von Neha Dhupia (29, vollbusig, sinnliche Lippen, lange dunkle Haare) gespielt. Die ehemalige Miss India bereitet sich gewissenhaft auf ihre Rolle vor. Laut eines Insiders „sieht sie sich eine Menge historischen Materials und Filme über Eva Braun an“.
Ebenso bizarr: Die Hitler-Rolle bekam der Inder Anupam Kher (55, spielte auch schon Ghandi in einer TV-Serie), ein erfahrener, beliebter Bollywood-Star. Angeblich wurde er wegen seiner äußerlichen Ähnlichkeit (?) mit Hitler für die Rolle ausgewählt. „Ich bin ein bekannter Schauspieler, deshalb wird die Arbeit für mich besonders schwer.“ Über Hitler sagt er: „Er ist einer der interessantesten Charaktere unserer Zeit.“
Es kommt noch kurioser: Laut Regisseur Kumar soll der Film auch „Hitlers Liebe zu Indien zeigen, wie er indirekt zur Unabhängigkeit Indiens beigetragen hat“. Ob es hochnotpeinlich oder unfreiwillig komisch wird, wird man in Kürze sehen. Der Streifen soll noch in diesem Jahr in die Kinos kommen, auch international laufen.”
Szenen des Films (Hitler ist erst ab 0:56 zu sehen):
Der ursprüngliche Hauptdarsteller Anupam Kher sagte die Rolle ab, als jüdische Organisationen den Film kritisierten. Für ihn sprang Raghubir Yadav ein. Es gab übrigens schon im Jahre 1998 ein Film mit dem Namen “Hitler“, der von einem brutalen, aber gerechten Gefängnisdirektor handelt, den die Insassen ehrfürchtig Hitler nennen.
Siehe auch hier:
Ein Restaurant nach Hitler benannt
Nazi-Bettwäsche in indischem Laden
Hitler in indischen Schulbüchern verehrt
Indischer Sektenführer verglich Gandhi mit Hitler
Aber sie sind nicht die einzigen:
Hitler in China:
Hitler-Verehrung in China- Der eine Mensch
Hitler in Taiwan:








Juli 5, 2011 um 06:03 |
ich weiß jetzt nicht was ich von diesem artikel halten soll sie stören sich als deutscher daran das sie “positive” auf hitler angesprochen werden. mir fällt jetzt aber kein einziges land das ich bereist habe ein in dem es nicht so gewesen wäre (ala “hitler guter mann”) zumindest wenn man der landessprache mächtig ist und/oder sich traut mit einheimischen zu reden. ist halt wie mercedes/BMW ziemlich das berühmteste aus deutschland muss man sich mit abfinden. meine hitliste jordanien japan namibia kenia england usa
März 16, 2012 um 21:22 |
@ Anonymus: ich würde Ihnen dringend den Gebrauch von Kommata ans Herz legen.
Ich danke für den Blogpost, weil mir dieser Umstand bisher gar nicht klar war und nun bin ich um einiges informierter.