Archiv für die Kategorie ‘Religion’

Falsche Prioritäten

April 10, 2012

Als die BILD-Zeitung aus Versehen den Vatikan annektierte

Wir Deutsche haben die meisten bekannten Kulte und Ideologien erfunden oder ausprobiert. Der Protestantismus wurde durch Luther begründet, der Kommunismus durch Marx. Den Faschismus haben wir perfektioniert und beim Ökologismus sind wir auf dem besten Weg dazu. Was bleibt da noch? Richtig: Der Katholizismus, dem immer noch 1 Milliarde Menschen angehören. Diese Lücke haben wir mit Benedikt XVI. geschlossen. Aber vielleicht hat Benedikt seine Aufgabe zu spät angetreten. Im Westen gibt es wohl mehr gläubige Muslime als gläubige Christen, die meisten Christen sind lediglich Namenschristen. Sogar die Verteidiger des “christlichen Abendlandes” sind oft selbst Atheisten, wie das Beispiel Geert Wilders zeigt. In den Kirchen gibt es mittlerweile fast nur noch Gutmenschen wie Käßmann und Reaktionäre wie Williamson oder eine Mischung aus beidem- wie Benedikt XVI.

Das Problem der Kirchen kann man mit dem Problem der FeministInnen vergleichen: Im Inland konzentriert man sich auf völlig belanglose Dinge, im Ausland ignoriert man massive Probleme, für die man eigentlich zuständig wäre. Die Kirchen im Westen haben sich jahrzehntelang mit Themen wie Zölibat oder Homoehen auseinandergesetzt. Für die meisten Christen ist dieses Thema völlig unwichtig. Die mörderischen Christenverfolgungen, von der Millionen Glaubensbrüder betroffen sind, werden dagegen ignoriert. Seine Oster-Rede ist mal wieder typisch: Benedikt spricht sich gegen Eigennutz aus und schließt die Öffnung der katholischen Kirche für Frauen, Homosexuelle und geschiedene Personen aus. Gleichzeitig sagt er nichts über die globalen Christenverfolgungen. Ein Armutszeugnis für den deutschen Papst.

Manche Christen verhalten sich geradezu unterwürfig: Der Erzbischof von Canterbury plädiert für die Einführung der Scharia in Großbritannien, Margot Käßmann will für die Taliban beten und der Vatikan betete für Arafats Seele im Himmel. Die Kirche entschuldigte sich innerhalb von vier Tagen für sein harmloses Zitat von Regensburg, während sie für Galileos Rehabilitierung noch 359 Jahre brauchten, und sie schwieg, als eine Nonne in Somalia aufgrund dieses Zitats umgebracht wurde. Zum Islam sagt der Papst: “Das Wiederaufblühen des Islam ist nicht nur durch den materiellen Reichtum islamischer Länder bedingt, seine Ausbreitung erklärt sich auch daher, dass er seinen Anhängern eine lebensnahe, spirituelle Basis bieten kann und genau diese scheint dem Alten Europa verloren gegangen zu sein. Deshalb wird Letzteres, trotz seines politischen und wirtschaftlichen Gewichts, als dem Niedergang geweiht angesehen.” Sollen wir uns also ein Beispiel an den Muslimen nehmen?

Jesus und Che Guevara

Dezember 22, 2011

Che Jesus Guevara

Auf den ersten Blick haben beide nichts gemeinsam: Der eine predigte Nächstenliebe, Vergebung von Feinden, Gewaltlosigkeit und versprach seinen Jüngern ein ewiges Himmelsparadies. Der andere wollte einen Dritten Weltkrieg herbeiführen, um seinen Feind (den Kapitalismus) zu vernichten, war der Leiter eines KZ’s für politische Gefangene und wollte ein Paradies auf Erden errichten.

Doch beim zweiten Blick werden deutliche Parallelen erkennbar: Beide starben im frühen Alter (33/37), beide wurden jämmerlich von ihren Feinden hingerichtet (Römer/US-Marionetten), ohne irgendetwas bedeutendes in ihrem Leben erreicht zu haben (Judäa blieb römische Kolonie, der Kapitalismus wurde immer stärker), beide hatten Botschaften, die nach ihrem Tod völlig falsch interpretiert wurden (Christentum/ die kapitalistische Vermarktung von Che Guevara-Fanartikeln) und beide werden noch heute von Millionen als moralisch perfekte Über-Menschen bewundert, an der sich alle ein Vorbild nehmen müssen.

Jesus und der freie Markt

November 23, 2011

Dank an SMBC Comics.

 

Der Papst in Deutschland- Wenn ein theokratischer Diktator sein Heimatland besucht

September 22, 2011

Als die BILD-Zeitung aus Versehen den Vatikan annektierte

Natürlich sind die iranischen Mullahs, die Taliban und sogar Pierre Vogel viel gefährlicher als der Papst. Und natürlich ist es ziemlich leicht, gegen den Papst zu demonstrieren, weil man nicht dieselben Reaktionen befürchten muss als wenn man eine Mohamed-Karikatur zeichnet. Und ja, die katholische Religion hat die westliche Kultur entscheidend mitgeprägt und ihr gehören noch immer 1,2 Milliarden Menschen an. Aber müssen wir deshalb wirklich den Papst cool finden?

Nö. Wenn die Tatsache, dass andere Gruppierungen gefährlicher sind und von der Gesellschaft weniger Gegenwind bekommen, dann müsste man auch die NPD oder die Scientology cool finden. Es spielt auch keine Rolle, wie viel Menschen sie repräsentiert. Denn dann müssten die Schweizer ja auch stolz auf Sepp Blatter sein. Die katholische Religion hat den Westen mitgeprägt, aber ob dies nun gut für den Westen war, sei mal dahingestellt. Tatsache ist, dass die Kirche jeden sozialen Fortschritt bekämpft hat, da beißt die Maus kein Faden ab. (weiterlesen…)

Keine Angst vor der Hölle

August 29, 2011

Machen sie Witze über Religionen. Und entschuldigen sie sich nicht!

Vor einigen Tagen hatte ich wieder mal eine Gottesdiskussion. Obwohl mir das eigentlich immer Spaß macht, war es diesmal anders, denn sie endete mit einer “Höllendrohung”. Eine zivilisierte Diskussion wurde somit schlagartig beendet.

Wie ich schon in diesem Artikel gesagt habe, finde ich es ziemlich absurd, dass religiöse Fundamentalisten nach göttlicher Überlieferung glauben, dass alle, die nicht an denselben Gott glauben wie sie, in die Hölle kommen, ganz egal, wie sie sich im Diesseits verhalten haben. Das ist wohl das schlechteste, das Religionen den Menschen überliefert haben: Sie lehrten ihnen nicht, sich moralisch zu verhalten, sondern an sie zu glauben, völlig egal was sie sagen. Taten sind nicht richtig, wenn sie richtig sind, sondern wenn Gott sie absegnet. Mit toleranten oder säkularen Anhängern von Religionen habe ich kein Problem, aber über Fundamentalisten kann ich mich nie genug aufregen.

Die Höllendrohung ist für sie aber notwendig, denn nichts garantiert mehr, das Gläubige gläubig bleiben (und für sie ist Apostasie das Schlimmste aller Verbrechen), als die Angst, in die Hölle zu kommen. Nach dem Koran – der heiligen Schrift der Muslime – wird jeder Nichtmoslem nach seinem Tode in der Hölle auf ewig Eiter trinken müssen und sein Gehirn wird auf ewig geröstet. Ich persönlich würde zwar die Existenz einer Hölle befürworten, aber eben nur, wenn dort nur die “bösen” Menschen reinkommen (und sie nicht so brutal gefoltert werden)- aber alle Atheisten dorthin deportieren, nur, weil sie nicht an Gott geglaubt haben? Was soll da gerecht sein? Als ob Atheisten alle automatisch ein verbrecherisches Leben geführt hätten. Diese Form der Missionierung hat sogar ein eigenes Argument hervorgebracht, die sogenannte “Pascalsche Wette”. (weiterlesen…)

Terry Jones, der Koran und die Auswüchse religiöser Toleranz

August 1, 2011

Schneller Weg zum Ruhm: US-Pastor Terry Jones drohte damit, einen Koran zu verbrennen

Erinnern sie sich noch an Terry Jones? Wahrscheinlich schon, denn im Internet-Zeitalter gibt es wohl keinen leichteren Weg, auf schnellstem Wege Berühmtheit zu erlangen, als öffentlich anzukündigen, den Islam zu beleidigen (Beispiele: Salman Rushdie, Kurt Westergaard, Geert Wilders). Das wusste auch Jones, ein Pastor aus Florida, der im Jahr 2010 angekündigt hatte, am Jahrestag des 11.September öffentlich einen Koran zu verbrennen.

Es funktionierte: Plötzlich war er weltberühmt, und zwar so sehr, dass Puppen von ihm verbrannt wurden und 19 Menschen bei “Unruhen” getötet wurden, die, so hieß es dann, von ihm höchst persönlich ausgelöst worden waren. Genauso wie ein Zoowärter ein Massaker auslöst, wenn er einen Tiger von seinem Käfig befreit, gingen die Reaktionen der Weltöffentlichkeit in die Richtung, nicht die schuldig zu sprechen, die eigenhändig 19 Menschen umgebracht hatten, sondern dem Pastor, der den Tiger- die leicht zu erregenden radikalen Muslime- losgelassen hatte.

Noch Schlimmeres geschah dann am 20.März dieses Jahres, als Jones seine Ankündigung in die Tat umsetzte und im Geheimen einen Koran verbrannte. Der Vorfall wurde zwei Tage später bekannt- dieses Mal starben 24 Menschen. Und wieder wurde die moralische Verantwortung dafür Terry Jones zugeschoben. Dass er selbst niemanden umgebracht hatte und auch nicht dazu aufgerufen, war jedem klar, aber es spielte keine große Rolle. Der Grund dafür ist das andere Toleranzverständnis, der in der “Islam-Debatte” vorherrscht. (weiterlesen…)

Pat Condell zum Verhältnis von Religionen zur Wirklichkeit

Juli 12, 2011

Einfach zuhören (bzw. die deutsche Übersetzung lesen):

Henryk M. Broder und Gott

Juni 14, 2011

Henryk M.Broder ist ein Agnostiker, der Gott für einen Sadisten hält

Henryk M. Broder ist immer für eine Genialität gut. Heute schrieb in der WELT einen Artikel, in dem er sehr philosophisch wurde. Es ging eigentlich um das neue Buch von Matthias Matussek, “Das katholische Abenteuer”, in dem dieser seinen Weg vom Marxismus zum Katholizismus beschrieb. Okay, es gibt auch Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden “Lehren”, man bedenke die Befreiungstheologie oder Jesus’ Ausspruch “Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt”.

Dass Matussek es für wichtig hält, der Welt seine spirituellen Entwicklungen mitzuteilen, ist ja gar nicht so schlimm, das machen andere wie Henryks Kollege Hamed Abdel-Samad ja auch. Aber dieser Wechsel ist doch eine Stufe höheren Bullshits. Das sah auch der Master of Disaster nicht anders. Seine Antwort kam prompt und lautet: Wenn es einen Gott gibt, dann ist er ein Sadist. Dabei erfahren wir auch ein bisschen über seinen eigenen spirituellen Werdegang, also wie er vom Religiösen zum Atheisten und dann zum religiösen Atheisten (Agnostiker) wurde.

Ich gebe zu, auch ich habe meinen Glauben gewechselt. Mit 20 war ich ein militanter Atheist, meine Götter hießen Bertrand Russell, Karlheinz Deschner und Wilhelm Reich; später wurde ich Agnostiker, weil mir klar wurde, dass Atheisten ein erkenntnistheoretisches Problem haben: Man kann die Nicht-Existenz Gottes ebenso wenig beweisen wie seine Existenz. (weiterlesen…)

Gedanken zur Religionsfreiheit

Mai 10, 2011

Bibel, Koran und Torah werden voller Stolz gehalten

Wir haben in unserer Gesellschaft viele Freiheiten errungen, die uns heute selbstverständlich vorkommen und die wir niemals in Frage stellen würden. Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Berufsfreiheit und auch Religionsfreiheit.

Die Religionsfreiheit erschien den ersten Menschenrechtlern als einer der, vielleicht sogar die wichtigste aller Freiheiten. Schließlich wurden in Europa jahrhundertelang Menschen aus religiösen Gründen verfolgt: Juden, Hexen, die Bilderstürmer, Ketzer, Protestanten und Katholiken massakrierten sich gegenseitig und am Ende war die Kirche selbst dran, als sie während der Französischen Revolution vom sich erhebenden, wütenden Pöbel gejagt wurde. Deswegen war es sicher ein Fortschritt, als beschlossen wurde, dass kein Mensch mehr wegen seiner Religion oder Nicht-Religion verfolgt oder diskriminiert werden sollte.

Wenn es so einfach wäre, wäre ich auch uneingeschränkt für Religionsfreiheit. Aber das ist ja nicht alles, was man unter “Religionsfreiheit” versteht. Dazu sollten wir wissen, dass es auch andere Freiheiten gibt, die für mich eigentlich wichtiger sind, wie z.B. die Gleichberechtigung von Mann und Frau, von “nationalen” oder “ethnischen” Minderheiten, von Homosexuellen und das Recht auf freie Wahlen. Nun stelle ich die Frage: Ist die Religionsfreiheit eigentlich vereinbar mit diesen anderen Freiheiten?

Wie wir alle wissen und ich hier nicht noch mal erläutern werde, befinden sich in den heiligen Büchern der Religionen nicht selten Aufrufe zur Gewalt und zur Verfolgung von Minderheiten und Andersdenkenden, die sich, wenn sie nicht vor tausenden Jahren, sondern in unserer heutigen Zeit geschrieben worden wären, sofort zum Verbot dieses Buches geführt hätten. Warum also unterscheiden zwischen “Mein Kampf” und dem Koran, der Torah oder der Bibel? Skurillerweise würde die Religionsfreiheit sogar mit sich selbst kollidieren, denn in den heiligen Büchern wird eben nicht immer zur Religionsfreiheit aufgerufen, sondern eher zum Gegenteil. (weiterlesen…)

Religiöse Diskurslogik-oder: Wir brauchen eine neue Atheismus-Definition!

April 26, 2011

Atheistische “Leere”

Es scheint immer mehr so, dass der Begriff “Atheismus” von vielen Personen missverstanden oder gar missbraucht wird. Das Hauptproblem dabei ist: Atheismus wird als eine alternative Religion angesehen und dann auch so “überprüft”. Man sucht nach einer vermeintlichen “Lehre” des Atheismus und vergleicht diese dann mit den Lehren der traditionellen Religionen. Der zweite Fehler ist der, das man Atheisten vorwirft, das sie sich für allwissend halten, da sie nicht an einen Gott glauben, obwohl das Universum doch zu kompliziert ist, um es ohne Gott erklären zu können- das neuste Dogma der Religiösen.

Diese beiden Denkfehler führen dazu, dass man nun sogar in Anlehnung an Richard Dawkins von einem “Atheismus-Wahn” spricht. Weil man Atheismus nicht versteht. Dabei kann man im Gegensatz zu Religionen Atheismus nicht “falsch interpretieren”.

Die Denkfehler der Gottesdebatte

Es geht beim Atheismus nicht darum, zu beweisen, dass es keinen Schöpfer gibt. Es geht darum, zu beweisen, dass es die menschengemachten Götter nicht gibt. Dies habe ich auch schon in meinem ersten Artikel klargemacht und werde es deshalb nicht wiederholen.

Deshalb sind Einwände wie diese hier:

The first point I’d like to explore is that there really are no true atheists”…”It seems to me that in order to claim with certainty that there is no God you would have to have knowledge of the totality of the universe”…”and I don’t think any of you guys are ready to make that claim.

völlig abwegig, da Atheisten nie behaupten, das sie alles über das Universum wissen (gefunden hier). (weiterlesen…)


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