Arabian Hollywood

Wer kennt Pallywood?

Im arabischen Raum ist Propaganda weitverbreitet. Die eindeutige Nummer 1 hierbei ist Pallywood-Industrie, die es regelmäßig in die weltweiten Nachrichten schafft und die mediale Darstellung des Nahostkonflikts komplett beherrscht. Aber der Arabische Frühling hat die Schauspielkünste von Millionen Arabern geweckt, die es nicht erwarten können, ihren palästinensischen Brüdern nachzueifern. „For the World, the Web and CNN“, wie das Motto der Mavi Marmara-Aktivisten lautete. Vergessen sie Holly-, Bolly- und Nollywood, Arabian Hollywood beherbergt die vielversprechendsten Talente der Film- und Propagandaindustrie.

Es fing schon in Tunesien an: der Obsthändler Mohamed Bouazizi hatte durch seine Selbstverbrennung die Proteste in dem Land ausgelöst. Seine Geschichte hatte das ganze Land empört: Er wurde angeblich von einer Polizistin öffentlich gedemütigt und körperlich misshandelt, nachdem sie ihn zuvor ausgeplündert hatte. Bouazizi, der- so hieß es- über einen Hochschulabschluss verfügte, war dermaßen frustriert, dass er sich mit Benzin übergoss und dann anzündete. Das Feuer, das die ganze arabische Welt in Brand setzte, könnte man meinen. Erst später kam raus: So ganz stimmte seine Geschichte nicht.

Bouazizi war nämlich kein arbeitsloser Hochschulabsolvent, wie zunächst verbreitet wurde, sondern nur ein armer Straßenhändler. Und er wurde wahrscheinlich auch nicht von einer städtischen Ordnungshüterin gedemütigt und geschlagen. „In der Tat, wir haben uns das alles ausgedacht“, sagte ein tunesischer Gewerkschaftsangehöriger der französischen Tageszeitung „Libération“. Mit der Geschichte vom „diplomierten Opfer“ sollte das tunesische Bildungsbürgertum zu Protesten gegen das Regime motiviert werden, mit der von einer schlagenden Beamtin die konservative Landbevölkerung. Die Polizisten Hamdi wurde bereits freigesprochen. Das Internet machte ihn zum politischen Märtyrer. Bouazizi war jedoch selbst nicht an Politik interessiert, berichteten Freunde.

Wie Facebook Mubarak zu Fall brachte

In Ägypten gab es genauso wie in Tunesien genug Gründe, zu revoltieren. Das hinderte die Demonstranten nicht, die Bevölkerung mit gezielten Desinformationen zu mobilisieren. Die junge Bevölkerung des Landes war eher unpolitisch, die ersten Demonstrationen gegen Mubarak konnten nur einige Hunderte auf die Straße bringen. In Kairo waren immerhin 15.000 auf die Straße gegangen, aber dies stellte keine größere Gefahr für das Regime dar. Was danach folgte, kann man unter dem Titel „Facebook killed Mubarak“ zusammenfassen.

In den sozialen Netzwerken wurde die Behauptung aufgestellt, es gebe bereits 100.000 Demonstranten in Kairo und dass das Regime kurz vor dem Ende stehe. Der Sohn des Präsidenten sei bereits geflohen und Mubarak würde ihm bald nachfolgen, behaupteten die Organisatoren der Demonstrationen. Auch das Ausland beteiligte sich an dieser Desinformationskampagne: Eine Demonstration hatte 5.000 Teilnehmer, während Al-Jazeera von 150.000 sprach.

Mubarak bekam es mit der Panik zu tun, er schien den Berichten ebenfalls zu glauben. Mehr als 800 Demonstranten wurden getötet, aber er konnte den Lauf der Dinge auch mit dieser Gewalt nicht mehr verhindern. Das Militär hatte früh angekündigt, nicht auf das eigene Volk zu schießen, die Sicherheitskräfte übernahmen diese Aufgabe. Am Ende entschied sich die Militärregierung, Mubarak durch Tantawi auszutauschen. Eine echte Revolution fand nicht statt.

Gaddafis Viagra-Soldaten und das gefakete Kriegsende

Im März brachte Al-Jazeera die Meldung: Gaddafi würde Soldaten zu sexueller Gewalt anstiften und sogar Potenzmittel verteilen. Über Vergewaltigungen von Frauen durch Gaddafis Truppen sowie über die Ausgabe von Viagra und Kondomen als „Kriegsmittel“ hatte im März erstmals ein Arzt aus der Stadt Adschdabija berichtet. Die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice hatte in einer geschlossenen Sitzung des UN-Sicherheitsrates den Gaddafi-Truppen dieses Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Noch im Juni sagte Luis Moreno-Ocampo, der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, „ihm lägen Informationen vor, nach denen das Regime Mittel wie Viagra containerweise einkaufte, um die Soldaten zur sexuellen Gewalt anzustacheln“. Weder Menschenrechtsorganisationen noch andere Nachrichtensender konnten diesen Vorwurf bisher bestätigen. Das US-Militär sagte bereits im April, es gebe keine Hinweise für diese Behauptung. Die Rebellen konnten auch nicht beweisen, dass Gaddafi afrikanische Söldner anwirbt, um gegen sie zu kämpfen. Das hinderte sie aber nicht daran, afrikanischstämmige Bürger in Libyen zu jagen und umzubringen.

Ein weiterer Propagandaschachzug gelang den Rebellen mit der „Eroberung“ von Tripolis. Am 22. August behaupteten sie, dass der Krieg mit der Einnahme der Hauptstadt zu Ende sei und zwei Gaddafi-Söhne verhaftet worden waren. Wie wir wissen, war dies ein paar Wochen zu voreilig. Und Gaddafis Sohn Saif al-Islam konnte noch am selben Tag in Tripolis frei herumlaufen und von Gaddafi-Anhängern gefeiert werden.

Die syrische Lesbenbloggerin und lebende Leichen

Die angeblich lesbische Bloggerin Amina Arraf gab wochenlang an, dass sie in Syrien von Assad-Schergen bedrängt und schließlich verhaftet wurde. Menschenrechtsaktivisten forderten eine Untersuchung der Vorfälle und sahen in dem Fall ein Beispiel für Assads Greueltaten. Eine Facebook-Seite mit dem Titel „Befreit Amina Arraf“ bekam 15.000 Unterstützer. Doch dann kam heraus: Amina Arraf war in Wirklichkeit Tom McMaster, ein US-Student in Schottland, und hatte sich alles ausgedacht. Sein Fake-Blog „A Gay Girl in Damascus“ wurde inzwischen aus dem Netz genommen.

McMaster ist nicht etwa ein islamophober US-Anhänger- er ist links, propalästinensisch und antiisraelisch. Er wollte mit seinem Blog eine andere Sichtweise auf dem Nahen Osten erreichen, der in den Medien immer nur schlecht dargestellt werde (ein kleiner Todenhöfer). In seinem Blog schrieb er, dass  Homosexualität mit dem Islam vereinbar sei, er veröffentlichte auch einen Artikel mit der Überschrift „My hijab, my choice“, also eine Verteidigung des Kopftuchs.

Obwohl Assads Schergen wesentlich mehr Blut an den Händen haben als die Aufständischen, so haben diese während der nun schon mehr als sechsmonatigen Demonstrationen mehr als 300 Sicherheitskräfte umgebracht, womit man kaum von rein friedlichen Demonstranten reden kann. Außerdem gibt es Beweise dafür, dass einige  Bilder von Leichenbergen gestellt waren. Man hat auch hier von den Palästinensern gelernt.

Es ist kein Geheimnis, dass sich die Muslimbrüder beim Aufstand beteiligen. Der Administrator der „Syrian Revolution 2011 Facebook Page“ , der mit 290.000 Mitgliedern wichtigsten Verteilerin von Infos über den Aufstand in Syrien, ist der in Schweden lebende und sehr aktive Muslimbrüder Fida ad-Din Tarif as-Sayyid Isa, der in seiner eigenen Seite ein Video eines ägyptischen Imams hochgeladen hatte, indem dieser zu Protokoll gab:  „An die syrischen Alawiten … Eure Kinder werden einen hohen Preis bezahlen – von jetzt an bis in alle Ewigkeit!“ Der Chef der Muslimbrüder, Riyadh Shafqa, macht mit der Aussage „Die Scharia ruft zu Freiheit auf“ die politische Agenda der Organisation mehr als deutlich.

Wie auch immer- die Vorstellung, dass nach den aktuellen Despoten was Besseres kommt, schwindet immer mehr. Egal ob in Tunesien, Ägypten, Libyen und Syrien. Der Islamismus ist offenbar noch lange nicht am Ende.

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