„Warum tötest du, Zaid?“- „Weil ich ein Terrorist bin, Jürgen“

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Wenn es möglich wäre, zu einem anderen Volk zu konvertieren, dann wäre Jürgen Todenhöfer schon längst zum Arabertum übergetreten. Seine Rolle hört sich in etwa so an wie die, die Schindler für die Juden oder Las Casas für die Indios hatte: Er kämpft für die Unterdrückten und Entrechteten und spricht Wahrheiten aus, die sich sonst keiner traut. Der ehemalige Top-Manager hat sich zudem, wie er es schildert, in die arabische Kultur verliebt.

Nun könnte man meinen, dass er als „Araber im Geiste“ jetzt gerade ganz besonders für die Unterdrückten und Entrechteten des Arabischen Frühlings kämpft. Die 30-50.000 toten Libyer, die 2.300 toten Syrier, die ewigen Proteste im Jemen. Viel Stoff für den Schindler unserer Zeit, oder?

Nein.

Das einzige, was ihm zu Syrien einfiel, war Propaganda für Assad zu machen. Zu Libyen sagte er, dass der französische Präsident und der Generalsekretär der UN nach Bengasi fahren und damit ein Zeichen der Solidarität mit den Freiheitskämpfern setzen sollten, worauf Gaddafi sofort den Beschuss der Rebellen-Stellungen einstellen würde. Ein toller Plan, der perfekt gewesen wäre, wenn Gaddafi eingewilligt hätte.

Jürgens Durchbruch als Schindler der Araber geschah während des Irakkriegs. Er entschloss sich zu einer historischen Reise, um, wie er es für die Nachwelt ausdrückte, den „wahren Krieg“ zu sehen, den die von Amerika kontrollierten Medien wie die Sueddeutsche oder die junge Welt der Bevölkerung vorenthalten. Sein Buch „Warum tötest du, Zaid?“ wurde zum Bestseller. Als Highlight des Buches kann man sicherlich die „10 Thesen“ betrachten, mit denen ich mich bereits gründlich auseinandergesetzt habe. Außerdem erzählt uns JT, wie er auf dem Trimmrad den Koran las und dabei von den vorurteilsgeladenen Deutschen schief angeguckt wurde, zeigt uns „Bilder des Krieges“ und vergleicht am Ende des Buches Zitate aus der Bibel mit dem Koran. Die Feststellung: Beide haben gewalttätige Stellen, sind aber „eigentlich“ gut gemeint. Eine geradezu revolutionäre Erkenntnis.

Todenhöfers Iraklügen

Den Inhalt des Buches kann man so zusammenfassen: JT fliegt nach Syrien, dort trifft er Abu Saeed und sie fahren nach Ramadi zusammen. Ramadi gehört zur hauptsächlich sunnitischen Provinz Anbar. Dort gab es überdurchschnittlich viele Terroranschläge, vor allem die Stadt Falludscha ist durch die andauernde Gewalt weltbekannt geworden.

JT trifft in Ramadi auf fünf irakische „Widerstandskämpfer“ mit den Namen Zaid, Omer, Rami, Mohammed, Ahmed und den Christen Yussuf. Sie entschlossen sich in den Widerstand zu gehen, als sie den Vernichtungskrieg der US Army mit eigenem Auge miterlebten. JT sagt, Zaid und viele andere wollten vorher nie in den „Widerstand“ gehen. Zwei Brüder von Zaid wurden von Soldaten getötet, seitdem versucht er, so viele amerikanische Soldaten wie möglich zu töten. Er gibt an, drei Soldaten getötet zu haben, will aber noch mehr töten (deswegen der Titel Warum tötest du, Zaid?).

Von seiner Reise zeigt Herr Todenhöfer den Leser 13 Fotos. Das Datum ist auf keinem Photo zu sehen. Herr Todenhöfer hat kein einziges Foto gezeigt, das beweist, dass er wirklich in Ramadi war. Von Zaid gibt es ebenfalls kein glaubwürdiges Foto, sondern nur durch eine mit einem großen Tuch umhüllte Person (den Cover des Buches). JT war übrigens schon vor 2003 mehrere Male im Irak. In dieser Zeit hat er kein Buch geschrieben wie „Warum schlachtest du dein Volk, Saddam?“. Er hat die Opfer darüber hinaus auch noch verhöhnt, er nannte die Baathisten, die Irak zur Zeit von Saddam regiert haben, mehrere Male „Widerstandskämpfer“.

Eine verdächtige Clique

Nun ein paar Textauszüge, die die verschiedenen Widerstandskämpfer charakterisieren. Über Zaid kann man in seinem Buch folgendes lesen:

(S. 75): „Als der Krieg im März 2003 dennoch ausbricht, ist Zaid fest davon überzeugt, dass Irak gewinnen werde. Er glaubt Saddam Hussein, der mehrfach gesagt hatte, die USA hätten gegen Irak keine Chance“.

Eine verdächtige Aussage. Wir wollen nicht daraus schließen, dass Zaid ein Saddam-Anhänger war, aber merkwürdig ist das schon.

Über Omer schreibt er folgendes:

(S. 80): „Omer ist gläubiger Muslim und gleichzeitig Nationalist, baathistischer Nationalist, wie er sagt…Er sei stolz darauf, wie aufrecht Saddam Hussein in den Tod gegangen sei“.

Omer ist also ein eindeutiger Anhänger des Völkermörders Saddam, der zig-mal mehr Iraker getötet hat als die Amerikaner- und kämpft nun gegen die Amerikaner. Er war bereit, seine Geschichte zu erzählen. Worüber er gar nicht erzählt hat, waren die Foltermethoden, die die Baathisten gegen Hunderttausende Iraker verwendet haben. JT hat ihn auch nicht danach gefragt.

Über Mohammed sagt uns JT:

(S. 82): „Mohammed ist Schiit. Als Mitglied der Baath-Partei hat er sich einige Wochen nach der amerikanischen Invasion dem Widerstand angeschlossen. Er ist heute Führer einer »Vereinigten Widerstandsgruppe« aus Nationalisten, Baathisten und gemäßigten Islamisten.

Mohammed war also Mitglied von Saddams Baath-Partei. Unter Saddam wurden Schiiten (und Kurden) grausam verfolgt, über 300.000 sind dabei gestorben. Mohammed, der selbst Schiit ist(!), hat das aber offenbar nicht gestört. Und nun stört es ihn nicht, mit den ehemaligen Opfern der Saddam-Diktatur zusammen auf Soldatenjagd zu gehen Widerstand zu leisten. Und JT stört es natürlich auch nicht.

Interessant ist auch folgendes- JT beschreibt, wie sich der Widerstand finanziert:

(S. 83): „Die Baathisten arbeiteten mit den gemäßigten Islamisten aus vielerlei Gründen zusammen. Einer sei, dass sie selbst kaum Finanzierungsquellen hätten, während die gemäßigten Islamisten private Spenden aus den Golfstaaten erhielten.

Soll heißen: Der Iran und seine Alliierten finanzieren den islamistischen Terror und JT ist damit einverstanden, weil es gegen die USA geht. Der „irakische Widerstand“ hat den größten Anteil an den 66.000 getöteten Zivilisten im Irak nach 2003 zu verantworten. Weitere 15.000 Sicherheitskräfte und 4.000 ausländische Soldaten sind getötet worden (wahrscheinlich also rund 80.000 Tote durch den „irakischen Widerstand“) sowie 24.000 „Aufständische“- so die Bezeichnung für den irakischen Widerstand (die Zahlen stammen von Wikileaks). Unter Saddam waren im Vergleich dazu in einem einzelnen Jahr, 1988, 182.000 und 1991 nochmals 100.000 Zivilisten getötet worden. Soviel zu „Unter Saddam ging es dem Irak besser“.

Kommen wir noch mal zurück zu Yussuf. Ein Christ kämpft zusammen mit Baathisten und „gemäßigten“ Islamisten? Na gut, die Amerikaner und Briten haben auch mal mit den Sowjets zusammengearbeitet, aber so eine Clique ist noch eine Stufe verrückter.

Nach einigen Seiten entpuppt sich Yussuf als Quoten-Christ. Er sagt nämlich Sätze, die sich ziemlich nach JT anhören:

(S. 92):“Yussuf ist nur einer von vielen christlichen Widerstandskämpfer des Irak.

(S. 93): „Bush sei für ihn so wenig Christ, wie bin Laden für ihn ein echter Muslim sei.

(S. 95): „Jetzt gebe es nur noch 600 000 Christen, und denen gehe es verdammt »dreckig«. Unter Saddam Husseins Diktatur seien die Christen viel besser dran gewesen als unter der »Militärdiktatur« Bushs.

(S. 96): „Sagen Sie Ihren Leute in Deutschland, dass im Irak nicht nur Muslime gegen die USA kämpfen, sondern auch Christen.

Ja, JT, hat Yussuf da gesagt oder haben sie es ihm in den Mund gelegt?

Unter Saddam ging es den Christen zwar besser, aber wie in jedem anderen muslimischen Land waren sie nicht wirklich gleichberechtigt. Während Saddams Kriegen starben viele im militärischen Bereich, etliche haben damals den Irak verlassen. Das Mann-Frau-Verhältnis lag vor Saddams Sturz bei 1:8. Hat Yussuf das nicht mitbekommen?

Und weiß Yussuf nicht, wer die Christen im Irak zurzeit verfolgt? Es sind nicht die Amerikaner, die Priester entführen und Kirchen wegbomben. Für mehr Informationen siehe hier:

Extremisten versetzen Christen im Irak in Angst
Die toedliche Jagd auf die irakischen Christen
Warum die Christen im Irak aussterben

Aber es kommt noch besser. Yussuf legt folgendes nach:

(S. 96): “Saddam Hussein sei seiner Meinung nach ein zu harter Diktator gewesen. Aber die amerikanische Militärdiktatur, die seit der Invasion herrsche, sei im Vergleich dazu viel härter, brutaler und blutiger.

Alles klar? Saddam ein „zu harter Diktator“. Und Hitler war ein „zu harter Nationalist“.

JT beschreibt auch die Ansichten von Rami:

(S. 100): „Er kämpfe für einen islamischen Irak mit dem Koran als Grundlage der Verfassung. Er wolle, dass die Scharia beachtet werde.

Saddam-Anhänger, Christen und „gemäßigte“ Islamisten- das klingt schon mehr als phantasievoll, aber dann noch ein richtiger, echter Islamist?

Der absolute Höhepunkt kommt jetzt:

(S. 101): „Ich frage ihn, wie er zu Al-Zarkawi und bin Laden stehe. Rami erklärt, er bewundert beide. Mit Al-Zarkawi hätte er gerne zusammengearbeitet, weil dieser den US-Truppen schwere Verluste zugefügt habe. Auch bin Laden beeindrucke ihn, weil er den Mut gehabt habe, sich den USA offen entgegenzustellen.

Rami ist also kein gemäßigter Islamist, sondern ein ganz gewöhnlicher. Was für JT so alles als Widerstandskämpfer durchgeht! In vielen öffentlichen Auftritten behauptet er, im Irak gebe es nur 1.000 Terroristen, dafür aber 100.000 „echte“ Widerstandskämpfer. Wenn ein al-Qaida-Bewunderer als „echter“ Widerstandskämpfer durchgeht, dann bin ich gespannt, wo für JT die Grenze zwischen „echten“ Widerstandskämpfern und Terroristen liegt…

JT sagt in seinen 10 Thesen folgendes dazu:

„Von diesem fast immer ausländischen Terrorismus gegen Zivilisten streng zu unterscheiden ist der legitime, multikonfessionelle irakische Widerstand gegen die ausländische Besatzung. Dieses Widerstandsrecht kann den Irakern niemand nehmen. Es ist ein zeitloses, unantastbares Recht aller Völker. Die große Mehrheit der irakischen Bevölkerung steht hinter diesem Widerstand, der Angriffe auf Zivilisten ausdrücklich ablehnt. An diesem Widerstand beteiligen sich nicht nur sunnitische und schiitische Muslime, sondern auch Christen. Die Zahl der christlichen Widerstandskämpfer im Irak ist höher als die der Al-Qaida-Kämpfer. Auch Frauen kämpfen im multikonfessionellen irakischen Widerstand. Ist das wirklich überraschend? Was würden wir tun, wenn feindliche Panzer auf unseren Straßen stünden? Sind nur befreundete Widerstandskämpfer „Freiheitskämpfer“, andere aber immer „Terroristen“?“

Ein Beispiel dazu: die Mahdi-Armee des radikalen Schiitenpredigers Moktada al-Sadr hatte rund 60.000(!) Mitglieder. Waren das für JT etwa „echte“ Widerstandskämpfer? Es gibt doch nur 1.000 „echte“ Terroristen im Irak, oder…?

Jürgen und der „christliche Widerstandskämpfer“ Yussuf

Merkwürdig ist auch folgendes: Yussuf sagte einige Seiten zuvor:

(S. 94): „Auch Christinnen müssten in zwischen Schleier tragen, weil die Invasion sunnitische und schiitische Extremisten nach oben gespült habe.

(S. 94): „Weil die meisten amerikanischen Besatzer Christen sind, werden wir irakischen Christen von al-Qaida als Teil der Besatzung angesehen. Also verfolgen sie uns.

Yussuf ist gegen bin Laden und gegen al-Qaida, aber Rami bewundert bin Laden und ist für einen Staat auf Grundlage von Koran und Scharia??? Spätestens jetzt wird klar: JT betreibt Leserverarschung!

JT fand es wohl selbst zu unglaubwürdig, dass der „Christ“ Yussuf so viel Mut haben kann um vor al-Qaida-Kämpfer Rami und anderen Islamisten gegen Islamisierung und bin Laden sprechen zu können. Er hat versucht, dieses Problem mit einem einfachen Trick zu lösen:

(S. 78): „Ich habe Schwierigkeiten, im düsteren Licht des schmucklosen Raums, in dem nur drei alte Sessel und ein niedriger Holztisch stehen, etwas zu erkennen.“

Ein Sessel für Herrn Todenhöfer, ein für Abu Saeed (wegen der Übersetzung) und der dritte Sessel für den „Christ“ Yussuf. Rami und die anderen Islamisten mussten im Garten bleiben, bis der „Christ“ Yussuf mit dem Schimpfen gegen Schleier, Islamisierung, al-Qaida und bin Laden fertig war.

Unter These 3 (S. 176) schrieb JT: „An diesem Widerstand beteiligen sich nicht nur sunnitische und schiitische Muslime, sondern auch Christen. Die Zahl der christlichen Widerstandskämpfer im Irak ist höher als die der al-Qaida-Kämpfer… Ist das wirklich überraschend?

Als Quellenanagbe für diese unsinnige Behauptung nennt JT: „Beispielbeweise O.V: Christians may take up arms.“ Er hat den Link zur Webseite News24 und einen kurzen Auszug aus gleicher Quelle angegeben.

Und was steht da?

„Christians may take up arms “

Ok, aber gegen wen erheben sie sich?

“Damascus – More than 1 500 members of an Iraqi Christian group have gone to northern Iraq to try to protect Christians following attacks on churches in Baghdad and Mosul, the leader of the group said pm Saturday.”

Die Christen wollten ihre Kirchen schützen, die von Islamisten angegriffen wurden! Was haben diese Christen mit dem „Widerstand“ gegen die amerikanische Besatzung zu tun???

„In an interview, Yonadem Kana, the leader of the Assyrian Democratic Movement in Iraq and a member of the Iraqi National Council, said the fighters have been deployed in Baghdida near the northern city of Mosul.“

Yonadem Kana ist ein Mitglied der neuen irakischen Regierung, die mit den USA zusammenarbeitet! Wie kann er gleichzeitig gegen die Amerikaner kämpfen?? Yonadem Kana hat lange Zeit für irakische Opposition gearbeitet. Die irakischen Widerstandskämpfer haben ihn mit dem Tode bedroht!

Die irakischen Widerstandskämpfer, von denen JT schwärmt (Zaid, Omer usw.) betrachten die irakischen Christen als Freunde der Amerikaner und bringen sie deshalb um oder zerstören ihre Kirchen. Das hatte ja auch Yussuf berichtet.

Da die „Widerstandkämpfer“ und andere Terroristen offenbar keinen einzigen irakischen Christen gefunden haben, der sie unterstützt, haben sie am 29. Februar den Erzbischof Paulos Faraj Rahho entführt. Sie forderten, dass die Christen im Irak gegen US-Truppen kämpfen, siehe hier: Islamisten fordern Kampf der Christen im Irak gegen US-Truppen. Sie haben neben Geld auch politische Forderungen für die Freilassung ihrer Geisel gestellt: So sollte die chaldäisch-katholische Kirche Waffen für islamistische Terroristen beschaffen und in ihren Gotteshäusern verstecken. Wenn die chaldäisch-katholische Kirche keine christlichen Selbstmordattentäter zur Verfügung stelle, müssten die Christen die Region verlassen.

JT versuchte diese Verbrecher, die er „Widerstandskämpfer“ nannte, auf Kosten der Opfer zu unterstützen- auf Kosten der irakischen Christen. Dieses Buch verhöhnt die irakischen Christen aufs Schlimmste. Wozu sein Buch so alles gut ist, zeigt eine Anekdote. Am 27.März 2008 schrieb Al-Jazeera: „In seinem Buch zeigt Herr Todenhöfer, dass die Christen im Irak nicht verfolgt werden.“ Na super Leistung, JT!

JT hat auch diese zwei Quellen angegeben: „Wer bleibt stirbt“ (Spiegel) und „Unheilige Schutzmacht“ (Zeit). Dort hätte er eigentlich auch lesen können, wie es den irakischen Christen wirklich geht.

Propaganda für Rassisten und Mörder

Man darf den von der al-Qaida organisierten sunnitischen „Widerstand“ nicht als legitimen irakischen Widerstand betrachten. Es gibt keine gemäßigten al-Qaida-Mitglieder, das sind alles menschenverachtende Mörder und Rassisten. Der Versuch diesen „Widerstand“ als legitimen, multikonfessionellen  irakischen Widerstand zu zeigen, ist äußerst obszön. Etwa 95 % der Bevölkerung im Irak sind muslimisch. Davon sind über 60 % Schiiten und knapp 35 % Sunniten. 15–20 % der Sunniten sind ethnische Kurden. JT war nur in der sunnitischen Stadt Ramadi. Er war nicht in schiitischem Gebiet (in der wiederum vom Iran finanzierte schiitische Milizen ihr Unwesen treiben), nicht bei den Kurden. Trotzdem versuchte Herr Todenhöfer mit nur fünf Personen diesen „Widerstand“ als multikonfessionell darzustellen. Die Wahrheit ist: Im Irak tobte zur Zeit, in der JT den Irak besuchte, eher ein Bürgerkrieg als ein Kampf gegen die amerikanische Besatzung.

Ich kann ihnen nicht die Wahrheit über den Irakkrieg verraten, aber ich kann ihnen die Wahrheit über dieses Buch verraten: Es gab mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Zaid, keinen Ausflug nach Ramadi und vor allem keinen Yussuf. Es handelte sich alles um Propagandalügen von Herrn Todenhöfer. Er wünscht sich einen „zivilen Widerstand“, er wünscht sich einen „christlichen Widerstand“ und er wünscht sich einen Zaid, der auf Soldatenjagd geht. Die Figur Zaid, von der es kein glaubwürdiges Foto gibt, sondern nur als eine mit einem großen Tuch umhüllte Person (den Cover des Buches) dargestellt wird, diente wohl nur dazu, seine Rachegefühle auszuleben. Offenbar findet er es in Ordnung, wenn seine irakischen al-Qaida-Kämpfer Widerstandskämpfer amerikanische Soldaten töten.

Dieses Buch ist reine Propaganda für den islamistischen Terror, für Rassisten und Mörder und verhöhnt die Opfer der Saddam-Diktatur und der islamistischen Terroristen. Er besucht Personen, die sich als Bewunderer von bin Laden und Saddam ausgeben und ausdrücklich zugeben, dass sie amerikanische Soldaten töten wollen. Für JT sind sie aber „Widerstandskämpfer“.

JT rechtfertigt das auch noch ziemlich unverblümt:

„Selbstverständlich wären gewaltfreie Aktionen im Stil Mahatma Gandhis oder Martin Luther Kings jedem gewaltsamen Widerstand vorzuziehen, auch dem legitimen Widerstand… Aber haben wir der Welt nicht jahrhundertelang vorgeführt, dass nur der Gewalttätige Erfolg hat?“

Er behauptet, es gebe jeden Tag(!) etwa 100 Militäraktionen der Amerikaner, um den irakischen Widerstand zu brechen und dass jeden Monat 6.000 Iraker(!) dadurch getötet werden, während es nur ein paar Selbstmordanschläge pro Tag gäbe. Nichts könnte von der Wahrheit mehr entfernt sein. Dabei wollte uns JT doch den „wahren Krieg“ zeigen…

Hier noch ein nettes Zitat des al-Qaida-Bewunderers Rami:

(S. 101):“Obwohl er nie Anhänger der Baath-Partei gewesen sei, habe er geweint, als er im Fernsehen gesehen habe, wie Saddam Hussein gehängt wurde. Saddam Hussein sei kein guter Herrscher gewesen, aber unter ihm habe es Sicherheit und Frieden gegeben. Das Chaos im Irak zeige, dass das Land einen starken Mann brauche. Er fragt mich ob Besatzung und Chaos, so wie es der Irak durch die Invasion der Amerikaner jetzt erlebe, besser seien als die Diktatur Saddam Husseins.

Na, waren SIE das etwa, der geweint hat, JT…?

„Bilder des Krieges“

Ein weiteres Propagandastück sind die so betitelten „Bilder des Krieges“ bzw. „Bilder des Kolonialismus“.

JT zeigt zuerst ein Bild der brennenden World Trade Center, gefolgt von einem Bild trauernder Muslime in Jordanien. Warum zeigt er trauernde Muslime nach 9/11? Was bezweckt er damit? Was hat dieses Bild mit Krieg zu tun? Er zeigt kein einziges Bild von den Millionen Demonstranten gegen den Irakkrieg. Dabei waren nachweislich viel mehr Europäer gegen den Irakkrieg als Muslime gegen Osama bin Laden. Die propagandistische Botschaft von JT: Die Muslime verüben zwar auch Massenmorde, aber sie bereuen ihre Taten zumindest. Als ob kein Amerikaner gegen den Irakkrieg demonstriert hätte.

Einer Umfrage vom Pew Research Center zufolge hatten im Jahre 2005 60% der Jordanier, 51% der Pakistaner 35% der Indonesier und 26% der Marokkaner „Vertrauen“ in Osama bin Laden. Im Jahre 2003 hatten noch 58% der Indonesier und 49% der Marokkaner diese Meinung geäußert, in Pakistan aber nur 45%. In einer noch aktuelleren Umfrage vom Jahre 2010 gaben 48% der Nigerianer, 25% der Indonesier, 19% der Ägypter und 18% der Pakistaner und 14% der Jordanier an, dass sie „Vertrauen“ in den Terrorfürsten hätten. Zum Vergleich: 90% der Briten, 91% der Spanier, 77% der Franzosen, 71% der Deutschen, 61% der Italiener, 84% der Belgier und 90% der Niederländer waren gegen den Irakkrieg. Mehrere Millionen haben gegen ihn demonstriert, und auch wenn sicher mehrere Millionen Muslime gegen bin Laden waren, so gab es in der muslimischen Welt mehr Demonstrationen für als gegen ihn.

Danach sieht man nur grausame und zutiefst verstörende Bilder von Irakern, die Opfer von US-Angriffen wurden, einem Kind ist der gesamte Oberkörper abgebrannt, einem anderen sind die beiden Arme amputiert worden und einem anderen ist ein Teil seines Beines abgefallen, aus dem seine Knochen herausschauen. Auch verwundete US-Soldaten sind dabei, sowie Bilder von toten irakischen Kindern während der Sanktionen gegen das Saddam-Regime. Auch hier sind die Bilder reine Propaganda. Die Tatsache, dass die Selbstmordanschläge im Irak um ein vielfaches mehr Opfer gefordert haben als alle militärischen Aktionen der USA, wird von ihm einfach ignoriert. Dramatische Einzelschicksale werden selektiv ausgewählt, die zu seinen politischen Vorstellungen passen und sie rechtfertigen sollen.

Wir sehen auch ein iranisches Plakat mit einem Bild von gefolterten Guantanamo-Häftlingen mit der Aufschrift „So sieht uns die muslimische Welt“. Zwei Fragen dazu: Findet er es in Ordnung, eine ganze Region nur mit den Taten einer Minderheit zu verbinden und weiß er, wie es in den iranischen Gefängnissen aussieht? Die USA könnten auch Bilder von zerfetzten Leichen der Opfer von Saddam, Bashir oder al-Qaida aufhängen mit der Aufschrift: „So sehen wir die muslimische Welt.“ Aber das wäre in der Tat pauschalisierend, denn die muslimische Welt besteht nicht nur aus Islamisten und Völkermördern. Aber der Iran darf es mit dem Westen machen, findet JT.

Und so sieht es in iranischen Gefängnissen aus: Sie werden geschlagen, gefoltert, vergewaltigt und in schlimmster Weise unterdrückt. Aber JT hat leider keine Zeit, sich auch darum zu kümmern.


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