Er wird zum Mittäter

Kann er Syrien retten?

Jürgen Todenhöfers Lieblingsdiktator

Jürgen Todenhöfer reiste im Juni nach Daraa und schrieb über die Lage in Syrien:

„Der Einzige, der das Blatt noch wenden kann, ist Baschar al-Assad. Er muss sich an die Spitze der Reformbewegung stellen.“

Der syrische Geschäftsmann Rami Makhlouf antwortete in der NZZ auf die Frage, wie er die Medienberichterstattung zu Syrien erlebt: „Ein Bericht hat mich schockiert und geärgert: Der deutsche Autor Jürgen Todenhöfer konnte nach Daraa reisen: Er wurde bei seinem Besuch bereits in Damaskus vom Geheimdienst begleitet und manipuliert, doch schien er dies nicht zu bemerken. Er fragte sich nicht einmal, warum er die Kontrollpunkte auf der Strasse nach Daraa so einfach passieren konnte, wo doch sonst Ausländern jeglicher Zugang verwehrt wird. Von Daraa selbst wusste er nichts zu berichten, als dass er billige Kirschen kaufen konnte und einem Geheimdienstchef tief in die Augen geschaut hat. Makaber wirkte das auf die Leser, die am selben Tag sahen und hörten wie die Geheimdienste in mehreren Städten vom Helikoptern auf die Demonstranten schossen. Das syrische Regime hätte keine bessere Propaganda wünschen können“. (ich berichtete)

Im November besuchte er erneut Syrien. Dabei merkte er, dass es ein Einreiseverbot gegen ihn gab. Später stellte sich dies dann angeblich als “Fehler” heraus. Also machte er wieder Propaganda:

„Ich will wissen, wie viel Prozent in Homs hinter seinen Freunden, den Rebellen, stünden. “50 Prozent”, antwortet er. Wir bekommen einen furchtbaren Bürgerkrieg, wenn es nicht bald eine Lösung gibt.” Wieder staune ich: Nur 50 Prozent unterstützen den Aufstand von Homs? Doch ich höre diese Zahl mehrfach. Vor allem von Alawiten und Christen, die hier zwei Fünftel der Bevölkerung stellen.“

Ja, weiß der Bush-Hasser auch, wie viele Amerikaner 2000 und 2004 für Bush waren? Und wie viele Israelis für Sharon und Netanyahu? Und wie viele Deutsche für Hitler waren? Spielt es eine Rolle für die Beurteilung eines mörderischen Diktators, wie groß sein Rückhalt in der Bevölkerung ist?

Im Dezember in der FAZ dann (zitiert von Transatlantikforum):

Todenhöfer hat mit Assad persönlich gesprochen und offenbar einen positiven Eindruck gewonnen. So weiss er, dass die Mehrheit der Syrer immer noch an ihren Diktator glaubt und lediglich das System ablehnt.
Zitat: “Der Westen sollte nach Jahrhunderten des Kolonialismus und Postkolonialismus endlich zum Freund und Partner der arabischen Welt werden.”

Genauso wie Ulbricht, der 1940, als die deutschen Kommunisten schon im KZ waren, lieber den “guten Willen” Hitlers betonte, als die “englischen Imperialisten“ zu Hilfe rufen, will Todenhöfer die syrischen Demonstranten (auch wenn sie nicht immer friedlich sind) lieber sterben lassen als eine Einmischung der Amerikaner zu erleben. Dabei gibt es ja nicht immer nur diese zwei Alternativen. Für Todenhöfer ist das USA-Szenario aber so schlimm, dass er, um sicher zu gehen, Assad als guten Mann bezeichnet- denn alles andere könnten die USA als Grund für eine “imperialistischen Aggression” nutzen.

Und nun im SZ-Magazin:

„An einem Novembertag, an dem al-Dschasira mehrfach fünf zivile Todesopfer in Homs, der Hochburg der Revolution, gemeldet hatte, besuchte ich das dortige Zentralkrankenhaus. Doch von Todesopfern oder Verwundeten war den Ärzten an diesem Tag nichts bekannt. Auch nicht aus anderen Krankenhäusern. Als ich einen der Ärzte auf die Falschmeldung hinwies, beendete er das Gespräch kommentarlos. Al-Dschasira ist längst eine mediale Weltmacht.“

Ja, die Krankenhäuser sind leer. Was ihm entgangen ist:

„Syriens Krankenhäuser sind für Regimegegner keine Zuflucht, sondern eine Gefahr. »Du kommst mit einer Kugel im Bein rein«, sagte in Damaskus ein oppositioneller Mediziner, »und mit einer Kugel im Kopf kommst du raus.« Denn nachts kommen die Männer vom Geheimdienst an die Betten. Überall im Land haben Ärzte deshalb Untergrund-Strukturen aufgebaut, es gibt Untergrund-Lazarette in privaten Wohnungen, geheime Apotheken. Um verwundete Aufständische aufzuspüren, hat der Staat die Ausgabe von Blutkonserven und Arzneien gegen Wundstarrkrampf einer zentralen Aufsicht unterzogen. Wenn Ärzte zu viel davon bestellen, fallen sie dem Geheimdienst auf.“

Zuerst hat er einfach verharmlost, dann weggesehen, jetzt wird er zum Mittäter. Er betreibt Propaganda für ein mörderisches Regime.

Eine steile Karriere.

9 Antworten to “Er wird zum Mittäter”

  1. shaze86 Says:

    Ganz schön bekloppt. Aber Hauptsache man ist westophob.

  2. maik Says:

    So sind die Linken Gutmenschen.
    Jeder sollte sich auch die WDR Doku. ES BEGANN MIT EINER LÜGE anschauen.Nicht im Film erwähn Organ Entnahmen an Serben von Albanern gab es schon 6 Monate vor dem Krieg.

    Im Westen auch kaum erwähnt:
    Die Verbrecher Organisation “Balli Kombetar”, welche schon innerhalb der SS im Nazi Regime mordete taucht erneut auf. Auch dies sind immer wieder die selben Verbrecher ob UCK-ANA-AKSH oder jetzt “Balli Kombetare”, eine rein kriminelle Organisation und immer aus der selben Gegend, von eingewanderten UCK Banditen aus dem Kosovo gegründet und dirigiert.

    22. Juli 2004
    14:38 Rechtsextreme Albanergruppe ruft zum Aufstand in Mazedonien auf
    “Balli Kombetar” will “ein für alle Mal Nationalitätenfrage lösen”

    Skopje – Eine rechtsextreme Gruppe hat die Albaner in Mazedonien zum Aufstand aufgerufen. Alle Albaner müssten die Waffen ergreifen und sich an der Grenze im Sara-Gebirge (Kosovo) versammeln, um “ein für alle Mal” die albanische Nationalitätenfrage zu lösen. Das stehe auf Flugblättern, die im mehrheitlich albanisch bewohnten Westen der Balkanrepublik verteilt worden seien, berichteten die Zeitungen am Donnerstag in Skopje.

    Verantwortlich für den Aufruf sei die rechtsgerichtete Widerstandsbewegung “Balli Kombetar” (Nationale Front), die im Zweiten Weltkrieg ursprünglich gegen die italienischen Besatzer aktiv war. Danach stellten sich ihre Verbände in den Dienst der deutschen Wehrmacht und bekämpften die von Tito und den Briten unterstützten, kommunistischen Partisanen des späteren Diktators Enver Hoxha. Innerhalb der SS-Division “Skanderbeg” machten sich die Extremisten an zahlreichen Verbrechen an Nicht-Albanern schuldig. Der “Balli Kombetar” kam es darauf an, das damals entstandene “Groß-Albanien” über die zu erwartende Niederlage Nazi-Deutschlands hinaus zu erhalten. (APA

    http://derstandard.at/standard.asp?id=1736794

    Dann Bosnien.Der Muslimische Präsident Izetbegovic kooperierte im 2 WK mit den Nazis,ein halbes Jahr vor dem Bosnien Krieg wurde die SS Division Handzar wiedergegründet.BEvor die Serben Srebrenica angriffen wurden 50 Serbische Dörfer im Umland zerstört.Die meisten Bosniaken starben als sie mit Bewaffnetten Kämpfern aus der Stadt abzogen.

    Ein MUslimischer Bosnier drehte eine Reportage darüber.

    Nachdem der kontroverze Film “Srebrenica – eine geopferte Stadt” in Schweden und Norwegen ausgestrahlt wurde und heftige Proteste der Bosniaken in den Ländern auslöste, bewirken nun gerade diese Proteste das Gegenteil.

    Die bosn. Diaspora wollte per Petition die Sendung des Filmes verbieten lassen. Jetzt will auch Dänemark das Video und noch ein anderes “Spuren aus Sarajevo” senden.

    An der Spitze der Proteste stehen Jasenko Selimovic und Sanjin Pejkovic die das Video als “serbische genozidäre Verschwörung” bezeichnen.

    Dabei beziehen sie sich nicht nur auf serbische sondern auch auf bosniakische Quellen darunter Esad Hecimovic der als erster schon 1998 eine andere Geschichte von Srebrenica erzählt hat und nach mehreren Drohungen gegen ihn und seine Familie Bosnien verlassen musste.

    Er war als Sekretär bei Treffen von Izetbegovic und dem Generalstab der ABiH anwesend bei dem es hieß “…dass die Bosniaken in Srebrenica ausreichend bewaffnet und genug Männer haben um sich zu verteidigen”. Die Verbrechen die die Bosniaken gegen die Serben begangen hätten sich als Folge daraus verselbständigt.
    Srebrenica – Izdani grad (A town betrayed)

    Da sieht das alles schon ganz anders aus als un die PResse und Politker weismachen wollten.

    • arprin Says:

      Es gab in dieser Phase sowohl einen serbischen, kroatischen als auch einen bosnischen Nationalismus (und auch einen albanischen). Man darf natürlich nicht nur eine Seite kritisieren. Aber dennoch haben die serbischen Nationalisten in disem Krieg die schlimmsten Verbrechen begangen, es gibt auch keine Entschuldigung für die Taten in Srebrenica.

  3. American Viewer Says:

    Jemand von achgut scheint dich zu lesen. Oder es hat jemand eingeschickt. Jedenfalls haben sie dich verlinkt:
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/assads_kleiner_helfer/

  4. Wo sich Jubelaraber in Zurückhaltung üben « Aron Sperber Says:

    [...] http://arprin.wordpress.com/2012/01/07/er-wird-zum-mittater/ Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. [...]

  5. vonhaeften Says:

    Ich habe ihn auch verlinkt. sehr guter Blog!

  6. Sanches Says:

    Wer solche saetze nicht nur liest, sondern versteht, weiss, wie es um diesen Artikel mit dem Wahrheitsgehalt bestellt sein muss:

    “[...] Makaber wirkte das auf die Leser, die am selben Tag sahen und hörten wie die Geheimdienste in mehreren Städten vom Helikoptern auf die Demonstranten schossen.[...]”

    Selten so einen Mist gehoert:

    1) Leser sehen nicht, aber noch weniger hoeren sie.
    2) Geheimdienste fliegen keine Kampfhubschrauber.
    3) Bewaffnete Rebellen noch als Demonstranten zu bezeichnen ist mehr als zuenisch.

    PS: “Once man terrorist is another mans freedomfighter.” Wer diesen Satz nicht versteht, sollte es mit dem bewerten derarter Konflikte vielleicht sowieso gleich lassen.

    • arprin Says:

      Once man terrorist is another mans freedomfighter.

      Genau das ist das Problem. Für Todenhöfer sind alle, die gegen den Westen sind, Widerstandskämpfer. Da schließt er sogar al-Qaida mit ein, wie er in seinem Buch “Warum tötest du, Zaid?” demonstriert:

      Er kämpfe für einen islamischen Irak mit dem Koran als Grundlage der Verfassung. Er wolle, dass die Scharia beachtet werde

      (S.100)

      Ich frage ihn, wie er zu Al-Zarkawi und bin Laden stehe. Rami erklärt, er bewundert beide. Mit Al-Zarkawi hätte er gerne zusammengearbeitet, weil dieser den US-Truppen schwere Verluste zugefügt habe. Auch bin Laden beeindrucke ihn, weil er den Mut gehabt habe, sich den USA offen entgegenzustellen.

      (S.101)

      Die Taliban hat er auch schon des öfteren als Widerstandskämpfer bezeichnet.

      Die Massaker des syrischen Regimes an der Zivilbevölkerung und der Folterapparat, in dem Fingernägelausreißen und Elektroschocks noch zu den harmlosesten Methoden gehört, werden von ihm nicht erwähnt. Das passt nicht in sein Weltbild.

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