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Yes, they can!

Oktober 23, 2014
Ja, sie können es

Ja, sie können es

Das Thema Emanzipation ist in den westlichen Gesellschaften nicht mehr wirklich originell, zumindest nicht in seiner ursprünglichen Bedeutung. Denn ursprünglich ging es ja darum, Frauen die volle gesetzliche Gleichstellung zu verleihen. Diese Mission kann man als erfüllt betrachten. Mittlerweile haben wir es auch geschafft, die klassischen Rollenverteilungen aufzubrechen und Frauen in ansonsten Männern vorbehaltenen Positionen zu hieven, wie z.B. Regierungschefin, Actionheldin und jüngst sogar Trainerin einer männlichen Sportmannschaft. Viel mehr Emanzipation geht nicht.

In anderen Weltgegenden ist die Emanzipation noch weit entfernt. In der islamischen Welt herrscht noch immer das Patriarchat, auch wenn manche emanzipierte westliche Frau keinen großen Unterschied zwischen Österreich und Saudi-Arabien sieht. Wie gefährlich die Ansicht sein kann, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sein sollten, zeigte der Fall Malala Yousafzai, der von den Taliban in den Kopf geschossen wurde, weil sie sich für die Bildung von Mädchen einsetzte. Dafür bekam sie den Friedensnobelpreis. Eine Entscheidung, die vollkommen verdient ist. Wenn man etwas Kritisches finden will, dann Malalas etwas naive Friedensrhetorik – aber sie ist keine Polit-Analystin und muss es auch nicht sein.

Währenddessen hat Mariam al-Mansouri einen anderen Weg beim Umgang mit Islamisten eingeschlagen. Sie ist die erste weibliche Pilotin der Vereinigten Arabischen Emirate und beteiligt sich an den Luftschlägen der Anti-IS-Koalition. Den Nobelpreis wird sie wohl nicht bekommen, aber dafür hat sie reichlich Lob in den sozialen Netzwerken gesammelt. Auch wenn die Behauptung, IS-Terroristen würden nicht in den Himmel kommen, wenn sie von einer Frau getötet wurden, nicht stimmt (nicht nur, weil es keinen Himmel gibt, sondern weil die IS keinen solchen Glaubensinhalt kennt), ist ihre Beteiligung am Krieg gegen die IS, genauso wie die von weiblichen kurdischen Kämpfern, von besonderer symbolischer Bedeutung. (more…)

Kein Fortschritt mit den Grünen

Oktober 18, 2014
Bohrung nach Schiefergas, dem neuen Hoffnungsträger im Energiemarkt

Fracking gilt als Teufelstechnologie

Es mag einige Kritikpunkte am geplanten Freihandelsabkommen (TTIP) geben, die berechtigt sind. Wenn man jedoch sieht, womit die Anti-TTIP-Kampagne “Campact” Erfolg hatte, sträuben sich einem die Nackenhaare. Zwei oft gehörte Argumente lauteten, durch TTIP werden amerikanische Chlorhühnchen nach Deutschland kommen – und das ist schlecht, wegen Gentechnik und so – und TTIP würde das Aus für die Kultursubventionen der europäischen Staaten bedeuten – und das ist schlecht, weil unser GEZ-Fernsehen und Förder-Kino so viel besser ist als Hollywood, HBO, AMC und Netflix.

Nicht nur, dass diese Kritikpunkte eher für als gegen TTIP sprechen (denn Chlorhühnchen sind nicht ungesünder als das deutsche Huhn und Kultursubventionen sind grotesker Unsinn), sind beide Argumente auch noch falsch: Auch mit dem Freihandelsabkommen würden Chlorhühnchen in der EU verboten bleiben, und für die subventionierten Künstler wurden bereits großzügige Ausnahmen verkündet, die sie vor Konkurrenz schützen. Im Klartext: Die Freihandelsgegner verbreiten Angst mit Dingen, die nicht eintreten werden, obwohl es gut wäre, wenn sie eintreten, und haben mit dieser doppelt falschen Angstmacherei auch noch durchschlagenden Erfolg.

Egal ob Atomkraft, Fracking oder Chlorhühnchen, die Angstmacherei funktioniert immer. Mit fatalen Konsequenzen, nicht nur bei TTIP. Deutschland setzt auf die “Energiewende”, alternative Energiequellen werden verteufelt. Über Fracking wurde besonders ein Mythos verbreitet: Es verursacht brennende Wasserhähne. Dabei gab es dieses Phänomen lange vor Fracking, und es gibt überhaupt keinen Beweis, dass Fracking irgendetwas damit zu tun hat. Dieser Mythos ist jedoch, einmal in die Welt gesetzt, unauslöschlich. Überall wird es verbreitet, die Bilder vom brennenden Wasser haben sich fest ins Gedächtnis eingebrannt, und jeder, der diese Behauptung infrage stellt, ist “von der Öllobby gekauft”. (more…)

Stabile Diktaturen als kleineres Übel?

Oktober 13, 2014
Kann er Syrien retten?

Das kleinere Übel?

Ende September erschien im Spiegel ein Text, der sich mit der politischen Situation in Syrien, Irak und Libyen beschäftigte. Der Tenor des Textes war: Eine “stabile Diktatur”, wie es in diesen Ländern früher gab, ist besser als Anarchie. Mal ganz abgesehen davon, dass Anarchie eher “Herrschaftslosigkeit” bedeutet als “Herrschaft von vielen Banditen”, krankt die Analyse daran, zu erkennen, warum so viele Länder ins Chaos abdriften, und wie sich das verhindern lässt. Denn nichts garantiert mehr Chaos in der Zukunft als ein Regime, dass ausschließlich mit Gewalt zusammengehalten wird.

Warum ist Syrien in das Mad Max-Taliban-Style-Chaos abgerutscht, das es heute ist? Unter Assad war Syrien eine totalitäre Diktatur. Es gab keine politische Opposition, keine freien Wahlen, null Rechtsstaatlichkeit und Kritik an der Regierung brachte einen in die Folterkeller von Adra und Tadmor, in denen einige bekannte Dissidenten ganze Jahrzehnte verbrachten. Diese Zeit nennt man heute “stabil”. Aber diese Stabilität basiert einzig und allein darauf, dass die Bürger sich nicht erheben, weil sie Angst haben, gefoltert und/oder umgebracht zu werden. Fällt für einen kritischen Prozentsatz der Bevölkerung diese Angst weg, ist die Stabilität dahin.

Eine Diktatur ist besser als Bürgerkrieg. Aber das eine führt in das andere. Wenn ein Regime als Antwort auf friedliche Proteste keine andere Reaktion als Massenmord und Terror kennt, ist es eben nicht stabil. In Wirklichkeit ist es extrem instabil und so gut wie immer von Gewalt und Bürgerkrieg bedroht, in deren Folge nicht selten die friedlichen Kräfte verschwinden und durch Radikale ersetzt werden. Der einzige Weg, um politische Stabilität zu garantieren, ist es, allen Bürgern Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und die Möglichkeit zur politischen Teilhabe zu geben. Wer dagegen auf eine vermeintlich “stabile Diktatur” setzt, wacht im schlimmsten Fall im heutigen Syrien auf. (more…)

Frieden für Kolumbien?

Oktober 8, 2014
Die Flagge der FARC

Die Flagge der FARC

Noch in den 1980ern kamen die mächtigsten Drogenkartelle aus Kolumbien. Der Name Pablo Escobar stand für die ganze Macht und die Gewalt der Drogenmafia, die keine Angst vor der Staatsgewalt hatte. Aber mit der Zeit wanderte die Macht ab, Richtung Norden. Heute haben nicht mehr das Cali- oder Medellin-Kartell das Sagen, sondern das Zeta- oder Sinaloa-Kartell. Mexiko wurde zum neuen Paradies der Kartelle, deren Macht nun in vielen Gebieten grenzenlos scheint und deren Gewaltmethoden nicht mal vom “Islamischen Staat” übertroffen werden. Mit Folgen für die Kolumbianer: Die Kartelle sind heute nur noch Kuriere der Mexikaner, und Kolumbien ist viel friedlicher als vor 30 Jahren.

Aber Frieden gibt es noch lange nicht. Die beiden größten Terrororganisationen des Landes, die FARC und die ELN, die ursprünglich eine kommunistische Revolution in Kolumbien wollten, befinden sich seit 50 Jahren im Kriegszustand mit der Regierung. Die FARC engagiert sich, genauso wie rechte Paramilitärs, im Drogengeschäft. Damit generiert sie den Großteil ihrer Einnahmen. Ihre Ideologie spielt heute kaum eine Rolle, obwohl einige Kolumbianer und sogar Europäer sich noch immer für die Revolutionsrhetorik begeistern. Jedes Jahr sterben Hunderte Rebellen, Polizisten, Soldaten und Zivilisten, es gibt Hunderttausende Binnenflüchtlinge und eine unbekannte Zahl von Geiseln.

Die Macht der FARC hat aber deutlich nachgelassen. Es gibt immer weniger Kämpfer, sie werden gefangen genommen, getötet oder desertieren. In den letzten zwölf Jahren verlor die FARC wohl die Hälfte ihrer früher bei 20.000 liegenden Manneskraft. Im Jahr 2008 starb der FARC-Gründer und Chef Manuel Marulanda und der Vize Raul Reyes wurde bei einem Angriff der kolumbianischen Armee in Ecuador getötet. Nachdem 1982-84 und 1998-2002 zwei Friedensverhandlungsrunden scheiterten, führt die kolumbianische Regierung seit 2012 erneut Verhandlungen, die vielversprechend sind und den 50-jährigen Krieg beenden könnten. (more…)

Es war nicht alles schlecht!

Oktober 3, 2014

Frei, sozial, antifaschistisch: Wie die DDR den Mauerbau feierte

Am 3. Oktober feiert Deutschland mal wieder den Tag der Wiedervereinigung bzw. der Auflösung der sozialistischen Diktatur im Osten, und das politische Establishment hat dafür eine ordentliche Portion Ironie aufzubieten: Bernd Lucke lobt die innere Sicherheit in der DDR, die Bundesregierung führt die Mietpreisbremse ein und Gregor Gysi meint, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen. Leider kann man davon ausgehen, dass sowohl Lucke und Gysi damit im Osten Wähler gewinnen können, denn viele Ostdeutsche haben ein ziemlich lockeres Verhältnis zur DDR.

Umfragen, die DDR-Nostalgie im Osten belegen, kennt man ja schon. Aber es ist ein weitverbreitetes Phänomen, nach dem Ende einer Diktatur zu rufen “Es war nicht alles schlecht!” Eine Umfrage der amerikanischen Militärverwaltung ergab 1948, dass 55% der Deutschen den Nationalsozialismus für eine “gute Idee” hielten, die nur “schlecht ausgeführt” worden sei. In Moldawien bewerteten 2011 52% den Untergang der Sowjetunion negativ und nur 29% würden bei einem Referendum gegen eine Rückkehr in die UdSSR stimmen. In vielen Ländern der ehemaligen Sowjetunion herrschen ähnliche Ansichten, auch in Russland.

Nun kann man sagen, dass diese Menschen nur ihre persönliche Situation wiedergeben. 1948 herrschte in Deutschland Chaos, in Russland herrschten nach dem Ende der UdSSR geradezu Raubritterverhältnisse, und in Ostdeutschland verloren durch die Auflösung der Volkseigenen Betriebe 1 Million Menschen ihren Arbeitsplatz. Aber das ist nicht die einzige Erklärung. Denn erstens sind die Missstände nach dem Ende einer Diktatur nicht selten die Trümmer eben dieser Diktatur. Und zweitens ist die Lage dennoch meistens besser als zu Zeiten der Diktatur: Den Ostdeutschen geht es besser als zu DDR-Zeiten, den Russen geht es besser als zu Sowjetzeiten. (more…)

WM-Geschichte, Teil 15

Oktober 1, 2014
Das WM-Logo 1994

Das WM-Logo 1994

Mit Verspätung wird die Serie nun fortgesetzt, und zwar mit der 15. Fußball-Weltmeisterschaft, die vom 17. Juni bis zum 17. Juli 1994 in den USA ausgetragen wurde. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Europa nach dem Ende des Kalten Kriegs in einer Phase der Erneuerung, im Nahen Osten herrschte die Hoffnung auf Frieden, Mandela wurde Präsident Südafrikas, Bürgerkriege erschütterten Jugoslawien, Somalia und Ruanda und das Internet erblickte das Licht der Welt. In den USA hat ein Eigentor tödliche Folgen für einen Kolumbianer, Maradonas WM-Karriere nimmt ein unrühmliches Ende und Brasilien kehrt ohne “jogo bonito” und dank des schlechtesten Elfmeters aller Zeiten auf den Thron zurück.

Die Vergabe der Weltmeisterschaft an den USA war nicht ohne Kritik, Fußball war dort nur eine Randsportart. Die FIFA hatte jedoch den Wunsch, den Fußball auch in unerschlossenen Märkten zu verbreiten und konnte auf die großen Football-Stadien und der Kaufkraft und Neugier der Amerikaner zählen. Außerdem gaben die in der Diaspora lebenden Italiener, Iren, Deutsche, Mexikaner, Kolumbianer, Koreaner, usw. dem Turnier zusätzlich gute Stimmung. (more…)

Tabus mit Gesetzen schützen?

September 26, 2014

Das Logo des zweiten internationalen Eugenik-Kongress, 1921

Ich habe für den deutschen Ethikrat nicht viel übrig. Sie ist eine von vielen überflüssigen Organisationen auf dieser Welt, und allein schon der Name macht sie mir schon unsympathisch. Aber auch sie können mal richtig liegen. Die jüngste Stellungnahme vor zwei Tagen forderte die Abschaffung des Inzest-Verbots. Für mich ist dieses Verbot, dass 2012 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) für rechtens erklärt wurde, völlig unnötig, denn wenn zwei erwachsenen Menschen freiwillig eine (sexuelle) Beziehung miteinander eingehen, geht das dem Staat nichts an. Eine freiwillige Beziehung zwischen zwei Verwandten ist ein “Verbrechen ohne Opfer”.

Man sollte auch bedenken, dass hinter Inzest-Beziehungen oft das Phänomen der “Genetic sexual attraction” steckt: Verwandte, die bei der Geburt getrennt werden und sich als Erwachsene wiedertreffen, haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit (einige sprechen von bis zu 50%), sich sexuell anziehend zu finden. Der Grund ist einfach der, dass man sich meistens Partner aussucht, die einem charakterlich und körperlich ähnlich sind, was bei Verwandten eben häufiger der Fall ist (der “Westermarck-Effekt” verhindert, dass dies bei Verwandten passiert, die miteinander aufgewachsen sind). Das Paar, das beim EGMR geklagt hatte, lernte sich erst mit 24 bzw. 17 Jahren kennen.

Die Ängste, die viele mit der Legalisierung von Inzest-Beziehungen verbinden, sind typische Angstmacherei. Vergewaltigung und Kindesmissbrauch sollen natürlich auch unter Verwandten weiterhin strafbar bleiben. Der Einwand, dass Kinder aus Inzest-Beziehungen mit höherer Wahrscheinlichkeit behindert werden, ist absurd: Man verbietet ja auch nicht Behinderten, Alten oder Aids-Kranken, sich fortzupflanzen. Wäre dem nicht so, würde man das zurecht als vom Staat erzwungene Eugenik verurteilen. Ob man ein Kind mit Behinderungen austragen will oder nicht (oder mit PID untersuchen), sollte die alleinige Entscheidung der Eltern sein. (more…)

Make holiday, not war

September 22, 2014
Humboldt und Bonpland am Fuß des Chimborazo

Humboldt und Bonpland am Fuß des Chimborazo

Es gibt nicht wenige Personen, die im modernen Massentourismus mehr ein Fluch sehen als ein Segen. Das ständige Reisen verursache hohe CO2-Emissionen, bedrohe die Kultur der “besuchten” Völker und zerstöre die unberührte Natur. Es sind also vor allem Menschen aus dem kapitalismuskritischen und grünen Umfeld, die eigentlich über jedes moderne Phänomen in westlichen Gesellschaften meckern. Andere wiederum preisen den Besuch fremder Länder als friedensfördernd an, denn schon Mark Twain war der Ansicht, dass Reisen “tödlich für Vorurteile” sei.

Ob Reisen bildet, darüber kann man geteilter Meinung sein. Alexander von Humboldt sagte: “Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben”, doch Konfuzius setzte dem schon zwei Jahrtausende zuvor entgegen: “Schick einen Banausen auf Weltreise, und er kommt zurück als – braungebrannter Banause”. Man kann nicht drumherum kommen zu sagen, dass Reisen allein niemanden automatisch zu einem weisen Mann macht. Che Guevara fand in seiner Lateinamerika-Reise zum Sozialismus, da wäre es besser gewesen, wenn er zu Hause geblieben wäre.

Aber wer vom Tourismus die Lösung solcher Probleme erwartet, hat nicht verstanden, worum es dabei geht. Touristen sind nur auf der Suche nach Entspannung, sie wollen eine Pause vom stressigen oder langweiligen Alltag, oder dieselben Abenteuer in einem anderen Land erleben. Nichts mehr als das soll das Reisen bringen. Aber schon diese Aufgabe zu erfüllen, kann sehr viele positive Nebenwirkungen haben. Es gibt gute Gründe, um in dem Massentourismus eine segensreiche Entwicklung zu sehen, und die ganzen Klagelieder über den modernen Touristen als unbegründet abzutun. (more…)

Mythen und Fakten zu Kuba

September 17, 2014
Das waren noch Zeiten: Che Guevara und Fidel Castro beim Revolutionieren

Das waren noch Zeiten: Che Guevara und Fidel Castro beim Revolutionieren

“Ich habe niemals jemanden getötet, aber ich habe oft Nachrufe mit großem Vergnügen gelesen”, sagte der amerikanische Rechtsanwalt Clarence Darrow einmal. Die meisten Menschen dürften diesem Satz zustimmen, auch wenn sie es nicht zugeben. Das Jahr 2011 war in dieser Hinsicht besonders gut: Osama, Gaddafi und Kim Jong-Il segneten das Zeitliche. 2012 war dann eher enttäuschend. 2013 gab es immerhin Hugo Chavez. 2014 läuft aber wieder mau. Kandidaten gibt es ja reichlich, so z.B. Robert Mugabe oder Ayatollah Chamenei. Und natürlich Fidel Castro.

Der Kalte Krieg ist seit 23 Jahren vorbei, aber Fidel Castro ist geblieben. Er herrscht seit 55 – in Worten: fünfundfünfzig – Jahren über Kuba. Dabei nimmt er sich immer mal wieder eine Auszeit, so war er zwischenzeitlich neun Monate lang nicht in der Öffentlichkeit zu sehen. Politische Ämter übt Fidel offiziell nicht mehr aus, sein Bruder Raul hat den Posten als Generalsekretär der Kommunistischen Partei übernommen. In seinem Land hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Die Führung versucht langsam, das Land zu öffnen, ohne dabei den Unterdrückungsapparat zu lockern.

Das linke Narrativ lautet: Kuba war unter dem amerikanischen Marionettendiktator Fulgencio Batista das “Bordell der Amerikaner”, dann wurde Batista durch einen Volksaufstand, angeführt von Fidel Castro, gestürzt. Castro errichtete ein sozialistisches Paradies, verteilte den Reichtum gerecht, versorgte seine Bevölkerung mit Bildung und Gesundheit, versäumte es aber leider, Freiheit und Demokratie einzuführen. Die sozialen Errungenschaften werden aber gewöhnlich höher bewertet. Wenn man sich die Realitäten in Kuba anschaut, wird schnell klar, dass es sich bei diesem Narrativ um einen Mythos handelt, der freilich geschickt am Leben erhalten wird. (more…)

Kein Optimismus mehr?

September 12, 2014

Das Jahr 2014 brachte eine ganze Reihe an Katastrophen. Krieg im Irak, Krieg in der Ukraine, Ebola-Epidemie in Westafrika – es gab keinen Mangel an schlechten Nachrichten. Aber die gute Nachricht ist: Der langfristige Trend ist immer noch positiv.

Hans Rosling zeigt in vier Minuten auf, wie sehr die Lebenserwartung und das Einkommen in der Welt in den letzten 200 Jahren zugenommen haben. Der Zustand der Menschheit war in 99% der Zeit Elend und Tyrannei (“The normal state of man is misery and tyranny”, wie Milton Friedman es ausdrückte), erst in den letzten zwei Jahrhunderten hat sich das Blatt gewendet. Rosling gehört zur Kategorie der Optimisten. Zu dieser Sorte gehören auch Steven Pinker oder Bryan Caplan, die nicht müde werden zu betonen, wie sehr die Gewalt in der Welt abgenommen und der Wohlstand zugenommen hat.

Und trotzdem gibt es viel berechtigte Skepsis für die Zukunft. Erstens sind nicht alle Regionen in gleicher Weise vom Fortschritt erfasst worden. Zwischen Luxemburg und der DR Kongo klaffen Welten, und für viele Gebiete ist auch keine Besserung in Sicht. Und zweitens kann der Fortschritt schnell rückgängig gemacht werden, dazu bedarf es nur ein paar schlechter Entscheidungen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging es der Menschheit ebenfalls so gut wie nie zuvor. Es hätte ein Jahrhundert des Friedens werden können – aber es folgten die Weltkriege. Die aktuelle politische und ökonomische Situation der Welt ähnelt der zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Werden wir es diesmal besser machen? (more…)


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