Der Liberalismus in Deutschland

Briefmarke zum 90. Geburtstag von Ludwig Erhard, dem “Vater der sozialen Marktwirtschaft”

Eine Umfrage ergab, dass ein Großteil der deutschen Journalisten den Grünen und den Sozialdemokraten nahesteht. Das kommt nicht wirklich überraschend. Ich hatte schon darüber berichtet. Es gab eine Repräsentativ-Studie vom Focus, die belegte, dass 34% der Journalisten in Deutschland den Grünen nahestehen und 25% der SPD. Wenn man die Befragten ausklammert, die keine Parteineigung nannten, kommt man auf umgerechnet eine satte 76%-Mehrheit bei den Journalisten, die sich zu einer Partei bekannten. Deutschland wird von einem Mainstream beherrscht, der auch vor den Parteien nicht halt macht.

Die Liberalen reagieren auf diesen Umstand oft, indem sie sich als Opfer einer linksgrünen Diktatur darstellen. Der FDP-Politiker Joachim Günther empfahl seinen Fraktionskollegen deswegen einen “Medienboykott”. Dirk Pfeil meinte nach dem desaströsen Ergebnis bei den Wahlen in Berlin, dass die Wähler einfach zu dumm für den Liberalismus sind. Mit dieser Einstellung, in der der Frust darüber spricht, dass die Linken es geschafft haben, ihre Ideologie in Deutschland besser zu verkaufen, wird man freilich nichts an den Zuständen ändern. Die Frage ist, wie sich die Liberalen mehr Gehör verschaffen können.

Eine Möglichkeit wäre, liberale Parteien zu unterstützen. Doch in Deutschland gibt es praktisch keine liberale Partei mehr. Der Blogger Rayson ist der Ansicht, dass eine liberale Partei in Deutschland wie ein Fremdkörper wäre: Sie hätte keine “Vision”, bei der sie “die Gesellschaft mitnehmen” müsste, wäre stolz, nur wenig Gesetze auf den Weg gebracht zu haben, würde es ablehnen, sich um die Sorgen und Nöte der Bürger zu kümmern und es den Bürgern zutrauen, sich um ihre Sorgen und Nöte eigenverantwortlich zu kümmern und sich selbst zu organisieren. Die einzige Möglichkeit, die die Liberalen in Deutschland haben, ist, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Es gibt in Deutschland- auch wenn einige das leugnen- selbstverständlich noch das hohe Gut der Meinungs- und Pressefreiheit. Dieses können solche für sich in Anspruch nehmen, die abweichende Meinungen vertreten. Die Politische Korrektheit ist in den letzten Jahren zunehmend unter Beschuss geraten. Obwohl Sarrazin und Buschkowsky keine Liberalen, sondern fanatische Etatisten sind, haben sie mit ihren Büchern doch dafür gesorgt, dass die Islamkritik enttabuisiert wurde. Dies hatte auch Folgen für die Politik: Bundeskanzlerin Merkel erklärte Multikulti für gescheitert, Horst Seehofer forderte eine Beschränkung für Einwanderung aus “fremden Kulturkreisen”.

Gérard Bökenkamp fasste die Aufgabe des liberalen Intellektuellen so zusammen:

Die Aufgabe, vor der der liberale Intellektuelle in Deutschland steht, ist eine Aufgabe für eine ganze Generation: die Einführung und Ausbreitung der individualistischen Ethik in einen Kulturraum, in dem weitgehend in staatlichen und kollektiven Begriffen gedacht wird, sowie die Übertragung der Ideen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie auch in die Fächer jenseits der Volkswirtschaftslehre – in die Philosophie, die Politikwissenschaft, die Soziologie, die Psychologie, die Kulturanthropologie.

In jedem Bereich muss sie modifiziert und weiterentwickelt werden. Ideen aus anderen Fächern werden wiederum auf die Schule zurückwirken. Eine liberale Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sollte eingefahrene Deutungsmuster in Frage stellen und historische Quellen und Fakten aus dieser Perspektive einer Neubewertung unterziehen. Dies ist keine Existenz im Elfenbeinturm, denn es gehört viel Management und ein enormer Einsatz dazu. Unter anderem ist eine Infrastruktur aus Instituten, Zeitschriften, Verlagen, Vereinen, Organisationen, Schulungsstätten und privater Finanzierung aufzubauen.

Es wäre zu wünschen, dass viele liberale Intellektuelle diesem Aufruf folgen. Und es gibt in Deutschland durchaus noch lebende Liberale. In den Anfängen der Bundesrepublik hatten liberale Persönlichkeiten wie Ludwig Erhard, Wilhelm Röpke und Walter Eucken noch die Macht im Land inne. Ihre Ansichten sind für unsere Zeit geradezu unvorstellbar. Dies zeigt, wie sehr sich der Mainstream in einem Land verändern kann. Die liberalen Intellektuellen können es schaffen, das Land wieder zu verändern.

3 Antworten to “Der Liberalismus in Deutschland”

  1. Olaf Says:

    Die FDP soll also liberal sein?
    Eine Klientelpartei, für ein paar Reiche, dazu mitverantwortlich für den Euro, islamische Zuwanderung, nach dem Motto: “Außerhalb von Kitzbühl die Sintflut.”

    • arprin Says:

      Die FDP ist noch die liberalste Partei in Deutschland, aber wie ich schon im Artikel sagte:

      in Deutschland gibt es praktisch keine liberale Partei mehr.

      Über Klientelpolitik bei den Parteien hat Rayson sich treffend geäußert:

      “Klientelpolitik der FDP erkennt man daran, dass die Partei gegen ihre Grundsätze verstößt, Klientelpolitik anderer Parteien aber daran, dass sie ihren Grundsätzen folgen. Mit anderen Worten: Es gibt Parteien, bei denen Klientelpolitik Daseinszweck ist, während sie bei einer liberalen Partei ständig unter Rechtfertigungsdruck steht.”

      • besucher Says:

        Stimmt: die “grünen” Unternehmer die über das EEG satt Gewinne einstreichen werden selbstverständlich nicht öffentlich erwähnt.

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