Archive for Juni 2011

Mugabe auf Stalins Spuren

Juni 4, 2011

Simbabwes greiser Diktator Robert Mugabe

Robert Mugabe, der 87-jährige Diktator von Simbabwe, hat angekündigt, dass in diesem Jahr Wahlen stattfinden sollen. Seit 30 Jahren herrscht Mugabe quasi uneingeschränkt im Land, dass er ins wirtschaftliche Ruin führte. Bei der letzten Wahl vor drei Jahren ist Mugabes Partei, die Zanu PF, eine Koalition mit der MDC um Oppositionsführer Morgan Tsvangirai eingegangen, nachdem seine Schlägertrupps zuvor mehr als 100 ihrer Mitglieder getötet hatten. Doch die Koalition wurde von Tsvangirai als „Farce“ bezeichnet, Mugabe würde immer noch die alleinige Macht besitzen.

Die Armee hat bereits klargestellt, dass als Sieger bei den Wahlen nur Mugabe hervorgehen wird und er bis zu seinem Tod an der Macht bleiben wird. Die Wahlen würden nur dafür abgehalten werden, um die „politische Stabilität“ im Lande zu sichern.

Wie es um die Bereitschaft Mugabes steht, die Macht zu teilen, zeigt diese Anekdote:

Haftstrafe wegen Nutzung der Diktatoren-Toilette

Bei einer Wirtschaftsmesse Anfang Mai im Südwesten von Simbabwe war ein stilles Örtchen für den ewigen Staatslenker Robert Mugabe (inzwischen 87 Jahre alt) reserviert. Streng bewacht von seiner Leibgarde. Sie stand stolz vor der Tür – und versagte doch kläglich, als ein Polizist dem Ruf der Natur folgte. Tür auf, Tür zu. Sekunden später war des Präsidenten Keramik entweiht. Darauf steht – trotz Ermangelung geeigneter Präzedenzfälle – bis zu einem Jahr Gefängnis. So bekam es jedenfalls der unglückliche Polizeihauptmeister tags darauf zu hören, nämlich bei seiner Verhaftung. „Selbst wenn es ein Gesetz gibt, das die Benutzung der Präsidententoilette verbietet, war das doch immerhin ein öffentliches Klo“, echauffierte sich die herbeigerufene Anwältin Beatrice Mtetwa und wies darauf hin, dass eine entsprechende Spezifizierung nirgends schriftlich mitgeteilt worden sei. Sie ist Menschenrechtsanwältin. Also genau die richtige Verteidigerin.

Das Gericht ließ Milde walten- er wurde nur zu zehn Tagen Haft verurteilt.

Wenn er nicht mal bereit ist, seine Toilette zu teilen, werden es seine Gegner wohl auch schwer haben. Das dürften diese auch schon mitbekommen haben: Aus Furcht, dass die Ereignisse im Nahen Osten Auswirkungen auf Simbabwe hätten und nun ein Volksaufstand drohe, hat Mugabe bereits seine Schlächter der „5.Brigade“ aufmarschieren lassen. Auch hat er es sich nicht nehmen lassen, seinem Diktatorenfreund Gaddafi militärischen Beistand zu leisten und Asyl anzubieten. Da erscheint es mehr als zynisch, dass er, als gläubiger Katholik, trotz Einreiseverbots in die EU zur Seligsprechung vom verstorbenen Papst Johannes Paul II. in Rom erschien. (more…)

Der mit den Arabern leidet – Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 6

Juni 3, 2011
Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Die sechste These von Todenhöfer.

These 1, These 2, These 3, These 4, These 5, These 6, These 7, These 8, These 9, These 10

These 6: Die westliche Politik gegenüber der muslimischen Welt leidet unter einer schrecklichen Ignoranz einfachster Fakten.

Einer der Lieblingssätze westlicher Stammtischstrategen lautet: „Wer den Ruf des Muezzins in unseren Städten verlangt, sollte auch in Teheran das Glockenläuten zulassen.“ Die Realität jedoch ist: In Teheran läuten die Glocken von 34 Kirchen, und christliche Kinder haben ihren eigenen Religionsunterricht. In Teheran existieren sieben Synagogen, rund 4000 jüdische Kinder besuchen jüdische Schulen. Es gibt sechs koschere Metzger, zwei koschere Restaurants und ein jüdisches Krankenhaus, dem kürzlich sogar Irans Zündler Mahmud Ahmadinedschad Geld spendete.

Den 25 000 Juden steht verfassungsrechtlich ein Parlamentssitz zu, ähnlich wie den Christen. Selbst Ayatollah Khomeini verfasste 1979 kurz nach der Revolution eine „Fatwa“ zum Schutz der Juden. An vielen iranischen Synagogen stehen seine Worte: „Wir achten die religiösen Minderheiten, die Teil unseres Volkes sind. Der Islam erlaubt nicht, sie zu unterdrücken.“

Die Beziehungen zwischen Juden und Persern sind seit Urzeiten gut. Es war ein persischer König, Kyros der Große, der 538 v. Chr. die Juden aus der Babylonischen Gefangenschaft befreite. Die Bibel nennt ihn den „geliebten Hirten und Gesalbten Gottes“. Juden und Christen haben als „Schutzbefohlene“ im Iran zwar nicht die gleichen politischen Rechte und Pflichten wie Muslime. Aber gewähren wir den Muslimen im Alltag Europas die gleichen Rechte wie Christen und Juden? Gewährt Israel seinen arabischen Mitbürgern in der täglichen Praxis wirklich die gleichen Rechte wie seinen jüdischen Bürgern?

Dieser Absatz behandelt nur die Situation im Iran. Hat sich Todenhöfer aber die Mühe gemacht, die Situation von Christen und Juden in den anderen muslimischen Ländern zu analysieren? Na gut, das wäre aber auch etwas schwerer gewesen, wenn man bedenkt dass es seit 1948 fast keine Juden mehr im Nahen Osten gibt, da als Reaktion auf die Gründung Israels 840.000 Juden gewaltsam vertrieben wurden. Man kann ja nicht etwas tolerieren, was nicht mehr da ist …

Die Christen im Nahen Osten werden massiv unterdrückt. Am schlimmsten ist es in Saudi-Arabien, wo es nicht mal erlaubt ist, eine Bibel zu besitzen oder eine Kirche zu bauen. Im Irak sind seit Beginn der Besatzung im Jahre 2003 mehr als die Hälfte der Christen ausgewandert, da sie immer öfter zum Ziel von terroristischen Anschlägen werden. In Ägypten häufen sich Fälle von Entführungen und Zwangsverheiratungen von jungen Christinnen, in den letzten Wochen seit dem Sturz des Präsidenten Mubaraks gab es auch öfters Anschläge auf Christen. In Nigeria sind Massaker an Christen seit Jahren nichts Besonderes mehr. In der Heimatstadt Jesu, Bethlehem, ist der christliche Bevölkerungsanteil in den letzten 20 Jahren von 60% auf 15% gesunken, die meisten Christen sind geflohen, da sie die Diskriminierungen seitens der palästinensischen Muslime nicht mehr ertragen konnten. In der Türkei werden Christen juristisch benachteiligt, es gab in den letzten Jahren einige Morde an katholischen Priestern. In Pakistan gab es ebenfalls Anschläge auf Kirchen, die christliche Bevölkerung muss außerdem aufgrund eines „Blasphemiegesetzes“ fürchten, wegen geäußerter Kritik am Islam mit dem Tode bestraft zu werden. Und: In so gut wie keinem muslimischen Land ist es erlaubt, Missionierung zu betreiben oder zu einer anderen Religion zu konvertieren. Das ist die Realität, die Todenhöfer so oft und gerne verzerrt. (more…)

Björn Lomborg zum Klimawandel

Juni 2, 2011
Björn Lomborg will, das wir einen kühlen Kopf bewahren

Björn Lomborg will, das wir einen kühlen Kopf bewahren

Björn Lomborg ist keine Person, die den anthropogenen Klimawandel leugnet. Im Gegenteil: Der ehemalige Green Peace-Aktivist ist sich sicher, dass der Mensch mit seinen erhöhten CO2-Ausstößen für den Anstieg der weltweiten Temperaturen seit den 1970ern verantwortlich ist. Aber dennoch gilt er als „Klimaleugner“. Warum?

Weil er es gewagt hat zu behaupten, dass es auf unseren Planeten dringlichere Probleme geben könnte als die globale Erwärmung, wie z.B da wären der Kampf gegen Aids, Malaria und Hunger in der Dritten Welt, die ein vielfaches mehr an Todesopfern fordern und fordern werden als die globale Erwärmung. Ein „Tabubruch“ für Klimatologen. Seine Thesen hat er in seinem 2007 erschienenen Buch „Cool it!“ dargelegt.

Hier eine kleine Leseprobe:

„Es steht außer Frage, dass die Menschheit in den vergangenen Jahrhunderten für eine erhebliche Zunahme des Kohlendioxidanteils in der Erdatmosphäre gesorgt und zu einer weltweiten Klimaerwärmung beigetragen hat. Fragwürdig dagegen ist, dass die einzig mögliche Antwort auf dieses Problem in Hysterie und überhasteten, überzogenen und zu einem nie gekannten Preis erkauften CO2-Einsparprogrammen zu bestehen scheint. In einer Welt, in der Milliarden von Menschen in Armut leben, in der Millionen an eigentlich heilbaren Krankheiten sterben und in der diese Leben gerettet, das gesellschaftliche Zusammenleben gefestigt und die Umweltbedingungen verbessert werden könnten – und zwar zu einem Bruchteil der Kosten -, ist ein solches Vorgehen besonders bedenklich. … (more…)

Der mit den Arabern leidet – Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 5

Juni 1, 2011
Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Die fünfte These von Todenhöfer.

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These 5: Nicht nur in der Bibel, auch im Koran sind die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten die zentralen Gebote.

Beim Vergleich der Texte erweist sich der Koran als mindestens so tolerant wie das Alte und das Neue Testament. Zwar drücken sich Gott und seine Propheten in allen drei Schriften teilweise sehr martialisch aus. So heißt es im Alten Testament im Buch Numeri 31,7.15.17: „Sie zogen gegen Midian zu Feld, wie der Herr es Mose befohlen hatte, und brachten alle männlichen Personen um (…) Er (Mose) sagte zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen am Leben gelassen? (…) Nun bringt alle männlichen Kinder um und ebenso alle Frauen, die schon (…) mit einem Mann geschlafen haben.“

Im Neuen Testament wird Jesus bei Matthäus 10,34 zitiert: „Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ In seinen Tischreden erklärte der wortgewaltige Protestant Martin Luther: „Mit Ketzern braucht man kein langes Federlesen zu machen. Während sie auf dem Scheiterhaufen zugrunde gehen, sollte der Gläubige das Übel an der Wurzel ausrotten und seine Hände im Blute der Bischöfe und des Papstes baden.“ Nicht weniger kriegerisch heißt es im Koran in Sure 4,89: „Sie wünschen, dass ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind (…). Nehmt (…) keinen von ihnen zum Freund, ehe sie sich nicht auf Allahs Weg begeben. Und wenn sie (in offener Feindschaft) den Rücken kehren, ergreift und tötet sie, wo immer ihr sie findet.“

Soll das heißen, dass wir die Muslime und die Christen der heutigen Zeit nicht nach ihren Taten, sondern nach ihren mehr als tausend Jahre alten Texten beurteilen sollen? Wenn es nach Todenhöfer geht, offenbar schon. So heißt es weiter:

Extremisten und Hassprediger in Ost und West vernachlässigen fast immer den historischen Kontext dieser Passagen. Moses, Jesus und Mohammed wurden nicht in ein geschichtliches Vakuum hineingeboren, sondern in eine kriegerische Welt. Bei oberflächlicher Betrachtung wäre das Alte Testament in seinen historischen Ausführungen übrigens das blutigste der drei heiligen Bücher – viel blutiger als der Koran. Jeder Kenner des Alten Testaments weiß jedoch, dass dessen zentrales Gebot – nach dem Gebot der Gottesliebe und der Gerechtigkeit – lautet: „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst!“ (Levitikus 19,18). Auch für Christen sind Nächstenliebe und Gerechtigkeit nach der Liebe zu Gott die wichtigsten Gebote (Matthäus 5,6.10).

Den „historischen Kontext“? Also war es zu Mohameds Zeiten in Ordnung, alle Ungläubigen zu töten, wo man sie findet und heute nicht mehr? In Sure 9, Vers 5 heißt es nämlich:

„Und wenn nun die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Heiden, wo (immer) ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf! Wenn sie sich aber bekehren, das Gebet verrichten und die Almosensteuer geben, dann lasst sie ihres Weges ziehen!“

Für mich ist jede Person, die zum Töten auffordert, ob nun Christ, Muslim oder Atheist, ein moralisch schlechtes Vorbild. Es gibt auch noch viele andere gewalttätige Stellen im Koran. Festzustellen, dass eine Person, die im 7. Jahrhundert in der arabischen Wüste gelebt hat, nicht unbedingt dieselben moralischen Vorstellungen hatte wie eine aufgeklärte Person aus dem 21. Jahrhundert, ist nicht „islamophob“. (more…)