Einer der ersten Atheisten

Die historische Entwicklung des Atheismus

Die historische Entwicklung des Atheismus

Schon im 10./11. Jahrhundert lebte im Nahen Osten ein arabischer Dichter, der als Vorgänger des Atheismus bezeichnet werden kann.

Sein Name war Al-Ma’arri:

„Al-Ma’arri war ein Skeptiker und prangerte Aberglauben und religiösen Dogmatismus an. Er wurde daher als pessimistischer Freidenker bezeichnet.

Al-Ma’arri lehrte, dass Religion eine „von den Vorvätern ersonnene Fabel“sei, ohne Wert außer für Ausbeuter leichtgläubiger Massen. Zu Lebzeiten al Ma’arris waren in Ägypten, Bagdad und Aleppo mehrere Kalifate entstanden, welche alle die Religion zur Stützung ihrer Macht instrumentalisierten.Er wies den Wahrheitsanspruch des Islams wie auch anderer Religionen zurück: Man soll die Behauptungen der Propheten nicht für wahr halten; es sind allesamt Erfindungen. Den Menschen ging es gut, bis sie kamen und das Leben verpfuschten. Die heiligen Bücher sind nur Sammlungen nutzloser Geschichten, wie sie alle Zeiten hervorbringen konnten und auch hervorgebracht haben.

Al-Ma’arri kritisierte viele Dogmen des Islams, wie z.B. den Hadsch, den er einen „Heidenzug“ nannte

Eines seiner Gedichte gibt seiner Sichtweise Ausdruck:

Sie alle irren – Moslems, Christen, Juden und des Zoroaster Legion.
Die Menschheit kennt weltweit nur diese beiden:
Den einen, mit Verstand wohl aber ohne Religion,
Den andern, religiös, doch ohne Hirnarbeiten.

Er wies jegliche göttliche Offenbarung zurück. Seine Überzeugungen waren die eines Philosophen und Asketen, für den die Vernunft einen moralischen Leitfaden bereithält und Tugend Belohnung genug für sich selbst ist.

Al-Ma’arri wurde 973 als Sohn einer angesehenen Familie – sein Vater Abdallah ibn Sulaiman war Dichter und Philologe – in der nordsyrischen Stadt Ma’arra geboren. Im Alter von vier Jahren verlor er infolge einer Pockenerkrankung sein Augenlicht. Diese Behinderung machte er zwar später durch sein ausgezeichnetes Gedächtnis wett, er empfand seine Blindheit jedoch zeitlebens als „Gefängnis“. In seiner Heimatstadt und in Aleppo studierte al-Ma’arri den Islam und die arabische Sprache und Literatur…

…Al-Ma’arri verfasste sowohl Gedichte als auch Prosawerke. In seine Jugendzeit und Bagdader Periode fällt das Siqt az-zand („Zunderfunke“), eine Sammlung eher konventioneller Gedichte, darunter Trauerklagen über den Tod seiner Eltern und Lobgedichte. Die nach dem Bagdad-Aufenthalt entstandenen Gedichte, gesammelt im Luzum ma la yalzam (Die Vorschrift, die nicht vorgeschrieben ist), beschäftigen sich dagegen in komplizierter Reimtechnik mit philosophischen Themen.

Seine umfangreichste Prosaschrift ist ein Antwortschreiben auf den ebenfalls erhaltenen Brief eines gewissen Ibn al-Qarih. Dieser, ein eher erfolgloser Dichter, wandte sich an al-Ma’arri mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Ibn al-Qarih hatte seinen früheren Mäzen al-Maghribi, einem fatimidischen Staatssekretär, recht schäbig im Stich gelassen, als dessen Familie beim Kalifen in Ungnade fiel. In seinem Brief an al-Ma’arri versucht Ibn al-Qarih, sich von diesem Verhalten reinzuwaschen.

Al-Ma’arris Antwort, die risalat al-ghufran („Sendschreiben über die Vergebung“), hat man oft mit Dantes Divina Commedia verglichen. Der Dichter schickt den noch lebenden Ibn al-Qarih in seiner Vorstellung auf eine Jenseitsreise durch Paradies und Hölle.

al-Fusul wal-ghayat („Abschnitte und Enden“), eine Sammlung von Homilien in Reimprosa, wurde als eine Parodie des Korans bezeichnet.“

Muslimische Freidenker waren um diese Zeit nicht selten, im krassen Gegenteil zu heute. Dass einer Person wie al-Maarri, der eine Parodie des Koran schrieb (was damals in Europa nicht möglich gewesen wäre), nach seinem Tod sogar Monumente gebaut wurden, sagt vieles über die damalige und auch über die heutige Zeit aus. Salman Rushdie und Kurt Westergaard lassen grüßen.

Andere große und leider vergessene muslimische Freidenker waren:

Jabir Ibn Haiyan (?-803)

Ein großer Chemiker seiner Zeit. Er war keine religiöse Person, sondern eher säkular.

Ibn Sina (980-1037)

Ein Häretiker, der Großartiges in Medizin, Philosophie und Wissenschaften leistete. Viele Krankenhäuser oder Hotels in der islamischen Welt sind nach ihm benannt.

Abu Bakr Mohammed ibn Zakariya ar-Razi (841-926)

Physiker, Mathematiker und Astronom. Schrieb mehr als 200 Bücher.

„These billy goats (Prophets) pretend to come with a message from God, all the while exhausting themselves in spouting their lies…“

Wie können Muslime dann heute noch stolz auf ihn sein?

Abu Raihan Mohammed Ibn Ahmad Al-Biruni (973-1048)

Universalgelehrter (Physik, Mathematik, Geographie, Geschichte), religiös gesehen ein Schiit mit agnostischen Tendenzen.

Al-Nisaburi al-Khayyam (1048-1131)

Poet, Mathematiker und Astronom. Er berechnete das Erdjahr auf 365 Tage genau. Obwohl der Islam Alkohol und „Unzucht“ verbiete, genoss er nichts mehr als Wein und Frauen.

All diese Menschen haben eins gemeinsam: Sie sind schon sehr lange tot, seit mindestens 870 Jahren. Der Islam braucht heute mehr solche Leute und weniger solche wie Mahmud Achmedinedschad, Osama bin Laden oder Ayatollah Khomeini. Und natürlich braucht der Islam seine eigene Monty Python-Gruppe und seine eigene Mohamed-Parodie.

Im Grunde gibt es ja schon viele solcher Freidenker, nur sind sie im Westen aufgewachsen oder leben im Exil.

3 Antworten to “Einer der ersten Atheisten”

  1. Muriel Says:

    Interessant.
    Wenn die Überschrift jetzt noch zu „einer der ersten dokumentierten Atheisten“ geändert würde, oder so ähnlich, wäre das ein rundum gelungener Artikel. 😉

    • arprin Says:

      Muriel: Da es sich um eine Person handelte, die im 10. bzw. 11. Jahrhundert lebte, kann man davon ausgehen, das es es sich um einen der ersten „dokumentierten“ Atheisten handelt. Aber ich werde dennoch über deinen Tipp nachdenken. Danke.

      • Muriel Says:

        Es war nur so halb ernst gemeint, aber ich konnte irgendwie nicht anders, als dezent darauf hinzuweisen, dass es Atheismus denklogisch schon länger geben muss als jede Religion. Wenn auch nicht zwangsläufig in so extrovertierter Form…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: