Archive for the ‘Pakistan’ Category

Abdullah Ismail: Darwin Award 2012!

September 18, 2012

Charles Darwin

Henryk M. Broder fragt sich:

“Woher bekommen sie die amerikanischen beziehungsweise israelischen Fahnen, die sie dann vor den Kameras von CNN und BBC verbrennen? Werden die einzeln in Heimarbeit hergestellt, oder gibt es in Ägypten, im Sudan und in Pakistan Betriebe, die sich auf die Herstellung von Fahnen der Feindstaaten spezialisiert haben?”

Dieser Frage ist ein Bericht bei Extra3 vor einigen Jahren in Palästina nachgegangen. Dieser sollte freilich satirisch gemeint sein, basierte aber auf wahren Begebenheiten in Pakistan:

It is five years since a stationer in Rawalpindi came up with the bright idea of printing flags for political demonstrations. Not Pakistani flags to be waved in celebration, but Danish flags to be burned in anger at blasphemous cartoons. Since then, Syed Mohammed Hussain has seen his one-off experiment turn into a profitable little sideline as he produces American and Israeli flags to order. (…) Today, bulk buyers – looking for more than 100 flags – are given a discount.

Überraschend ist das nicht. Mal ganz im Ernst: Wer hat gedacht, dass amerikanische und israelische Fahnen zu den durchschnittlichen Haushaltsgegenständen einer pakistanischen Familie gehören? Und irgendwer muss ja von den ständigen Hass-Demonstrationen profitieren. Cui bono? Die Fahnenhersteller natürlich! Vielleicht wurde das Video ja von den Fahnenherstellungsbetrieben in Umlauf gebracht, um diesen wichtigen Wirtschaftszweig zu beleben. Es gibt jedoch auch Risiken im Fahnenverbrennungsgeschäft, wie dieses Beispiel zeigt:

A Pakistani protestor has died after inhaling smoke from burning U.S.  flags during a rally against the anti-Islam film Innocence of Muslims. Abdullah Ismail died in Mayo hospital in Lahore having complained of feeling unwell during the angry demonstrations in the eastern Pakistan city yesterday. (more…)

Ist Afghanistan wirklich verloren?

Februar 22, 2012

Karzai besucht die afghanische Armee, die gemeinsam mit den NATO-Truppen gegen die Taliban kämpft

Die britische Journalistin Saira Shah bereiste im Jahr 2001 das damals von den Taliban beherrschte Afghanistan. In ihrer Dokumentationen “Im Reich der Finsternis: Das Afghanistan der Taliban” hat sie die Brutalität und Menschenverachtung des Regimes schonungslos dargestellt. So fanden in einem vom Westen finanzierten Stadion öffentliche Hinrichtungen statt.

Der Taliban-Rundfunk meldete 2001: “Die gerechte Strafe erreichte heute vor Tausenden von Zuschauern im Sportstadion von Kandahar vier Ehebrecherinnen und zehn Ehebrecher. Zwei von ihnen, Wakila und Sadofi, die fortgesetzt Ehebruch begangen hatten und somit dem moralischen Verfall und der Perversion Vorschub leisteten, wurden hingerichtet.” Der Außenminister der Taliban, Wakil Motawakil, äußerte vor der Kamera: “Das Fußballstadion dient der Freizeitgestaltung, ist eine Stätte für Spiel und Spaß. Wenn an einem Deliquenten Gerechtigkeit geübt wird, ist auch das ein freudiges Ereignis, das der Gesellschaft Ordnung und Sicherheit bringt.”

Saira Shah entgegnete: “Die internationale Staatengemeinschaft hat für das Stadion gezahlt. Sie wollte, dass hier Fußball gespielt wird, nicht dass Sie hier Menschen hinrichten!” Motawakil antwortete darauf: “Ich mache der internationalen Völkergemeinschaft ein Angebot: In Afghanistan ist alles zerstört worden. Wenn man uns hilft, eigens eine Hinrichtungsstätte zu bauen, so haben wir damit kein Problem. Wenn man uns zehnmal kritisiert, kann man uns doch wenigstens einmal helfen. Man sollte uns eine Hinrichtungsstätte bauen und Finanzhilfen gewähren, damit im Stadion Fußball gespielt werden kann und wir dennoch unsere Arbeit verrichten können.”

Im Mai 2001 beschlossen die Taliban, alle übriggebliebenen Hindus und Sikhs mit einem gelben Stoffflecken zu “markieren”, damit sie sich optisch von der muslimischen Bevölkerung absetzen, genauso wie es die Nazis mit den Juden getan hatten. Sowohl in den USA als auch in Indien erregte diese Entscheidung eine Well der Empörung. Diese Beispiele zeigen, was Afghanistan nach dem Abzug der NATO bevorstehen könnte. Der Krieg gilt im Westen schon längst als verloren. (more…)

Pakistan: Terroristenverrat ist Landesverrat

Januar 30, 2012
Die pakistanische Flagge

Die pakistanische Flagge

Der Tagesanzeiger berichtete vor zwei Tagen:

“US-Verteidigungsminister Leon Panetta hat erstmals öffentlich eingestanden, dass ein pakistanischer Arzt (Schakil Afridi) den USA vor dem Angriff auf Osama bin Laden wichtige Informationen geliefert hat… Panetta sagte in der Sendung «60 Minutes» auf CBS, die am Sonntag ausgestrahlt wird, er sei sehr besorgt, weil der Arzt inzwischen in Pakistan wegen Landesverrats angeklagt worden sei… Panetta sagte, Afridi habe sich in keiner Weise Pakistan gegenüber verräterisch verhalten. Der Kampf gegen den Terrorismus sei sowohl im Interesse der USA als auch Pakistans. Zugleich sagte der US-Verteidigungsminister, er sei noch immer überzeugt, dass pakistanische Beamte über bin Ladens Versteck Bescheid wussten.”

Soll heißen: Die pakistanische Regierung behauptet zwar immer noch, dass sie nichts von Osamas Versteck wussten, aber sie bestrafen die, die davon wussten und halfen, ihn zu beseitigen. bin Laden war nicht mal pakistanischer Staatsbürger, von “Landesverrat” kann keine Rede sein. Eher von Verrat an der Terrorhilfe. Genauso gut könnte man die Ermittler, die die NSU-Morde aufdeckten, als “Landesverräter” bezeichnen und anklagen. Immerhin: Umfragen zeigen, dass die Sympathie der pakistanischen Bevölkerung für Osama von 2005 bis 2010 von 52% auf 18% zurückgegangen ist.

Die pakistanische Gefahr

Oktober 3, 2011
Die pakistanische Flagge

Die pakistanische Flagge

Pakistan und der Islamismus

Osama bin Laden könnte wegen zwei Ereignissen eine weltgeschichtliche Bedeutung hinterlassen. Die Anschläge vom 11.September waren der Auslöser des Krieges gegen den internationalen Terrorismus. Sein Tod könnte nun der Anfang vom Ende der pakistanisch-amerikanischen Freundschaft einläuten. Diese war sowieso immer nur eine Zweckehe, während Pakistans Beziehung zum Islamismus schon immer eine Traumhochzeit war.

Pakistans Weg zum Islamismus begann bereits in den 1960ern. Die Geistlichkeit rang der Militärregierung von Ayub Khan Zugeständnisse ab. In den ersten landesweiten Wahlen im Jahr 1970 gelang der islamistischen Jamaat-e-Islami (JI) ein Achtungserfolg gegen Dhulfiqar Ali Bhutto, andere wichtige islamische Parteien waren Jam’iyat al-Ulama-i Pakistan (JUP) und Jam’iyat al-Ulama-i Islam (JUI). Bhutto war zwar ein Gegner des Islamismus, aber völlig säkular war er nicht, immerhin propagierte er mit seiner Pakistan’s People Party (PPP) den “Islamischen Sozialismus” und exkommunizierte im Jahr 1974 die Ahmadiyya-Sekte. Die Islamisten waren so erstarkt, dass sie Bhuttos mutmaßlich gefälschten Wahlsieg im Jahr 1977 mit monatelangen Straßenschlachten streitig machten, die den Weg für den Putsch von Zia ul-Haq frei machten, die mit den JI, JUP und JUI als Partner eine Islamisierung des Landes vornahm. Bhutto wurde 1979 hingerichtet.

Zia ul-Haq regierte elf Jahre lang. Unter ihm wurden die islamischen Strafgesetze wieder eingeführt, zu der die äußerst brutalen Hadd-Strafen gehörten, wie z.B. das Hand abhacken bei Diebstahl. Der March durch die Institutionen der Islamisten wurde besonders durch einen Erlass aus dem Jahr 1982 gefördert, der den Abschluss an religiösen Schulen, den berüchtigten und mittlerweile weltweit gefürchteten Madrasas einem Abschluss an staatlichen Universitäten gleichsetzte. Arabische Staaten wie Saudi-Arabien oder der Irak unterstützen die madrasas finanziell, um einen schiitischen Einfluss im mehrheitlich sunnitischen Land zurückzudrängen. Die madrasas erlebten ein rasantes Wachstum und wurden nicht selten zum Ausbildungslager für spätere Dschihadisten. (more…)

Wenn Terror so schockierend ist wie Wettergespräche

August 19, 2011
Taliban in Herat, Afghanistan

Terroristen in Herat, Afghanistan

Bei einem Terroranschlag im pakistanischen Jamrud sind 49 Menschen getötet worden. Der junge Angreifer zündete die Bombe in einer Moschee, in der sich Hunderte Gläubige aufhielten. Wegen des Fastenmonats Ramadan sind die Moscheen zurzeit besonders gut besucht. Taliban-Gruppen haben in der Vergangenheit aber immer wieder Vergeltungsschläge auf Moscheen verübt, wenn die örtliche Bevölkerung mit den Sicherheitskräften kooperierte. Die Islamisten verüben nach dem Tod ihres verehrten Terrorpaten Osama bin Laden immer wieder Vergeltungsschläge.

Eine schreckliche Nachricht? Ja, eigentlich schon. Könnte man zumindest denken. Das Leben von 49 Menschen ist in einem Moment für immer vorbei und ihre Angehörigen werden den Rest ihres Lebens ohne sie auskommen müssen. Ein Massaker, völlig sinnlos, bei dem es mehr Tote gab als bei israelisch-palästinensischen Zusammenstößen im gesamten Jahr.

Aber in Wirklichkeit schockiert einem die Nachricht weniger als eine anrauschende Gewitterfront. Wir haben uns an Nachrichten, die mit Terror und Pakistan zu tun haben, nicht nur schon gewöhnt, sondern finden sie nur noch langweilig. So langweilig, dass es meistens nicht mal für einen einminütigen Beitrag in der Tagesschau reicht. Pakistan wird höchstens dann interessant, wenn Obama seinen “Schattenkrieg” gegen die Taliban ausweitet.

Wie Dan Gillerman sagte:

Every single day, Muslims are killed by Muslims. You do not see a single Muslim leader get up and say, “Enough is enough.” It’s nearly as if we live in a world where if Christians kill Muslims, it’s a crusade. If Jews kill Muslims, it’s a massacre. And when Muslims kill Muslims, it’s the Weather Channel. Nobody cares.

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr

August 16, 2011
Die pakistanische Flagge

Die pakistanische Flagge

Pakistan ist ein typisches Beispiel für amerikanische “Realpolitik“, also der Unterstützung von totalitären Staaten aus strategischen Gründen, wie es z.B. die Alliierten im Zweiten Weltkrieg mit der Sowjetunion taten oder die Amerikaner im Kalten Krieg mit jeder antikommunistischen Diktatur, vor allem in Lateinamerika (Pinochets Putsch in Chile wurde von der CIA mitfinanziert). Die Logik dabei lautet: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Nun ist es aber so: Weder Amerikas anderer wichtiger realpolitischer Partner Saudi-Arabien, das den weltweiten Dschihad mitfinanziert, noch Pakistan sind Feinde von Amerikas Feinden, und sollten deshalb auch nicht Freunde der USA sein. Beide Staaten sind über verschiedene Wege mit den Todfeinden Amerikas im Bund, Pakistan z.B. hat nicht nur für das neueste Desaster us-amerikanischer Außenpolitik gesorgt, in dem sie US-Hubschrauber, die bei der “Operation Geronimo” stammten, angeblich den Chinesen zugänglich machten, sondern hat sich auf einer Konferenz zusammen mit dem Iran und Afghanistan zur gemeinsamen Terrorbekämpfung(!) verpflichtet. Als I-Tüpflchen: In Osamas Villa fand man Handydaten, die Kontakte zum pakistanischen Geheimdienst ISI offenlegten. Nicht nur der ISI, auch Saudi-Arabien hat beim jahrelangen Versteckspielchen Osamas mitgeholfen.

Ob die Hubschraubergeschichte nun stimmt oder nicht: Die pakistanisch-chinesische Freundschaft hört sich so versöhnlich an wie die zwischen den USA und Großbritannien. Wen Jiabo sagte im Mai dieses Jahres, dass beide Länder für immer Freunde bleiben werden. Der pakistanische Verteidigungsminister Ahmad Mukhtar bot China einige Tage darauf an, einen Marinestützpunkt in Gwadar zu errichten. “Vor dem Hintergrund der zunehmenden Spannungen mit den USA baut Pakistan verstärkt die Kooperation mit China aus”- heißt es. Nicht nur al-Qaida darf seinen Kampf gegen Amerika in Pakistan führen.


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