Archive for the ‘Libyen’ Category

Bye-bye, Gaddafi!

Februar 17, 2013
Gaddafis Zeit in Libyen läuft langsam aber sicher ab

Das neue Libyen

Heute ist der 2. Jahrestag der libyschen Revolution. Im “Daily Beast” schrieb Fuoad Ajami, dass der Westen von einer perversen “Gaddafi-Nostalgie” umgeben sei. Er nannte als Beispiele Artikel in der “Financial Times” und der “New York Times”. Aber Gaddafi-Nostalgiker, die auch die Intervention in Libyen als dummen Fehler betrachten, findet man natürlich vor allem im Internet. In vielen Internetseiten verbreitete sich eine Liste von Propagandamythen, die die 42-jährige Herrschaft von Gaddafi glorifizierten. Staunen sie selbst über “Gaddafis politisches Testament“ – Die Mutter aller Propaganda.

Die 10 gängigsten Gaddafi-Mythen sind:

1. Gaddafi hat seinem Land Wohlstand und Bildung gegeben.
2. Gaddafi war ein säkularer Herrscher.
3. Gaddafi zeigte Toleranz gegenüber Schwarzafrikanern.
4. Die Mehrheit der Libyer stand hinter Gaddafi.
5. Gaddafi hat keine Verbrechen am eigenen Volk begangen.
6. Die NATO und die Rebellen haben Verbrechen am Volk begangen.
7. Libyen wird ein Failed State werden.
8. Dem Westen ging es nur um das libysche Öl.
9. Gaddafi hat für Stabilität in der Region gesorgt.
10. Der Krieg in Mali ist eine Folge der Intervention in Libyen.

Schauen wir uns mal einige dieser Mythen genau an und prüfen nach, ob die Gaddafi-Nostalgiker Recht haben.

1. Gaddafi hat seinem Land Wohlstand und Bildung gegeben.

Tatsächlich war Libyen das Land mit dem höchsten Entwicklungsstand in Afrika. Aber wer sowas behauptet, muss auch den Grund dafür nennen, wie dieser für afrikanische Verhältnisse große Wohlstand zustande kam: Libyen ist ein Land mit nur 6,5 Millionen Einwohnern und 45 Milliarden Barrel Öl. Von daher ist es nicht ökonomischen Wundertaten des Gaddafi-Clans zuzuschreiben, dass es den Libyern unter Gaddafi gelang, einen höheren Gesundheits- und Bildungsstandard zu erreichen als vor ihm.

Und dennoch sind viele Mythen über Gaddafis Herrschaft frei erfunden. Es gab keinen kostenlosen Strom, es gab keine 50.000 Dollar Heiratsgeld, keine 5.000 Dollar Kindergeld, ein Heim/Zuhause zu haben war kein Menschenrecht, es wurde nichts vom libyschen Ölverkauf direkt an die Konten der Bürger gutgeschrieben und das Bildungs- und Gesundheitssystem waren auch nicht herausragend. 40% der Libyer lebten unterhalb der Armutsgrenze, 30% waren arbeitslos. Die Analphabetenrate der Frauen lag bei 29% und die der Männer bei 8%, insgesamt 17%. (more…)

Das neue Libyen

Februar 17, 2012
Die neue libysche Flagge

Die neue libysche Flagge

Vor genau einem Jahr begann die libysche Revolution, die mit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi endete. Noch immer leitet der Nationale Übergangsrat (NTC) den geplanten Übergang von Gaddafi zur Demokratie. Ich habe mich bereits hier und hier als ein Befürworter der NATO-Intervention ausgesprochen und bin es immer noch. Die Gaddafi-Fanboys wollen das neue Libyen natürlich möglichst schlecht darstellen, um ihren verstorbenen Helden zu würdigen. Und tatsächlich gibt es große Probleme im Land.

Gaddafi-Anhänger werden laut Amnesty international gefoltert, mindestens 12 Folter-Tote soll es seit dem Sturz Gaddafis gegeben haben. Dazu zählen auch Ausländer, die verdächtigt werden, Gaddafi-Söldner gewesen zu sein. in der Stadt Tawergha, wo im August 30.000 Menschen vertreiben wurden, werden Wohnhäuser und Infrastruktur systematisch zerstört, um die Rückkehr der Flüchtlinge zu verhindern. Verbrecher, die während des Krieges aus den Gefängnissen flohen, treiben in den Städten ihr Unwesen. Milizenangehörige weigern sich, ihre Waffen niederzulegen und kämpfen teilweise gegeneinander.

Aber es ist nicht alles schlecht. Im Gegenteil. Libyen hat durchaus gute Aussichten. Politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich. Die Aufbruchstimmung ist noch nicht verflogen. Eine erste nationale Umfrage, an der 2087 Menschen teilnahmen, ergab u.a. folgendes: Zwei Drittel der Libyer sind “zufrieden”, damit liegen sie weltweit vor Frankreich, Deutschland und den USA auf Platz 13. 80% schätzen ihr jetziges Leben besser ein als unter Gaddafi. 75% glauben, dass sich die politische und wirtschaftliche Situation verbessert hat. 82% bewerten die Revolution als “absolut richtig”. Sind diese Ansichten berechtigt? (more…)

Die Gaddafi-Nostalgiker

November 25, 2011
kl

War das alte Libyen besser als das neue?

Muammar al-Gaddafi, der Oberste Revolutionsführer und König aller Könige Afrikas, ist nun schon seit mehr als einem Monat tot. Mit Hilfe der NATO kamen die Rebellen an die Macht, die sich ab dem 17.Februar gegen den totalitären Diktator erhoben hatten. Da diese angekündigt haben, einen Staat auf der Grundlage der Scharia zu errichten, haben viele konservative Denker- meistens die, die den Irakkrieg befürworteten- den NATO-Einsatz für gescheitert erklärt. Libyen werde jetzt schlimmer als zuvor. Die Linken haben zwar nicht diese Befürchtung (für sie ist die Scharia nicht zwangsläufig was Schlechtes), doch sie echauffieren sich immer noch über die 30.000 Toten des Krieges und glauben dass es nur um Öl ging, kurz: Auch sie waren gegen den NATO-Einsatz, nur aus moralischen statt aus strategischen Gründen.

Es ist geradezu unheimlich, welche Allianz von Linken, Konservativen, Weltverschwörungstheoretikern und anderen Gestalten gegen den Libyenkrieg waren und aktuell Gaddafi nachtrauern: Die junge Welt, PI News, Malte Lehming, Christian Ortner, Russland und China, Zettels Raum, Jürgen Todenhöfer, der Feuerbringer, American Thinker, die Linke, Westerwelle, Fidel Castro und die Spinner von “Alles Schall und Rauch”. Ich würde mal sagen, das ist eine Sensation. Im Internet kursieren bereits Loblieder auf Gaddafi, die ihn zum Märtyrer stilisieren. Googeln sie einfach mal “Gaddafis politisches Testament” und sie werden es sehen. Ich als Befürworter des Libyen-Einsatzes befinde mich in Gesellschaft von Uri Avnery, Obama und Sarkozy. Aber bin ich deshalb automatisch im Unrecht? Oder, um es mit den Worten von Henryk M.Broder auszudrücken: Bin ich verrückt oder sind es die anderen? (more…)

Libyen- Ein gerechter Krieg

September 27, 2011
Die neue libysche Flagge

Die neue libysche Flagge

Der libysche Übergangsrat will die Scharia einführen. Die Gegner der westlichen Militärintervention, darunter viele Befürworter des Irakkriegs, sehen in diesem Schritt eine Bestätigung ihrer Zweifel an der Notwendigkeit des NATO-Einsatzes. Malte Lehming hatte schon drei Tage nach Beginn der Intervention die Odysee als “falsch und töricht” bezeichnet. Die Argumentation ist immer dieselbe: Die Gaddafi-Gegner sind keine Demokraten, sondern Islamisten und würden nach ihrer Machtergreifung entweder eine Islamische Republik gründen oder ein neues Somalia kreiren.

Diese Argumentation ist ziemlich absurd. Man muss die NATO-Intervention aus dem ganz einfachen Blickwinkel betrachten: Was wäre passiert, wenn die NATO nichts unternommen hätte? Gaddafi hätte ein noch schlimmeres Gemetzel angerichtet, dass Srebrenica in den Schatten gestellt hätte und wäre für weitere 10-15 Jahre an der Macht geblieben. Danach wäre das Land eben mit Verspätung zum neuen Iran oder Somalia mutiert. Aber nach dem Sturz Gaddafis wäre das, was jetzt passiert, so oder so eingetreten, egal ob mit Hilfe der NATO oder nicht. Deswegen ist die Kritik an der NATO heuchlerisch, denn die Kritiker bieten keine vernünftige Alternative an. (more…)

Libyens Fußballelite gegen Gaddafi

Juni 28, 2011
Gaddafis Zeit in Libyen läuft langsam aber sicher ab

Gaddafis Zeit in Libyen läuft langsam aber sicher ab

In Libyen ist Fußball wie in ganz Nordafrika und dem arabischen Raum die beliebteste Sportart. Aber nicht nur das: Es ist- und mit solchen Aussagen sollte man gerade in islamischen Ländern vorsichtig sein- eine Art “Ersatzreligion” für die Bevölkerung, die auch in unschönen Zeiten für schöne Momente sorgen kann.

Der Einfluss von Fußball auf die Gesellschaft und die Politik in großen Teilen der Welt ist legendär und einzigartig. Nur Cricket in Südasien oder olympische Wettbewerbe haben ähnlichen Stellenwert. Warum? Weil Fußball in Zeiten der Globalisierung eine Weltsprache geworden ist, ein Kommunikationsmittel zwischen den fremden Kulturen oder Ideologien. Heute spielt z.B. die Frauenfußballmannschaft der USA gegen Nordkorea.

Aber man sollte sich nicht zu viel davon versprechen: Denn Fußball ist letzten Endes ein Spiegelbild der Gesellschaft und der Politik. Und wenn diese negativ ist, wird Fußball auch negativ instrumentalisiert. Egal ob nun die faschistischen Länder bei der WM 1934 und 1938, die kollektive Ausgrenzung Israels in den muslimischen Ländern oder die auch im Westen verbreitete Panik von homosexuellen Fußballern vor ihrem Outing, ob unbegründet oder nicht. Die hässlichste Seite des “schönen Spiels” zeigt sich bei den sogenannten Hooligans, denen schon Hunderte Menschen zum Opfer gefallen sind. Erst gestern kam es in Buenos Aires nach dem auch für mich schockierenden Abstieg vom Traditionsklub und Rekordmeister River Plate zu schweren Ausschreitungen mit vielen Verletzten. (more…)


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