Archive for the ‘Nordkorea’ Category

Die Generation Schwarzmarkt

August 13, 2014
Die Flagge des kommunistischen Korea

Wird der Schwarzmarkt das kommunistische Paradies stürzen?

Von all den Koreas, die es auf der Welt gibt, ist Nordkorea sicher das, dass in den Medien am präsentesten ist. Trotz der extremen Isolation dringt noch so viel nach außen, dass man vom Hunger, den Konzentrationslagern und den Atombomben weiß. Dazu hören wir ständig Geschichten aus dem Land, die schier unglaublich klingen: Kims Ex hingerichtet, Kims Onkel wurde an 120 Hunde verfüttert, Kims Frisur wird für alle Nordkoreaner verpflichtend – alles Gerüchte, die wahrscheinlich nicht stimmen, die man aber dem nordkoreanischen Regime zutraut.

Das nordkoreanische Regime weiß wohl vom schlechten Image ihres Landes und ist bestrebt, eine PR-Kampagne zu starten. Dafür soll ein eigener Menschenrechtsbericht veröffentlicht werden, indem die westlichen Lügen (Mord, Sklaverei, Folter, Vergewaltigung, erzwungene Abtreibungen usw.) gekontert und die “rosige Zukunft” des Landes dargestellt werden soll. Außerdem legte Kim Jong-Un Beschwerde bei der UNO ein, weil in der amerikanischen Komödie “The Interview” seine Ermordung geplant wird.

Tatsächlich gibt es viele wertvolle Informationen aus dem Inneren Nordkoreas, die zumindest ein kleines bisschen Hoffnung aufkeimen lassen. Yeonmi Park floh 2007 aus Nordkorea. Sie sieht sich selbst als Teil der sogenannten “Generation Schwarzmarkt” (Jangmadang). Nach den katastrophalen Hungersnöten hat sich im Untergrund eine neue Versorgung gebildet, die aus illegalen Märkten besteht. Sie hat die Überzeugung, dass diese Generation einen entscheidenden Wandel in Nordkorea bringen kann. (more…)

Zeitreise mit Kim Jong-Un

Dezember 16, 2013

Ein Satellitenbild der NASA aus dem Oktober 2009 zeigt Nordkorea völlig verdunkelt

Die sowjetischen Konzentrationslager waren lange Zeit über unbekannt. Während die nationalsozialistischen Verbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg relativ gut dokumentiert wurden und die Welt Opferzahlen, Bilder und Videoaufnahmen zu sehen bekam, wusste die Welt noch Jahrzehnte nach Stalins Tod nur wenig über die kommunistischen Verbrechen. Eine russische Organisation hat nun die Gulags ausfindig gemacht und bietet eine virtuelle Tour an, sozusagen als virtuelles Museum.

Allerdings gibt es derzeit ein Museum, in dem man ebenfalls gut erleben kann, wie es in der Sowjetunion unter Stalin zuging. Es ist ein Real-Life-Museum: Die Demokratische Volksrepublik Korea, oder einfach Nordkorea. In diesem stalinistischen Museum leben etwa 24 Millionen Menschen, und man kann alles besichtigen: Säuberungen, Gulags, riesige Parteikonferenzen, Anbetung des Führers und Hungersnot. Nach dem Tod Kim Jong-Ils vor fast genau zwei Jahren hat sich unter dem neuen Führer Kim Jong-Un kaum etwas geändert. Hier eine kleine Museumsführung:

- Wer wissen will, wie eine Säuberung vonstattenging, kann das nordkoreanische Fernsehen anschalten. Hier sieht man, welche unverzeihlichen Verbrechen den Verrätern der Partei angelastet werden und wie sie dann aus der Vergangenheit verschwinden, als hätten sie nie existiert: Aus allen Bildern und Dokumentationen werden sie einfach gelöscht, regelrecht vaporisiert. In der Sowjetunion ein gewöhnlicher Vorgang während der “Stalinschen Säuberungen”, an denen täglich 1.000 Menschen ermordet wurden. (more…)

Nachrichten, die keine sind

Februar 23, 2013
Die Flagge des kommunistischen Korea

Die Flagge des kommunistischen Korea

In den deutschen Medien wurde im Neujahrstag die Nachricht verbreitet, dass der nordkoreanische Führer Kim Jong-Un in seiner Neujahrsansprache einen “radikalen Wechsel” angekündigt hat. Das Jahr 2013 werde ein Jahr “großer Schöpfungen und Veränderungen sein, die einen radikalen Umschwung bewirken”, sagte Kim. Es sei an der Zeit, die Konfrontation zwischen dem Norden und dem Süden beenden und die Teilung des Landes beenden. Außerdem kündigte er wirtschaftliche Reformen an. In seiner Rede nannte er aber keine konkreten Pläne.

Nur drei Tage später berichtete die FAZ, dass die nordkoreanische Führung plant, mithilfe deutscher Ökonomen und Juristen die wirtschaftliche Öffnung des Landes voranzutreiben. Während Kims Neujahrsansprache noch in vielen ausländischen Medien beachtet wurde, tauchte diese Geschichte nur in Deutschland auf. Viele andere deutsche Medien stützten sich auf den FAZ-Bericht und machten so den Eindruck, dass Kim seinen Worten Taten folgen lässt. Mittlerweile ist Nordkorea jedoch aufgrund anderer Ereignisse in die Schlagzeilen gerückt:

“Nordkorea bestätigt dritten Atomtest” (12. Februar)
“Nordkorea lässt Obama in Video brennen” (20. Februar)
“Nordkorea droht US-Truppen mit elendiger Vernichtung” (23. Februar)

Wie konnte es zu dieser Fehleinschätzung kommen? Nun, offenbar gelang der nordkoreanischen Führung ein Mediencoup in Deutschland. Der Nordkorea-Experte Rüdiger Frank hatte bereits Zweifel an der ersten Geschichte. Denn die Aussagen in Kims Neujahrsrede waren in keinster Weise neu. (more…)

Ein neuer Kim?

Juli 31, 2012
Die Flagge des kommunistischen Korea

Die Flagge des kommunistischen Korea

Er ist der dritte Kim. Der Erste begann mit dem großen sozialistischen Experiment. Der Zweite brachte sein Land in den Besitz von Atombomben, während sein Land hungerte, und wurde zum Sinnbild des “verrückten Diktators”. Der Dritte, Kim Jong-Un, schien genauso verrückt zu sein. Zumindest in den ersten acht Monaten seiner Herrschaft. Er schaute sich Dinge genau so sorgfältig an wie sein Vorgänger, drohte dem Nachbarn mit Vernichtung und inszenierte einen Personenkult um sich. Doch es gibt erste Anzeichen dafür, dass Kim Jong-Un ein Reformer sein könnte.

Vor zwei Wochen ließ Kim den ranghöchsten Militär im Land, Ri Yong-Ho, von allen seinen Posten entlassen und ernannte sich zum Marschall. Die offizielle Begründung dafür war Ris Gesundheitszustand. Es wird aber vermutet, dass politische Gründe hinter der Entscheidung standen. Kim soll die von seinem Vater eingeführte “Songun” -Politik, die wörtlich “Militär zuerst” bedeutete und der Armee die umfassende Kontrolle über die Wirtschaft gab, beenden und ökonomische Reformen (nach chinesischem Vorbild?) durchführen wollen. Ri galt als Hardliner der Armee und soll sich gegen diese Pläne gestellt haben.

Nun ist durch die Entmachtung von Ri und 20 weiteren ranghohen Militärs die Macht der Armeeführung gebrochen worden. Kim und seine Unterstützer, zu denen sein Onkel Jang Song Thaek, seine Tante Kim Kyong Hui und Politbüromitglied Choe Ryong Hae gehören, haben jetzt den Großteil der Macht innerhalb des Partei- und Sicherheitsapparats inne. Für westliche Beobachter sind auch Kims öffentlicher Besuch in einer Micky-Maus-Vorführung und die offizielle Bestätigung, dass er eine Ehefrau hat, ein Zeichen von Reformwillen. (more…)

Heiliger Krieg im Namen des Sozialismus

Februar 25, 2012
Die Flagge des kommunistischen Korea

Die Flagge des kommunistischen Korea

Wer glaubt, dass es das Konzept eines “Heiligen Krieges” nur im Islam gibt, der sollte sich mal folgende Nachricht anschauen: “Vor zwei jährlichen Großmanövern der US-Streitkräfte mit Südkorea hat Nordkorea erneut scharfe Töne angeschlagen. Die Armee und die Bevölkerung Nordkoreas würden mit einem Heiligen Krieg antworten, drohte ein Sprecher der Nationalen Verteidigungskommission.”

Ein Heiliger Krieg in einem atheistischen Land? Das wäre in der Tat ziemlich verwunderlich, doch die einfache Wahrheit ist: Nordkorea ist kein atheistisches Land, sondern gehört zu den religiösesten Ländern der Welt. Der Kim-Kult dürfte mehrere Millionen Anhänger haben. Er ist eine Mischung aus Sozialismus und koreanischem Volksglauben (so soll Kim Jong-Il in dem heiligen Berg der Koreaner zur Welt gekommen und seine Geburt von einem Regenbogen angekündigt worden sein). Die Kims versprechen zwar kein Leben nach dem Tod, in der Märtyrer im Himmel ein Kim-Porträt erhalten. Aber sowas ist in Ostasien auch nicht üblich, auch der Konfuziamismus und der Shintoismus kommen ohne Paradies aus.

Die Hoffnung auf einen Reformer und eine Entspannungspolitik in Nordkorea sind ad absurdum geführt worden. Die Sechs-Nationen-Gespträche, falls sie wieder eröffnet werden, wird Nordkorea wahrscheinlich nur dazu nutzen, die Welt zu erpressen und sein Atomprogramm klammheimlich auszuweiten. Die internationale Gemeinschaft hat es mit dem schlimmsten noch übriggebliebenen Regime der Welt zu tun.

Es hält sich an keine Bürger- und Menschenrechtskonvention, an keine UN-Resolution, ab keine diplomatische Vereinbarung, beliefert Terroristen und Islamisten mit nukleraem Know-how und droht den mehr als 40 Millionen Südkoreanern monatlich mit einem Atomkrieg. Nirgendwo werden Christen und behinderte schlimmer unterdrückt. Unter Kim Jong-Un wird es kaum eine Besserung geben. Ein innerer Aufstand ist ausgeschlossen, und durch die Atombombe würde auch eine ausländische Intervention einem Himmelfahrtskommando gleichkommen. Die Welt ist, so scheint es, den Launen eines Verrückten ausgesetzt

Wiedervereinigung zwischen Deutschland und Haiti?

Januar 6, 2012

Ein Satellitenbild der NASA aus dem Oktober 2009 zeigt Nordkorea völlig verdunkelt

Nach dem Tod von Kim Jong-Il hat sein mutmaßlicher Nachfolger Kim Jong-Un noch keine Anzeichen einer Reform oder Öffnung gegeben. Die südkoreanische Führung strebt dagegen schon länger eine Wiedervereinigung zwischen dem Norden und dem Süden an. Dafür wurden bereits die Kosten berechnet. Die Regierung machte überdies den Vorschlag, dass nordkoreanische Flüchtlinge von China aus direkt nach Südkorea kommen können. Doch da ist noch ein Problem: Die wirtschaftliche und soziale Situation Nordkoreas ist so katastrophal, dass viele Südkoreaner eine Wiedervereinigung befürchten.

Im Vergleich zu Nord- und Südkorea waren die Unterschiede zwischen BRD und DDR minimal. Die Angst vor der Wiedervereinigung ist im Süden eine politische Inkorrektheit, wird aber von vielen geteilt. Dabei war der Norden bis Ende der 1960er Jahre politisch und wirtschaftlich dem Süden überlegen. Danach begann im Norden ein wirtschaftlicher Zusammenbruch, von dem sich die kommunistische Diktatur bis heute nicht erholt hat. Südkorea stieg in der Zeit von einem Entwicklungsland zu eine der größten Industrienationen der Erde auf und im Jahr 1988 kam es nach Jahrzehnten von Diktatur erstmals zu einer demokratischen Regierung. Die Unterschiede zwischen den beiden Ländern sind kaum zu beschreiben. Anhand einiger Beispiele lässt sich das verdeutlichen. (more…)


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