Archiv für die Kategorie ‘Christentum’

Kapitalismus, Sozialismus und Christentum

Juni 7, 2013
Das Symbol des christlichen Kommunismus

Das Symbol des christlichen Kommunismus

War Jesus ein Kapitalist? Wenn es nach Robert Grözinger geht, der an Fronleichnam in der Bibliothek des Konservatismus in Berlin eine Lesung zu seinem Buch “Jesus, der Kapitalist” hielt, braucht und fordert das Christentum sogar den Kapitalismus. Anhand von Gleichnissen, Aussagen und Mahnungen von Jesus meint er, erkennen zu können, dass Jesus’ Prinzipien “von einer wirklich freien Marktwirtschaft” untermauert sind. Christentum und Sozialismus (in all seinen Formen, von der UdSSR bis zum modernen Wohlfahrtsstaat) hält Grözinger für unvereinbar.

Es gibt viele liberale und libertäre Autoren, die versuchten, das Christentum mit ihren Ansichten in Einklang zu bringen, so z.B. Roland Baader und Gerd Habermann, oder der “papsttreue Libertäre” Felix Honekamp. Gleichzeitig spricht Papst Franziskus von der “Tyrannei des Marktes”, “selbstsüchtiger Steuerhinterziehung” und fordert mehr staatliche Intervention und Umverteilung im Namen Gottes. Was stimmt denn nun? Kann man das Christentum mit dem Kapitalismus in Einklang bringen?

Wie sorgte Jesus für seinen Lebensstandard? Die Urchristen verachteten Besitz. Sie produzierten nichts und lebten nur von dem, das die Neubekehrten als Erlös mitbrachten, nachdem sie ihr Hab und Gut veräußert hatten. Es ist kein Wunder, dass es viele Theologen gibt, die sich anti-kapitalistisch äußern. Ludwig von Mises meinte in seinem Buch “Die Gemeinwirtschaft”, dass die christliche Lehre “extrem destruktionistisch wirken kann, sobald die Erwartung des unmittelbaren Bevorstehens des Gottesreiches wegfällt”. (more…)

Religiöse Feiertage privatisieren!

März 30, 2013
Die Auferstehung Jesu Christi

Die Auferstehung Jesu Christi

Mit freundlicher Genehmigung vom “Blog der Freisinnigen Zeitung”

Religiöse Feiertage privatisieren!

Wir gönnen es jedem, die Tage zu begehen, die ihm in seinem Glauben heilig erscheinen, sei er Christ, Jude, Moslem, Buddhist oder Hindu. Mit Lessing halten wir alle in Ehren, die sich als anständige Menschen benehmen, ganz gleich, was sie auch glauben mögen. Und das gilt auch für Sozialisten.

Aber warum müssen alle anderen mitmachen? Warum müssen die Tanzschuhe am Karfreitag im Schrank bleiben, weil es gewissen Christen nicht behagt, daß getanzt wird? Und zurecht wird es als Übergriff empfunden, wenn Islamisten ihre Vorgaben anderen aufoktroyieren möchten. Doch warum darf niemand einkaufen, Handel treiben oder arbeiten, wenn Sozialisten sich in rote Tücher wickeln wollen? Reicht die Ironie etwa nicht aus, daß der 1. Mai ausgerechnet von den Nationalsozialisten den Deutschen aufgepreßt wurde? (more…)

Die Leugnung von Christenverfolgungen

Februar 2, 2013

Christliche Gemeinschaften im Nahen Osten leiden unter zunehmender Verfolgung

Man stelle sich vor, jemand hätte 1936 über die Situation der Juden in Deutschland gesagt: “Nicht „Juden“ werden im Deutschen Reich verfolgt, sondern all jene, die nicht nach der in diesem Staat herrschenden ideologischen Doktrinen leben. Dazu gehören auch Juden, aber die Verfolgung trifft insbesondere jene, die für die Rechte von Kommunisten, Sozialdemokraten und Liberalen aufstehen.” Etwas Ähnliches konnte man vor einem Monat im Magazin “Wissenrockt” lesen, nur handelte es sich nicht um Juden im nationalsozialistischen Deutschland, sondern um Christen in der islamischen Welt:

Nicht „Christen“ werden in zahlreichen islamischen Ländern verfolgt, sondern all jene, die nicht nach den in diesen Staaten herrschenden religiösen Doktrinen leben. Dazu gehören auch Christen, aber die Verfolgung trifft insbesondere jene, die für die Rechte von Frauen, Schulmädchen, Homosexuellen, Anders- oder Nichtgläubigen aufstehen.

(“Mythos Christenverfolgung”)

Es stimmt, dass in der islamischen Welt nicht nur Christen, sondern auch Frauen, Homosexuelle und andere Minderheiten diskriminiert und verfolgt werden. Und es stimmt auch, dass, wie der Artikel bei Wissenrockt anspricht, die Zahlen von Open Doors (100 Millionen verfolgte Christen weltweit) nicht als sehr seriös zu betrachten sind. Außerdem stimme ich damit überein, dass es bei der Aufnahme von verfolgten Minderheiten keine Bevorzugung von Christen aus islamischen Ländern geben sollte. Aber: Zu behaupten, dass Christenverfolgungen ein “Mythos” sind, ist ein Amoklauf gegen die Realität. (more…)

Die Zukunft der Christen in Syrien

Dezember 25, 2012

Christliche Gemeinschaften im Nahen Osten leiden unter zunehmender Verfolgung

“Wenn es euren Gott gibt, warum hilft er euch dann nicht?”

Diesen Satz hören verfolgte Christen seit über 2000 Jahren. In den letzten Jahren wurden Christen vor allem im Irak brutal verfolgt (mehr als die Hälfte von ihnen ist geflohen) und leben immer noch in ständiger Angst. In Libanon sank der christliche Bevölkerungsanteil durch Auswanderung und den Bürgerkrieg von 52% im Jahr 1950 auf 30% im Jahr 2012. In der Geburtsstadt Jesu Christi, Bethlehem, ist der christliche Bevölkerungsanteil von 60% auf 15% gesunken, in ganz Palästina von 5,3% auf etwa die Hälfte. Egal ob Nigeria, Ägypten, Indonesien oder Pakistan- das Los der Christen in der islamischen Welt ist bedrückend.

Die Juden haben das Problem gelöst, indem sie einen eigenen Staat gründeten. Diese Lösung ist für die Christen im Nahen Osten ausgeschlossen, da sich niemand dafür einsetzen würde und die Christen diese Lösung wahrscheinlich auch nicht anstreben. Die Frage, wie es Christen in Syrien nach Assad ergehen wird, ist einer der Gründe, warum der Aufstand gegen das Regime so kritisch beäugt wird. Syrien wurde im Jahr 1915 bereits Schauplatz von Massakern an Christen, als die Osmanen 1915 in der Stadt Deir ez-Zor, die als “Auschwitz der Armenier” gilt, 150.000 armenische Christen umbrachten.

Die Christen in Syrien wurden unter Assad nicht verfolgt, hatten aber nicht dieselben Rechte wie die muslimische Bevölkerung. Missionierung war untersagt und Apostasie bei Muslimen wurde bestraft. Im Jahr 1944 waren noch 38% der Einwohner von Aleppo Christen, heute sind es nur noch 3,3%. Im November 2012 veröffentlichte Aymenn Jawad Al-Tamimi einen Artikel, der sich mit den Berichten über Christenverfolgungen in Syrien auseinandersetzte. Er kam zu dem Schluss, dass es momentan noch keine systematischen Christenverfolgungen gibt, aber dass durch das zunehmende Strömen von ausländischen Dschihadisten die Christen in große Gefahr geraten könnten. (more…)

Geschichtsstunde: al-Andalus und die Reconquista

Oktober 21, 2012

Die Eroberung Granadas 1492, Gemälde von Francisco Pradilla y Ortiz, 1882

Gestern besetzte eine Gruppe von 70 Franzosen einen Moscheeneubau in Poitiers. Sie folgten einem Aufruf einer Gruppe namens “Génération Identitaire” und waren aus dem ganzen Land angereist, schwenkten Fahnen und erklommen das Dach. Damit wollten sie gegen die Islamisierung Europas protestieren. Später wurden drei der Randalierer festgenommen. Das Datum für die Protestaktion war nicht zufällig gewählt. Es war der 1280 .Jahrestag der Schlacht von Tours und Poitiers, in der die Franken die maurischen Eindringlinge zurückschlugen und damit die islamische Expansion in Europa vorläufig stoppen konnten.

Viele Islamisierungsgegner sehen sich in der Tradition von christlichen Feldherren, die gegen muslimische Invasoren kämpften. Dabei wird oft viel Geschichtsklitterung begangen. Für unsere Zeit sind diese Themen natürlich nicht mehr von Bedeutung. Der Islamismus ist die totalitäre Ideologie unserer Zeit, die islamische Welt ist intolerant, wirtschaftlich und kulturell rückständig und gewalttätig. Aber an dieser Stelle möchte ich mich dennoch mit einem in der islamischen und westlichen Geschichtsforschung kontrovers diskutierten Thema auseinandersetzen, und zwar dem Zeitalter von al-Andalus, der islamischen Herrschaft in Spanien.

Für die Muslime gilt das Zeitalter von al-Andalus als “Goldenes Zeitalter” der islamischen Zivilisation. Noch heute berufen sich islamische Historiker und westliche Islamapologeten (wie z.B. Jürgen Todenhöfer in seinem Buch “Warum tötest du, Zaid?”) auf diese Zeit, um die Toleranz und die wissenschaftlichen Errungenschaften der islamischen Zivilisation zu preisen. Die Spanier sehen dagegen in der Zeit von al-Andalus eine Zeit blutiger Fremdherrschaft, die durch die beinahe 800 Jahre andauernde “Reconquista” (spanisch für “Wiedereroberung”), die die Spanier bis heute feiern, beendet wurde. (more…)


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