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Kuba lernt von Fourier

August 21, 2011
Fidel Castro 1959 in Washington

Fidel Castro 1959 in Washington

Fidel Castro wurde jüngst anlässlich seines 85.Geburtstag von den Linken gelobt. Er hätte, so Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, “für Lateinamerika beispiellose soziale Errungenschaften in Bildung, Wissenschaft und Kultur, im Gesundheitswesen und Sport und in vielen weiteren Bereichen” geschafft, Kuba sei deshalb ein “Beispiel und Orientierungspunkt für viele Völker der Welt”. Auch Gregor Gysi würdigte den kubanischen Revolutionsführer. „Fidel Castro und seine Leute haben diesen Staat erstmalig unabhängig gemacht“, sagte er am Samstag in Berlin. Außerdem habe Castro Armut überwunden und ein Bildungssystem und Gesundheitswesen eingeführt, wie es zuvor „für ganz Lateinamerika unvorstellbar“ gewesen sei. „Das sind die großen Verdienste, die man unbedingt sehen muss.“ Gleichzeitig mahnte Gysi aber politische Reformen in Kuba an. „Wir brauchen endlich Demokratie in Kuba. Davon sind wir noch weit entfernt.“

In Wirklichkeit hat er ein Land, das vor seiner Machtergreifung zu den am höchsten entwickelten Ländern in Lateinamerika zählte, konsequent heruntergewirtschaftet. Kuba hat zwar die höchste Alphabetisierungsrate und die niedrigste Kindersterblichkeit in Lateinamerika, allerdings hatte das Land schon vor der Revolution diesbezüglich einen hohen Standard.  Den Kubanern standen zwischen 1950-1953 2.730 Kalorien pro Tag zur Verfügung. 1995-1997 waren es 2.417, ein Minus von 11,5%. Im Jahr 1957 hatte Kuba die vierthöchste Alphabetisierungsrate in Lateinamerika, sie lag bei 76%. Nur Argentinien (87%), Costa Rica (81%) und Chile (79%) hatten eine höhere Rate (Immerhin: Im Jahr 2000 hatte Kuba eine Alphabetisierungsrate von 96% und lag damit zusammen mit Chile und Costa Rica auf Platz 2 hinter Argentinien mit 97%, was die Regierung zu Propagandakampagnen wie der Entsendung von Lehrern ins Ausland nutzte- dabei fehlten vor Schulbeginn 2008 8.000 Lehrer im Inland!).

Im Jahr 1957 hatte Kuba eine Kindersterblichkeitsrate von 32 pro 100 Geburten. Das war die niedrigste in ganz Lateinamerika und die 13.niedrigste in der Welt, niedriger als in Frankreich, BRD, Belgien, Österreich, Japan, Italien und Spanien. Im Jahr 1955 hatte Kuba eine Lebenserwartung von 63 Jahren. Der Durchschnitt in Lateinamerika war 52, Asien 43, Afrika 37 (2011 lag Kubas Lebenserwartung bei 77,7, eine der höchsten in Lateinamerika). Kuba hatte 1957 128 Physiker und Zahnärzte pro 100.000 Einwohner, ein höherer Wert als die USA und Großbritannien. In Lateinamerika hatten nur Argentinien und Uruguay einen besseren Wert (Im Jahr 2010 dienten 37.000 kubanische Ärzte im Ausland, während die Krankenhäuser im Inland zunehmend verfallen. Außerdem gehen 60% der kubanischen Ärzte, die in Venezuela tätig sind (Im Gegenzug bekommt Kuba Öl), mit der Ansicht ins Land, in die USA auszuwandern). (more…)


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