Archiv für die Kategorie ‘Naher Osten’

Das Massaker von Hula: Ein Jahr danach

Mai 17, 2013
Das geteilte Syrien

Die Suche nach der Wahrheit in Syrien ist oft ein schwieriges Unterfangen

In der Nacht von dem 25. auf dem 26. Mai 2012 ereignete sich in der Ortschaft Hula ein Massaker, denen 108 Menschen, darunter 49 Kinder, 34 Frauen und 25 Männer zum Opfer fielen. International löste das Ereignis große Empörung aus, Deutschland und Frankreich wiesen die syrischen Botschafter aus. Bis heute gibt es zwei Versionen, wer für das Massaker verantwortlich ist. Die Version des Regimes, wonach die Rebellen regimetreue Familien ausgelöscht hätten, wurde von der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur (SANA), der kleinen russischen Agentur Anna News und in Deutschland von Rainer Hermann (FAZ), Alfred Hackensberger und Jürgen Todenhöfer vertreten.

Auf der Gegenseite steht die Version der Opposition: Regimetreue Milizen (Shabiha) aus einem Dorf in der Umgebung hätten das Massaker verübt, nachdem zuvor Rebellen in Hula Checkpoints der syrischen Armee angegriffen und die syrische Armee Hula bombardiert hatte. Diese Version wurde von der UNO (die Syrien für das Massaker verurteilte, dank Russland wurde die Regierung aber nicht explizit als Schuldige benannt), den Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und Amnesty International sowie verschiedenen Zeitungen wie Channel4, dem BBC, dem Guardian und dem SPIEGEL vertreten.

Obwohl nun schon fast ein Jahr vergangen ist und viele weitere Massaker verübt wurden, ist Hula der mediale Höhepunkt geblieben. Im Juni letzten Jahres veröffentlichte ich zwei Artikel, die sich mit Hula befassten. Die dort gesammelten Erkenntnisse sind noch ein bisschen reicher geworden, so besuchte Christoph Reuter vom SPIEGEL im August Hula und traf dort mutmaßliche Zeugen des Massakers. Es ist aus zwei Gründen sehr wahrscheinlich (von einer 100%igen Gewissheit kann man aber nicht sprechen), dass die Version der Opposition richtig ist: 1.) Die Zeugen vor Ort beschuldigen überwiegend das Regime und 2.) Die Version des Regimes ist widersprüchlich. (weiterlesen…)

Bassem Youssef und die Muslimbrüder

April 4, 2013

Als die Nachricht kam, dass der ägyptische Starkomiker Bassem Youssef mehrere Stunden von der Polizei verhört wurde, war klar, dass Jon Stewart Solidarität mit ihm zeigen würde:

Dazu muss man wissen, dass Youssef schon lange als der “Jon Stewart Ägyptens” gilt und er im Juni 2012 auch in der Jon Stewart Show auftrat. Vor der Revolution gab es in Ägypten keine Politsatiriker, außer vielleicht solche, die mit rabiatem Antisemitismus in der Bevölkerung Stimmung machten. Youssef begann seine Karriere im März 2011, damals noch bei Youtube. Nachdem er Millionen Klicks generiert hatte, bekam er ab dem August 2011 eine eigene Show, die den Namen “Das Programm” (El Bernameg) trägt. Dort macht sich der gelernte Herzchirurg über alles lustig, ob nun die Muslimbrüder oder die säkulare Opposition.

Im Januar machte sich Youssef in seiner Sendung über Mursis Aussage, die Ägypter sollten ihre Kinder zum Hass gegen die Zionisten und Juden erziehen, lustig, in dem er behauptete, die Ägypter hätten schon genug Hass gegen Christen, Schiiten, Baha’i, Frauen und Fans des Fußballvereins Zamalek. Er wurde zum Held der liberalen, säkularen Ägypter. Über mehrere Monate konnte er unbeschadet sein Programm durchziehen. Aber die Muslimbrüder wären nicht die Muslimbrüder, wenn sie nicht irgendwann einen Haftbefehl wegen “Beleidigung des Staatspräsidenten und des Islam” gegen ihn erwirkt hätten. (weiterlesen…)

Die Revolution der Komiker

März 17, 2013
Die syrische Flagge von 1932-58 und 61-63 ist das Symbol der Demonstrationsbewegung

Widerstand gegen die Tyrannei: Die syrische Revolution wird zwei Jahre alt

Vor knapp zwei Jahren, am 15. März 2011, begann in Syrien mit Demonstrationen in vielen Städten, darunter auch in der Hauptstadt Damaskus, der Aufstand gegen das Assad-Regime. Der Bürgerkrieg hat bis jetzt mehr als 70.000 Tote und 4 Millionen Vertriebene zur Folge gehabt. Die bewaffneten Regimegegner haben Anfang März erstmals eine Großstadt (al-Raqqa) unter ihrer Kontrolle gebracht, und wie in Bagdad 2003 wurde eine Statue des ehemaligen Diktators Hafez al-Assad niedergerießen. Die friedliche, zivile Opposition, die am Jahrestag mehr als 200 Demonstrationen organisierte, wird immer weiter in den Hintergrund gedrängt. Der Westen tut auch wenig, um sie zu unterstützen.

Im Gegenzug erhält das Regime ununterbrochen militärische Unterstützung aus dem Ausland (aus Russland und vor allem dem Iran). Seine Abhängigkeit vom Iran demonstrierte Assad eindrucksvoll, als er im Tausch für die entführten iranischen “Pilger” mehr als 2000 gefangene Regimegegner freiließ, während ihm Tausende regimetreue Syrer diesen Preis nicht wert waren. Es ist schon ein kleines Wunder, dass die Protestbewegung trotz der hohen militärischen Überlegenheit des Regimes, der fehlenden Unterstützung des Westens und des immensen Drucks aus dem Ausland nach so vielen Monaten immer noch nicht zusammengebrochen ist, sondern so stark ist wie nie zuvor.

In den ländlichen Gegenden gibt es einige von Assad befreite Dörfer, und einige davon sind wirklich frei – also auch nicht unter Kontrolle von Islamisten. Das Dorf Yabrud schaffte es, sich ganz ohne bewaffneten Widerstand zu befreien (mittlerweile hat das Regime mit Gewalt zurückgeschlagen). Auf dem Weg in die Geschichtsbücher ist das 25.00-Seelen-Dorf Kafranbel. Seit mehreren Monaten demonstrieren die Menschen dort gegen das Regime, am 10. August 2012 wurde das Dorf befreit. Die stärksten Waffen aus Kafranbel sind aber nicht Maschinengewehre: Es ist die Waffe des Humors. (weiterlesen…)

Bye-bye, Gaddafi!

Februar 17, 2013
Gaddafis Zeit in Libyen läuft langsam aber sicher ab

Das neue Libyen

Heute ist der 2. Jahrestag der libyschen Revolution. Im “Daily Beast” schrieb Fuoad Ajami, dass der Westen von einer perversen “Gaddafi-Nostalgie” umgeben sei. Er nannte als Beispiele Artikel in der “Financial Times” und der “New York Times”. Aber Gaddafi-Nostalgiker, die auch die Intervention in Libyen als dummen Fehler betrachten, findet man natürlich vor allem im Internet. In vielen Internetseiten verbreitete sich eine Liste von Propagandamythen, die die 42-jährige Herrschaft von Gaddafi glorifizierten. Staunen sie selbst über “Gaddafis politisches Testament“ – Die Mutter aller Propaganda.

Die 10 gängigsten Gaddafi-Mythen sind:

1. Gaddafi hat seinem Land Wohlstand und Bildung gegeben.
2. Gaddafi war ein säkularer Herrscher.
3. Gaddafi zeigte Toleranz gegenüber Schwarzafrikanern.
4. Die Mehrheit der Libyer stand hinter Gaddafi.
5. Gaddafi hat keine Verbrechen am eigenen Volk begangen.
6. Die NATO und die Rebellen haben Verbrechen am Volk begangen.
7. Libyen wird ein Failed State werden.
8. Dem Westen ging es nur um das libysche Öl.
9. Gaddafi hat für Stabilität in der Region gesorgt.
10. Der Krieg in Mali ist eine Folge der Intervention in Libyen.

Schauen wir uns mal einige dieser Mythen genau an und prüfen nach, ob die Gaddafi-Nostalgiker Recht haben.

1. Gaddafi hat seinem Land Wohlstand und Bildung gegeben.

Tatsächlich war Libyen das Land mit dem höchsten Entwicklungsstand in Afrika. Aber wer sowas behauptet, muss auch den Grund dafür nennen, wie dieser für afrikanische Verhältnisse große Wohlstand zustande kam: Libyen ist ein Land mit nur 6,5 Millionen Einwohnern und 45 Milliarden Barrel Öl. Von daher ist es nicht ökonomischen Wundertaten des Gaddafi-Clans zuzuschreiben, dass es den Libyern unter Gaddafi gelang, einen höheren Gesundheits- und Bildungsstandard zu erreichen als vor ihm.

Und dennoch sind viele Mythen über Gaddafis Herrschaft frei erfunden. Es gab keinen kostenlosen Strom, es gab keine 50.000 Dollar Heiratsgeld, keine 5.000 Dollar Kindergeld, ein Heim/Zuhause zu haben war kein Menschenrecht, es wurde nichts vom libyschen Ölverkauf direkt an die Konten der Bürger gutgeschrieben und das Bildungs- und Gesundheitssystem waren auch nicht herausragend. 40% der Libyer lebten unterhalb der Armutsgrenze, 30% waren arbeitslos. Die Analphabetenrate der Frauen lag bei 29% und die der Männer bei 8%, insgesamt 17%. (weiterlesen…)

Die Leugnung von Christenverfolgungen

Februar 2, 2013

Christliche Gemeinschaften im Nahen Osten leiden unter zunehmender Verfolgung

Man stelle sich vor, jemand hätte 1936 über die Situation der Juden in Deutschland gesagt: “Nicht „Juden“ werden im Deutschen Reich verfolgt, sondern all jene, die nicht nach der in diesem Staat herrschenden ideologischen Doktrinen leben. Dazu gehören auch Juden, aber die Verfolgung trifft insbesondere jene, die für die Rechte von Kommunisten, Sozialdemokraten und Liberalen aufstehen.” Etwas Ähnliches konnte man vor einem Monat im Magazin “Wissenrockt” lesen, nur handelte es sich nicht um Juden im nationalsozialistischen Deutschland, sondern um Christen in der islamischen Welt:

Nicht „Christen“ werden in zahlreichen islamischen Ländern verfolgt, sondern all jene, die nicht nach den in diesen Staaten herrschenden religiösen Doktrinen leben. Dazu gehören auch Christen, aber die Verfolgung trifft insbesondere jene, die für die Rechte von Frauen, Schulmädchen, Homosexuellen, Anders- oder Nichtgläubigen aufstehen.

(“Mythos Christenverfolgung”)

Es stimmt, dass in der islamischen Welt nicht nur Christen, sondern auch Frauen, Homosexuelle und andere Minderheiten diskriminiert und verfolgt werden. Und es stimmt auch, dass, wie der Artikel bei Wissenrockt anspricht, die Zahlen von Open Doors (100 Millionen verfolgte Christen weltweit) nicht als sehr seriös zu betrachten sind. Außerdem stimme ich damit überein, dass es bei der Aufnahme von verfolgten Minderheiten keine Bevorzugung von Christen aus islamischen Ländern geben sollte. Aber: Zu behaupten, dass Christenverfolgungen ein “Mythos” sind, ist ein Amoklauf gegen die Realität. (weiterlesen…)

Das Ende des Frühlings

Januar 29, 2013
kl

Demonstranten im Tahrir-Platz im Februar 2011

Iran ist anders, weil man dort schon seit 30 Jahren islamisches Recht anwendet und jeder dort weiß, es ist dunkelste Misere, es meint Brutalität und Unzivilisiertheit und die Menschen haben genug davon. Hätten das iranische Volk die freie Wahl, es würde sich der Mullahs entledigen.

Auch die arabischen Gesellschaften müssen diesen schweren Weg gehen, das ist ihre Tragödie. Erst erlebten sie den Panarabismus, dann gingen sie über zu säkularen Diktaturen und nun, ohne mit der Wimper zu zucken, zur islamistischen Herrschaft. Ja, vielleicht müssen Sie durch diese dunkle Gasse, bis sie es mit einer liberalen Regierung versuchen, die meiner Meinung nach entscheidend ist, um aus dem ökonomischen Sumpf heraus zu kommen und um die Menschen wirklich ins 21. Jahrhundert zu führen.

Benjamin Netanyahu in der WELT, 22.April 2012

Der Arabische Frühling wird zwei Jahre alt. Die Transformation des Nahen Ostens dürfte bald vollendet sein, die alten Regimes sind bis auf wenige Ausnahmen endgültig Geschichte. Nach der kurzen Phase Euphorie wurde der Arabische Frühling zum “islamistischen Winter”. In Tunesien bekamen die Islamisten bei den neuen Wahlen 37%, in Ägypten sogar 78%, in Libyen dagegen nur 14%, dafür treiben dort islamistische Milizen ihr Unwesen. Die Triumphwelle für die Islamisten hat einige Analysten im Westen dazu veranlasst, dass man lieber auf Diktatoren statt auf gewählte Islamisten setzen sollte, die immer noch besser seien als die arabische Straße.

Der Weg von einer autoritären Diktatur zu einer liberalen Demokratie ist ein langer Prozess. Ludwig von Mises sagte, dass das einzige Mittel, das Liberale in diesem Kampf haben, das ist, Überzeugungsarbeit in der Bevölkerung zu leisten. Überzeugungsarbeit kann man nur leisten, wenn es erlaubt ist, seine Ansichten zu verbreiten. In der Vergangenheit gab es Reformer, die in autoritären Regimes bürgerliche Freiheiten eingeführt haben. Das jüngste Beispiel ist Burma, wo sich die Militärdiktatur friedlich geöffnet hat. Hans-Magnus Enzensberger nannte die kommunistischen Parteiführer Wojciech Jaruzelski, Janos Kadar und Michail Gorbatschow in einem 1989 veröffentlichten Essay “Helden des Rückzugs”. (weiterlesen…)

Atomare Doppelmoral?

Januar 26, 2013
Werden die USA von Israel regiert?

Warum dürfen die USA und Israel die Atombombe haben?

Seit mehreren Jahren versuchen die USA, Israel und ihre europäischen Partner, das iranische Atomprogramm aufzuhalten. Das westliche Bündnis vermutet, dass der Iran die Atombombe haben will, während die iranische Regierung betont, das Atomprogramm diene nur zivilen Zwecken. Aber selbst wenn der Iran an der Atombombe bauen würde, wird von manchen Beobachtern eine Doppelmoral aufseiten des Westens ausgemacht, immerhin besitzen die USA und Israel auch die Atombombe.

Das iranische Atomprogramm wird nicht abgelehnt, weil Israel und die USA anderen Ländern verbieten wollen, was sie sich selbst erlauben. Wenn Japan, Deutschland oder Brasilien die Atombombe besitzen würden, hätte das amerikanisch-israelische Bündnis wohl kein Problem damit. Doch wer sagt, dass jedes Land ein Recht auf die Atombombe hat, muss auch zur Kenntnis nehmen, dass jedes Land ein Recht auf Selbstverteidigung hat. Die Frage ist nicht also, ob der Iran die Atombombe haben darf, sondern ob eine Atombombe in den Händen der Mullahs eine Bedrohung für Israel wäre.

Falls die Bedrohung für Israel real ist, hat Israel das Recht, das iranische Atomprogramm zu stoppen. Die Iraner hätten dieses Recht umgekehrt natürlich auch. Aber von wem geht die Bedrohung aus? Weder Israel noch die USA stellen die Existenz des iranischen Staates mit seinen 80 Millionen Einwohnern in Frage. Der iranische Staatsoberhaupt Khamenei und der Präsident Achmedinedschad dagegen haben Israel mehrere Male als ein “Krebsgeschwür” bezeichnet, das aus dem Nahen Osten entfernt werden muss. (weiterlesen…)

Wäre er doch nur in London geblieben

Januar 19, 2013

Mörderischer Familienclan: Die Assad-Familie herrscht seit 4 Jahrzehnten über Syrien (Bashar ist der zweite von links)

Es ist der 31.Januar 2011. Zwei arabische Diktatoren, Ben Ali und Mubarak, sind bereits von ihrem Volk gestürzt worden. Ein anderer arabischer Diktator gibt der amerikanischen Zeitung “Wall Street Journal” ein Interview, indem er tönt: „Wir leben in schwierigeren Umständen als die meisten arabischen Länder, und trotzdem ist Syrien stabil.“ Zwei Monate später veröffentlicht das amerikanische Modemagazin “Vogue” ein Interview, dass sie später noch bereuen wird, in der die Frau des Diktators als “Eine Rose in der Wüste” bezeichnet wird.

22 Monate später ist alles anders. Der Diktator befindet sich nach Geheimdienstinformationen nicht mehr im Präsidentenpalast, sondern in einer von Sicherheitskräften geschützten geheimen Unterkunft. Der Chefredakteur einer russischen Zeitung sagt, dass er davon überzeugt ist, von seinen eigenen Leuten getötet zu werden, falls er versuchen sollte zu fliehen, und von seinen Gegnern getötet zu werden, falls er in Syrien bleibt. Er schläft jede Nacht in einem anderen Bett und kontrolliert genau, was er zu sich nimmt.

Es gibt für ihn, wenn er in Syrien bleibt, wohl nur noch 3 Alternativen: Der Gaddafi/Mussolini-Style: Von seinen Feinden gelyncht werden, der Ludwig XVI./Saddam-Style: Nach einem Prozess hingerichtet werden oder den Hannibal/Hitler-Style: Selbstmord. Wenn er aus Syrien flieht, hätte er noch eine vierte Variante: Der Pinochet/Pol Pot-Style: Friedlich im Sterbebett, ohne je zur Rechenschaft gezogen zu werden. Doch wird er noch rechtzeitig den Absprung schaffen? Oder wird er bald sein Youtube-Video bekommen? (weiterlesen…)

10 Anleitungen für einen israelfreundlichen Text

Januar 7, 2013

Leuchtturm von Freiheit und Demokratie im Nahen Osten: Israel

Nachdem wir nun zur Genüge wissen, was man braucht, um einen anti-israelischen Text zu schreiben, wird es an der Zeit, dass sich die Gegenseite zu Wort meldet. Hier folgt deshalb eine kleine Anleitung mit 10 Punkten, wie man einen israelfreundlichen Text gestaltet. Ich habe leider oft die Erfahrung gemacht, dass Israelfreunde zwar bemüht sind, aber den Schwerpunkt auf falsche Dinge legen. Eins ist klar: Israel hat ein schlechtes Image und kann es mit der weltweit agierenden Palästina-Lobby nicht aufnehmen.

Wenn der Fokus auf das Leid der israelischen Zivilisten gelegt wird, weisen “Israelkritiker” darauf hin, dass mehr palästinensische als israelische Zivilisten getötet werden. Und wenn behauptet wird, dass “6 Millionen Juden gegen 300 Millionen Araber” kämpfen, wird entgegnet, dass Israel als einziges Land im Nahen Osten die Atombombe hat. Eine Verteidigung Israels muss die Tatsache beachten, dass Israel in diesem Konflikt nicht der David ist.

1. Die schwächere Kriegspartei muss nicht automatisch die gute sein.

Israel ist den Palästinensern militärisch hochüberlegen und besitzt als einziges Land im Nahen Osten die Atombombe. Aber nur weil man seinem Gegner unterlegen ist, heißt das nicht, dass man der Gute ist. Ob jemand der Gute oder der Böse ist, wird nicht an seiner militärischen Stärke beurteilt, sondern an den Zielen und den Methoden, die die Kriegspartei verfolgt. Zweifellos ist es möglich, dass die schwächere Kriegspartei hier schlechter abschneidet.

Die IRA und die ETA waren ihren Gegnern unterlegen, ohne dass sie als die Guten wahrgenommen wurden. Und wie Henryk M. Broder zynisch sagte: “Es stimmt, Israel ist heute mehr Täter als Opfer. Das ist auch gut und richtig so, nachdem es die Juden fast 2000 Jahre lang mit der Rolle der ewigen Opfer versucht und dabei nur schlechte Erfahrungen gemacht haben.” (weiterlesen…)

Die Zukunft der Christen in Syrien

Dezember 25, 2012

Christliche Gemeinschaften im Nahen Osten leiden unter zunehmender Verfolgung

“Wenn es euren Gott gibt, warum hilft er euch dann nicht?”

Diesen Satz hören verfolgte Christen seit über 2000 Jahren. In den letzten Jahren wurden Christen vor allem im Irak brutal verfolgt (mehr als die Hälfte von ihnen ist geflohen) und leben immer noch in ständiger Angst. In Libanon sank der christliche Bevölkerungsanteil durch Auswanderung und den Bürgerkrieg von 52% im Jahr 1950 auf 30% im Jahr 2012. In der Geburtsstadt Jesu Christi, Bethlehem, ist der christliche Bevölkerungsanteil von 60% auf 15% gesunken, in ganz Palästina von 5,3% auf etwa die Hälfte. Egal ob Nigeria, Ägypten, Indonesien oder Pakistan- das Los der Christen in der islamischen Welt ist bedrückend.

Die Juden haben das Problem gelöst, indem sie einen eigenen Staat gründeten. Diese Lösung ist für die Christen im Nahen Osten ausgeschlossen, da sich niemand dafür einsetzen würde und die Christen diese Lösung wahrscheinlich auch nicht anstreben. Die Frage, wie es Christen in Syrien nach Assad ergehen wird, ist einer der Gründe, warum der Aufstand gegen das Regime so kritisch beäugt wird. Syrien wurde im Jahr 1915 bereits Schauplatz von Massakern an Christen, als die Osmanen 1915 in der Stadt Deir ez-Zor, die als “Auschwitz der Armenier” gilt, 150.000 armenische Christen umbrachten.

Die Christen in Syrien wurden unter Assad nicht verfolgt, hatten aber nicht dieselben Rechte wie die muslimische Bevölkerung. Missionierung war untersagt und Apostasie bei Muslimen wurde bestraft. Im Jahr 1944 waren noch 38% der Einwohner von Aleppo Christen, heute sind es nur noch 3,3%. Im November 2012 veröffentlichte Aymenn Jawad Al-Tamimi einen Artikel, der sich mit den Berichten über Christenverfolgungen in Syrien auseinandersetzte. Er kam zu dem Schluss, dass es momentan noch keine systematischen Christenverfolgungen gibt, aber dass durch das zunehmende Strömen von ausländischen Dschihadisten die Christen in große Gefahr geraten könnten. (weiterlesen…)


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