Archive for the ‘Geschichte’ Category

Es war nicht alles schlecht!

Oktober 3, 2014

Frei, sozial, antifaschistisch: Wie die DDR den Mauerbau feierte

Am 3. Oktober feiert Deutschland mal wieder den Tag der Wiedervereinigung bzw. der Auflösung der sozialistischen Diktatur im Osten, und das politische Establishment hat dafür eine ordentliche Portion Ironie aufzubieten: Bernd Lucke lobt die innere Sicherheit in der DDR, die Bundesregierung führt die Mietpreisbremse ein und Gregor Gysi meint, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen. Leider kann man davon ausgehen, dass sowohl Lucke und Gysi damit im Osten Wähler gewinnen können, denn viele Ostdeutsche haben ein ziemlich lockeres Verhältnis zur DDR.

Umfragen, die DDR-Nostalgie im Osten belegen, kennt man ja schon. Aber es ist ein weitverbreitetes Phänomen, nach dem Ende einer Diktatur zu rufen “Es war nicht alles schlecht!” Eine Umfrage der amerikanischen Militärverwaltung ergab 1948, dass 55% der Deutschen den Nationalsozialismus für eine “gute Idee” hielten, die nur “schlecht ausgeführt” worden sei. In Moldawien bewerteten 2011 52% den Untergang der Sowjetunion negativ und nur 29% würden bei einem Referendum gegen eine Rückkehr in die UdSSR stimmen. In vielen Ländern der ehemaligen Sowjetunion herrschen ähnliche Ansichten, auch in Russland.

Nun kann man sagen, dass diese Menschen nur ihre persönliche Situation wiedergeben. 1948 herrschte in Deutschland Chaos, in Russland herrschten nach dem Ende der UdSSR geradezu Raubritterverhältnisse, und in Ostdeutschland verloren durch die Auflösung der Volkseigenen Betriebe 1 Million Menschen ihren Arbeitsplatz. Aber das ist nicht die einzige Erklärung. Denn erstens sind die Missstände nach dem Ende einer Diktatur nicht selten die Trümmer eben dieser Diktatur. Und zweitens ist die Lage dennoch meistens besser als zu Zeiten der Diktatur: Den Ostdeutschen geht es besser als zu DDR-Zeiten, den Russen geht es besser als zu Sowjetzeiten. (more…)

Kein Optimismus mehr?

September 12, 2014

Das Jahr 2014 brachte eine ganze Reihe an Katastrophen. Krieg im Irak, Krieg in der Ukraine, Ebola-Epidemie in Westafrika – es gab keinen Mangel an schlechten Nachrichten. Aber die gute Nachricht ist: Der langfristige Trend ist immer noch positiv.

Hans Rosling zeigt in vier Minuten auf, wie sehr die Lebenserwartung und das Einkommen in der Welt in den letzten 200 Jahren zugenommen haben. Der Zustand der Menschheit war in 99% der Zeit Elend und Tyrannei (“The normal state of man is misery and tyranny”, wie Milton Friedman es ausdrückte), erst in den letzten zwei Jahrhunderten hat sich das Blatt gewendet. Rosling gehört zur Kategorie der Optimisten. Zu dieser Sorte gehören auch Steven Pinker oder Bryan Caplan, die nicht müde werden zu betonen, wie sehr die Gewalt in der Welt abgenommen und der Wohlstand zugenommen hat.

Und trotzdem gibt es viel berechtigte Skepsis für die Zukunft. Erstens sind nicht alle Regionen in gleicher Weise vom Fortschritt erfasst worden. Zwischen Luxemburg und der DR Kongo klaffen Welten, und für viele Gebiete ist auch keine Besserung in Sicht. Und zweitens kann der Fortschritt schnell rückgängig gemacht werden, dazu bedarf es nur ein paar schlechter Entscheidungen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging es der Menschheit ebenfalls so gut wie nie zuvor. Es hätte ein Jahrhundert des Friedens werden können – aber es folgten die Weltkriege. Die aktuelle politische und ökonomische Situation der Welt ähnelt der zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Werden wir es diesmal besser machen? (more…)

Best of Juan Carlos

Juni 2, 2014

Der spanische König Juan Carlos tritt zurück. Eine Ära geht zu Ende, mit Juan Carlos begann 1975 Spaniens Übergang zur Demokratie, das Ende der Isolation des Landes und eine lange Periode wirtschaftlichen Aufschwungs. Klar, es gibt auch Negatives. So ist er Fan von Real Madrid. Aber am Ende bleibt eine gute Bilanz.

Die Freisinnige Zeitung machte mich auf zwei große Momente seiner Regentschaft aufmerksam:

Am 23. Februar 1981 beendete Juan Carlos den Putschversuch von Oberstleutnant Antonio Tejero, indem er den Putschisten seine Unterstützung verweigerte und den Streitkräften des Landes in einer Fernsehansprache die Anweisung gab, die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen.

Am 10. November 2007 ermahnte er beim Iberoamerika-Gipfel den schon vor einem Jahr zurückgetretenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, seine ständigen Unterbrechungen und Beleidigungsorgien einzustellen, und zwar mit dem legendär gewordenen Satz “¿Por qué no te callas?”, übersetzt “Warum hältst du nicht die Klappe?”.

Seine direkte Art machte ihn bei vielen beliebt. Über die ETA, die das Land mit Terror überzog und auch seine Ermordung plante, sagte er “Man muss denen eins auf den Deckel geben und solange weitermachen, bis man mit ihnen fertig ist”. Das gelang dem spanischen Staat tatsächlich, im Jahr 2011 beendete die ETA ihre bewaffneten Aktivitäten.

Nicht zu vergessen, dass er mit seiner Elefantenjagd in Botswana auch zur Rettung von Wildbeständen beitrug. Denn wenn Elefanten für Geld gejagt werden, haben sie für die Einheimischen einen Wert und werden besser gehegt. In diesem Sinne: Danke, Juan Carlos, für deine Verdienste für Spanien und den Umweltschutz!

Der verbotene Völkermord

April 18, 2014
Armenier werden von osmanischen Soldaten deportiert, 1915

Armenier werden von osmanischen Soldaten deportiert, 1915

Im Theater der Stadt Konstanz wird seit dem 21. März der Roman “Das Märchen vom letzten Gedanken” aufgeführt. In dem Stück geht es um den Völkermord an den Armeniern in den Jahren 1915 und 1916, also vor fast genau 100 Jahren. Die türkische Regierung weigert sich bis heute, anzuerkennen, dass es einen Völkermord gab, und führt deshalb immer ihr eigenes Theater auf, wenn das Wort “Völkermord” im Zusammenhang mit den Ereignissen aus dieser Zeit fällt. So auch dieses Mal.

Im Vorfeld wurde u.a. mit einem Plakat geworben, indem die Füße eines toten Mannes zu sehen sind, über dem ein weißes Tuch ausgebreitet ist, darüber weht die türkische Flagge und der türkische Ministerpräsident Erdogan wird mit dem Satz zitiert: “In unserer Geschichte wurde kein Völkermord begangen”. Das war natürlich genug Zündstoff für eine Kontroverse. Über 100 Türken demonstrierten in Konstanz gegen die Aufführung des Theaterstücks, weil ihre Gefühle dadurch verletzt würden, auch per E-Mail forderten empörte Türken die Absetzung des Stücks.

Es gab auch diplomatischen Protest: Das türkische Generalkonsulat in Karlsruhe forderte, dass die Theaterbesucher vorab in einem Brief darüber informiert werden, dass es rechtliche und akademische Diskussionen gibt, ob man die Ereignisse von 1915 als Völkermord bezeichnen kann. Dieser Eingriff in die künstlerische Freiheit wurde von den deutschen Politikern zum Glück auch als solcher bezeichnet und kritisiert. Trotzdem wurde der Brief in der Homepage des Theaters veröffentlicht, das Stück musste unter Polizeischutz aufgeführt werden. (more…)

Kurze Geschichte des Kulturpessimismus

April 5, 2014
Die Auferstehung Jesu Christi

Was hat sich in den letzten 2000 Jahren verändert?

“Unsere Erde ist in diesen Tagen entartet, Bestechung und Korruption sind allgemein, Kinder gehorchen nicht mehr den Eltern, jeder will ein Buch schreiben, und das Ende der Welt naht sichtbar heran.”

(Eine assyrische Steintafel, zitiert von Björn Lomborg in “Apocalypse No!”)

“Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.”

(Eine Keilschrift aus der sumerischen Stadt Ur, zitiert aus Wikipedia)

“Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.”

(Ein Klassiker, der Sokrates zugeschrieben wird, zitiert aus Wikipedia, aber es gibt keine gesicherte Quelle. Trotzdem ein schönes Zitat)

“Du solltest wissen, dass die Welt alt geworden ist und dass sie ihre einstige Lebenskraft nicht beibehalten wird. Sie ist Zeugin ihres eigenen Verfalls. Der Regen und die Wärme der Sonne nehmen beide ab; die natürlichen Metallressourcen sind beinahe erschöpft; der Landwirt gewinnt nichts mehr aus seinen Feldern, der Seefahrer nichts mehr aus den Meeren; der Soldat liegt erschöpft in seinem Lager, die Ehrlichkeit am Markt nimmt ab, die Gerechtigkeit in Gerichtssälen, freundschaftliche Eintracht, künstlerisches Handwerk, moralische Disziplin. Dies ist das Urteil, das über die Welt gesprochen wurde, dass alles, was einen Anfang hat, ein Ende finden muss, dass Lebewesen, die erwachsen geworden sind, alt werden müssen, die Starken schwach, die Großen klein und dass nach Schwäche und Schrumpfen die Auflösung folgt.”

(Ein Gelehrter aus dem dritten Jahrhundert nach Christus, zitiert von George Reisman in “Capitalism”, Übersetzung von Andreas Müller) (more…)

Hitler und die Fünf-Prozent-Hürde

März 2, 2014
Die letzte Gleichschaltung erfolgte unter ihm

Hätte ihn eine Sperrklausel aufhalten können?

Nachdem das Bundesverfassungsgericht die 3%-Sperrklausel für die Europawahlen aufgehoben hat, sind sich viele Experten einig: Das hilft nur den extremistischen Parteien. Diese Ansicht ist in Deutschland Konsens. Die Fünf-Prozent-Hürde für den Bundestag gilt als “Lehre aus Weimar”. Hitlers Aufstieg war nur möglich, weil der Reichstag durch die fehlende Hürde zu zersplittert war, und um so ein Szenario für unsere Zeit zu verhindern, brauchen wir die Sperrklausel, so heißt es.

Aber ist es wirklich so, dass die Fünf-Prozent-Hürde Hitlers Aufstieg hätte verhindern können? Definitiv nicht. Die NSDAP bekam bekanntlich mehr als 5% der Wählerstimmen. Bei der Reichstagswahl im Juli 1932 waren es satte 37,3% der Stimmen, was 230 Parlamentssitze bedeutete. Eine Sperrklausel von unter 40% hätte also rein gar nichts gebracht. Eine 5%-Sperrklausel hätte dazu geführt, dass die NSDAP mehr Sitze im Reichstag bekommen hätte, weil die kleineren Parteien ihre Sitze verloren hätten.

Ein anderes Argument lautet: Mit einer 5%-Sperrklausel wäre der Reichstag nicht so zerstritten gewesen, die Regierungsarbeit wäre einfacher gewesen und es hätte weniger Neuwahlen gegeben, was der NSDAP weniger Zustimmung gebracht hätte. Das ist aber auch nur wenig überzeugend, denn die großen politischen Parteien – SPD, KPD, Zentrum, NSDAP – waren damals eben heillos zerstritten, auch mit einer Hürde für kleinere Parteien wären die Koalitionsverhandlungen nicht einfacher geworden. (more…)

Die Spielzeuge der Reichen

Januar 21, 2014

Die Mondkolonisation könnte in naher Zukunft beginnen

Als Yuri Gagarin 1957 der erste Mensch im Weltraum wurde und John F. Kennedy vier Jahre später ankündigte, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond und wieder zurück zu fliegen, machte das weltweit große Schlagzeilen. Der Wettlauf zum Mond wurde zu einem prestigeträchtigen Duell im Kalten Krieg, die USA traten gegen die Sowjetunion an. Allerdings wurden beide Weltraumprogramme von staatlichen Organisationen geleitet, und so eignete sich der Sieg der USA nicht unbedingt als Werbung für den Kapitalismus. Dennoch war es natürlich eine großartige Leistung der Menschheit.

Heute erleben wir einen neuen Wettlauf: Den Wettlauf zum Mars. Er macht aber nur wenige Schlagzeilen, denn es handelt sich um zwei private Institutionen. Die Non-Profit-Organisation “Inspiration Mars” von Dennis Tito, dem ersten Weltraumtouristen, plant, bis zum Jahr 2018 einen Mann und eine Frau um den Mars vorbeifliegen zu lassen. Ein sehr ehrgeiziges Ziel, dass jedoch von der niederländischen Stiftung “Mars One” übertroffen wird: Diese plant, bis zum Jahr 2025 vier Menschen in den Mars zu schicken, für die keine Rückkehr geplant ist. Das Geld dafür soll u.a. durch die TV-Rechte kommen, denn die Kandidatenauswahl soll durch eine Reality-Show erfolgen.

Nicht nur Flüge zum Mars, auch kleinere Weltraumflüge sollen bald von privaten Organisationen angeboten werden. Die erste Frage, die vielen Menschen dabei in den Kopf kommt, lautet: “Warum?” Diese Frage kontert man am besten mit der Gegenfrage: “Warum nicht?” Jeder soll mit seinem Geld machen was er will, und wenn dazu Weltraumflüge gehören, ist das eben so. Leider denken nicht alle so. Günter Verheugen von der EU-Kommission äußerte sich zum Thema wie folgt: “Mir gefällt das Thema nicht. Es verdient keine Unterstützung. Das ist ausschließlich eine Sache für die Superreichen und damit gegen meine soziale Überzeugung”. (more…)

Apocalypse? No

Dezember 27, 2013
Prometheus bringt der Menschheit das Feuer

Ist die Menschheit schon erleuchtet worden?

Mein erster Artikel dieses Jahres rief zu optimistischem Realismus auf. Im Jahr 2012 hatte es zwar viele Krisen gegeben, aber für die Menschheit hatte sich sehr vieles gebessert: Der Anteil der unterernährten Menschen war gesunken, die Lebenserwartung gestiegen und die Menschheit genoss einen immer höheren Lebensstandard. Anstatt zu denken: “Alles wird schlimmer und wir können es nicht verhindern”, plädierte ich dafür, uns mehr Mut zu machen, in etwa so: “Wir haben ein Haufen Probleme, aber wir können sie lösen und haben bereits viele erfolgreich gelöst”.

Auch das Jahr 2013 war von vielen Krisen geprägt – die syrische Tragödie, die Gewalt in Ägypten, der Terror im Irak, der andauernde Drogenkrieg in Mexiko, die Wirtschaftskrise in Venezuela, die Instabilität in Südsudan und vieles mehr – und dennoch war es für die Menschheit ein gutes Jahr, wenn es um die Bekämpfung von Armut, Hunger und Krankheiten ging. Für jeden, dem das Wohl unserer Spezies am Herzen liegt, ist das eine gute Nachricht. Es scheint, als würde Prometheus, der große Kulturbringer, die Menschheit erleuchten. Schauen wir uns mal einige gute Nachrichten an.

Die Anzahl und Intensivität der Kriege hat seit 1988 merklich abgenommen. Leider werden verhärtete Konflikte wie in Syrien oder Mexiko wohl nicht so schnell gelöst werden. Allerdings sollten wir uns in Erinnerung rufen, dass es in früheren Jahrzehnten viel blutiger zuging. Wir befinden uns nachweislich in der friedlichsten Zeit der Menschheitsgeschichte. Steven Pinker nennt es den “Neuen Frieden”. Bryan Caplan fragt sich, was wir zuerst erleben werden: Weltfrieden oder fahrerlose Autos. Nun gut, fahrerlose Autos sind sicher im Vorteil, aber dass wir überhaupt diese Frage stellen, ist etwas Sensationelles. (more…)

Alan Turing begnadigt

Dezember 24, 2013
Eine Statue in Surrey erinnert an Alan Turing

Eine Statue in Surrey erinnert an Alan Turing

Es hat fast 60 Jahre gedauert, aber heute ist Alan Turing, einer der größten Genies, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, von der Queen begnadigt worden. Der 1912 in London geborene Mathematiker schuf die Grundlagen für die moderne Informatik, trug zum Sieg über Nazi-Deutschland bei und beschäftigte sich auch mit wichtigen Fragen der Biologie. Zeitlebens bekam er jedoch nicht die Würdigung, die ihm zusteht, sondern wurde wegen seiner Homosexualität vom Staat verfolgt und in den Tod getrieben.

Mit 24 Jahren verfasste Turing einen Aufsatz, der das mathematische Modell der “Turingmaschine” beschrieb, mit denen heute alles arbeitet, was rechnet. Während des Zweiten Weltkriegs half Turing dann in der britischen Einheit für Entschlüsselung, den Nazi-Code Enigma zu knacken, eine entscheidende Wende im Krieg. Nach dem Krieg verfasste er im Jahr 1950 einen Aufsatz, der sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz auseinandersetzte. Er schlug den “Turing-Test” vor, um der Frage nachzugehen, ob Maschinen denken können.

Aber dann nahm seine Geschichte eine hässliche Wendung. Die britischen Behörden verhafteten Turing im Jahr 1952. Homosexuelle Handlungen waren in Großbritannien bis 1967 strafbar. Er wurde vor die Wahl gestellt: Entweder Gefängnis oder Umerziehung. Notgedrungen entschied er sich für zweiteres. Er musste sich einer Hormontherapie unterziehen und wurde chemisch kastriert. Sein Leben wurde zur Hölle gemacht, und am 7. Juni 1954 beging er, psychisch gebrochen, mit 42 Jahren Selbstmord. (more…)

Kennedys Leistungen

Dezember 20, 2013
Sein Mythos lebt weiter

Sein Mythos lebt weiter

Der 22. November 2013 war der 50. Jahrestag des Attentats auf John F. Kennedy. In den Medien wurde an ihn erinnert, Fernsehen und Zeitungen hatten ein Thema für einen ganzen Tag und die Verschwörungstheorien hatten natürlich wie erwartet Hochkonjunktur (ich frage mich ja, warum Jackie Kennedy von niemandem verdächtig wurde. Sie hatte ein Motiv und war am nächsten dran. Aber die wahrscheinlichste Theorie ist noch immer Herzversagen).

Nur wenige sprachen die Wahrheit aus: Kennedy wurde nur durch seine Ermordung zum Mythos. Es ist auch schwer, als Präsident vieles zu leisten, wenn man weniger als drei Jahre im Amt war. Während seiner Präsidentschaft verantwortete er zudem einige Fehler, so z.B. die fehlgeschlagene Schweinebucht-Invasion und die weitere Involvierung in Vietnam. Sein Besuch in Berlin war reine Symbolpolitik. Aber er vollbrachte die Leistung, einen Atomkrieg mit der Sowjetunion zu verhindern, das muss man ihm zugestehen.

Es gibt zwei Aspekte von Kennedy, die heute in Vergessenheit geraten sind. Beim einen liegt es daran, dass es den Linken nicht gefallen dürfte. Es war nämlich niemand Geringeres als Kennedy, der zu den größten Steuersenkern in der Geschichte der USA gehörte. Im Jahr 1962 lag der Spitzensteuersatz bei barbarischen 91%. Er senkte ihn auf 65%, immer noch barbarisch, aber immerhin ein Fortschritt. Kennedy sagte in seiner Rede: “Jeder Dollar, der nicht in Steuern gezahlt wird, kann ausgegeben oder investiert werden und schafft Arbeits­plätze.” (more…)


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