China 1964, Iran 2011: Der Weg zur aggressiven Annäherung

Nixon und Mao auf dem Höhepunkt der Ping-Pong-Diplomatie

Das iranische Atomprogramm schreitet nun schon seit 9 Jahren offensiv voran und die Welt schaut zu wie die Schlange dem Karnickel. Eine Webseite der iranischen Revolutionsgarden (Gerdab.ir) veröffentlichte jüngst einen Text, die fiktive Reaktionen auf einen iranischen Atombombentest beschrieb: “Der Tag nach dem Atombombentest, ein ganz normaler Tag“. Darüber hinaus testete die theokratische Diktatur neue Langstreckenraketen – und erklärte: Diese könnten sowohl US-Stützpunkte in Afghanistan als auch Israel erreichen.

Wie man diese Entwicklung aufhalten könnte, darüber gibt es verschiedene Ansichten. Norman Finkelstein machte den Vorschlag, gar nichts tun, denn wenn Israel oder Pakistan welche haben, darf man sie dem Iran nicht verweigern. Jürgen Todenhöfer will eine Middle-East-KSZE veranstalten, in der alle Konflikte des Nahen Ostens ganz friedlich verhandelt werden. Die sogenannten Bushisten-Neocon-Imperialisten bevorzugen einen harten Kurs mit der „letzten Option“ eines Militärschlags, aber sie haben diese Drohung nie wahr gemacht, da der Irak wichtiger war. US-Präsident Barack Obama träumt von einer atomwaffenfreien Welt, hat die Mullahs jedoch kaum für seine Pläne begeistern können.

Eine kleine historische Reminiszenz ist hier angebracht. Schon einmal standen die USA vor der Herausforderung, ein totalitäres Regime von dem Besitz der Bombe abzuhalten. Und auch hier stand in gewisser Weise der Weltfrieden auf dem Spiel. Die Lösung hieß damals „Ping-Pong-Diplomatie„, benannt nach dem Nationalsport des Landes. Die Amerikaner machten ihrem Todfeind schlicht ein Angebot, dass sie nicht ablehnen konnten.

Die Atom-Mullahs und der Dritte Weltkrieg

„1964 standen die USA schon einmal vor einer ähnlichen Lage wie beim Iran. Damals ging es um die werdende Atommacht China. China gehörte zwar nicht den UN an, sagte kein Wort zum Holocaust und beherbergte keine Terroristen, die Massenmord in den USA begangen hatten. Aber es gab auch viele Parallelen.

Mao Tse-tung rief zum nuklearen Weltkrieg gegen die USA ausdrücklich auf. Er sagte, der Sieg des Sozialismus sei 300 Millionen Tote wert. War das geistig so weit entfernt von einem Selbstmordbomber? Mao bot Kairo die Atomwaffe an, das wusste das Weiße Haus bereits 1964. War das keine tödliche Bedrohung Israels? Mao schickte über 100000 Soldaten nach Vietnam, die zumeist im Norden, einige aber auch im Süden auf US-Soldaten schossen.

Das wusste Washington 1964 noch nicht. Ist das ein Unterschied zur iranischen Hilfe für irakische Attentäter? Peking half kommunistischen Parteien in Birma und in Indonesien, die sich auf die Minderheit der Chinesen dort stützten und für Angriffe auf US-Einrichtungen ausgebildet wurden. Ist Teherans Hilfe für die Hisbollah im Libanon kein Parallelfall?

Washington erwog, Chinas im Aufbau begriffene Atomanlagen zu zerstören. Das Weiße Haus prüfte alle Optionen, die heute mit Blick auf Teheran erwogen werden. Luftschläge nur auf die Atomanlagen oder auch auf die politische Kommandostruktur? Regimewechsel, ja oder nein? Einsatz taktischer Atomwaffen, nur konventionelle Angriffe oder auch Einsatz von Special Forces aus Taiwan? Was tun die Nachbarn Chinas, falls wir nichts unternehmen? Beschaffen sie sich Atomwaffen?

Es gab auch dieselben Risiken. Wissen wir genug? Wie stehen die USA da, wenn China nach einem Angriff trotzdem eine Bombe zündet, weil wir nicht alle Anlagen kannten? Schweißt ein Angriff die Chinesen hinter Mao zusammen? Glaubt die Welt, dass der Krieg nötig war? Man kann das alles in den Akten nachlesen.

Washington entschied sich gegen einen Präventivschlag. Die Joint Chiefs empfahlen stringente Schutzzusagen für die Nachbarn, und sie empfahlen, die Nerven zu behalten. Das Weiße Haus verzichtete auf Drohungen gegen Peking. Über die möglichen politischen Kosten eines Angriffs schrieb das State Department 1967: „Unsere Politik gegen die chinesische Aggression wird verwechselt mit dem angeblichen Unwillen, den Realitäten der künftigen Macht Chinas ins Auge zu blicken.“ Der Satz fiel auf dem Höhepunkt der Kulturrevolution, als China den Verstand verlor, ins Chaos glitt und zugleich seine erste Megatonnenbombe bejubelte.

Das Weiße Haus ließ prüfen, ob die Roten Garden Atomwaffen bedienen könnten, blieb aber auch jetzt noch nach außen ruhig. Richard Nixon analysierte die Lage, hielt einige abwägende Wahlkampfreden an die Adresse Maos und schickte statt Raketen Henry Kissinger nach Peking.

Es war Machiavellismus im Spiel: China als Feind zu verlieren war wichtiger als Südvietnam zum Freund zu haben. Wer machiavellistisch wäre, würde heute sagen: Ein nuklearer Iran, der ein Partner Washingtons wäre, ist besser als das Chaos im Irak, der löchrige Sperrvertrag, und ein dritter Weltkrieg.

Neben Israel eine zweite nicht arabische, nicht sunnitische Atommacht im Nahen Osten an sich zu ziehen wäre besser, als den Iran zum Feind zu haben und sich auf Freunde wie Pakistan zu stützen, das dem Sunniten Osama Bin Laden ein Nachtlager in der Nähe von Atombomben anbietet. Es wäre besser, eine neue Nuklearmacht einzubinden, statt sie zu vernichten – dieses eine Mal noch. Danach braucht die Welt ein eisenhartes neues Nichtverbreitungsregime.“

Da dieser Artikel aus dem Jahr 2007 stammt, wird der demokratische Präsidentschaftskandidat John Edwards als der bestgeeignetste Mann für den Friedensausbruch zwischen Amerika und dem Iran betrachtet. Dabei war Nixon ein Republikaner- allerdings können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass McCain sich für seine Iranpolitik nicht an Nixons Chinapolitik orientiert hätte. Wie auch immer, im Weißen Haus herrscht jetzt der Obamaismus. Aber möglicherweise ist das gar nicht so schlecht. Denn wem kann man eine aggressive Annäherung besser zutrauen als dem Friedensengel Barack Obama?

Immerhin konnte Kennedy mit Chruschtschow reden, Nixon mit Mao, Carter und Begin mit Sadat, Reagan mit Gorbatschow usw., und das nach Jahrzehnten voller hasserfüllter Feindschaft. Also: IAEA-Inspekteure nach Iran im Austausch gegen Wirtschaftshilfe. Ein militärischer Einsatz sollte als Option gewahrt werden, aber vielleicht ist es auch Zeit für die „Fußball-Diplomatie“, anstatt sich auf Freunde wie Saudi-Arabien und Pakistan verlassen zu müssen.

Aber ernsthaft: Irgendwann müssen die Mullahs sowieso aus dem Amt gejagt werden. Hoffentlich dauert’s nicht so lange wie bei den Kommunisten in China.

Eine Antwort to “China 1964, Iran 2011: Der Weg zur aggressiven Annäherung”

  1. American Viewer Says:

    wir reden sicher auch mit den iranern. nur eben hinter den kulissen, auf umwegen vielleicht und wahrscheinlich auch nicht auf höchster ebene.

    der vergleich mit china hinkt ein bisschen. mao wollte sich ja öffenen. seine antiamerikanismus war nicht prinzipiell, er hat uns durchaus bewundert. wir wollten im gegenzug den größten markt der welt endlich öffnen. die udssr ist bei den chinesen zudem in ungnade gefallen und wir hofften so den keil weiter zwischen die beiden treiben zu können. im iran ist das alles nicht der fall. der iranische staat beruht ganz elementar israel- und usa-hass. es wäre reichlich schwierig für achmadinedschad eine umarmung mit obama seinem volk zu verkaufen.

    der iran hat uns auch nichts wirklich brauchbares anzubieten. außerdem haben wir dort unten schon genug verbündete. verbündete, die in der regel todfeinde des iran sind. fußball-diplomatie mit dem iran macht also keinen sinn. zumal der iran und wir, beide nicht gut sind, in fußball. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.


%d Bloggern gefällt das: