Archive for the ‘Afghanistan’ Category

Asyl für afghanische Ortshelfer

Juni 3, 2013
Ein afghanischer Übersetzer bei der Arbeit

Ein afghanischer Übersetzer bei der Arbeit

In kaum einem anderen Land dürfte die Zukunft so ungewiss sein wie in Afghanistan. Die westlichen Truppen wollen das Land bis Ende 2014 verlassen, danach soll die afghanische Regierung und das Militär die volle Kontrolle über das Land übernehmen. Die Taliban können bis dahin die Uhr stellen. Angesichts der Tatsache, dass die überwältigende Mehrheit der Afghanen die Ideologie der Taliban ablehnt, kann man nur hoffen, dass es der afghanischen Regierung gelingt, die Taliban zu bekämpfen und das Land nicht wieder in ein totales Chaos zerfällt.

Bei ihrem Einsatz im Hindukusch wurden die westlichen Truppen in den letzten Jahren von vielen Einheimischen direkt unterstützt. Sie arbeiteten als Dolmetscher, Fahrer oder Reinigungskräfte, organisierten Workshops und stellten den Kontakt zu Einheimischen her. Ohne ihre Hilfe wäre der Wiederaufbau nach dem Sturz der Taliban unmöglich gewesen. Laut dem deutschen Innenministerium arbeiteten 1.600 Afghanen für die vier am Einsatz beteiligten Bundesministerien, viele weitere arbeiteten für deutsche Stiftungen und NGOs.

Diese Ortshelfer werden von den Taliban als Verräter angesehen und sind damit ein legitimes Ziel für die Zeit nach dem Abzug der westlichen Truppen. Schon heute befinden sich viele in Gefahr, sie erhalten Todesdrohungen oder sind bereits Angriffen zum Opfer gefallen. Deswegen sehen viele ihre Zukunft nicht mehr in Afghanistan, sondern in Deutschland. Doch die Bundesregierung verhält sich zögerlich. Ortshelfer sollen nur im äußersten Notfall aufgenommen werden. Offenbar zählen tägliche Todesdrohungen nicht dazu. (more…)

Die “Afghanisierung” des Antiterrorkriegs: Volksaufstand gegen die Taliban

September 5, 2012

Karzai besucht die afghanische Armee, die gemeinsam mit den NATO-Truppen gegen die Taliban kämpft

Es ist schon selten, dass in einem US-Wahlkampf ein Auslandseinsatz nur eine geringe Rolle spielt. Denn während Obama alle amerikanischen Soldaten aus dem Irak abzog, sind noch immer 90.000 in Afghanistan stationiert. Wie die New York Times recherchierte, fiel das Wort “Afghanistan” während des republikanischen Parteitags nur viermal (das Wort “Jobs” fiel 220-mal, Business 237 und Work 247). Wahrscheinlich sind sich Obama und Romney in ihrer Afghanistan-Strategie einige: Der Krieg soll “afghanisiert” werden, die einheimischen Streitkräfte sollen allein mit den Taliban fertig werden und verhindern, dass das Land wieder zu einer internationalen Terrorbasis wird.

Da die USA sich ihn ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten befinden, haben die Bürger natürlich nur wenig Verständnis für militärische Abenteuer im Ausland. Der republikanische Vize-Präsidentschaftskandidat Paul Ryan hat jedoch angekündigt, im 700-Milliarden-Militärbudget nicht sparen zu wollen. Die Welt müsse weiter von den USA geführt werden. Die Amerikaner können auf über 1.000 Militärbasen im Ausland zurückgreifen, unterhalten ein Militärpersonal von 38.000 Mann in Japan und 28.500 in Südkorea (zum Schutz vor Nordkorea), und übernehmen mit 80.000 Mann auch die Verteidigung Europas.

In Europa und Ostasien könnte man argumentieren, dass diese Länder durchaus bereit wären, sich selbst, ohne Hilfe von amerikanischen Soldaten, zu verteidigen. Die afghanische Armee ist dazu noch nicht bereit. In den letzten Monaten gab es jedoch viele schlechte Nachrichten aus Afghanistan: Blutige Unruhen nach Koran-Verbrennungen, Taliban enthaupten Zivilisten, afghanische Soldaten erschießen NATO-Angehörige usw. Was jedoch kaum einer mitbekommen hat ist, dass zum ersten Mal seit dem NATO-Einsatz die Afghanen angefangen haben, lokale Bürgerwehren zu bilden, um sich gegen die Taliban zu verteidigen. Ein Volksaufstand gegen die Taliban ist im Gange, der die Zukunft Afghanistans entscheidend verändern könnte. (more…)

Ist Afghanistan wirklich verloren?

Februar 22, 2012

Karzai besucht die afghanische Armee, die gemeinsam mit den NATO-Truppen gegen die Taliban kämpft

Die britische Journalistin Saira Shah bereiste im Jahr 2001 das damals von den Taliban beherrschte Afghanistan. In ihrer Dokumentationen “Im Reich der Finsternis: Das Afghanistan der Taliban” hat sie die Brutalität und Menschenverachtung des Regimes schonungslos dargestellt. So fanden in einem vom Westen finanzierten Stadion öffentliche Hinrichtungen statt.

Der Taliban-Rundfunk meldete 2001: “Die gerechte Strafe erreichte heute vor Tausenden von Zuschauern im Sportstadion von Kandahar vier Ehebrecherinnen und zehn Ehebrecher. Zwei von ihnen, Wakila und Sadofi, die fortgesetzt Ehebruch begangen hatten und somit dem moralischen Verfall und der Perversion Vorschub leisteten, wurden hingerichtet.” Der Außenminister der Taliban, Wakil Motawakil, äußerte vor der Kamera: “Das Fußballstadion dient der Freizeitgestaltung, ist eine Stätte für Spiel und Spaß. Wenn an einem Deliquenten Gerechtigkeit geübt wird, ist auch das ein freudiges Ereignis, das der Gesellschaft Ordnung und Sicherheit bringt.”

Saira Shah entgegnete: “Die internationale Staatengemeinschaft hat für das Stadion gezahlt. Sie wollte, dass hier Fußball gespielt wird, nicht dass Sie hier Menschen hinrichten!” Motawakil antwortete darauf: “Ich mache der internationalen Völkergemeinschaft ein Angebot: In Afghanistan ist alles zerstört worden. Wenn man uns hilft, eigens eine Hinrichtungsstätte zu bauen, so haben wir damit kein Problem. Wenn man uns zehnmal kritisiert, kann man uns doch wenigstens einmal helfen. Man sollte uns eine Hinrichtungsstätte bauen und Finanzhilfen gewähren, damit im Stadion Fußball gespielt werden kann und wir dennoch unsere Arbeit verrichten können.”

Im Mai 2001 beschlossen die Taliban, alle übriggebliebenen Hindus und Sikhs mit einem gelben Stoffflecken zu “markieren”, damit sie sich optisch von der muslimischen Bevölkerung absetzen, genauso wie es die Nazis mit den Juden getan hatten. Sowohl in den USA als auch in Indien erregte diese Entscheidung eine Well der Empörung. Diese Beispiele zeigen, was Afghanistan nach dem Abzug der NATO bevorstehen könnte. Der Krieg gilt im Westen schon längst als verloren. (more…)

Der Mann, der Afghanistan hätte retten können

Dezember 28, 2011

Das Grab von Ahmad Shah Massoud, dem afghanischen Nationalhelden

Es ist der 9.September 2001. Ein arabisches Fernsehteam hat ein Interview mit Ahmad Shah Massoud, dem Anführer der afghanischen Nordallianz, verabredet. Massoud, seine Begleiter und sein Dolmetscher betreten den Raum. Plötzlich explodieren die Kameras, Massoud wird in Fetzen gerissen. Der Raum füllte sich mit Blut, Körperteile fliegen umher. Die arabischen Reporter waren al-Qaida-Agenten, die von Osama bin Laden geschickt wurden, um seinen größten Widersacher zu beseitigen. In den internationalen Medien findet die Tat nur wenig Beachtung. Wer wusste damals schon, wer Massoud oder bin Laden waren? Nur einer ahnt die Dimension der Ereignisse. Am 10. September 2001 erzählt der Terrorismusexperte John O’Neill zwei Freunden: „Wir sind fällig. Und wir sind fällig für etwas Großes … Einige Dinge sind in Afghanistan passiert (bezugnehmend auf die Ermordung Massouds). Ich mag nicht, wie sich die Dinge in Afghanistan entwickeln. … Ich spüre eine Veränderung, und ich denke bald wird etwas passieren. … bald.“

Einen Tag später stirbt O’Neill in New York, als der Südturm des World Trade Center zusammenbricht. Die USA rufen den Krieg gegen den Terror aus, Afghanistan wird in den folgenden Monaten besetzt und die Taliban-Herrschaft vorerst beseitigt. Wer war Ahmad Shah Massoud? Dieser Mann, zu dessen Beerdigung, obwohl sie im ländlichen Panjshir-Tal stattfand, Hunderttausende Afghanen teilnahmen, dessen Porträt noch heute viele Wohnzimmer in Afghanistan ziert, der 2002 für den Friedensnobelpreis nominiert, von der europäischen Parlamentspräsidentin Nicole Fontaine “Pol der Freiheit in Afghanistan” genannt und vom afghanischen Präsidenten Hamid Karzai zum “Nationalheld der afghanischen Nation” erklärt wurde?

Massoud war ein Mudschaheddin, der drei Jahrzehnte lang gegen die Kommunisten, die sowjetischen Besatzer, die Taliban und al-Qaida kämpfte. In den 1990ern waren bis zu 1 Million Afghanen vor den Taliban in die von Massoud kontrollierten Gebiete geflohen. In seinem Gebiet errichtete Massoud demokratische Institutionen, achtete die Rechte der Frauen und forderte demokratische Wahlen für ganz Afghanistan, die von den Taliban immer abgelehnt wurden. Im April 2001 besuchte Massoud das Europäische Parlament. Er forderte humanitäre Hilfe für sein Land, erklärte, dass die Taliban und al-Qaida eine “sehr falsche Interpretation des Islam” eingeführt hätten und dass sie ohne Hilfe der Pakistaner innerhalb eines Jahres besiegt werden könnten. Außerdem warnte er vor einem großen Anschlag, der nach seinen Geheimdienstinformationen unmittelbar in den USA bevorstünde.

Im Westen ist er kaum bekannt, doch die Afghanen haben ihn nie vergessen. Er ist und bleibt der größte Held, den die afghanische Nation je hervorgebracht hat.

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Jürgen Todenhöfers Traum wird wahr

Juni 19, 2011
Taliban in Herat, Afghanistan

Taliban in Herat, Afghanistan

Die Amerikaner verhandeln mit den Taliban!

Und das hatte der Schindler der Muslime ja schon immer so gewollt. Jetzt hat sich Obama endlich ein Beispiel an ihm genommen, nachdem er in Pakistan eher den gegenteiligen Weg eingeschlagen hatte. Wer weiß, vielleicht hat er ja Todenhöfers Buch “Warum tötest du, Zaid?” verschlungen und es sich dann anders überlegt.

Hören sie, was Todenhöfer in einem Interview mit der “Cicero” über Afghanistan zu sagen hatte:

Sie wollen den Taliban das Land wieder überlassen?
Es muss eine Sicherheitskonferenz für die gesamte Region geben. Parallel muss die US-Führung mit der Talibanführung direkt – wenn auch unter Einbindung der Regierung Karzai – verhandeln, so wie es damals in Vietnam Verhandlungen mit der nordkoreanischen Führung gegeben hat. Der Preis, den die Taliban für einen Abzug zahlen müssten, wäre eine Garantie gegen den Aufenthalt ausländischer Terroristen sowie eine Garantie gegen den Opiumanbau.

Mit Verlaub: Wie realistisch ist es, mit den Taliban eine solche Vereinbarung schließen zu können?
Diese Fragen haben Journalisten und Politiker auch gestellt, als Henry Kissinger vorschlug, mit dem Vietkong zu verhandeln. Selbstverständlich kann man mit der Taliban-Führung verhandeln. Aber dazu müsste sich schon der amerikanische Außenminister oder der Verteidigungsminister selbst in Bewegung setzen. Man könnte mit den Taliban auch eine Einigung darüber erzielen, dass Mädchen wieder zur Schule gehen dürfen. In jenen Gebieten, in denen die Taliban bereits heute herrschen, wird das schon tagtäglich praktiziert, wie selbst die „New York Times“ berichtete.

Was indes nichts daran ändert, dass die Taliban Menschen töten, wenn diese sich etwa an freien Wahlen beteiligen.
Die Taliban haben weniger afghanische Zivilisten getötet, als die Nato. In jedem Falle bleibt uns nichts anderes übrig, als mit ihnen zu verhandeln. Was wäre die Alternative?

Kapiert?

Jetzt fehlen nur noch Verhandlungen mit der al-Qaida, dem irakischen Widerstand (zwei völlig unterschiedliche Gruppierungen), Assad, Kim Jong-Il, Robert Mugabe und natürlich der Hamas.

(Nur so zur Klarstellung: Die Taliban waren im Jahre 2010 an 76% aller zivilen Todesopfer in Afghanistan verantwortlich. Für Todenhöfer hat die NATO dann aber einfach eine 24%-Mehrheit.)


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