Henryk M. Broder und Amazon

Henryk M. Broder (Bild: Sven Teschke)

Henryk M. Broder (Bild: Sven Teschke)

Henryk M. Broder ist einer meiner Lieblingsautoren. Seine Texte sind oft sehr witzig, polemisch und vor allem zutreffend, und er hat mit seinen Büchern viel Erfolg. Unnötig zu erwähnen, dass es viele gibt, die Broder nicht mögen und ihn als den Weltbrandstifter schlechthin ansehen. Wenn in Amazon ein Buch vorgestellt wird, kommen meistens der Klappentext als Kurzbeschreibung des Buches, viele gesammelte Pressestimmen und natürlich die Kundenrezensionen zu Wort.

Die vorderste „Produktbeschreibung“ von Amazon zu Broders Buch „Kritik der reinen Toleranz“ hörte sich so an:

Jetzt wird’s gefährlich. Wer nämlich eine andere Weltsicht hat oder andere Meinungen vertritt als Henryk M. Broder oder, schlimmer noch, Seine Majestät höchstselbst zu kritisieren wagt, läuft leicht Gefahr, reflexhaft als Antisemit, Antiamerikaner, Unterdrücker, Diskriminierer, Schmarotzer, Homophobe, Sexist, Klassist, Rassist etc. gebrandmarkt zu werden. Doch trotz oder gerade wegen des Risikos einer Fatwa seitens dieses notorischen Wadenbeißers, der selbst ganz unverschämt Querulanz und Intoleranz zu Tugenden erhoben hat, ist Courage höchste Bürgerpflicht.

(Eine „Fatwa“ ist eine islamische Rechtsauskunft, die des Öfteren gegen Islamkritiker ausgesprochen wird, wie z.B. Salman Rushide oder Kurt Westergaard, mit der Aufforderung, die betreffende Person zu töten.)

Bei einem anderen Buch von ihm, „Hurra, wir kapitulieren!“, findet man ebenfalls an vorderster Stelle eine kritische Beschreibung:

Mann, sind die alle blöd! Henryk M. Broder, bekannt für seine scharfzüngigen Glossen im Spiegel, hat diesmal 180 Seiten gebraucht, um diese Erkenntnis zu formulieren. Ein Buch, in dem deutsche Tageszeitungen, französische Politiker, sächsische Entführungsopfer, Peter Zadek und noch viele mehr den immergleichen Vorwurf einstecken müssen: Ihr habt vor dem Islam kapituliert!

(…)

Warum sagt er es mir auf so vielen Seiten? Meyers Lexikon definiert eine publizistische Glosse als „kurzen, polemischen Kommentar zu aktuellen Ereignissen“. Polemisch ist das Buch, aktuell und wichtig sind die Ereignisse, die besprochen werden, auch. Aber kurz?

Klingt nicht unbedingt so, als würde man wollen, dass der Leser unvoreingenommen zum Buch greift. Naja, immerhin sind die Pressestimmen überwiegend gut, genauso wie die meisten Kundenrezensionen. Und vergessen wir nicht: Egal, was man über Amazon sagt, der Service ist super.

3 Antworten to “Henryk M. Broder und Amazon”

  1. Lullermann Says:

    …nur, um zu zeigen, dass ich damit ernst mache, Deinen Blog zu lesen:
    Wer ist also dieser Mann, der sich erlaubt, Göbbels in den Schatten stellen zu wollen?

    Er selber ist (ein) Niemand.

    Aber seine Biographie ist nach dem Holocaust und dem Fast-Mord an seinen Eltern beeindruckend.

    Genauso beeindruckend, wie die Nichtschelte des Michel Friedmanns, welche selbstredent nach seinen Eskapaden ausblieb.

    Ein Schelm wäre der, der MIR nun Böses unterstellen wollte, aber diesen Menschen, der es ‚verstanden‘ hat, sich im neuen (deutschen) Europa seinen Platz ein zu richten zu verurteilen, hat gänzlich nichts verstanden!

    Bestenfalls unterstelle ich Broder, dass er nach Vergeltung schreit…..

    Nötigenfalls bin ich neidisch auf seine Integrität, sich heraus nehmen zu dürfen, was er möchte…….

    Und nun kommst Du!

    • arprin Says:

      Äähm…, ja. Was auch immer du meinst.

      „Dirty Henryk“ ist einer meiner Vorbilder und hat keinerlei Ähnlichkeit mit Göbbels. Seine Biographie ist in der Tat beeindruckend, genauso wie sein Wortwitz:

      „Bin ich verrückt oder sind es die anderen?“
      „Ich bin vielleicht paranoid, aber sie sind trotzdem hinter mir her!“

      Oder auch: Ein weiterer Beweis für gelungene Integration!

  2. Lullermann Says:

    Ups, da habe ich Deinen Beitrag wohl gänzlich missverstanden.
    Aber das mit Göbbels war ja auch nur eine Metapher.
    Ich kann nicht sagen, ob ich solche Leute bewundere, aber der Neid bleibt 😉
    Nein, ich muss mich korrigieren, denn es soll ja nicht so rüber kommen, dass ich Broder in aller Gänze nachsprechen wollte.
    Der Mann gefällt mir dennoch, da er sich ‚Sachen‘ heraus nehmen kann, für die ich als Otto-Normal-Deutscher Anzeigen bekommen würde.
    Um nun aber zu Deinem Beitrag zurück zu kommen, den ich nun hoffentlich richtig interpretiere:
    Amazon ist ein amerikanisches Unternehmen und sein deutscher Ableger muss sich hier ja an bestimmte Gesetze halten.
    EIN Gesetz aber dürften diese Leute verstanden haben, nämlich dass der Negativwerbung.
    Wenn man ‚Mein Kampf‘ z.B., ähnlich des Filmes Die Brücke, mit in den Schulunterricht nehmen würde, es aber zuvor mit ähnlich kritischen Worten ‚anpreisen‘ würde, käme ein Verlag wohl kaum mit dem Druck nach.
    Ich bin mir zwar bewusst, dass ausgerechnet dieses Buch ein Extrem darstellt, aber wenn von Dirty Henryk hier als Weltbrandstifter gesprochen wird, könnte man durchaus Parallelen ziehen.
    Wie dem auch sei; ICH kaufe der Bequemlichkeit halber sehr oft bei Amazon ein.
    Dabei wäge ich nur ab, wie und ob mein Leben kommod genug erscheint 🙂

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