Archive for Juli 2011

Antibroderismus

Juli 26, 2011
Henryk M. Broder (Bild: Sven Teschke)

Henryk M. Broder (Bild: Sven Teschke)

Die schrecklichen Attentate von Oslo und Utoya haben zwei Dinge ans Tageslicht gebracht: Erstens die traurige Einsicht, dass es wahnsinnigen Terror auch in dem friedlichsten Land der Welt geben kann und zweitens, dass die Medien nicht nur nicht davor zurückscheuen, Erdbeben und Tsunamis für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, sondern auch terroristische Attentate.

Im Manifest des norwegischen Terroristen wurde Henryk M. Broder in einem Nebensatz erwähnt, indem er mehr oder weniger scherzhaft den jungen Europäern den Rat gab, aus Europa auszuwandern, um nicht die Probleme miterleben zu müssen, die auf Europa zusteuern (ich bin aber gerade vor 11 Jahren nach Europa gekommen und glaube noch an diesen angeblichen Kontinent, der in Wirklichkeit ein Teil Asiens ist).

Außerdem zitiert Breivik noch einen Auszug von Broders Bestseller Buch “Hurra, wir kapitulieren!”:

Objectively speaking, the cartoon controversy was a tempest in a teacup. But subjectively it was a show of strength and, in the context of the ‘clash of civilisations,’ a dress rehearsal for the real thing. The Muslims demonstrated how quickly and effectively they can mobilise the masses, and the free West showed that it has nothing to counter the offensive—nothing but fear, cowardice and an overriding concern about the balance of trade. Now the Islamists know that they are dealing with a paper tiger whose roar is nothing but a tape recording.

(Quelle)

Das Buch habe ich gelesen und in meinem Blog empfohlen.

Dass Broder mit seinen Aussagen natürlich nicht Massenmord rechtfertigt, dürfte jeden klar denkenden Mensch einleuchten. Breivik ist ein antimuslimischer und antikommunistischer Rassist, er findet alles toll, was irgendwie den Islam (oder den Kommunismus) kritisiert. Das bedeutet aber nicht, dass jede Form von Islamkritik theoretisch als Inspiration zu Massenmord dienen kann. Denn dass es gewisse Dinge im Nahen Osten gibt, die man kritisieren muss (in Saudi-Arabien dürfen Frauen nicht Auto fahren, im Iran werden Homosexuelle hingerichtet, in Pakistan droht bei “Blasphemie” die Todesstrafe), ist ja wohl keine rassistische Ansicht.

Mit derselben Logik könnte man linken Intellektuellen wie Michael Moore oder Noam Chomsky eine Mitschuld für den islamistischen Terror geben, immerhin sagte Osama bin Laden in einer Videobotschaft: “Noam Chomsky was correct when he compared the U.S. policies to those of the Mafia” und die Hisbollah wollte Michael Moores Film “Fahrenheit 9/11″ unterstützen. (more…)

Eine alternative Bestrafung für Terroristen und Amokläufer

Juli 25, 2011
kl

Sie entscheiden, welche Geschichte ganz oben landet

Wie soll man Menschen bestrafen, die Hunderte andere Menschen töten und anschließend keine Reue zeigen? Diese Frage stellt sich nach solchen Massakern, wie sie in Norwegen geschehen sind, immer wieder. Die Wiedereinführung der Todesstrafe wurde in Deutschland während der RAF-Zeit diskutiert, die lebenslange Freiheitsstrafe scheint für so manchen Verrückten noch zu wenig. Rainer Bonhorst hat in der Achse des Guten eine andere Alternative ins Spiel gebracht:

Vorstellen kann man sich trotzdem eine interessante Ergänzung zum üblichen Verfahren. Nämlich dies: konsequentes Totschweigen. Wer fast hundert Menschen umbringt, um eine „Botschaft“ an die Welt loszuwerden, der will vor allem eins: Öffentlichkeit, Kameras, eine Bühne, auf der er sein dummes Zeug absondern und sich wichtig machen kann. Es ist zu erwarten, dass er während seines Prozesses eine solche Bühne bekommt. Er wird sich auf dieser Bühne pudelwohl fühlen. Er wird jede Schlagzeile genießen. Er wird ganz groß herauskommen und sich ganz groß fühlen.

Wäre es nicht viel befriedigender, wenn man ihn dieser Helden-Show berauben würde? Wenn man kein Wort mehr über ihn verlöre? Wenn sein Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit, bei totaler medialer Missachtung stattfände? Und wenn er dann seine Strafe als gänzlich unbeachteter, armseliger Mörder absäße?

Es ist nur ein Traum und für einen Journalisten ein seltsamer Traum. Und ich verrate diesen Traum bereits, indem ich diese Zeilen schreibe. Und doch wäre lebenslange Missachtung die Höchststrafe für einen solchen Mann. Er hätte sie verdient.

Das Herostratentum (Duden-Definition:”Durch Ruhmsucht motiviertes Verbrechertum”) hat eine lange Tradition, der Mörder von John Lennon soll die Tat aus reiner Geltungssucht gemacht haben. Aber die Medien kapieren diese Tatsache nie. Im Gegenteil- Sie verhalten sich so, wie Anders Breivik es sich gewünscht hat. Damit hat Anders Breivik sein Ziel erreicht: Er ist berühmt, er ist in die Geschichte eingegangen.

Bolivien: “La misma historia”

Juli 17, 2011

Die bolivianische Flagge

Die Copa America in Argentinien läuft schon seit zwei Wochen, aber für mich ist sie schon jetzt ein bisschen enttäuschend ausgefallen. “Ein bisschen”, weil ich zwar nur wenig Hoffnung hatte, aber eben doch ein bisschen. Für wen? Na, Bolivien natürlich. Ich bin dort nämlich migrationshintergründig, und das verpflichtet mich als Fußballfan zum “Mitfiebern”.

Trauer, Wut, Enttäuschung?

Als ich nach dem Aufwachen sofort den Computer aufmachte, um zu sehen, wie das Spiel ausgegangen war, hatte ich den Grundsatz im Kopf: Keine Hoffnung, keine Enttäuschung. Daran änderte auch das erste Ergebnis nichts: Bolivien hatte in Argentinien (!) gegen ihre erste Elf (!) in einem offiziellen Turnier (!) ein Unentschieden rausgeholt (!) und dabei mehr als 20 Minuten in Führung gelegen (!), mit einer vergebenen Chance auf das 2:0 (!) – eine Menge Gründe, um davon auszugehen, dass dieses Team die U-22-Mannschaft von Costa Rica besiegen könnte. Aber das war mir einfach nicht genug. Wir hatten ja schon mal Maradonas Elf mit 6:1 besiegt, nur um dann gegen Venezuela zu verlieren. Zum Glück bin ich tatsächlich dabei geblieben, denn meine “Schwarzseherei” sollte sich bewahrheiten. Die “Ticos” besiegten uns 2:0 und vernichteten damit alle Hoffnungen auf ein bisschen Ruhm für Bolivien, ein Land, dass man höchstens für den Koka-Anbau und den Inkas kennt. Die nächste Niederlage gegen Kolumbien (0:2) war zumindest weniger schmerzvoll.

In Bolivien nennt man das dann gewöhnlich “la misma historia” (dieselbe Geschichte): “jugamos como nunca y perdimos como siempre” (wir spielten wie nie und verloren wie immer). (more…)

Vince Ebert zur Wissenschaftsfeindlichkeit

Juli 16, 2011

In unserer Zeit erleben wir den totalen Atomausstieg, den Krieg gegen das vermeintlich teuflische CO2 und gegen Elektrosmog von Mobilfunkmasten. Vince Ebert hält nichts davon und sagt: “Albert Einstein würde sich im Grabe umdrehen“:

Mein Nachbar gründete neulich eine Bürgerinitiative gegen Elektrosmog, weil die Telekom bei uns um die Ecke einen Mobilfunkmast aufgestellt hat. Da haben über 1000 Leute unterschrieben, die angeblich unter Kopfschmerzen und Übelkeit leiden. Als er dem Telekom-Sprecher das Protestschreiben in die Hand gedrückt hat, sagte der: «Und wie schlimm muss es erst werden, wenn wir nächsten Monat den Mast auch noch in Betrieb nehmen…» – Im Ernst: Wenn unsere Nahrungsmittel angeblich immer giftiger werden, wir immer dicker und ungesünder werden, wenn der Zustand unserer Umwelt immer schlimmer wird – warum steigt dann unsere durchschnittliche Lebenserwartung? Wir werden so alt wie nie zuvor, dann kann doch nicht alles schlechter werden, oder?!

Ein Auszug von Vince Eberts Buch “Denken sie selbst” bringt es noch deutlicher auf dem Punkt:

Quantenmechanik ist keine Fußmassage

“Naturwissenschaftler haben in der heutigen Zeit ein eher schlechtes Image – fast vergleichbar mit Attentätern oder Amokläufern. Die Allgemeinheit findet den Job total spannend, gleichzeitig will aber keiner etwas mit denen zu tun haben, die ihn ausüben. Wenn ich auf einer Party erzähle, dass ich Vorlesungen in Kernphysik besucht habe, dann glauben die Leute sofort, ich würde in meinem Hobbykeller Plutonium anreichern. Das stimmt natürlich, aber was ist daran so schlimm?

Gründe für dieses Imageproblem gibt es viele. In Filmen oder in der Literatur wird der Wissenschaftler  seit jeher als gefährlicher Psychopath dargestellt, der sich als Gott aufspielt: Dr. Faustus bei Goethe, Dr. Frankenstein bei Mary Shelley oder Dr. Brinkmann in der Schwarzwaldklinik. Dabei ist wissenschaftlicher Fortschritt erst einmal nie gut oder schlecht. Es kommt immer auf die Anwendung an. Mit einem Laser kann man eine Pershing-Rakete steuern oder im CD-Player Roberto Blanco hören. Was ist schlimmer? (more…)

Feminismus in der Krise?

Juli 14, 2011
Ja, sie können es

Ja, sie können es

Der Feminismus erlebt gerade eine schwere Zeit. Die Freilassung von Kachelmann und Strauss-Kahn war ein schwerer Schlag für die feministische Sache, vergleichbar mit dem Sechstagekrieg für die palästinensische Sache. Noch viel schlimmer als das Scheitern der Frauenquote. Als ob die Umtriebe von Tiger Woods, Arnold Schwarzenegger, Ryan Giggs und dem Ehemann von Sandra Bullock, wie auch immer er heißt, nicht schon genug Demütigung gewesen wären. Der Kachelmann-Prozess war am Ende auch eine Niederlage für die Mutter aller radikalen FeministInnen: Alice Schwarzer (Zitat: “Die Nebenklägerin habe “sehr überzeugend dargelegt, dass sie vielleicht die Wahrheit gesagt habe”).

Und als zweiter Dämpfer der mäßige Erfolg bei der Frauen-WM in Deutschland. In Sachen Frauen-WM bin ich aber, im Gegensatz zu den meisten anderen Themen, eher auf Seiten der FeministInnen. Dasselbe gilt auch für den unbeachteten Kampf der FeministInnen in Saudi-Arabien. Aber fangen wir von vorne an. (more…)

Mohamed Bouazizi: So begann der Arabische Frühling

Juli 14, 2011

Es ist schwer was los in Arabien

Wir erleben zurzeit unfassbare Dinge. Seit dem Untergang des Kommunismus in Osteuropa hat sich die Welt nicht mehr innerhalb so kurzer Zeit so gründlich verändert. In der DDR begann die Wende mit Protesten gegen die offensichtlichen Wahlfälschungen und mündeten in der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten.

Doch wie begann eigentlich der Arabische Frühling? Nun, die Antwort lautet: Ein tunesischer Gemüsehändler, der sich eigentlich nicht um Politik interessierte, begang Selbstmord und brachte damit das Volk auf die Straße. Doch seine Geschichte wurde von den Revolutionären instrumentalisiert. Die Proteste gegen den Diktator Ben Ali begannen mit einer Lüge.

Sidi Bouzid: Die arabische Bastille

In der Stadt Sidi Bouzid ging am 17.Dezember 2010 ein Feuer auf- wörtlich und im übertragenen Sinne. Die Revolutionäre verbreiteten folgende Version der Ereignisse: Mohamed Bouazizi war ein unverheirateter Hauptverdiener einer achtköpfigen Familie, der sein Abitur abgeschlossen hatte und dennoch arbeitslos war. An diesem schicksalshaften Tag zog er um 10 Uhr seinen lizenzierten Obstkarren durch den Markt, als plötzlich Polizisten begannen, sich unerlaubt an seinen Früchten zu bedienen. Wie in ganz Tunesien kommandierten die Polizisten die Zivilisten in Sidi Bouzid herum und plünderten sie oft rücksichtslos aus. Bouazizi und sein Onkel wollten sich dagegen wehren, doch die Polizistin Fadiya Hamdi hörte nicht auf die Ermahnungen, auch nach dem Bouazizis Onkel sich bei der örtlichen Polizeistation beschwert hatte. Stattdessen schlug sie ihn mit ihrem Schlagstock. Bouazizi weinte und bettelte. Als er sie fragte, warum sie ihm das antat, hatten sich rund 50 Personen auf dem Markt versammelt. Hamdi gab Bouazizi daraufhin eine Backpfeife. (more…)

Der mit den Arabern leidet – Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 10

Juli 13, 2011
Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Die zehnte und letzte These von Todenhöfer.

These 1, These 2, These 3, These 4, These 5, These 6, These 7, These 8, These 9

These 10: Das Gebot der Stunde heißt Staatskunst, nicht Kriegskunst- im Irankonflikt, im Irakkonflikt, im Palästinakonflikt.

Die jahrelange, fast kindliche Weigerung des amerikanischen Präsidenten, mit missliebigen Politikern wie Arafat, Assad, Saddam oder Ahmadinedschad persönlich zu sprechen, und die Entscheidung, stattdessen Strategien zu entwickeln, wie man diese – nach Rücksprache mit Gott – aus dem Amt bomben könnte, zählen zu den absurdesten Fehlentscheidungen unserer Zeit. „Wer als Staatsmann dem Frieden dienen will, muss mit dem Staatsmann auf der Gegenseite reden“ (Helmut Schmidt). Auch der Ost-West-Konflikt der Nachkriegsjahre konnte nur gelöst werden, weil sich Ronald Reagan nie zu schade war, die Herrscher des damaligen „Reichs des Bösen“ persönlich zu treffen.

Es stimmt einfach nicht, dass es im Irankonflikt außer der Strategie immer härterer Sanktionen nur noch die „katastrophale Alternative” „iranische Bombe oder Bombardierung Irans“ gibt (Nicolas Sarkozy). Die entscheidende Alternative zur Ausgrenzung und Dämonisierung großer Kulturnationen wie des Iran ist ihre Wiedereingliederung in den Kreis gleichberechtigter Nationen – mit allen Rechten, aber auch mit allen Pflichten.

Eine wunderbare Passage für linke Gutmenschen. Verhandlungen, persönliche Treffen, Wiedereingliederungen statt Kriege, Sanktionen und Ausgrenzungen. Alle wollen doch eigentlich nur Frieden – nur die USA (und Israel) nicht. Der Iran und andere Schurkenstaaten könnten niemals die sein, die Verhandlungen, persönliche Treffen und Wiedereingliederungen ablehnen – es ist nur der Westen.

Jetzt aber zurück zur Realität.

Stellen wir uns für einen kurzen Augenblick zwei Fragen: Könnte es nicht sein, dass es nicht die USA sind, die keine Verhandlungen mit dem Iran möchten, sondern der Iran keine Verhandlungen mit den USA? Und könnte es nicht auch sein, dass der Iran und andere der sogenannten Schurkenstaaten noch absurdere “Strategien nach Rücksprache mit Gott (bzw. Allah)” entwickeln als der Westen, die “zu den größten Fehlentscheidungen unserer Zeit” gehören? Als Achmedinedschad im Jahr 2009 abgewählt wurde, hätte er es doch einfach akzeptieren können anstatt die Ergebnisse zu fälschen und die protestierenden Massen niedermetzeln zu lassen.

Über was sollte Israel mit dem Iran oder der Hamas verhandeln? In welche Städte die palästinensischen “Flüchtlinge” zurückkehren sollen und wohin sich die jüdischen Israelis dann verziehen sollen? Ganz friedlich und ohne Anwendung von Gewalt natürlich? Jeder, der sich die Charta der Hamas mal gründlich durchgelesen und mal ein Wochenende palästinensisches Fernsehen reingezogen hat, weiß, dass Verhandlungen Israels mit der Hamas denselben Wert hätten wie die Verhandlungen der Alliierten mit Nazideutschland vor 1939. Die Hamas könnte natürlich ihre Charta ändern und die tägliche Hass-Propaganda gegen Israel einstellen – nur gibt es im Moment keine Anzeichen dafür, dass dies in baldiger Zukunft passieren wird.

Niemand dämonisiert die iranische Kultur. Außer der iranischen Regierung, die Künstler verhaftet und Filme zensieren lässt, die im Westen Preise abräumen. Nach der Islamischen Revolution sind mehr als 2 Millionen Iraner aus ihrer Heimat geflohen. Ihre Regierung akzeptiert nur die Kultur, die ihrer Ideologie passt. Und Todenhöfer (der übrigens ständig die westliche Kultur dämonisiert) hilft dem unterdrückten iranischen Volk mit seinen Lügen kein Stück weiter. (more…)

Ethnisierung, Militarisierung, Genozid

Juli 9, 2011

Er lässt ungestraft morden, plündern, vergewaltigen, zerstümmeln und versklaven: Omar al-Bashir

Der Sudan war bis zum heutigen Tag der größte Staat im afrikanischen Kontinent. Wie die meisten anderen Staaten in Afrika entstanden die Grenzen des Landes nicht nach kulturellen oder ethnischen Prinzipien, sondern nach den geopolitischen Interessen der europäischen Kolonialmächte. Das hat sich nun geändert- der Süden hat heute seine Unabhängigkeit erklärt.

Im Januar 2011 stimmten 99% der Einwohner im Südsudan für die Unabhängigkeit vom Norden. Seit 1955 hatten Milizen des Südens für Autonomie gekämpft, ab 1983 unter Anführung der Sudan People’s Liberation Army (SPLA). Millionen sind durch die Folgen des Krieges umgekommen oder vertrieben worden. Der Friedensvertrag von Naivasha 2005 sah ein Referendum vor, indem die Einwohner über die Unabhängigkeit des Südens entscheiden sollten. Außerdem wurde die Autonomie der Region festgelegt und eine Entmilitarisierung beschlossen.

Doch vieles, was im Vertrag beschlossen wurde, wurde nicht gründlich genug umgesetzt. In der Region Abyei sollte ebenfalls ein Referendum durchgeführt werden, um über die Zugehörigkeit zum Norden oder Süden zu entscheiden, doch es fand keines statt. Auch die Entmilitarisierung wurde nicht gründlich genug umgesetzt, so dass es immer wieder zu Kämpfen zwischen der nordsudanesischen Armee (SPAF) und verschiedenen Rebellengruppen kam.

Am 19.Mai brachen durch eine Provokation der südsudanesischen Armee (SPLA) neue Kämpfe aus, diesmal in Abyei. Schon 2008 hatte es dort wieder Gefechte gegeben. Am 5.Juni brachen auch in Südkordofan neue Kämpfe zwischen der SPAF und der SPLA aus, da in dieser Provinz, die keine Unabhängigkeit vom Norden anstrebt, SPLA-Kämpfer vermutet wurden. Hunderte Zivilisten sind bei den Luftangriffen und Artilleriefeuer ums Leben gekommen. Laut Amnesty international steuert Südkordofan auf eine humanitäre Katastrophe zu. Die Zahl der Flüchtlinge wird mittlerweile auf über 100.000 geschätzt.

In keinem anderen afrikanischem Land haben sich die Folgen der willkürlichen Grenzziehung so deutlich bemerkbar gemacht wie im Sudan. Noch bevor das Land im Jahre 1956 die Unabhängigkeit entlassen wurde, brach der erste Bürgerkrieg zwischen dem Süden und dem Norden aus. (more…)

U-Bahn Schläger beweisen: Deutschenfeindlichkeit ist möglich

Juli 7, 2011

Deutschenfendlichkeit- Ein Mythos?

.. das behauptet dieser Bericht bei “Cosmo TV” als Reaktion auf die Aussagen von Kristina Schröder. Es wird zwar nicht behauptet, dass Deutschenfeindlichkkeit “nicht möglich” wäre, aber dass es sie nicht gibt.

Die Thesen des Berichts zusammengefasst:

- Ausländer beleidigen Deutsche rassistisch, weil Sie durch ihre von der Gesellschaft verursachten Armut und Identitätskonflikt ein Minderwertigkeitsgefühl haben. Sie sind aber keine Rassisten.

- Das Wort “Kartoffelfresser” ist nicht rassistisch, da Deutsche Kartoffeln essen (genauso wie Wein und Schweinefleisch).

- Es trifft nur deshalb Deutsche, weil Deutsche in diesen Gegenden in der Minderheit sind.

- Ausländern Deutschenfeindlichkeit vorzuwerfen, ist ausländerfeindlich.

So. Gut, das wir nun aufgeklärt wurden. Wo sonst sieht man sowas außer bei CosmoTV?

Doch nun kommt plötzlich dieser Fall: Hass auf Deutsche soll Motiv für Gewalt-Orgie sein

Die brutale Attacke auf einen 30-jährigen Mann im Berliner U-Bahnhof Lichtenberg im Februar 2011 soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft einen rassistischen Hintergrund haben. Wie die “Bild”-Zeitung berichtet, sei die Tat laut Anklageschrift aus Habgier und niederen Beweggründen verübt worden, unter anderem aus rassistischen Motiven gegenüber Deutschen.

Nach Aussagen von Zeugen hätten die jungen Männer ihr Opfer als “Scheiß-Nazi” und “Scheiß-Deutscher” beschimpft, bevor sie in der U-Bahn-Station regelrecht Jagd auf ihn machten. Wie die “Bild”-Zeitung erfuhr, sollen die Jugendlichen schon Wochen vor der Tat durch deutschfeindliche Pöbeleien aufgefallen sein.

An dieser Stelle sollte man sich auch mal die Thesen des Berichts von Cosmo TV nochmal ansehen und überprüfen:

Niemand würde auf die Idee kommen zu sagen, dass Neonazis Ausländer nur deshalb hassen, weil Sie durch  ihre von der Gesellschaft verursachten Armut und Identitätskonflikt (Deutscher oder Ossi?) ein Minderwertigkeitsgefühl haben und das es nur deshalb Ausländer trifft, weil Sie im Osten fast immer in der Minderheit sind. Das Wort “Spaghettifresser” wird auch als rassistisch bezeichnet, obwohl die Italiener natürlich Spaghetti essen. Dasselbe trifft auf das Wort “Reisfresser” zu, mit dem z.B. in den USA Asiaten angepöbelt werden. Dabei essen Vietnamesen viel, viel Reis!

Deutschland hat aufgrund seiner belastenden Geschichte (die Zeit, in der man der Welt nicht den totalen Atomausstieg, sondern den totalen Krieg erklärte) eine selbst auferlegte, besondere Pflicht beim Kampf gegen den Rassismus. Rassismus kann jede ethnische Gruppe treffen, also auch die, die eigentlich keine Rasse sind. Niemand würde behaupten, dass Türken, Italiener, Polen, Serben oder Russen nicht Opfer von Rassismus sein könnten, weil sie keine Rasse sind. Neben ethnischen Merkmalen konnten auch religiöse Merkmale für Rassismus ausschlaggebend sein. Neben den Juden, die man in der Vergangenheit fälschlicherweise als Rasse bezeichnete, wurde der Rassismus an Muslimen- vor allem nach dem 11.September- als Gefahr erkannt.

Nun ist es aber so: Nicht nur Türken, Italiener, Polen, Serben, Russen, Juden oder Muslime sind als eine ethnische oder religiöse Gruppe einzuordnen, sondern auch Deutsche. Müsste es deshalb eigentlich nicht auch möglich sein, dass es Rassismus gegen Deutsche gibt? Mit diesem Problem setzte sich jahrelang niemand auseinander. Allein das Wort “Deutschenfeindlichkeit” klang schon irgendwie ausländerfeindlich. Aber: Warum sollte es nicht möglich sein, dass man zwar gegen Türken, Italiener, Polen, Serben, Russen, Juden oder Muslime rassistisch eingestellt sein kann, aber nicht gegen Deutsche?

Rassismus gegen Deutsche ist möglich und existiert- auch in Deutschland.

Ein Bericht über eine Schule in Berlin, wo die deutsche Minderheit gemobbt wird:

Als Bürger mit Migrationshintergrund sind solche Zustände für mich genauso inakzeptabel wie “national befreite Zonen”.

Andere Berichte über Deutschenfeindlichkeit:

Rassismus: Das Schweigen der Schulen über Deutschenfendlichkeit
“Schweinefresser”
Ich wurde gemobbt, weil ich Deutsch spreche

Die deutschen Panzer rollen wieder!

Juli 7, 2011
Abdullah, König von Saudi-Arabien, dem wichtigsten Verbündeten der USA im Nahen Osten

Abdullah, König von Saudi-Arabien, dem Verbündeten der USA im Nahen Osten

“Deutschlands Freiheit wird am Hindukusch verteidigt. In Neukölln hat man sie bereits aufgegeben”. Das Zitat stammt von Henryk M.Broder und bezieht sich auf die allgegenwärtigen “Islam-Debatte”. Aber es könnte ohne Frage auch im Zusammenhang mit einem aktuellen Geschäft der Bundesregierung gelten.

Ob man’s glaubt oder nicht: Die deutsche Geschichte im 20.Jahrhundert kennt nicht nur ein Genozid. Im Gegenteil, sie ist sehr reichhaltig daran. Auch bei den Herero und Nama in Namibia hat man eigenhändig Hand angelegt, beim Völkermord an den Armeniern hat man zugesehen, weil die Osmanen damals Verbündete waren und Saddams Giftgas, mit dem er Kurden abschlachtete, kam von Deutschland. Und nun also Panzerlieferungen an ein Land, dass sich seit mehr als 60 Jahren im Kriegszustand mit Israel befindet, indem antisemitische und antichristliche Hetze in Schulen, Moscheen und Zeitungen alltäglich ist, das den weltweiten Dschihad “inoffiziell” mitfinanziert und dessen Staatsdoktrin sogar noch islamistischer als die des Iran ist.

Zumindest sind die Saudis da ehrlich, unsere Staatsdoktrin (“Nie wieder!”) ist dagegen nur noch peinlich.


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