Archiv für November 2011

Die jüdische Nakba

November 29, 2011

Die vergessenen Flüchtlinge

Unter Nakba, der “Katastrophe”, verstehen die meisten Historiker die Vertreibung von 700.000 palästinensischen Arabern aus dem heutigen Staatsgebiet Israels. Jedes Jahr am 14.Mai, dem Gründungstag Israels, erinnern die Araber an die “Katastrophe”, die die Palästinenser damals erleiden mussten (so auch in diesem Jahr). An einer anderen Katastrophe dagegen wird praktisch nie erinnert, weder in Israel noch bei den Arabern. Es ist die jüdische Nakba. Sie begann vor exakt 64 Jahren: Die UNO hatte am 29.November 1947 den Teilungsplan für Palästina in einen jüdischen und arabischen Staat beschlossen. Die Araber begannen daraufhin mit einer systematischen Diskriminierung der damals etwa 850.000 in ihren Ländern lebenden Juden. Zwischen 1948 und 1970 sank die dortige jüdische Bevölkerung, die über 2000 Jahre alt war, um mehr als 95%.

In Algerien, Ägypten, Irak, Libanon, Libyen, Syrien, Jemen, Saudi-Arabien und Jordanien leben heute zusammengerechnet 600 Juden, in Marokko und Tunesien immerhin noch etwa 10.000. In den letzten 60 Jahren ist der Bevölkerungsanteil somit um über 840.000 Menschen geschrumpft. Die Länder Algerien, Saudi-Arabien, Jordanien und Libyen erklären sogar stolz, dass überhaupt keine Juden mehr in ihrem Land leben. Israels heutige jüdische Bevölkerung besteht zu 50-60% aus den Nachfahren jüdischer Flüchtlinge aus arabischen Ländern, in Zahlen etwa 3,5-4 Millionen. Während der Vertreibungen fanden etliche Verbrechen statt, die wenig später vergessen, verdrängt oder gar verleugnet wurden. Die vertriebenen Juden besaßen mehr als 100.000 Quadratkilometer Land (mehr als das Vierfache der Größe Israels!) und Eigentum im heutigen Wert von 300 Milliarden Dolllar! (Quelle, siehe auch hier) Viele waren auch bei israelischen Evakuierungsoperationen vor dem wütenden Mob nach Israel “transportiert” worden.

Die jüdische Internetzeitung hagalil hat die jüdische Nakba dokumentiert. (weiterlesen…)

Die Revolte gegen Einstein

November 27, 2011

Er kann nicht immer Recht haben: Albert Einstein

Die Nobelpreis-Jury ist in seiner Geschichte schon durch die ein oder andere fragwürdige Entscheidung aufgefallen. Erst dieses Jahr ist mit Tawakkul Karman zum ersten Mal eine arabische Frau ausgezeichnet worden, die jedoch im jemenitischen Zweig der Muslimbrüder aktiv ist. Dagegen ist sogar der Bambi für Bushido recht harmlos.

Etwas unbeachtet blieb auch die Entscheidung der Jury, den Astrophysikern Saul Perlmutter, Brian P. Schmidt und Adam Riess den Physik-Nobelpreis zu verleihen. Ihre Entdeckung war festzustellen, dass eine mystische, unbekannte “Dunkle Energie” dafür sorgt, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt. Doch diese Entdeckung hatten sie bereits 1998, also vor 13 Jahren, gemacht, und sie wird bis heute von vielen Forschern angezweifelt. Keiner weiß bis jetzt, woraus die dunkle Energie besteht oder ob sie überhaupt existiert.

Um genau zu sein weiß man schon seit 1929, dass sich das Universum ausdehnt und nicht etwa in einem “Big Crunch” wieder kollabieren und verschwinden würde, wie vor dem “Big Bang”. Doch die Feststellung, dass es immer schneller vorangeht, war eine Sensation. Warum das so ist, weiß niemand. Die Dunkle Energie ist eine reine Theorie ohne echten Anhaltspunkt. (weiterlesen…)

Die stille Rückkehr eines alten Imperiums

November 26, 2011

Die Flagge der Sowjetunion

“Der russische Regierungschef Wladimir Putin hält einen Zusammenschluss seines Landes mit dem westlichen Nachbarn Weißrussland 20 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion für möglich. Die Rückkehr zu einer Einheit nach sowjetischem Vorbild sei wünschenswert, sagte Putin bei einem Ferienlager kremltreuer Jugendlicher… Ein Beitritt hänge aber “gänzlich vom Willen des weißrussischen Volkes ab”, sagte Putin.”

Diese Nachricht erschien am 2.August in der ZEIT. Weißrusslands diktatorischer Regierungschef Lukashenko hatte in den 1990er Jahren zwar einen Anschluss an die Russische Föderation angestrebt, mittlerweile bezeichnet er aber die Unabhängigkeit Weißrusslands als heilige Sache. Oppositionspolitiker Rygor Kazusew kommentierte Putins Aussage mit deutlichen Worten: “Putin träumt davon, Weißrussland an Russland anzubinden, und hat es nun offen ausgesprochen”.

Der Wunsch nach einer Einheit nach sowjetischem Vorbild passt zum neuen russischen Selbstverständnis. Seit dem letzten Jahr gibt es bereits eine Zollunion mit Weißrussland und Kasachstan, die Ukraine könnte bald folgen. Im Mai verkündete Putin, dass eine gemeinsame Zollunion „die geopolitischen Umrisse des gesamten eurasischen Raums grundsätzlich ändern“ würde. Mit dem russischen Erdgaskonzern Gazprom in der Hinterhand werden Staaten geradezu erpresst und in einen halbkolonialen Status versetzt, wenn sie sich den russischen Forderungen widersetzen. Plant Putin eine neue Sowjetunion als Gegenstück zur EU? (weiterlesen…)

Die Gaddafi-Nostalgiker

November 25, 2011

Wird Gaddafi zum neuen Jesus?

Muammar al-Gaddafi, der Oberste Revolutionsführer und König aller Könige Afrikas, ist nun schon seit mehr als einem Monat tot. Mit Hilfe der NATO kamen die Rebellen an die Macht, die sich ab dem 17.Februar gegen den totalitären Diktator erhoben hatten. Da diese angekündigt haben, einen Staat auf der Grundlage der Scharia zu errichten, haben viele konservative Denker- meistens die, die den Irakkrieg befürworteten- den NATO-Einsatz für gescheitert erklärt. Libyen werde jetzt schlimmer als zuvor. Die Linken haben zwar nicht diese Befürchtung (für sie ist die Scharia nicht zwangsläufig was Schlechtes), doch sie echauffieren sich immer noch über die 30.000 Toten des Krieges und glauben dass es nur um Öl ging, kurz: Auch sie waren gegen den NATO-Einsatz, nur aus moralischen statt aus strategischen Gründen.

Es ist geradezu unheimlich, welche Allianz von Linken, Konservativen, Weltverschwörungstheoretikern und anderen Gestalten gegen den Libyenkrieg waren und aktuell Gaddafi nachtrauern: Die junge Welt, PI News, Malte Lehming, Christian Ortner, Russland und China, Zettels Raum, Jürgen Todenhöfer, der Feuerbringer, American Thinker, die Linke, Westerwelle, Fidel Castro und sogar die Spinner von “Alles Schall und Rauch”. Ich würde mal sagen, das ist eine Sensation. Im Internet kursieren bereits Loblieder auf Gaddafi, die ihn zum Märtyrer stilisieren. Googeln sie einfach mal “Gaddafis politisches Testament” und sie werden es sehen. Ich als Befürworter des Libyen-Einsatzes befinde mich in Gesellschaft von Uri Avnery, Obama und Sarkozy. Aber bin ich deshalb automatisch im Unrecht? Oder, um es mit den Worten von Henryk M.Broder auszudrücken: Bin ich verrückt oder sind es die anderen? (weiterlesen…)

Jesus und der freie Markt

November 23, 2011

Dank an SMBC Comics.

 

Zum “Sozialismus des 21.Jahrhunderts”

November 20, 2011

Che Guevara tot, Fidel Castro bald- da bleibt nur noch Hugo Chavez

In einigen Monaten könnte er tot sein. Die Diagnose lautet Krebs, seitdem hat er bereits drei Chemotherapien hinter sich und zeigt sich optimistisch. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Sein Tod wäre ein herber Rückschlag für so manchen Antikapitalisten. Denn der venezolanische Präsident Hugo Chavez ist die größte Hoffnung der Sorte von Sozialisten, die nach dem Kalten Krieg auf die Errichtung eines neuen, diesmal wirklich perfekten Sozialismus warten. Sein “Sozialismus des 21.Jahrhunderts” soll das schaffen, was Lenin, Stalin, Mao und Fidel Castro nicht vergönnt war. Es findet schon seine Nachahmer in einigen mittel- und südamerikanischen Ländern.

Wenn Venezuela wirklich ein Beispiel für den Sozialismus des 21.Jahrhunderts sein soll, dann ist jetzt schon klar, dass er keine Besserung zu dem des 20.Jahrhunderts darstellt. Was er genau unter seinem Projekt versteht, hat er zwar noch nicht deutlich formuliert, doch man kann es in seinem Land besichtigen: Massive Enteignungen, Unterdrückung kritischer Medien und ein Führerkult mit brachialer Kampfrhetorik. Die Folgen davon sind Rezession, Hyperinflation, ein explodierender Anstieg der Kriminalitätsrate und politische Instabilität. (weiterlesen…)

Den Sündenstolz überwinden

November 20, 2011

Das Verhindern eines neuen Holocausts gehört zu den Gründungsmythen der Bundesrepublik

Kein Volk auf der Welt hat ein Verbrechen aus seiner Geschichte so gründlich aufgearbeitet (nachdem man in den ersten zwei Jahrzehnten noch alles totgeschwiegen hatte) und dennoch solch falsche Schlüsse gezogen wie Deutschland. Irgendwie sind alle unzufrieden: Die einen meinen, man könne die deutsche Geschichte nicht als Rechtfertigung nehmen, um bis in alle Ewigkeit an Israels Seite zu stehen, die anderen können nicht verstehen, dass man sich nicht mehr für Israel einsetzt, da ihnen ständig mit Vernichtung gedroht wird. Eins ist klar: Die Deutschen haben eine Obsession mit Juden und Israel insbesondere, da es sich hierbei um den einzigen Staat mit einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit handelt.

“Wir haben aufgrund unserer Geschichte eine besondere Verantwortung gegenüber dem Staat Israel” ist eine beliebte Floskel deutscher Politiker. Aber was ist denn eigentlich das Besondere an den Beziehungen zwischen Deutschland und Israel? Ich persönlich fühle in keinster Weise eine “besondere Verantwortung”. Warum sollte ich mich mehr um die Sicherheit Israels kümmern als um die Ruandas oder Darfurs? Haben die Briten eine besondere Verantwortung für Indien und Pakistan? Die Franzosen für Algerien und Westafrika? Die Spanier für Lateinamerika? Ich denke nicht. Und das ist auch gut so. Denn ich halte weder die Briten für gute Indienexperten noch die Deutschen für gute Israelexperten. (weiterlesen…)

Freiheitlicher Humor

November 17, 2011

Charlie Hebdo: 100 Peitschenhiebe, wenn ihr euch nicht totlacht!

“Es gibt keinen Humor, es gibt kein Gelächter, es gibt keinen Spaß im Islam. In ernsten Dingen kann es keinen Spaß und keine Freude geben.” Das Zitat stammt vom iranische Ayatollah Khomenei. Für ihn ist der Islam also etwas dermaßen ernstes, das man keine Scherze darüber machen kann, weil es respektlos wäre. Da der fundamentalistische Islam aber nahezu jede kleinste Fassade des menschlichen Seins bestimmt, wird mit dieser Haltung das Lachen komplett aus dem Leben verbannt. “Kein Lachen im Islam” bedeutet für einen Islamisten “Kein Lachen im Leben”.

Im Jahre 1987 begann der Anti-Humor-Dschihad der Islamisten mit dem Kampf gegen einen 6 Sekunden langen Werbespot des niederländischen Showmasters Rudi Carrell im deutschen Fernsehen, indem der Ayatollah mit Damenunterwäsche beworfen wurde. Der Spot löste eine Staatskrise aus: Deutsche Diplomaten wurden aus dem Iran ausgewiesen, das dortige Goethe-Institut geschlossen und mehrere Flüge nach Teheran abgesagt, bis Rudi Carrell sich genötigt sah, sich öffentlich zu entschuldigen. Es folgten Dschihads gegen Salman Rushdie aufgrund seiner Satanischen Verse, gegen Kurt Westergaard und die Jyllands Posten-Redaktion nach den Mohamed-Karikaturen, gegen eine britische Lehrerin, die einen Teddybären Mohamed genannt hatte, gegen das Lied von Schalke 04, gegen den Zeichentrickfilm Persepolis und nun gegen das Satiremagazin Charlie Hebdo. Der Islamismus führt seit zwei Jahrzehnten einen Kampf gegen den Humor, den er leider oft gewonnen hat. (weiterlesen…)

Capitalism is dead!

November 14, 2011

Die Anzeichen verdichten sich. Die Occupy-Bewegung wird die Weltrevolution vollenden.

Es herrscht schon reges Treiben bei den Händlern:

Die Demonstranten haben es auch kapiert:

Und zu guter Letzt erlebt ein Held des Antikapitalismus ein großes Comeback:

Der Spiegel und die Bush-Krieger

November 13, 2011

Der Spiegel mit einem typischen Titelblatt

Dass der Spiegel Bush und die Republikaner nicht mag, dürfte bekannt sein. Wenn dieses Blatt das wichtigste Informationsmedium in den USA wäre, dann würden die USA seit Jahrzehnten ununterbrochen von demokratischen Präsidenten regiert werden. Sogar die Libertären hätten größere Chancen.

Anlässlich der Biografie von Condoleeza Rice, die diesen Monat erscheint, hat der Spiegel mal wieder zugeschlagen. Na gut, dass Bushs Amtszeit von Fehlern gekennzeichnet war, kann niemand bestreiten. Aber der Spiegel schreibt gleich die ganze Geschichte um:

“Und Obama, der Bush-Nachfolger im Weißen Haus, muss jetzt plötzlich stets darauf hinweisen, dass die Wirtschaftskrise übrigens nicht erst mit seiner Amtsübernahme begonnen hat; sondern dass die Ursachen durchaus an anderer Stelle und in einer anderen Zeit zu suchen sind.” (weiterlesen…)


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