Archiv für die Kategorie ‘Jürgen Todenhöfer’

Terroristen oder Widerstandskämpfer?

Juli 30, 2012
Taliban in Herat, Afghanistan

Terroristen in Herat, Afghanistan

Gil Yaron berichtet in der taz: “Zyperns Außenministerin und EU-Ratspräsidentin Erato Kozakou-Marcoullis lehnt Israels Gesuch ab, die libanesische Hisbollahmiliz als Terrororganisation einzutragen. Es gebe dazu keinen Konsens, außerdem sei Hisbollah ja auch eine politische Kraft. Wenn Beweise vorlägen, könne man das nochmal überdenken, sagt sie.” Die Entscheidung der EU-Ratspräsidentin ist nicht das erste Mal, dass europäische Politiker vor der Hisbollah kuschen. Jürgen Trittin forderte 2007, dass man mit der Hisbollah reden soll und sagte: “Ich habe eher den Eindruck, dass die Hisbollah sich sehr positiv in die Gestaltung des politischen Prozesses im Libanon einbringt.”

Die Hisbollah ist nicht nur eine politische Kraft, wie Frau Kozakou-Marcoullis zu ihrer Ehrenrettung sagt, sie hat sogar eigene Kindergärten, um den Nachwuchs zu fördern. Aber reicht das wirklich schon aus, um die Hisbollah zu “entterrorisieren”? Um diese Frage zu beantworten, sollte man zumindest wissen, wie eine Terrororganisation definiert wird und wo der Unterschied zu einer staatlichen Armee oder einer Miliz liegt. Eine allgemeingültige Definition für eine “Terrororganisation” gibt es aber nicht, laut Wikipedia gibt es sogar mehr als 100 verschiedene Definitionen. Der Verfassungsschutz definiert Terrorismus als “… der nachhaltig geführte Kampf für politische Ziele, die mit Hilfe von Anschlägen auf Leib, Leben und Eigentum anderer Menschen durchgesetzt werden sollen …”

Die Hisbollah hat 1992 und 1994 in Buenos Aires Anschläge auf jüdische Gemeindezentren und der israelischen Botschaft verübt, bei der zusammengerechnet 114 Menschen getötet wurden. Gil Yaron erwähnt dazu noch Flugzeugentführungen, Geiselnahmen und dem Mord an dem libanesischen Premier Hariri. Dies ist alles sind seit Jahren bekannt. Die Hisbollah wird auch verdächtigt, für den Mord an den israelischen Touristen an Bulgarien verantwortlich zu sein. Trotzdem bringt es die EU nicht fertig, die Hisbollah als das zu bezeichnen, was sie ist: Eine Terrororganisation mit einer politischen und sozialen Fraktion, genauso wie die Hamas in Gaza und die Taliban in Afghanistan. (weiterlesen…)

Er wird zum Mittäter

Januar 7, 2012
Kann er Syrien retten?

Jürgen Todenhöfers Lieblingsdiktator

Jürgen Todenhöfer reiste im Juni nach Daraa und schrieb über die Lage in Syrien:

„Der Einzige, der das Blatt noch wenden kann, ist Baschar al-Assad. Er muss sich an die Spitze der Reformbewegung stellen.“

Der syrische Geschäftsmann Rami Makhlouf antwortete in der NZZ auf die Frage, wie er die Medienberichterstattung zu Syrien erlebt: „Ein Bericht hat mich schockiert und geärgert: Der deutsche Autor Jürgen Todenhöfer konnte nach Daraa reisen: Er wurde bei seinem Besuch bereits in Damaskus vom Geheimdienst begleitet und manipuliert, doch schien er dies nicht zu bemerken. Er fragte sich nicht einmal, warum er die Kontrollpunkte auf der Strasse nach Daraa so einfach passieren konnte, wo doch sonst Ausländern jeglicher Zugang verwehrt wird. Von Daraa selbst wusste er nichts zu berichten, als dass er billige Kirschen kaufen konnte und einem Geheimdienstchef tief in die Augen geschaut hat. Makaber wirkte das auf die Leser, die am selben Tag sahen und hörten wie die Geheimdienste in mehreren Städten vom Helikoptern auf die Demonstranten schossen. Das syrische Regime hätte keine bessere Propaganda wünschen können“. (ich berichtete)

Im November besuchte er erneut Syrien. Dabei merkte er, dass es ein Einreiseverbot gegen ihn gab. Später stellte sich dies dann angeblich als “Fehler” heraus. Also machte er wieder Propaganda:

„Ich will wissen, wie viel Prozent in Homs hinter seinen Freunden, den Rebellen, stünden. “50 Prozent”, antwortet er. Wir bekommen einen furchtbaren Bürgerkrieg, wenn es nicht bald eine Lösung gibt.” Wieder staune ich: Nur 50 Prozent unterstützen den Aufstand von Homs? Doch ich höre diese Zahl mehrfach. Vor allem von Alawiten und Christen, die hier zwei Fünftel der Bevölkerung stellen.“

Ja, weiß der Bush-Hasser auch, wie viele Amerikaner 2000 und 2004 für Bush waren? Und wie viele Israelis für Sharon und Netanyahu? Und wie viele Deutsche für Hitler waren? Spielt es eine Rolle für die Beurteilung eines mörderischen Diktators, wie groß sein Rückhalt in der Bevölkerung ist? (weiterlesen…)

Bashar hört nicht auf Jürgen

Oktober 7, 2011
Kann er Syrien retten?

Wird er den Nahen Osten in Brand setzen?

“Der Einzige, der das Blatt noch wenden kann, ist Baschar al-Assad. Er muss sich an die Spitze der Reformbewegung stellen“- das waren die Worte von Jürgen Todenhöfer zur Lage in Syrien. Bashar scheint sich Jürgens Tipp aber leider nicht sehr zu Herzen genommen haben. Denn jetzt hört man solche Worte von ihm:

Syrian President Bashar Assad on Tuesday threatened to set fire to the Middle East, and especially to Israel, if NATO attacks Syria, the Iranian Fars news agency reported.

In a meeting with Turkish Foreign Minister Ahmet Davutoglu, Assad said: “If a crazy measure is taken against Damascus, I will need not more than six hours to transfer hundreds of rockets and missiles to the Golan Heights to fire them at Tel Aviv.”
Davutoglu reportedly conveyed a message of warning from the US to Assad. The Iranian report has not been verified by other sources.

Klingt nicht nach einem friedlichen Reformer. Aber das ist noch nicht alles. Auch die Hisbollah und Iran will er im Kampf gegen die NATO zur Hilfe kommen lassen:

According to the Fars news agency, the Syrian president stressed that Damascus will also call on Hezbollah in Lebanon to launch a fierce rocket and missile attack on Israel, one that Israeli intelligence could never imagine.

“All these events will happen in three hours, but in the second three hours, Iran will attack US warships in the Persian Gulf as American and European interests will be targeted simultaneously,” Assad reportedly said.

Fragt sich nur, ob für den Iran oder die Hisbollah Assad so wichtig ist, dass sie ihr eigenes Ende riskieren. Immerhin könnten ja nach Assad die Muslimbrüder an die Macht kommen, das wäre doch gar nicht so schlimm für die. Aber eins ist schon mal sicher: Wenn es zu einem Krieg kommt, dann wird Jürgen wieder in den Nahen Osten reisen und uns erzählen, wie falsch unsere Politik doch ist. Zumindest eine Sache steht also in unseren ungewissen Zeiten für die Zukunft schon fest.

Top 10 Zitate aus Jürgen Todenhöfers „10 Thesen“

September 20, 2011

“Warum tötest du, Zaid?” fragt sich Jürgen Todenhöfer

Top 10 Zitate aus den „10 Thesen“

Mit den 10 Thesen des Möchtegern-Schindlers habe ich mich bereits eingehend beschäftigt. Für jede einzelne These habe ich sozusagen als Antithese einen Artikel geschrieben. Manchmal wusste ich gar nicht, ob ich mich wirklich damit beschäftigen oder sie einfach als Realsatire ausstellen sollte. Aber da er und offenbar ein Haufen anderer Leute es ernst meinen, habe ich mich ernsthaft damit beschäftigt.

Dass diese Thesen aber doch eher Realsatire sind, möchte ich nun mit einem „Best Of“ seiner Ausführungen zeigen. Aber Vorsicht- falls sie noch nie seine Bücher gelesen haben, haben sie sicherlich noch nie eine schlimmere Propaganda gelesen- nicht mal bei Hagen Rether, Jakob Augstein oder Volker Pispers…

10. Wie man die Probleme der muslimischen Welt lösen könnte- mehr Islam!

„Die gemäßigte Mehrheit der Muslime muss die faszinierende Botschaft ihres Propheten Mohammed in die Neuzeit übersetzen und die gesellschaftlichen Reformen fortführen, die dieser unter Einsatz seines Lebens begonnen hatte. Sie muss den vorislamischen Ballast abwerfen, der die Renaissance der muslimischen Zivilisation behindert… Mohammed, Marktwirtschaft und Moderne passen sehr wohl zusammen.“ (weiterlesen…)

“Warum tötest du, Zaid?”- “Weil ich ein Terrorist bin, Jürgen”

September 19, 2011

Jürgen Todenhöfer mit “seinem” Volk

Wenn es möglich wäre, zu einem anderen Volk zu konvertieren, dann wäre Jürgen Todenhöfer schon längst zum Arabertum übergetreten. Seine Rolle hört sich in etwa so an wie die, die Schindler für die Juden oder Las Casas für die Indios hatte: Er kämpft für die Unterdrückten und Entrechteten und spricht Wahrheiten aus, die sich sonst keiner traut. Der ehemalige Top-Manager hat sich zudem, wie er es schildert, in die arabische Kultur verliebt.

Nun könnte man meinen, dass er als “Araber im Geiste” jetzt gerade ganz besonders für die Unterdrückten und Entrechteten des Arabischen Frühlings kämpft. Die 30-50.000 toten Libyer, die 2.300 toten Syrier, die ewigen Proteste im Jemen. Viel Stoff für den Schindler unserer Zeit, oder?

Nein.

Das einzige, was ihm zu Syrien einfiel, war Propaganda für Assad zu machen. Zu Libyen sagte er, dass der französische Präsident und der Generalsekretär der UN nach Bengasi fahren und damit ein Zeichen der Solidarität mit den Freiheitskämpfern setzen sollten, worauf Gaddafi sofort den Beschuss der Rebellen-Stellungen einstellen würde. Ein toller Plan, der perfekt gewesen wäre, wenn Gaddafi eingewilligt hätte.

Jürgens Durchbruch als Schindler der Araber geschah während des Irakkriegs. Er entschloss sich zu einer historischen Reise, um, wie er es für die Nachwelt ausdrückte, den “wahren Krieg” zu sehen, den die von Amerika kontrollierten Medien wie die Sueddeutsche oder die junge Welt der Bevölkerung vorenthalten. Sein Buch “Warum tötest du, Zaid?” wurde zum Bestseller. Als Highlight des Buches kann man sicherlich die “10 Thesen” betrachten, mit denen ich mich bereits gründlich auseinandergesetzt habe. Außerdem erzählt uns JT, wie er auf dem Trimmrad den Koran las und dabei von den vorurteilsgeladenen Deutschen schief angeguckt wurde, zeigt uns “Bilder des Krieges” und vergleicht am Ende des Buches Zitate aus der Bibel mit dem Koran. Die Feststellung: Beide haben gewalttätige Stellen, sind aber “eigentlich” gut gemeint. Eine geradezu revolutionäre Erkenntnis. (weiterlesen…)

Der mit den Arabern leidet: Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 10

Juli 13, 2011

Die zehnte und letzte These von JT. Von mir exklusiv behandelt.

These 1, These 2, These 3, These 4, These 5, These 6, These 7, These 8, These 9

These 10: Das Gebot der Stunde heißt Staatskunst, nicht Kriegskunst- im Irankonflikt, im Irakkonflikt, im Palästinakonflikt.

Die jahrelange, fast kindliche Weigerung des amerikanischen Präsidenten, mit missliebigen Politikern wie Arafat, Assad, Saddam oder Ahmadinedschad persönlich zu sprechen, und die Entscheidung, stattdessen Strategien zu entwickeln, wie man diese – nach Rücksprache mit Gott – aus dem Amt bomben könnte, zählen zu den absurdesten Fehlentscheidungen unserer Zeit. „Wer als Staatsmann dem Frieden dienen will, muss mit dem Staatsmann auf der Gegenseite reden“ (Helmut Schmidt). Auch der Ost-West-Konflikt der Nachkriegsjahre konnte nur gelöst werden, weil sich Ronald Reagan nie zu schade war, die Herrscher des damaligen „Reichs des Bösen“ persönlich zu treffen.

Es stimmt einfach nicht, dass es im Irankonflikt außer der Strategie immer härterer Sanktionen nur noch die „katastrophale Alternative” „iranische Bombe oder Bombardierung Irans“ gibt (Nicolas Sarkozy). Die entscheidende Alternative zur Ausgrenzung und Dämonisierung großer Kulturnationen wie des Iran ist ihre Wiedereingliederung in den Kreis gleichberechtigter Nationen – mit allen Rechten, aber auch mit allen Pflichten.

Eine wunderbare Passage für linke Gutmenschen. Verhandlungen, persönliche Treffen, Wiedereingliederungen statt Kriegen, Sanktionen und Ausgrenzungen. Alle wollen doch eigentlich nur Frieden- nur die USA (und Israel) nicht. Der Iran und andere Schurkenstaaten könnten niemals die sein, die Verhandlungen, persönliche Treffen und Wiedereingliederungen ablehnen- es sind nur die USA.

Und jetzt zurück in die Realität.

Ich geb’ ihnen ein Tipp, JT: Stellen sie sich mal für einen kurzen Augenblick zwei Fragen: Könnte es nicht sein, dass es nicht die USA sind, die keine Verhandlungen mit dem Iran möchten, sondern der Iran keine Verhandlungen mit den USA? Und könnte es nicht auch sein, dass der Iran und andere der sogenannten Schurkenstaaten noch absurdere “Strategien nach Rücksprache mit Gott (bzw. Allah)” entwickeln als der Westen, die “zu den größten Fehlentscheidungen unserer Zeit” gehören? Als Achmedinedschad im Jahre 2009 abgewählt wurde, hätte er es doch einfach akzeptieren können anstatt die Ergebnisse zu fälschen und die protestierenden Massen niedermetzeln zu lassen.

Über was sollte Israel mit dem Iran oder der Hamas verhandeln? In welche Städte die palästinensischen “Flüchtlinge” zurückkehren sollen und wo sich die jüdischen Israelis dann verziehen sollen? Ganz friedlich und ohne Anwendung von Gewalt natürlich! Und jeder, der sich die Charta der Hamas mal gründlich durchgelesen und mal ein Wochenende palästinensisches Fernsehen reingezogen hat, weiß, dass Verhandlungen Israels mit der Hamas denselben Wert hätten wie die Verhandlungen der Alliierten mit Nazideutschland vor 1939. Die Hamas könnte natürlich ihre Charta ändern und die tägliche Hass-Propaganda gegen Israel einstellen- nur gibt es im Moment keine Anzeichen dafür, dass es in baldiger Zukunft passieren wird.

Niemand dämonisiert die iranische Kultur. Außer der iranischen Regierung, die Künstler verhaftet und Filme zensieren lässt, die im Westen Preise abräumen. Nach der Islamischen Revolution sind mehr als 2 Millionen Iraner aus ihrer Heimat geflohen. Ihre Regierung akzeptiert nur die Kultur, die ihrer Ideologie passt. Und sie, JT, der übrigens ständig die westliche Kultur dämonisiert, helfen dem unterdrückten iranischen Volk mit ihren Lügen kein Stück weiter. (weiterlesen…)

Jürgen Todenhöfer in Syrien

Juli 1, 2011
Kann er Syrien retten?

Kann er Syrien retten?

Kirschen aus Daraa- So heißt Jürgen Todenhöfers neuestes Machwerk über die Vorgänge im Nahen Osten. Er ist nach Syrien gereist und hat die Lage, wie damals im Irak, binnen kürzester Zeit gecheckt. Nun kann er wieder der ganzen Menschheit Tipps geben, wie man noch Schlimmeres verhindern und der Frieden einziehen kann. Seinen Lösungsvorschlag kann man in einem Satz zusammenfassen: “Der Einzige, der das Blatt noch wenden kann, ist Baschar al-Assad. Er muss sich an die Spitze der Reformbewegung stellen”.

Ein herausragender Vorschlag. So hätte Honecker das Problem auch lösen können: Er hätte sich an die Spitze der Montagsdemonstrationen setzen sollen, dann würde es den real existierenden Sozialismus vielleicht immer noch geben.

Dummerweise hat der syrische Geschäftsmann Rami Makhlouf Jürgens Bericht auch gelesen und fand ihn gar nicht prickelnd. Auf die Frage, wie er die Berichterstattung über Syrien im deutschen Raum sieht, antwortete er nämlich: (weiterlesen…)

Der mit den Arabern leidet: Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 9

Juni 26, 2011

Die neunte These von JT. Von mir exklusiv behandelt.

These 1, These 2, These 3, These 4, These 5, These 6, These 7, These 8, These 10

These 9: Nichts fördert den Terrorismus mehr als die “Antiterrorkriege” des Westens. Die muslimischen Länder müssen ihre Probleme mit dem radikalen Islamismus selber ausfechten.

Wir müssen auch den westlichen Angriffskriegern die Maske vom Gesicht reißen. Angriffskriege sind nicht nur die unmoralischste, sondern auch die unintelligenteste Form, Terror zu bekämpfen. Der islamisch maskierte Terrorismus ist eine Ideologie. Ideologien kann man nicht erschießen. Man muss ihnen die Grundlage entziehen, sie widerlegen.

Ja, genau, der Nationalsozialismus wurde “widerlegt”. Und deshalb müssen die Afghanen die Taliban-Ideologie widerlegen, dann sind die Taliban weg. Ich weiß allerdings nicht, ob es die Taliban interessiert, was die Afghanen von ihrer Ideologie halten. Glaubt JT etwa, wenn die Taliban herausfinden, dass die Afghanen sie nicht mehr mögen, dass sie sich dann freiwillig selbst-auflösen? Ganz ohne Gewaltanwendung?

Und was meint er eigentlich mit “die Grundlage entziehen”? Die Grundlagen für den radikalen Islamismus sind die täglichen Hetzorgien in muslimischen Zeitungen, Fernsehen, Moscheen und Schulen. Wie kann der Westen da was ändern?

Der radikale Islamismus war zu Beginn des Jahres 2001 weltweit am Ende. Der Traum, die innenpolitischen Probleme des Iran, Afghanistans oder des Sudan durch radikale Islamisierung zu lösen, war zum Albtraum verkommen. Verbittert realisierten die Muslime, dass die rigorosen Mullahs aus ihren Ländern trostlose (Religions-)Polizeistaaten gemacht hatten. Im Blitzkrieg der USA hat das afghanische Volk die Taliban demonstrativ allein gelassen – in der Geschichte Afghanistans ein ungewöhnlicher Vorgang.

Zuerst heißt es, dass Angriffskriege keine Lösung sind und dann wird als Beispiel der militärische Sturz der Taliban genannt? Sie sollten mal wirklich ihre Logik überprüfen, JT.

Und ob der radikale Islamismus im Jahre 2001 wirklich “weltweit am Ende” war, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben. Aber es spricht vieles dagegen: Die Intifada in Palästina, die Taliban in Afghanistan, die Mullahs im Iran, die al-Qaida- all das kann nicht eine “Reaktion” auf die Besetzung Afghanistans und des Iraks gewesen sein. Das passt chronologisch nicht so ganz… (weiterlesen…)

Jürgen Todenhöfers Traum wird wahr

Juni 19, 2011
Taliban in Herat, Afghanistan

Taliban in Herat, Afghanistan

Die Amerikaner verhandeln mit den Taliban!

Und das hatte der Schindler der Muslime ja schon immer so gewollt. Jetzt hat sich Obama endlich ein Beispiel an ihm genommen, nachdem er in Pakistan eher den gegenteiligen Weg eingeschlagen hatte. Wer weiß, vielleicht hat er ja Todenhöfers Buch “Warum tötest du, Zaid?” verschlungen und es sich dann anders überlegt.

Hören sie, was Todenhöfer in einem Interview mit der “Cicero” über Afghanistan zu sagen hatte:

Sie wollen den Taliban das Land wieder überlassen?
Es muss eine Sicherheitskonferenz für die gesamte Region geben. Parallel muss die US-Führung mit der Talibanführung direkt – wenn auch unter Einbindung der Regierung Karzai – verhandeln, so wie es damals in Vietnam Verhandlungen mit der nordkoreanischen Führung gegeben hat. Der Preis, den die Taliban für einen Abzug zahlen müssten, wäre eine Garantie gegen den Aufenthalt ausländischer Terroristen sowie eine Garantie gegen den Opiumanbau.

Mit Verlaub: Wie realistisch ist es, mit den Taliban eine solche Vereinbarung schließen zu können?
Diese Fragen haben Journalisten und Politiker auch gestellt, als Henry Kissinger vorschlug, mit dem Vietkong zu verhandeln. Selbstverständlich kann man mit der Taliban-Führung verhandeln. Aber dazu müsste sich schon der amerikanische Außenminister oder der Verteidigungsminister selbst in Bewegung setzen. Man könnte mit den Taliban auch eine Einigung darüber erzielen, dass Mädchen wieder zur Schule gehen dürfen. In jenen Gebieten, in denen die Taliban bereits heute herrschen, wird das schon tagtäglich praktiziert, wie selbst die „New York Times“ berichtete.

Was indes nichts daran ändert, dass die Taliban Menschen töten, wenn diese sich etwa an freien Wahlen beteiligen.
Die Taliban haben weniger afghanische Zivilisten getötet, als die Nato. In jedem Falle bleibt uns nichts anderes übrig, als mit ihnen zu verhandeln. Was wäre die Alternative?

Kapiert?

Jetzt fehlen nur noch Verhandlungen mit der al-Qaida, dem irakischen Widerstand (zwei völlig unterschiedliche Gruppierungen), Assad, Kim Jong-Il, Robert Mugabe und natürlich der Hamas.

(Nur so zur Klarstellung: Die Taliban waren im Jahre 2010 an 76% aller zivilen Todesopfer in Afghanistan verantwortlich. Für Todenhöfer hat die NATO dann aber einfach eine 24%-Mehrheit.)

Der mit den Arabern leidet: Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 8

Juni 17, 2011

Die achte These von JT. Von mir exklusiv behandelt.

These 1, These 2, These 3, These 4, These 5, These 6, These 7, These 9, These 10

These 8: Die Muslime müssen sich wie ihr Prophet Mohammed für einen Islam des Fortschritts und der Toleranz einsetzen. Sie müssen dem Terrorismus die religiöse Maske vom Gesicht reißen.

Nicht nur der Westen, auch die muslimische Welt muss ihr Verhalten fundamental ändern. Gerade gemäßigte Muslime müssen – unter Wahrung ihrer religiösen Identität – mutiger für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit eintreten. Für eine Staats- und Wirtschaftsordnung, die die Talente der Menschen entfesselt, statt sie zu lähmen. Für die völlige Gleichberechtigung von Mann und Frau. Für wirkliche Religionsfreiheit – für einen Islam der Toleranz und des Fortschritts. Die vielen Millionen im Westen lebenden Muslime könnten dabei eine wichtige Rolle übernehmen.

Wie soll das funktionieren, wenn säkulare, islamkritische Muslime wie Necla Kelek oder Ayaan Hirsi Ali von den “Euro-Muslimen” mehr kritisiert werden als Osama bin Laden und Mahmud Achmedinedschad? Solange die Kritik am Islam bei jeder Gelegenheit als “Islamophobie” bezeichnet wird, da ja an den Problemen der muslimischen Gesellschaft nicht der Islam, sondern “die Gesellschaft” Schuld ist, werden auch die vielen integrierten Muslime im Westen kaum etwas ändern können.

Die gemäßigte Mehrheit der Muslime muss die faszinierende Botschaft ihres Propheten Mohammed in die Neuzeit übersetzen und die gesellschaftlichen Reformen fortführen, die dieser unter Einsatz seines Lebens begonnen hatte. Sie muss den vorislamischen Ballast abwerfen, der die Renaissance der muslimischen Zivilisation behindert. Sie muss eine Bildungselite schaffen, die die muslimische Welt erfolgreich ins dritte Jahrtausend führt. Mohammed, Marktwirtschaft und Moderne passen sehr wohl zusammen.

“faszinierende Botschaft ihres Propheten Mohammed”, “vorislamischen Ballast”, “Mohamed, Marktwirtschaft und Moderne”… Spätestens jetzt sollten sie wissen sie, warum ich JT als den perfekten Gutmenschen bezeichne!

Also: Die Probleme in der islamischen Welt basieren alle nur auf vorislamischen Ballast, und die Lösung für diese Probleme lautet für JT: Mehr Islam! Denn Mohamed war ein Vordenker von Demokratie und Marktwirtschaft, oder etwa nicht? Nein, ernsthaft: Der Westen erreichte seinen Fortschritt, in dem er die Macht der Religion einschränkte- nicht, in dem er die faszinierende Botschaft ihres Propheten Jesus “in die Neuzeit übersetzte”. Die Menschenrechte wurden nicht vom Vatikan entwickelt, ebenso wenig wurde die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder der Schutz von religiösen Minderheiten vom Papst durchgesetzt. Denn wenn Religionen sich für die Neuzeit eignen würden, dann müsste man sie nicht erst “in die Neuzeit übersetzen”. Das ginge dann automatisch. (weiterlesen…)


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