Multikulti-Schauprozess in Belgien

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Bienvenu Mbutu Mondondo, ein in Brüssel lebender Student der Politikwissenschaften aus der Demokratischen Republik Kongo, führt seit vier Jahren einen Prozess gegen Tim und Struppi, dem legendären Comic des belgischen Zeichners Hergé. Die 23 Abenteuer von “Tintin” wie Tim im Original heißt, wurden in 77 Sprachen übersetzt und 220 Millionen mal verkauft.

Wegen dem Vorwurf des Rassismus will Mondondo „Tim im Kongo“, den zweiten Band der Comic-Serie verbieten lassen. In Großbritannien, in den Vereinigten Staaten und in Südafrika wurde der 1931 erschienene Band schon aus den Läden genommen. CRAN, ein Interessenverband von dunkelhäutigen Franzosen, unterstützt Mondondo. „Tim im Kongo“ soll, verlangt CRAN, mit Warnhinweisen versehen werden und mit einem Vorwort, „das den Leser über die Natur eines Werkes aufklärt, das eine rassistische Überlegenheit behauptet, die der Weißen über die Schwarzen“.

Mondondo sagte vor dem Prozessbeginn am 30.September: “Wenn man solche Sachen sieht, dann kann man sie nicht akzeptieren, mitten im 21. Jahrhundert. Und man kann sie auch nicht mehr einfach so laufen lassen wie bisher. Vor dem Hintergrund meiner persönlichen Erfahrung bin ich überzeugt, dass wir nicht einmal mehr einen Hauch von Rassismus tolerieren können. Man muss das bekämpfen, damit die Gesellschaft ihren Frieden hat.”

Alain Berenboom, Rechtsanwalt der Gegenseite, antwortete: “Damit öffnet man doch Pandoras Büchse. Das bedeutet, dass man morgen die Werke von Dickens verbieten lassen will, wegen der antisemitischen Passagen, Mark Twain, warum nicht gleich die Bibel.”

Besonders erstaunlich: Der wirklich Böse in “Tim im Kongo” ist ein weißer Abgesandter der Mafia. Aber Mondondo sieht in den schwarzen Faulpelzen, die Schwierigkeiten mit der Grammatik haben, einen größeren Rassismus als die Darstellung von Personen als Kriminelle.

Aber so was hatten wir schon in Deutschland: Das atheistische Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ von Michael Schmidt-Salomon sollte wegen Antisemitismus und Rassismus verboten werden. Ein Sprecher einer Diözese Stuttgart-Rottenburg sagte: „Es geht insbesondere um die Darstellung eines Rabbiners. Wenn Sie da den ´Stürmer´ danebenlegen, erkennen sie durchaus Parallelen.“

Das Bundesfamilienministerium hatte ebenfalls judenfeindliche Tendenzen ausgemacht. „In dem Buch werden die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht“. Der Antrag wurde schließlich im März 2008 abgelehnt. Mal sehen, wie sich die belgischen Richter entscheiden.

6 Antworten to “Multikulti-Schauprozess in Belgien”

  1. aron2201sperber Says:

    „Tim In Kongo“ ist ein schönes Zeitdokument über die damalige Weltsicht.

    Bei „Der geheimnisvolle Stern“ wird Tims Gegenspieler übrigens als typischer Finanz-Jude gezeichnet:

    1941–1942: Der geheimnisvolle Stern (L’étoile mystérieuse)

    wie du schreibst, werden die Schwarzen als dümmlich, aber nicht als „böse“ dargestellt.

    diese Form von Rassismus kann man auch noch heute finden.

    beim Meredith Kercher-Fall wollte man die Tat nicht den einfachgestrickten Schwarzen, dessen Spuren man auf, der Leiche fand, zutrauen, sondern einem weißen genial-grausamen Engel

    • American Viewer Says:

      das hast du schön beobachtet. ich sehe gerade den eintrag vom lindwurm:

      Ist halt nur ein Schwarzer, ist halt ein Ex-Dealer, hat halt kein „Engelsgesicht“, hat halt keine reichen Eltern, hat halt keine US-Politiker im Rücken.

      http://lindwurm.wordpress.com/2011/10/04/neger-gefunden-tater-gefunden/

      der lindwurm ist ein typischer vertreter dieser sorte. der lindwurm bringt kein einziges argument warum guede unschuldig verurteilt wurde. die hautfarbe ist lindwurms einziges „argument“. rudy guede kann für ihn nicht der mörder sein, weil er schwarz ist.

      knox sei dagegen eine psychopathin (eine modediagnose von medizinischen laien). ihr eltern seien reich, was sie gar nicht sind. die familie hat sich extrem verschulden müssen. das knox eine familie hinter sich hat, die voll zu ihr hält, kann man knox schlecht vorwerfen. auch nicht, dass sie amerikanerin ist. aber lindwurm macht ihr all das zum vorwurf.

      der lindwurm ist ein abziehbildchen des modernen, politisch korrekten rassisten.

  2. aron2201sperber Says:

    bei 10:25 sieht man, wie der Wallstreet-Jude abgeführt wird:

  3. Charles Atlas Says:

    Auch wir Deutsche sollten den Kampf gegen politisch unkorrekte Erscheinungen im Alltag noch entschlossener führen. Ich denke da vor allem an die Säuberung von Büchern von allen Stellen, die als rassistisch aufgefasst werden könnten (was die Ausmerzung unliebsamer Literatur angeht, so haben wir Deutsche ja besondere Erfahrung). Hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang vor allem

    – Mark Twain: in seinem „Huckleberry Finn“-Roman kommt doch tatsächlich ein ganz, ganz übles Wort vor. Es hat sechs Buchstaben, fängt mit N an, hat zwei „g“ in der Mitte und wird als Bezeichnung für stark pigmentierte Menschen benutzt. (Dass dieses Wort bei M.T. lediglich die damals in den US-amerikanischen Südstaaten gängige Bezeichnung für schwarzhäutige Menschen darstellt und von diesen selbst benutzt wurde, sollte kein Hinderungsgrund sein, das Buch auf den Index zu setzen, ebensowenig wie die Tatsache, dass die jugendlichen Hauptpersonen in dem Roman trotz unterschiedlicher Hautfarbe dicke Freunde sind und sich gegenseitig aus der Patsche helfen…)

    – Wilhelm Busch. Hier ist besonders seine Darstellung eines Afrikaners in „Fips der Affe“ zu nennen:
    An dieses Mannes Nase hing
    zum Schmuck und Zier ein Nasenring.
    Fips fasst den Reif mit seinem Schweif
    der Schwarze wird vor Schrecken steif.

    – Erich Kästner. Sein Kindergedicht „Ursula geht in die Luft“ beschreibt die unfreiweillige Ballonreise eines kleinen Mädchens. Ausschnitt (ich zitiere aus dem Gedächtnis):

    Als sie wieder runtersah,
    hing sie über Afrika.
    (…)
    Und dann fiel sie unter Schreien
    mitten in die Negerreihen.
    Anfang wollten sie sie braten.
    Welches Glück, dass sie’s nicht taten!
    König Wum nahm sie zur Frau.
    (Doch das weiß man nicht genau.)

    Überhaupt: Erich Kästner! Der Mann ist ja so was von politisch unkorrekt! Wie man heute weiß, war er nicht nur nicht schwul, sondern hatte ganz im Gegenteil einen ausgeprägten Hang zum weiblichen Geschlecht. Auch wurde er, wie aus den Quellen eindeutig hervorgeht, niemals wegen Mordes, Totschlags, schwerer oder auch nur leichter Körperverletzung angeklagt, nicht mal ein winziger Banküberfall oder auch nur ein Handtaschenraub ist ihm nachzuweisen. Des weiteren weist er keinerlei Migrationshintergrund auf, schlimmer noch: er hängte seine Herkunft auch noch an die große Glocke:

    Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
    Mich lässt die Heimat nicht fort.
    Ich bin wie ein Baum, der in Deutschland gewachsen ,
    wenn’s sein muss, in Deutschland verdorrt.

    So einer kann UNMÖGLICH ein echter Literat sein !!!

  4. Charles Atlas Says:

    Vor etwa zehn Jahren habe ich in einem anderen, mittlerweile seit langem (wegen überhandnehmender Pöbelei und „wilder Müllentsorgung“) geschlossenen Diskussionsforum einen Beitrag mit dem Titel „Ist die Politische Korrektheit wirklich tot?“ reingestellt, in welchem ich etwa folgendes schrieb:

    – Bei der sogenannten „Politischen Korrektheit“ handelt es sich um die Einhaltung einer Reihe von Vorschriften und Regeln, die sich auf die Gesellschaft – in der Regel: auf bestimmte Menschengruppen – beziehen. Bemerkenswert ist hierbei, dass diese Regeln von keiner staatlichen Institution festgelegt und für verbindlich erklärt worden sind und dass sie nirgendwo schriftlich festgehalten sind. Als Beispiele können die Wörter „Neger“ und „Zigeuner“ herangezogen werden: Während beide Begriffe noch vor wenigen Jahrzehnten in der Alltagssprache und auch in der schöngeistigen sowie fachlichen Literatur verwendet wurden, ohne dass damit zwangsläufig eine Herabsetzung der betreffenden Menschengruppen verbunden war, gelten sie seit etwa zwanzig Jahren als „politisch unkorrekt“; wer sie nach wie vor gebraucht – und sei es, weil er den schleichenden Bedeutungswandel nicht mitgekriegt hat – , der muss damit rechnen, als „Rechter“, „Rassist“, „Reaktionär“ gebrandmarkt zu werden.

    – Die Personengruppen, denen die Politische Korrektheit ihre besondere Aufmerksamkeit zuteil werden lässt, sind Frauen und Ausländer. Hierbei schreckt man nicht einmal davor zurück, sich an der geschriebenen und gesprochenen Sprache zu vergreifen. Beispiel: das sogenannte „große Binnen-I“ (BürgerInnen, FreundInnen, MitgliederInnen). Von „VerbrecherInnen“, „MörderInnen“, „BetrügerInnen“ liest man allerdings kaum jemals…

    – Die Verteidiger der Politischen Korrektheit behaupten, ihnen sei daran gelegen, gegen die Diskriminierung bestimmter Menschengruppen vorzugehen und so für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu sorgen. Dazu ist zu sagen, dass die Mittel, derer sich die Politische Korrektheit bedient, keineswegs dazu angetan sind, dieses (angeblich) angestrebte Ziel zu erreichen. Wenn beispielsweise – wie von den Advokaten der Politischen Korrektheit gefordert – das Problem der Kriminalität unter den in Deutschland lebenden Ausländern (insbesondere unter bestimmten Gruppen von Ausländern) verharmlost, verschwiegen und unter den Teppich gekehrt wird, dann löst sich das Problem damit nicht von selbst; im Gegenteil: es wird mit der Zeit immer akuter. Die Leidtragenden sind in diesem Fall die vielen Ausländer (die überwältigende Mehrheit), die mit Verbrechen nichts am Hut haben, die ihr Einkommen auf ehrliche Weise erwerben, die sich in die Gesellschaft integriert haben – sie werden oft mit den Kriminellen in einen Sack geschoben und müssen die Prügel einstecken, die eigentlich andere verdient haben.

    – Aus dem oben Gesagten ergibt sich, dass es den „Rittern der Politischen Korrektheit“ gar nicht so sehr um das Wohl und Wehe der Ausländer, der Frauen und der anderen von ihnen „umsorgten“, angeblich oder tatsächlich diskriminierten Bevölkerungsgruppen geht, sondern vielmehr darum, sich selbst als gut, edel, menschenfreundlich hinzustellen. In den Medien und auch im Volksmund wird für diese Zeitgenossen oft der Begriff „Gutmensch“ verwendet. Dieser Ausdruck ist keineswegs gleichbedeutend mit „guter Mensch“. Ein guter Mensch war beispielsweise Mutter Theresa: sie hat ihr Leben den Armen in Kalkutta gewidmet und dafür auf viele Annehmlichkeiten der westlichen Welt verzichtet. (Bei den „Politisch Korrekten“ ist Mutter Theresa übrigens nicht gut angesehen: sie werfen ihr vor, gewisse Dogmen der katholischen Kirche gepredigt zu haben, wie etwa das Verbot der Empfängnisverhütung – als würde das ihren lebenslangen Einsatz für die Armen auch nur im Geringsten entwerten!!!)

    – Zusammenfassung: „Politische Korrektheit“, genauer gesagt: die Rede- und Denkverbote der „PK“, sind zu vergleichen mit dem Verbot, bestimmte Stellen des Körpers zu waschen – wo kein Wasser hinkommt, dort breiten sich Krankheiten aus, die mit der Zeit den gesamten Körper in Mitleidenschaft ziehen. – Gleichzeitig sind Politische Korrektheit und das damit verbundene Gutmenschentum nichts weiter als Heuchelei – man erhebt sich moralisch über andere Menschen, die angeblich nicht so gut, gesellschaftlich nicht so bewusst sind wie man selbst.

    Da diese der Politischen Korrektheit anhaftenden Eigenschaften offenkundig sind, ist der Begriff „Politische Korrektheit“ bereits seit langem bei einem großen Teil der Bevölkerung in Misskredit geraten und wird mittlerweile vorwiegend mit deutlich abwertendem, ironischem Unterton verwendet.

    … Soweit meine damaligen Ausführungen. Ehrlich gesagt, ich hätte es mir seinerzeit (2001 oder 2002) nicht träumen lassen, dass es zehn Jahre später immer noch Leute gibt, die den stinkenden Kadaver namens „Politische Korektheit“ bei jeder sich bietenden Gelegenheit ausbuddeln und sich an ihm ergötzen. In der Fachsprache bezeichnet man dies Phänomen als „Nekrophilie“.

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