Wenn man vom Kampf der Kulturen spricht, meint man meistens den Zusammenprall des Westens mit der islamischen Welt. Der Westen ist der einzige Kulturkreis, der überall präsent gewesen ist. Es waren die Europäer, die die Welt miteinander vernetzt haben. Deshalb waren bei den meisten Kulturschocks der Geschichte der Westen mitbeteiligt. Nicht nur der islamische, auch der afrikanische und der hinduistische Kulturkreis hatten ihre Erfahrungen mit den Westlern, die indianischen Kulturen wurden von ihnen praktisch vernichtet. Nur der Islam hat eine vergleichbare Kolonialgeschichte gehabt wie der Westen.
Obwohl der asiatische Kulturkreis geografisch eher mit dem hinduistischen oder den islamischen zusammenprallen müsste, sind auch die Asiaten bei ihrem Anschluss an den Welthandel- und Politik mit dem Westen kollidiert. Es war für sie eine Zeit der Demütigung. Dabei hätte das nicht sein müssen: Die Chinesen hatten schon mehr als 1000 Jahre vor den Europäern eine so hochentwickelte Zivilisation, wie es sie in Europa erst im 19.Jahrhundert gab. Bevor die Vorfahren von Martin Luther, Voltaire oder Nietzsche überhaupt durch die Völkerwanderung nach Europa gekommen waren, brachten die Chinesen herausragenden Philosophen wie Konfuzius und Lao-Tse hervor. Der Begründer der chinesischen Nation, Qin Shi Huangdi, hatte eine so große Armee wie Napoleon- 2000 Jahre vor ihm. Vom Ausland wurden die Asiaten nicht etwa von einem religiösen Geschichtenerzähler beeinflusst, sondern von einem atheistischen Intellektuellen wie Buddha, der auf die Frage, ob die Welt ein Anfang und ein Ende habe, antwortete: Wenn die Götter existieren, wissen sie es selber nicht (genauso wie Jesus hatte Buddha in seinem Heimatland Indien kein Erfolg).






















