
Vince Ebert
Gilbert Keith Chesterton sagte einst: “Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche. Das ist die Chance der Propheten – und sie kommen in Scharen.” Dieser Satz beschreibt im Grunde den Zustand unserer Gesellschaft. Homöopathie, Astrologie, Verschwörungstheorien und andere Pseudowissensschaften breiten sich bei Atheisten und Sonntagschristen gleichermaßen aus. Besonders angetan haben es uns die ostasiatischen Lehren, allen voran Feng Shui und die Weisheiten des ewiggrinsenden Dalai Lama. Aber sind seine Lehren wirklich so viel besser als unsere traditionellen Religionen?
Obwohl die Gewalt, die chinesische Behörden gegen Tibeter anwenden, in keinster Weise zu rechtfertigen ist, eignet sich das geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, überhaupt nicht als moralisches Vorbild. Er ist ein theokratischer Diktator. Kritische Zeitungen müssen schließen, andersgläubige Mönche fürchten Repressionen. Im Juni 2009 widmete Vince Ebert dem Dalai Lama einen kritischen Artikel, der mit vielen Mythen über den angeblichen Friedensengel aufräumte. Den einzigen Satz, dem ich nicht zustimme, ist die Behauptung, dass der Dalai Lama zur “Dämonisierung Chinas” benutzt werde. Dieses Regime braucht man nicht zu dämonisieren, das erledigen die schon selbst. Die Gründe für die Bewunderung des Dalai Lama liegen einfach in der Sehnsucht nach einem moralischen Vorbild, den Selbsthass vieler linker Intellektueller (der alles Nicht-Westliche ins positive Licht rückt) und der Unkenntnis über die wahre Natur des tibetischen Buddhismus.
Erleuchtung trifft Commerz
Der Buddhismus erinnert ein wenig an Coca Cola. Keiner kennt die Zusammensetzung, aber trotzdem finden ihn alle irgendwie gut. Besonders in Manager-Seminaren gilt es als unglaublich schick, sich einen Zen-Meister ins Haus zu holen, der dann der deutschen Wirtschaftselite in gebrochenem Englisch für einen Tagessatz von 10.000 Euro etwas über Verzicht, Askese und inneren Frieden erzählt. Immer mehr gestandene 50jährige Vorstandsvorsitzende gehen für zwei Wochen ins tibetanische Schweigekloster, in der Hoffnung zu ihrem Allerinnersten vorzudringen. Ohne jedoch zu bedenken, dass sie dort eventuell auch absolut nichts vorfinden könnten. Ein grausamer Gedanke.
Ende dieses Monats wird nun mal wieder der Dalai Lama drei Tage lang die Frankfurter Commerzbank-Arena mit seiner Anwesenheit beglücken. Der tibetanische Gottkönig könnte aus dem Wuppertaler Telefonbuch vorlesen und das gesamte christliche Abendland verdreht verzückt die Augen. Zugegeben, wenn der selbsternannte „Ozean des Wissens“ Lebensweisheiten unter’s Volk wirft, wie zum Beispiel: „Eine liebevolle Atmosphäre in Deinem Haus ist das Fundament für Dein Leben.“ oder auch „Nur wer Leid erträgt, wird Glück erfahren!“ dann kann man schon mal auf komische Gedanken kommen. Hat die „Große Leuchte der Weisheit“ vielleicht doch nur eine Energiesparbirne? Der Kaiser ist nackt und keiner traut es sich zu sagen. (weiterlesen…)