Freiheitlicher Humor

Bekam eine Todes-Fatwa: Salman Rushdie

Bekam eine Todes-Fatwa: Salman Rushdie

„Es gibt keinen Humor, es gibt kein Gelächter, es gibt keinen Spaß im Islam. In ernsten Dingen kann es keinen Spaß und keine Freude geben.“ Das Zitat stammt vom iranische Ayatollah Khomenei. Für ihn war der Islam also etwas dermaßen ernstes, das man keine Scherze darüber machen kann, weil es respektlos wäre. Da der fundamentalistische Islam aber nahezu jede kleinste Fassade des menschlichen Seins bestimmt, wird mit dieser Haltung das Lachen komplett aus dem Leben verbannt. „Kein Lachen im Islam“ bedeutet für einen Islamisten „Kein Lachen im Leben“.

Im Jahre 1987 begann der Anti-Humor-Dschihad der Islamisten mit dem Kampf gegen einen 6 Sekunden langen Werbespot des niederländischen Showmasters Rudi Carrell im deutschen Fernsehen, indem der Ayatollah mit Damenunterwäsche beworfen wurde. Der Spot löste eine Staatskrise aus: Deutsche Diplomaten wurden aus dem Iran ausgewiesen, das dortige Goethe-Institut geschlossen und mehrere Flüge nach Teheran abgesagt, bis Rudi Carrell sich genötigt sah, sich öffentlich zu entschuldigen. Es folgten Dschihads gegen Salman Rushdie aufgrund seiner Satanischen Verse, gegen Kurt Westergaard und die Jyllands Posten-Redaktion nach den Mohamed-Karikaturen, gegen eine britische Lehrerin, die einen Teddybären Mohamed genannt hatte, gegen das Lied von Schalke 04, gegen den Zeichentrickfilm Persepolis und nun gegen das Satiremagazin Charlie Hebdo. Der Islamismus führt seit zwei Jahrzehnten einen Kampf gegen den Humor, den er leider oft gewonnen hat.

Humor geht über alles

Ein wirklich mutiger Komiker, der seinen Beruf über alles liebt, müsste eigentlich die Einstellung haben: Lachen ist wichtig, zu leben nicht. Aber die Einstellung, dass Komiker in einer freien und toleranten Gesellschaft genauso wichtig sind wie Feuerwehrmänner, haben viele noch nicht verinnerlicht. Sie halten sich lieber zurück und schließen den Islam als Thema ihrer Arbeit aus. Dabei hat gerade der Islam ein ungeheures satirisches Potenzial. Man denke nur an Selbstmordattentäter. Da ruft ein Palästinenser bei einer Seelsorgehotline an und sagt: „Ich will mich umbringen!“ Die Antwort: „Gut. Der nächste Bus kommt um vier. Geben sie uns nur noch ihre Gürtelgröße durch…“ Tja, der Begriff Bauch-Weg-Gürtel hat im Nahen Osten eine ganz andere Bedeutung als bei uns!

Dass dieses Potenzial nicht genutzt wird, ist eine Tragödie für den Humor und für die Muslime selbst. Denn erstens bleiben uns eine Menge Schenkelklopfer für immer verwehrt. Und zweitens wird den Muslimen die Chance genommen, eine der schönsten Errungenschaften der westlichen Welt zu genießen. Über sich selbst lachen zu können, ist ein großer zivilisatorischer Fortschritt. In Europa waren Witze über den Papst im Mittelalter tödlich, heute sind sie schon langweilig, weil allgegenwärtig. Der britische Film „Das Leben des Brian“ aus dem Jahr 1979 machte sich über das Leben und Wirken Jesu Christi lustig und gilt heute als ein echter Klassiker der Filmgeschichte.

Humor wird nur von freien, demokratischen Gesellschaften akzeptiert. Bei den Nazis, den Kommunisten und den Islamisten gibt es keinen Humor. Totalitäre Ideologien wie der Islamismus, der Kommunismus oder der Nationalsozialismus duldeten kein Humor, außer wenn es darum ging, den Gegner zu erniedrigen. Als die Geburtsstunde des Humors als eine Waffe der freien Welt könnte Charlie Chaplins Hitler-Satire „Der große Diktator“ aus dem Jahre 1940 gelten. Angeblich soll sich der Führer höchstpersönlich eine Kopie des Films besorgt haben.

In den kommunistischen Ländern wurde Humor ebenso wie bei den Nazis unterdrückt, was jedoch nur zur Blüte der kommunistischen Witze führte. Viele sind erhalten geblieben und wurden in Ben Lewis‘ Buch „Das komische Manifest“ ausgestellt. Ein Museumsgast geht an Lenins Grab vorbei. Ein Wärter sagt ihm: „Lenin ist tot, aber seine Ideen werden auf ewig weiterleben.“ Der Gast erwidert genervt: „Warum kann es nicht anders herum sein?“ Oder der hier: Ein Richter kriegt sich ein nicht vor Lachen. Ein Gerichtsdiener kommt und fragt ihn, worüber er denn so lache. Der Richter sagt: „Ich kann’s dir nicht erzählen.“ Der Diener sagt: „Bitte, erzählen sie es mir!“ Der Richter wiederholt sich. Der Diener will ihn aber unbedingt wissen. Da sagt ihm der Richter: „Ich kann ihn dir nicht erzählen, ich habe dafür gerade jemanden für 25 Jahre ins Gefängnis geschickt!“

Das bekannteste Beispiel für die fehlende Eigenschaft der muslimischen Welt, über sich selbst lachen zu können, sind die Mohamed-Karikaturen. Nachdem diese in der dänischen Zeitung Jyllands Posten abgedruckt wurden, kam es in der ganzen Welt zu gewalttätigen Protesten, die insgesamt 150 Todesopfer forderten. Dabei waren die Karikaturen gar nicht feindselig gemeint. Sie waren ziemlich harmlos, gerade im Vergleich zu den antisemitischen Hass-Karikaturen in vielen Zeitungen muslimischer Länder.

Nicht nur das, die iranische Zeitung Hamshahri rief als „Reaktion“ auf die Mohamed-Karikaturen einen Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb aus, der an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten war. Die Opfer des Nationalsozialismus wurden aufs Schlimmste verhöhnt. Der Holocaust wurde als „politische Waffe“ Israels dargestellt, die Lage der Palästinenser mit der der Juden im Dritten Reich verglichen und die Widerstandskämpferin Anne Frank als Hitlers Bettgefährtin abgebildet.

Selbsthumor als Merkmal zivilisatorischer Überlegenheit

Die Reaktion auf die Reaktion der Iraner zeigt mal wieder eindeutig, wie sehr die westliche Welt der islamischen überlegen ist. Man zeichnete nicht etwa Hass-Karikaturen gegen den Islam, sondern man beschloss, den Islamisten zu zeigen, dass zivilisierte Menschen auch über sich selbst lachen können- mit der Abhaltung eines „Antisemitic Cartoon Contest“, in der jüdische Zeichner sich selbst auf die Schippe nahmen. Selbsthumor als ein Merkmal zivilisatorischer Überlegenheit.

Die Highlights:

– Eine Preisverleihung für die besten jüdischen Erfindungen: Preise für den Holocaust, den Staat Israel, die Influenza-Grippe, die westlichen Medien, 9/11 und Sand. Hitler, Gandhi und Martin Luther King mit Engelsflügeln.

– Hitler hält eine Ausgabe der „Heaven Times“ in der Hand, in der geschrieben steht: „Juden töten mehr Palästinenser. Zionistische Medien verbergen Todesrate.“ Daraufhin Gandhi und Martin Luther King zu Hitler: „Adolf, wenn wir das gewusst hätten, dann hätten wir dir geholfen sie zu vernichten“.

– Araber stehen vor dem israelischen Arbeitsamt mit der Nazi-Aufschrift „Arbeit macht frei“.

– Der Holocaust als jüdischer Spielfilmtrick.

– Juden benutzen arabische Kinder zur Herstellung von Matze.

– Ein Rabbi zu Johannes Paul II.: „Ich mache dir einen Deal: Alles was du tun musst ist das ganze Geld zu nehmen und zu sagen, dass es nicht wir oder die Römer waren. Sag‘ es waren die Araber.“

– Tageskinderstätte für christliche Kinder. Ein Jude mit einem hinterhältigen Grinsen begrüßt sie.

– Ein jüdischer Pianist vor den brennenden World Trade Center.

– Die Weisen von Zion wieder vereint. Eine Unterhaltung: „Nun, ich spielte ein bisschen Golf und dann übernahm ich die Medien und Banken der Welt. Und, Morrie, was hast du unternommen?“

– Jüdische Kamerateams bei der Inszenierung der Mondlandung. Einer sagt: „Verglichen mit der 6-Millionen-Lüge sollte das einfach sein.“

– Moses gab den Juden ein geheimes, besonderes elftes Gebot: „PS, vergisst nicht die Medien zu kontrollieren“.

Die vielen Gründe für die Rückständigkeit der muslimischen Welt- der zunehmende Fundamentalismus, die Öl-Milliarden oder die fehlende nationale Identität nach der Auflösung des Osmanischen Reichs- der wichtigste von allen ist der chronische Mangel an Selbstironie. Und das bedeutet, dass die Satiriker und Humoristen einen großen Kampf vor sich haben, für die ich sie schon jetzt bewundere. Wenn die Muslime anfangen, einen „Islamophobia Cartoon Contest“ abzuhalten, wird die Welt eine friedlichere sein.

2 Antworten to “Freiheitlicher Humor”

  1. aron2201sperber Says:

    ein deutscher Nobelpreisträger und sein Verhältnis zum freiheitlichen Humor:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/karikaturenstreit-grass-kritisiert-karikaturen-als-gezielte-provokation-1305672.html

  2. Jacob P. Says:

    Das ist der bislang wundervollste Kurzartikel zum Thema Islam, den ich gelesen habe. Respekt!

    „Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Philosophie ist, wenn man trotzdem denkt. Und Religion ist, wenn man trotzdem glaubt.“ (Jürgen Becker)

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