Libyens Fußballelite gegen Gaddafi

Gaddafis Zeit in Libyen läuft langsam aber sicher ab

Gaddafis Zeit in Libyen läuft langsam aber sicher ab

In Libyen ist Fußball wie in ganz Nordafrika und dem arabischen Raum die beliebteste Sportart. Aber nicht nur das: Es ist- und mit solchen Aussagen sollte man gerade in islamischen Ländern vorsichtig sein- eine Art „Ersatzreligion“ für die Bevölkerung, die auch in unschönen Zeiten für schöne Momente sorgen kann.

Der Einfluss von Fußball auf die Gesellschaft und die Politik in großen Teilen der Welt ist legendär und einzigartig. Nur Cricket in Südasien oder olympische Wettbewerbe haben ähnlichen Stellenwert. Warum? Weil Fußball in Zeiten der Globalisierung eine Weltsprache geworden ist, ein Kommunikationsmittel zwischen den fremden Kulturen oder Ideologien. Heute spielt z.B. die Frauenfußballmannschaft der USA gegen Nordkorea.

Aber man sollte sich nicht zu viel davon versprechen: Denn Fußball ist letzten Endes ein Spiegelbild der Gesellschaft und der Politik. Und wenn diese negativ ist, wird Fußball auch negativ instrumentalisiert. Egal ob nun die faschistischen Länder bei der WM 1934 und 1938, die kollektive Ausgrenzung Israels in den muslimischen Ländern oder die auch im Westen verbreitete Panik von homosexuellen Fußballern vor ihrem Outing, ob unbegründet oder nicht. Die hässlichste Seite des „schönen Spiels“ zeigt sich bei den sogenannten Hooligans, denen schon Hunderte Menschen zum Opfer gefallen sind. Erst gestern kam es in Buenos Aires nach dem auch für mich schockierenden Abstieg vom Traditionsklub und Rekordmeister River Plate zu schweren Ausschreitungen mit vielen Verletzten.

Libyens Fußball kämpft gegen Gaddafi

Eine schönere Nachricht gibt es aus Libyen. Die Fußballelite im Land hat ein Zeichen gegen den Diktator Gaddafi gesetzt:

Libysche Spitzenfußballer und -Trainer haben Diktator Muammar Gaddafi die Gefolgschaft gekündigt und sich den Rebellen im afrikanischen Wüstenstaat angeschlossen. Die Gruppe von 17 bekannten Spielern und Trainer wird angeführt von Nationaltorwart Juma Gtat und Coach Abdel Ben Issa von Al-Ahly Tripolis. Aufgrund ihrer Popularität haben sich die Sportler nach Angaben des Übergangsrates, der Neben-Regierung der Aufständischen in Benghasi, im Anschluss an die Bekanntgabe ihrer Loslösung vom Gaddafi-Regime und ihrer Gründe für die Fahnenflucht nach Mali abgesetzt.

„Gaddafi hat nichts für Libyen getan. Es gibt kein Gesundheitssystem, keine funktionierende Infrastruktur – und das alles wegen der schlechten Führung, die wir in den vergangenen 42 Jahren hatten. Ich selbst habe Gaddafi gesagt, dass er die Menschen in unserem Land von einem neuen und freien Libyen profitieren lassen solle, aber nichts hat sich geändert“, erklärte Gtat.

Ben Issa unterstrich, dass die Gruppe ihre Absetzung ins Ausland als Symbol verstanden sehen will, dass „Libyen einig und frei sein wird“. Der Coach fuhr fort: „Ich hoffe, dass ich eines Morgens aufwache und Gaddafi verschwunden ist.“

Libyens Fußball: Von Ölmilliarden und WM-Bewerbung

Libyen hat im Fußball hat zwar nicht auf sportlichem Wege für Furore gesorgt, wenn man von der spektakulär schlechten Karriere des Gaddafi-Sohns al-Saadi absieht, aber dafür taten sie sich als Sponsoren hervor. Es ist kein Geheimnis, dass der italienische Fußball jahrelang von Gaddafis Ölmilliarden profitiert hat. Der Klubchef vom AC Mailand, der gleichzeitig auch der Präsident des Landes ist, hat sich schon oft in freundlicher Pose mit Gaddafi gezeigt. Da nun aus bekannten Gründen mit dem Gaddafi-Clan nicht so gut bestellt ist, leidet auch der italienische Fußball darunter. Einigen Klubs fehlen Hunderte Millionen. Libyen hatte sich übrigens für die WM 2010 beworben und im Vorfeld klargemacht, dass eine Teilnahme Israels nicht akzeptiert werden würde. Die FIFA nahm sie wohl nicht sehr ernst. Dafür soll im Jahre 2013 soll die Afrikameisterschaft in Libyen stattfinden.

Der „Arabische Frühling“ oder die „Arabellion“ genoss auch tatkräftige Unterstützung von der arabischen Ersatzreligion. Beim Umsturz in Ägypten spielten die Fußball-Ultras eine wichtige Rolle. Ein Dissident sagte sogar: „Die Ultras spielten eine wichtigere Rolle als jede politische Partei“. Das machte auch Eindruck bei den Nachbarn: Nach dem sich die Stadien in Ägypten zu geradezu revolutionären Treffpunkten entwickelten, wurde der Spielbetrieb in Libyen vorsichtshalber eingestellt. Es hat aber nicht geholfen…

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