Gedanken zur Religionsfreiheit

Gott bei der Erschaffung Adams

Gott bei der Erschaffung Adams

Wir haben in unserer Gesellschaft viele Freiheiten errungen, die uns heute selbstverständlich vorkommen und die wir niemals in Frage stellen würden. Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Berufsfreiheit und auch Religionsfreiheit.

Die Religionsfreiheit erschien den ersten Menschenrechtlern als einer der, vielleicht sogar die wichtigste aller Freiheiten. Schließlich wurden in Europa jahrhundertelang Menschen aus religiösen Gründen verfolgt: Juden, Hexen, die Bilderstürmer, Ketzer, Protestanten und Katholiken massakrierten sich gegenseitig und am Ende war die Kirche selbst dran, als sie während der Französischen Revolution vom sich erhebenden, wütenden Pöbel gejagt wurde. Deswegen war es sicher ein Fortschritt, als beschlossen wurde, dass kein Mensch mehr wegen seiner Religion oder Nicht-Religion verfolgt oder diskriminiert werden sollte.

Wenn es so einfach wäre, wäre ich auch uneingeschränkt für Religionsfreiheit. Aber das ist ja nicht alles, was man unter „Religionsfreiheit“ versteht. Dazu sollten wir wissen, dass es auch andere Freiheiten gibt, die für mich eigentlich wichtiger sind, wie z.B. die Gleichberechtigung von Mann und Frau, von „nationalen“ oder „ethnischen“ Minderheiten, von Homosexuellen und das Recht auf freie Wahlen. Nun stelle ich die Frage: Ist die Religionsfreiheit eigentlich vereinbar mit diesen anderen Freiheiten?

Wie wir alle wissen und ich hier nicht noch mal erläutern werde, befinden sich in den heiligen Büchern der Religionen nicht selten Aufrufe zur Gewalt und zur Verfolgung von Minderheiten und Andersdenkenden, die sich, wenn sie nicht vor tausenden Jahren, sondern in unserer heutigen Zeit geschrieben worden wären, sofort zum Verbot dieses Buches geführt hätten. Warum also unterscheiden zwischen „Mein Kampf“ und dem Koran, der Torah oder der Bibel? Skurillerweise würde die Religionsfreiheit sogar mit sich selbst kollidieren, denn in den heiligen Büchern wird eben nicht immer zur Religionsfreiheit aufgerufen, sondern eher zum Gegenteil.

Ja zur Religionsfreiheit und Ja zur Künstlerischen Freiheit

Dennoch bin ich in keinster Weise für einen Verbot von Koran, Bibel oder Torah. Warum? Ganz einfach: Weil die Aufforderungen zum Bruch der Religionsfreiheit (und einer Reihe von anderen) in den heiligen Büchern nicht von allen Anhängern der Religionen ernst genommen werden und weil sie gleichzeitig ein großes Interesse haben, diese Bücher zu besitzen. So einfach ist es.

„Mein Kampf“ wird von den Anhängern des Nationalsozialismus wörtlich genommen, ohne dass sie als „Nazi-Fundamentalisten“ gelten. Dagegen mag die Anzahl von islamischen Fundamentalisten viel größer sein als die der christlichen, doch kann man deshalb noch lange nicht den anderen hunderten Millionen von friedlichen Muslimen den Koran verwehren.

Ein anderer Aspekt ist die künstlerische Freiheit: Der Koran ist ein großartiges Beispiel für arabische Literatur im siebten Jahrhundert, und auch die Bibel hat der westlichen Kultur eine Reihe von literarischen Meisterwerken geschenkt: Wie viele Sprüche aus der Bibel, von Salomon bis Johannes, zitieren wir täglich und wie viele Kunstbilder aus der Renaissancezeit stellten religiöse Motive dar? Man kann dieses künstlerische Erbe der Religionen nicht verleugnen. Auch in Shakespeares Romanen kommt oft viel Gewalt vor, ohne dass sie verboten werden.

Und zu guter letzt hätte ich auch nichts dagegen, wenn man „Mein Kampf“ wieder „erlauben“ würde.

2 Antworten to “Gedanken zur Religionsfreiheit”

  1. Lullermann Says:

    Also, Dein Intro konnte ich ja noch ‚verfolgen‘, aber dieses abrupte Abgleiten in:

    Und zu guter letzt hätte ich auch nichts dagegen, wenn man „Mein Kampf“ wieder „erlauben“ würde…

    …kann ich nicht nach vollziehen. Geschweige der Tatsache, dass ‚mein Kampf‘ schon damals nicht ‚erlaubt‘ war, sondern durch die Hintertür Pflichtlektüre aller deutschen Anhänger der ‚Sache‘ wurde.

    Und Du schreibst da z.B. auch:

    …Nun stelle ich die Frage: Ist die Religionsfreiheit eigentlich vereinbar mit diesen anderen Freiheiten?…

    Sagt denn ‚mein Kampf‘ etwas über die Freiheit der Menschen aus?
    Ich muss gestehen, dass ich ‚mein Kampf‘ noch nicht gelesen habe; vermisse diese Lektüre aber auch nicht, denn es scheint mir klar, dass dieses Buch nichts an Aussagekraft hätte, was meinen Lebensweg ändern, noch tangieren könnte.
    Ich möchte Dich wirklich verstehen, aber da bleiben (wieder) so viele Fragen offen.

    Bist Du nun für die Religionsfreiheit, oder stört Dich insgeheim, dass zumindest hier in Deutschland zu viele Leute aufgrund der Religionsfreiheit mitreden dürfen?

    Verstehe mich bitte nicht falsch, aber Du hast hier schon einmal über Nationalstolz geschrieben und auch ich bin stolz darauf, als Deutscher zum Wohle der Menschheit beitragen zu können, obwohl es mir durch unsere Politik (er) manchmal schwer gemacht wird.
    Aber ich möchte NICHT erleben, dass ich stolz darauf sein sollte, wenn ich im Volksempfänger von den neuesten deutschen Landgewinnen hören müsste.

    Was also veranlasst Dich dazu, Bibeln mit ‚mein Kampf‘ zu vergleichen?

    Keine Angst, ich bin nicht vom Verfassungsschutz (dann hätten die Handschellen auch schon geklickt … 😉 )

    Und ich habe eine vage Ahnung, was Dich bewegt, aber wenn Du dennoch so nett wärest…

    • arprin Says:

      Weder Mein Kampf noch irgendwelche religiösen Bücher sagen was über die Freiheit der Menschen aus, aber beide sind mittlerweile ungefährlich, obwohl es noch viele religiöse Fundamentalisten und Neonazis gibt. Wenn diese Bücher heute erscheinen würden oder damit aktuell ein Großteil der Bevölkerung „aufgestachelt“ werden könnte, würde ich auch ein Verbot begrüßen. Aber wir wissen ja was dort steht und daran wird ein Verbot nichts ändern. Wir verbieten ja auch nicht die historischen Dokumente über die Hexenverfolgungen oder anderen historischen Verbrechen.

      Mein Kampf wird wohl sowieso bald erlaubt sein, da das Bundesland Bayern die Rechte für das Buch im Jahr 2015 verliert. Viele Juden begrüßen das und finden, das es für den Geschichtsunterricht gut geeignet wäre. Und deine „vage Ahnung“ konnte ich beim besten Willen nicht erraten.

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