Archiv für die Kategorie ‘9/11’

Welt der Wunder und das Truthertum

Oktober 23, 2011

Welt der Wunder

Das Wissenschaftsmagazin Welt der Wunder verbreitete in seiner vorletzten Ausgabe Verschwörungstheorien zum 11.September. Es arbeitete dabei ganz offiziell mit Verschwörungstheoretikern zusammen, wie dem “Infokrieger” Paul Schreyer. In einem offenen Brief habe ich dies kritisiert. Dieser wurde nicht veröffentlicht. Stattdessen wurden lobende Briefe zum Artikel gezeigt.

Zacharias Schmidt lobt per E-Mail den “freien und mutigen Journalismus” der Zeitschrift:

“Sehr geehrte welt-der-wunder-redaktion,

ich möchte ihnen ein großes Kompliment machen, aufgrund des Artikels mit den elf unwiderlegbaren und bisher kaum beachteten Wahrheiten zu 9/11. Die meisterhafte Recherche, die man dort in jedem Satz erkennen kann, übertraf alle meine Erwartungen, die ich bis dahin von einem Wissensmagazin hatte! Ich werde die Zeitschrift nun abonnieren, da ich freien und mutigen Journalismus, den man woanders vergeblich sucht, gerne unterstütze. Hut ab und weiter so!”

Doch er wird nun gleich enttäuscht worden sein, denn in Seite 37 behauptet die Zeitschrift, das Osama bin Laden “mit den Anschlägen vom 11.September möglicherweise das Ziel hatte, die USA zu teuren Kriegen zu verleiten, die die amerikanische Wirtschaft schwächen und Freiheiten einschränken sollten, um so die USA zu schwächen, auch wenn er dies am 2.Mai in seinem Versteck in Pakistan mit seinem Leben bezahlen musste.”

Was lernen wir daraus? Egal ob CIA oder bin Laden- Hauptsache die Kunden haben was zu lesen.

Systemkritik und 9/11, Teil 6: Amerikas “Überreaktion”

September 12, 2011

Osama dead

Musste man wirklich so überreagieren? Ok, 3000 Tote sind schlimm, aber es sterben doch mehr Menschen an den Folgen von Autounfällen, Terroristen kann man besser mit Rasterfahndung bekämpfen und überhaupt: Wir waren doch selbst schuld daran mit unserem Verhalten, wie es die mutigen Wortführer Jürgen Todenhöfer, Hagen Rether und Volker Pispers immer wieder betonen.

Freiheiten wurden eingeschränkt, zwei Kriege geführt und Osama bin Laden getötet. Alles wegen 9/11. Ein Spiegel-Leser sagte dazu: „Dieser 11. September hat die Welt nicht verändert. Ähnliche und gar noch viel schlimmere Verbrechen gab es leider schon immer in der Menschheitsgeschichte. Jedoch hat noch nie ein Staatsgebilde so viel Kapital aus solch einem Vorfall geschlagen wie die USA.“ Hat er damit Recht?

Der Vergleich zu Breiviks Utoya-Massaker wird unter US-Kritikern immer beliebter. Die Norweger reagierten auf den Terror mit noch mehr Toleranz, noch mehr Respekt, noch mehr Weltoffenheit, noch mehr Liebe. Hätte Bush das nicht auch machen können? Nun, er hätte es natürlich. Die Flugzeugkontrollen hätten so bleiben können wie vor 9/11, für bin Laden hätte ein Haftbefehl bei Interpol ausgereicht und unsere beste Antiterrormaßnahme wäre, so beschreibt es William Blum, folgende gewesen: “Zuerst würde ich mich – öffentlich und sehr ernsthaft – bei all den Witwen und Waisen, bei den Verarmten und den Gefolterten und bei den vielen weiteren Millionen Opfern des amerikanischen Imperialismus entschuldigen. Anschließend würde ich in jedem Winkel der Welt verkünden, dass die Zeit der amerikanischen Militärinterventionen für immer beendet ist.” (dafür bekam er in einer Videobotschaft Lob von bin Laden höchstpersönlich). Osama bin Laden als Chance, als Kulturkritik, als Ansporn, um uns zu ändern?

Dies wäre eine Alternative gewesen, sicherlich. Aber hätte es wirklich was gebracht? (weiterlesen…)

Systemkritik und 9/11, Teil 5: “Was ist mit den Opfern der USA?”

September 12, 2011

9/11-Gedenken zynisch?

Der 11.September ist vorbei, aber es ist noch nicht alles gesagt worden. Deswegen setze ich die Serie noch für einen Tag fort.

Am 11.September 2001 wurden in den USA 3000 Menschen innerhalb von knapp 100 Minuten bestialisch ermordet. Jede Minute starben 30 Menschen- verbrannt, verdunstet oder durch den verzweifelten Sturz aus mehr als 100 Metern. Sie hinterließen Tausende Waisen und Witwen. Es war eines der schlimmsten Massaker der letzten Jahre, wie Halabja oder Srebrenica. Dass die Amerikaner diesen Anschlägen gedenken, ist mehr als verständlich.

Für manche Personen, die sich als “US-Kritiker” verstehen, erscheinen die Gedenkveranstaltungen aber als “zynisch”. Ihr Vorwurf: Die Amerikaner haben doch noch viel mehr Menschen umgebracht als al-Qaida und niemand gedenkt an sie. Am 11.September 1973 wurde in Chile durch ein Militärputsch General Augusto Pinochet an die Macht gebracht, in dessen anschließender Herrschaft 3000 Menschen ermordet wurden. Warum gibt es keine Gedenkveranstaltung für sie? Oder für die Toten der Kriege in Afghanistan und im Irak, für die Indianer und die Sklaven oder dem Vietnamkrieg? Ich habe von jemandem gehört, wenn es eine Schweigeminute für die 3000 Opfer von 9/11 gibt, dann sollte es 1000 Schweigeminuten (fast 17 Stunden) für die 3 Millionen Opfer des Vietnamkriegs geben.

Nun, wer solche Vergleiche bringt, der sollte auch die Gedenkfeiern an die Mauertoten als zynisch empfinden, weil die Nazis doch mehr als 20.000-mal mehr Menschen getötet haben als die Mauerwächter. Und Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Dritten Reichs wären auch zynisch, weil Mao mehr Menschen umgebracht hat als Hitler. Für kleinere Vorfälle wie Solingen, Utoya oder dem Columbine-Massaker dürfte es überhaupt keine Gedenkfeier geben, nie wieder. All das wäre “zynisch”. (weiterlesen…)

Systemkritik und 9/11, Teil 4: Die Lügen der “Truther”

September 11, 2011

Mathias Bröckers neuestes “Aufklärungs”-Buch

Mathias Bröckers sagt von sich, dass er kein Verschwörungstheoretiker ist. Er würde nur seine “journalistische Pflicht” erfüllen, “kritische Fragen” stellen. Diese Pflicht ist für ihn so verpflichtend, dass er nun schon sein drittes Buch zum Thema 9/11 herausbringt. Die ARD sponsort dieses Werk- dafür haben wir GEZahlt…

Die Verschwörungstheorien zum 11.September haben erfolgreich die Köpfe von Millionen Bürgern verblödet, viel schlimmer als die BILD und RTL zusammengerechnet. Umfragen zeigen, dass mindestens ein Drittel der Deutschen an eine Verschwörung am 11.September glauben. Und einen Glauben, das haben uns die letzten 2000 Jahre gezeigt, legt man nicht so einfach ab.

Das Internet ist natürlich eine schöne Sache. Aber genauso wie jedes andere Medium bietet es auch eine Plattform für Verrückte, Deppen und Wichtigtuer. Es ist der beste Ort für solche Leute, die ansonsten niemand beachtet und die sich deshalb “unterdrückt” fühlen. Henryk M.Broder brachte es schon mal auf den Punkt: Das Internet macht doof, sagte er, und hatte dabei in gewissen Punkten zweifelsfrei recht. Seit dem Internet hat die Menschheit die Möglichkeit, sich innerhalb weniger Minuten unendlich viel Wissen zu anzueignen, aber auch unendlich viel Blödsinn zu verbreiten. Dazu gehören Verschwörungstheorien. Es gibt sogar eine eigene wikipedia-ähnlichen Lexikon für Verschwörungstheorien (siehe hier).

Das Problem bei jeder Truther-Diskussion ist, dass ein Truther, genauso wie jeder andere Verschwörungstheoretiker, jede Widerlegung seiner Argumente nur seinen Glauben- für manchen Fanatiker durchaus vergleichbar mit den Lehren Jesu oder Mohameds- nur weiter bestärkt. Das hindert mich aber nicht, sie trotzdem zu widerlegen. Warum? Aus demselben Grund, warum ich mit Jürgen Todenhöfer auseinandergesetzt habe: Weil ich es kann, weil es mir Spaß macht und weil sie Idioten sind. Man muss Schwachsinn auch mal als solchen bezeichnen. (weiterlesen…)

Systemkritik und 9/11, Teil 3: “Bemannte fliegende Architekturkritik”

September 11, 2011

Die junge Welt zu DDR-Zeiten

Die junge Welt und der 11.September

Die linksextreme Zeitung junge Welt wünscht sich, dass der 11.September in Deutschland stattgefunden hätte, vergleicht Franz Beckenbauer mit Mohamed Atta, hält die Pentagon-Opfer für “nicht unschuldig”, empfindet es als zynisch, dass die US-Opfer ein Gesicht bekamen, während die Opfer der USA anonym bleiben und nennt die Anschläge schließlich die “Geburtsstunde der bemannten fliegenden Architekturkritik”. Es ist kaum zu glauben, aber dieser Text, der wohl als satirische Kritik an den westlichen Kapitalismus und Imperialismus gemeint ist, ist noch um einige Stufen schlimmer als die Danksagung für den Mauerbau.

Von Atta zu Beckenbauer: Ein anderer Elfter September ist möglich

Der elfte September ist ein hoher Feiertag in Deutschland. Am 11. September 1945 wurde Franz Beckenbauer geboren, ein Mann, der sich großer Verehrung erfreut, seit er vom Fußballer zum Reklamehonorarempfänger herabsank, zum Funktionär, zum DFB-Reisekader, zum Geschaftlhuber, zum medial omnipräsenten, ja omnipenetranten Erfolgsschnäuzchenträger, dessen geballte Banalität in Deutschland als Ausdruck von Lebenskunst und »Philosophie« gilt. Wenn die als »Kaiser« und »Lichtgestalt« angebetete Grinsebacke Beckenbauer »Schau mer mal« sagt, liegt Mediendeutschland auf dem Bauch, und immer ist im Zusammenhang mit Beckenbauer der Satz zu hören: »Der Erfolg gibt ihm recht.«

Dieses gemeingefährliche Freibriefdiktum könnte auch einer wie Anders Breivik für sich reklamieren, und auch Mohammed Atta und seinen Komplizen kann man Mangel an Erfolg nicht vorwerfen. Sie brachten das Spielgerät ins Ziel, das Geflügelte traf ins Eckige, und genau das wollten sie ja auch. Der größenwahnsinnige Kleingeist Beckenbauer wäre mir als Aufschlagspunkt lieber gewesen, und daß Deutschland nach 1945 so sträflich straffrei ausging, hätte ja auch nicht so bleiben müssen. Ein paar Boeings aus dem Architekturbüro bin Laden und Partner hätten Deutschland gutgetan, ästhetisch wie politisch. Aber ich hatte 2001 die Musik nicht bestellt und konnte deshalb auch nichts fordern. (weiterlesen…)

Systemkritik und 9/11, Teil 2: “Terroristen töten Osama bin Laden”

September 10, 2011

So jubeln die Barbaren!

Wir schreiben den 2.Mai 2011. „Was ist das für ein Land, das eine Hinrichtung derart bejubelt?“, fragt ein Kommentator in den ARD-„Tagesthemen“, und er beantwortet die Frage gleich selbst:

Die USA sind ein Land, das sich heute nicht mehr aus eigener Stärke definiert, sondern aus Tod und Niederlage anderer… Zivilisierte Nationen haben einst das Völkerrecht geschaffen. Sie haben sich darauf verständigt, dass Verbrecher vor den Internationalen Strafgerichtshof gestellt werden. Es mag naiv klingen angesichts der Umstände, aber mein Verständnis von einem Rechtsstaat ist nicht, dass Mörder einfach abgeknallt werden. Bleibt die Frage: Wem nützt der Tod bin Ladens? Die Amerikaner haben einen neuen Märtyrer geschaffen; die Anhänger bin Ladens werden neue Rache suchen. Ist die Welt heute also sicherer geworden? Nein. Aber Obama steht im Wahlkampf; er hat sich als Law-and-Order-Politiker profiliert. Ist er seiner Wiederwahl heute näher gekommen? Ja. Ich fürchte, so einfach ist die Rechnung.“

Während Pseudo-Philosophen und Intellektuelle Verständnis dafür finden, wenn “arme, verzweifelte und unterdrückte” Muslime sich aus vermeintlichem Protest gegen die weltweite Ungerechtigkeit selber in die Luft sprengen, zeigt man kein Verständnis, wenn ein Massenmörder unschädlich gemacht wird. Bricht eine Person, die Tausende unschuldige Menschen tötet, nicht etwa das Menschen- und Völkerrecht? Warum findet man, wie im ersten Teil demonstriert, soviel mehr Verständnis für Osama bin Ladens Morde als für Barack Obamas? War Osama bin Laden nicht auch ein Multimillionär(und damit gemäß sozialistischer Definition schuldig der unverzeihlichsten aller Verbrechen)?

Die Empörung über den Mord an Osama bin Laden überstieg teilweise die über 9/11. Als die türkische Armee dagegen im August dieses Jahres 100 kurdische Rebellen tötete, konnte man die Empörung der westlichen Intellektuellen nicht mal mit den allerbesten Seismographen messen. Die PKK hat eben keine so große Lobby wie die al-Qaida(oder die Hamas). Sie kämpfen zwar gegen die Unterdrückung und Bevormundung durch vier Staaten(Türkei, Irak, Syrien, Iran), aber diese sind eben keine westlichen Staaten. Ansonsten würde man den “Freiheitskampf” der Kurden ein bisschen mehr Beachtung schenken- und für ihren Terror Verständnis zeigen, wenn nicht gar glorifizieren. (weiterlesen…)

Systemkritik und 9/11, Teil 1: “Terror comings home”

September 10, 2011

Die Reaktion auf 9/11: “USA, 3.Reich- Ihr seid euch so gleich”

“Keine Kultur kann von außen erobern werden, wenn sie nicht zuvor von innen zerfallen ist”. Dieses Zitat stammt von Will Durant, meinem Lieblingshistoriker. Die Terroranschläge von 9/11 bedeuteten zwar nicht die Eroberung des Westens durch eine andere Kultur. Aber sie haben dem Westen eine schmerzliche Niederlage zugefügt. Für Systemkritiker, die vom Zerfall der westlichen Kultur überzeugt sind, war dies ein willkommener Anlass, um mal richtig die Luft auszulassen. Durants Zitat wurde dabei gnadenlos missinterpretiert.

Die ständige Behauptung, dass 9/11 ein Wendepunkt der Geschichte gewesen sei, lässt sich so einfach nicht bestätigen. Das Attentat von Sarajevo, die Oktoberrevolution, die Machtergreifung der Nationalsozialisten oder der Mauerfall waren Wendepunkte, aber nach 9/11 hat sich die Welt nicht so stark verändert. Die politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder kulturellen Veränderungen waren im Vergleich zu den anderen Ereignissen minimal. Die Anschläge bedeuteten nicht den Niedergang der westlichen Kultur, wie es manche gerne hätten.

Die Systemkritiker sahen es anders. Sie sahen die Anschläge vor allem als Widerstand gegen die weltweite Ungerechtigkeit, gegen Kapitalismus, Globalisierung und Imperialismus. Terroristen deklarierten sie zu armen, verzweifelten und unterdrücken Menschen, die, wie Eugen Drewermann es ausdrückte, in der “Ersatzsprache der Gewalt” mit uns reden wollten, da wir ihre Hilfeschreie sonst nicht hören würden. Antiamerikanismus, Antikapitalismus und Antisemitismus vermischten sich endgültig zu einem Kulturrelativismus, der in den letzten 10 Jahren zum Mainstream geworden ist. (weiterlesen…)

Offener Brief an die Welt der Wunder-Redaktion

September 3, 2011

Welt der Wunder

Liebe wdw-Redaktion,

In diesem Monat jähren sich zum zehnten Mal die Terroranschläge vom 11.September 2001. In ihrer neusten Ausgabe nehmen sie sich das Thema an. Sie berichten über “11 Wahrheiten zum 11.September”. Es ist nicht das erste Mal, dass sie Verschwörungstheorien einen Raum bieten. In mehreren Ausgaben haben sie vermeintlich “ungelöste Fragen” zum 11.September gestellt.

Ihre Argumente sind alle amateurhaft und alles andere als wissenschaftlich. Vor allem die bei Verschwörungstheoretiker beliebte Frage “Cui Bono?” ist an Schamlosigkeit nicht zu überbieten. Wer profitiert denn davon, wenn 3.000 Amerikaner tot sind? Die, die Amerika hassen natürlich. Ist ihnen diese Schlussfolgerung überhaupt nicht in den Sinn gekommen?

In einer Ausgabe maßen sie sich an, die Verschwörungstheoretiker Alex Jones und David Ray Griffin als “9/11-Experten” zu bezeichnen, was in etwa so zutreffend ist, wie Kreationisten als “Biologie-Experten” zu bezeichnen. Auch haben sie mal ein rundes Loch in einer Wand gezeigt und behauptet, dies sein das Eintrittsloch, dabei handelte es sich eindeutig um das Austrittsloch. Wozu diese Manipulationen?

Man kann einen Turm nur dann sprengen, wenn man die Stahlträger explodieren lässt, dann stürzt das Gebäude von den unteren Stockwerken aus in sich zusammen. Die WTC sind aber von der Mitte aus eingestürzt und einige Stahlträger sind selbst nach dem Einsturz noch für ein paar Sekunden stehen geblieben. Eine Sprengung kann somit zu 100% ausgeschlossen werden. Auch sind die Türme nicht in Freifallgeschwindigkeit eingestürzt, wie die Verschwörungstheoretiker behaupten.

Ich frage mich, warum sie es nötig haben, immer wieder über diese lächerlichen Verschwörungstheorien zu berichten. Entweder tun sie es, um eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen, oder sie sind selbst Verschwörungstheoretiker, was ich kaum glaube.

Ich bitte sie, in Zukunft mehr Respekt gegenüber den Angehörigen der Opfer zu zeigen. Wer in Deutschland ein Buch schreibt, indem er den Holocaust als jüdische Verschwörung bezeichnet, muss sich auf eine Anklage wegen Volksverhetzung gefasst machen. Aber über den 11.September darf man das sagen und bekommt sogar Unterstützung von der ARD und Welt der Wunder. Gibt ihnen das nicht ein bisschen zu denken?

Mit freundlichen Grüßen,

Ein Leser.

Henryk M. Broder und die 9/11-Truther

Juli 23, 2011

Sogar “Truther” genießen in den USA Meinungsfreiheit

In weniger als zwei Monaten jähren sich die Terroranschläge vom 11.September zum zehnten Mal. Dieser Tag, das ist schon mal sicher, wird von sogenannten “Truthern” gnadenlos dazu missbraucht werden, um ihre paranoiden Thesen von einer amerikanischen, israelischen, zionistischen oder wem auch immer Verschwörung zu propagieren. Früher habe ich mich tatsächlich für solche Theorien interessiert, bis ich bemerkte, um was für ein ignorantes Pack es sich um diese “Truther” handelt.

Henryk M.Broder hat ein paar passende Worte für solche Menschen gefunden:

Seit Karl Kraus wissen wir, dass es Sachen gibt, die so falsch sind, dass nicht einmal das Gegenteil wahr ist, seit Goebbels wissen wir aber auch, dass man eine Lüge nur oft genug wiederholen muss, damit sie zur subjektiven Wahrheit wird. Auf die Verschwörungstheorien zu reagieren, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, bedeutet beinahe automatisch, nach der Melodie der Verschwörungstheoretiker zu tanzen. Auch um die Ansicht zu widerlegen, die Erde sei eine Scheibe, die in einem Meer aus Sonnenöl schwimmt, muss man sich auf diese Ansicht erst einmal einlassen. Tut man es, hat man die Prämisse schon mal anerkannt; tut man es nicht, ist man Teil des “Schweigekartells”.

Der Verschwörungstheoretiker legt jede Reaktion auf seine Konstrukte als deren Bestätigung aus. Andererseits kann man dem Verschwörungstheoretiker das Feld nicht überlassen, wie gaga seine Theorien sein mögen. (weiterlesen…)

Das Ende eines…

Mai 3, 2011

Mein vorerst letzter Artikel zur schönsten Nachricht seit der Hochzeit von Kate und William.

Die Bedeutung von Osama bin Ladens Tod für die Welt

Jeden Tag sterben hunderttausende Menschen, aber seit dem Tod eines gewissen österreichischen Gefreiten, der aus lauter Wut, dass er nicht in eine Kunstakademie aufgenommen wurde, sich entschied “in die Politik zu gehen”, hat sich niemand mehr so darüber gefreut. Warum? Weil er das Symbol für ein ganzes Zeitalter ist- nicht nur für den modernen, islamistischen Terror, sondern auch für den vermeintlichen “Niedergang der westlichen Welt” und für den Kampf der Kulturen. Als Kind guckte er Bonanza und Fury, später waren seine Videos genauso bekannt wie die Michael Jacksons.

Die ersten Anti-Osama T-shirts erschienen bereits am 2.Mai

Was machte ihn so berühmt wie dem “King of Pop” und seinen Tod genauso spektakulär? Natürlich war es der 11.September. In der spektakulärsten und bekanntesten Stadt der Welt, die ein Symbol ist für den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Vorrang der westlichen Welt und dessen multikulturelle Bevölkerung ein Zeichen für Toleranz ist, hatten alle plötzlich den Blick der brennenden Türme vor Augen. Weltgeschichte, live am Fernsehen. Es war das Bild des noch jungen Jahrhunderts. Das Wort “11.September” wurde zum Wort des Jahres, die Baulücke von Manhattan zum Mahnmal für die gesamte Welt.

Alles vor dem 11.September 2001 war nun vorbei. Wir leben in der Zeit “Nach dem 11.September”, die mit Osama bin Laden begonnen hat. In der arabischen Welt hatte er hohe Sympathiewerte. Im Jahre 2005 gaben 60% der Jordanier an, sie hätten “Vertrauen” in ihm. Osama bin Laden war eine Marke, es gab Teetassen mit seinem Namen, die sich ausgezeichnet verkauften. Aber er taucht auch in vielen westlichen Filmen auf, meistens bei Komödien, die nicht mal einen Bezug zur Politik hatten. Das schaffte außer ihm nur Hitler. (weiterlesen…)


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