Archive for the ‘In eigener Sache’ Category

Liebespost für Cengiz Dursun? Eine Replik auf einen unberechtigten Vorwurf

November 2, 2011

In Cengiz Dursuns Primaverablog gibt es eine eigene Rubrik, in denen rassistische, feindselige Kommentare oder Drohungen gegen den Autor sozusagen “ausgestellt” werden. Wie ich heute feststellen musste, hat Cengiz einen Artikel von mir dort verlinkt. Es handelt sich um den Artikel “Die Migrantenfrage“.

Um euch ein Bild davon zu geben, was normalerweise in seiner “Liebespost” landet, es handelt sich um Beschimpfungen wie Türken-Nazi, Islamist, Völkermörder, Antisemit, Papier-Deutsche und noch anderes, viel schlimmeres Zeug wie Morddrohungen. Da war ich dann entsprechend ziemlich ratlos, als er mich mit solchen Leuten in einen Topf warf.

Ich lese seinen Blog gerne und es macht mir nichts aus, dass er in letzter Zeit auch die USA, Israel oder die deutsche Mehrheitsgesellschaft kritisiert. Obwohl ich in vielen Punkten nicht mit seiner Meinung übereinstimme, finde ich es in Ordnung, denn es ist seine Meinung und sie ist auch oft berechtigt. Auch ich bin nicht bedingungslos proamerikanisch oder proisraelisch.

Ich bin mir sicher, dass er kein Antisemit ist, denn er solidarisiert sich nicht mit der Hamas, bezeichnet Israel nicht als Apartheidstaat und fordert nicht zum Boykott israelischer Waren auf. Vieles, was er über die USA oder Israel sagt, halte ich aber dennoch für falsch (dazu gab es bei beer7 einen guten Beitrag). Aber nicht für antisemitisch. In letzter Zeit haben sich viele, die seinen Blog lasen, von ihm abgewendet und er wurde von vielen angefeindet. Das waren offenbar Leute, die jede Kritik an irgendwas “christlich-jüdisches” als islamische Propaganda ansehen und Muslime nur dann mögen, wenn sie ihre Glaubensbrüder kritisieren.

Jetzt ist es aber so: Während ich seine verschiedenen Ansichten akzeptiere, empfindet er meine wohl als rassistisch. Dabei ging es um eine völlig belanglose Sache, nämlich um die Frage, ob der Begriff “Migrationshintergrund” ausgrenzend ist oder nicht. In einem Interview mit Alan Posener hatte Cengiz so eine Frage gestellt und in der WELT hatte ein Gastautor namens Mehmet Daimagüler ähnliches behauptet. (more…)

Offener Brief an die Welt der Wunder-Redaktion

September 3, 2011

Liebe wdw-Redaktion,

In diesem Monat jähren sich zum zehnten Mal die Terroranschläge vom 11. September 2001. In ihrer neusten Ausgabe nehmen sie sich das Thema an. Sie berichten über “11 Wahrheiten zum 11. September”. Es ist nicht das erste Mal, dass sie Verschwörungstheorien einen Raum bieten. In mehreren Ausgaben haben sie vermeintlich “ungelöste Fragen” zum 11. September gestellt.

Ihre Argumente sind alle amateurhaft und alles andere als wissenschaftlich. Vor allem die bei Verschwörungstheoretiker beliebte Frage “Cui Bono?” ist an Schamlosigkeit nicht zu überbieten. Wer profitiert denn davon, wenn 3.000 Amerikaner tot sind? Die, die Amerika hassen natürlich. Ist ihnen diese Schlussfolgerung überhaupt nicht in den Sinn gekommen?

In einer Ausgabe maßen sie sich an, die Verschwörungstheoretiker Alex Jones und David Ray Griffin als “9/11-Experten” zu bezeichnen, was in etwa so zutreffend ist, wie Kreationisten als “Biologie-Experten” zu bezeichnen. Auch haben sie mal ein rundes Loch in einer Wand gezeigt und behauptet, dies sein das Eintrittsloch, dabei handelte es sich eindeutig um das Austrittsloch. Wozu diese Manipulationen?

Man kann einen Turm nur dann sprengen, wenn man die Stahlträger explodieren lässt, dann stürzt das Gebäude von den unteren Stockwerken aus in sich zusammen. Die WTC sind aber von der Mitte aus eingestürzt und einige Stahlträger sind selbst nach dem Einsturz noch für ein paar Sekunden stehen geblieben. Eine Sprengung kann somit zu 100% ausgeschlossen werden. Auch sind die Türme nicht in Freifallgeschwindigkeit eingestürzt, wie die Verschwörungstheoretiker behaupten.

Ich frage mich, warum sie es nötig haben, immer wieder über diese lächerlichen Verschwörungstheorien zu berichten. Entweder tun sie es, um eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen, oder sie sind selbst Verschwörungstheoretiker, was ich kaum glaube.

Ich bitte sie, in Zukunft mehr Respekt gegenüber den Angehörigen der Opfer zu zeigen. Wer in Deutschland ein Buch schreibt, indem er den Holocaust als jüdische Verschwörung bezeichnet, muss sich auf eine Anklage wegen Volksverhetzung gefasst machen. Aber über den 11. September darf man das sagen und bekommt sogar Unterstützung von der ARD und Welt der Wunder. Gibt ihnen das nicht ein bisschen zu denken?

Mit freundlichen Grüßen,

Ein Leser.

Bolivien: “La misma historia”

Juli 17, 2011

Die bolivianische Flagge

Die Copa America in Argentinien läuft schon seit zwei Wochen, aber für mich ist sie schon jetzt ein bisschen enttäuschend ausgefallen. “Ein bisschen”, weil ich zwar nur wenig Hoffnung hatte, aber eben doch ein bisschen. Für wen? Na, Bolivien natürlich. Ich bin dort nämlich migrationshintergründig, und das verpflichtet mich als Fußballfan zum “Mitfiebern”.

Trauer, Wut, Enttäuschung?

Als ich nach dem Aufwachen sofort den Computer aufmachte, um zu sehen, wie das Spiel ausgegangen war, hatte ich den Grundsatz im Kopf: Keine Hoffnung, keine Enttäuschung. Daran änderte auch das erste Ergebnis nichts: Bolivien hatte in Argentinien (!) gegen ihre erste Elf (!) in einem offiziellen Turnier (!) ein Unentschieden rausgeholt (!) und dabei mehr als 20 Minuten in Führung gelegen (!), mit einer vergebenen Chance auf das 2:0 (!) – eine Menge Gründe, um davon auszugehen, dass dieses Team die U-22-Mannschaft von Costa Rica besiegen könnte. Aber das war mir einfach nicht genug. Wir hatten ja schon mal Maradonas Elf mit 6:1 besiegt, nur um dann gegen Venezuela zu verlieren. Zum Glück bin ich tatsächlich dabei geblieben, denn meine “Schwarzseherei” sollte sich bewahrheiten. Die “Ticos” besiegten uns 2:0 und vernichteten damit alle Hoffnungen auf ein bisschen Ruhm für Bolivien, ein Land, dass man höchstens für den Koka-Anbau und den Inkas kennt. Die nächste Niederlage gegen Kolumbien (0:2) war zumindest weniger schmerzvoll.

In Bolivien nennt man das dann gewöhnlich “la misma historia” (dieselbe Geschichte): “jugamos como nunca y perdimos como siempre” (wir spielten wie nie und verloren wie immer). (more…)


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