Der Liberalismus scheint in Deutschland mit dem Niedergang der FDP und dem Aufstieg der Piraten endgültig tot zu sein. Laut Alexander Grau war er aber auch nie wirklich lebendig. Das ist eine traurige, aber leider wahre Erkenntnis. Traurig ist es vor allem, wenn man bedenkt, dass der klassische Liberalismus im deutschsprachigen Raum seine größten Vordenker hatte: Carl Menger, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek und andere Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Mises und Hayek wiederum haben herausragende liberale Denker des letzten Jahrhunderts wie z.B. Ayn Rand oder Milton Friedman und im deutschsprachigen Raum Roland Baader beeinflusst.
Doch es gibt eine weitere politische Ausrichtung, die von Mises, Hayek, Rand usw. entscheidend beeinflusst wurde: Der Libertarismus. Wofür steht der Begriff “Libertarismus” und wo liegt der Unterschied zum Liberalismus? Man kann es so zusammenfassen: Der Liberalismus ist für einen Minimalstaat, der Libertarismus für einen Nullstaat. Ein Libertärer fordert die komplette Abschaffung jeglicher staatlicher Institutionen, folglich auch Justiz, Armee und Steuern. Murray Rothbard prägte den Begriff “Anarchokapitalismus”, eine reine Privatrechtsgesellschaft, in der der Staat nicht mehr existiert.
Der bekannteste Vertreter der Libertären ist sicher der us-amerikanische Präsidentschaftskandidat Ron Paul. Die Tatsache, dass er vor allem im Internet geradezu messianischer Beliebtheit erfreut, ist kein Zufall: Im Internet gehört der Libertarismus, wie verschiedene Umfragen belegen, zu den am stärksten verbreiteten politischen Ansichten. Neben Paul gehörte auch der 1995 verstorbene Rothbard und im deutschsprachigen Raum Hans-Hermann Hoppe zu den bekanntesten Vertretern es Libertarismus. In Deutschland ist die Zeitschrift “eigentümlich frei” das wichtigste Sprachrohr der Libertären. Die neugegründete “Partei der Vernunft” hat sich nun den libertären Idealen verpflichtet.
Wenn man sich mit den Thesen der Libertären auseinandersetzt, kommt man als echter Liberaler nicht darum herum, zu erkennen, dass sich ihre Ansichten von den klassischen Liberalen unterscheiden, ja geradezu ins Gegenteil umgewandelt wurden, und eine Gefahr für die Freiheit darstellen. Laut Mises ist Anarchismus “nur in einer Welt von Engeln und Heiligen zu praktizieren”. Der Libertarismus aber ist eine Mischung aus Anarchismus, außenpolitischem Isolationismus (verbunden mit vulgärem, antiwestlichen Antiimperialismus und Totalitarismusverharmlosung) mit einem Schuss Verschwörungstheorien, Rassismus und Homophobie. (weiterlesen…)





























