Archive for November 2011

Volk ohne Staat- Das Kurdenproblem im Nahen Osten

November 2, 2011

Kurdisches Siedlungsgebiet nach der CIA, 1992

Völkermorde, Landraub, Deportationen, erzwungene Assimilation und Unterdrückung der Kultur– das gibt einen kleinen Überblick von dem, was das kurdische Volk in den letzten 80 Jahren erleiden musste.

Im Jahre 2011 leben 25 Millionen Kurden in vier Staaten geteilt: Syrien, Iran und den beiden größten Siedlungsgebieten, dem Irak und der Türkei. Weitere Hunderttausende leben in der Diaspora. Der Traum von Selbstbestimmung und einem eigenen, kurdischen Staat ist mehr als 100 Jahre alt. Im Irak hat sich dieser Traum im Jahre 2005 mit der Errichtung der Autonomen Region Kurdistan praktisch erfüllt, theoretisch gehört diese Region jedoch noch immer zum Irak. In unseren revolutionären Zeiten kämpfen nun auch die Kurden in der Türkei für mehr Autonomie. In Syrien haben Aktivisten eine „kurdische Intifada“ ausgerufen, während im Iran die kurdischen Nationalisten den bewaffneten Kampf gegen den Staat verloren haben. Zeit, um einen genauen Blick in das „Kurdenproblem“ des Nahen Ostens zu werfen.

Die Vorgeschichte

Die Entstehung des kurdischen Volkes und der kurdischen Sprache sind historisch nicht eindeutig geklärt. Die Vorfahren der Kurden lebten wohl schon vor 4000 Jahren in Mesopotamien. Eine sumerische Steinschwelle aus diesem Zeitraum erwähnt die Region „Kardaka“. Während der islamischen Expansion wurden die kurdischen Siedlungsgebiete von muslimischen Truppen erobert, in den nachfolgenden Jahrhunderten gab es mehrere kurdische Herrschaftsdynastien und kurdische Fürstentümer, aber nie einen kurdischen Nationalstaat. Es gab bei den muslimischen Völkern kein ausgeprägtes Nationalbewusstsein, vor 1918 gab es auch keinen „türkischen“ oder „arabischen“ Staat, da waren die Kurden keine Ausnahme. Während der Jahrhunderte wurden sie in verschiedene Regionen angesiedelt, so das sich das Gebiet, das man später „Kurdistan“ nennen sollte, vergrößerte.

Im 19.Jahrhundert entstand schließlich ein kurdisches Nationalbewusstsein, der zu mehreren blutigen Aufständen führte. Im Jahre 1897 wurde das „Erste Kurdische Nationalkomitee“ und die Zeitung Kurdistan gegründet. Während der Revolution der Jungtürken entstanden weitere Kurdenkomitees und Zeitungen, die den kurdischen Nationalismus propagierten. Die Jungtürken verfolgten eine armenier- und kurdenfeindliche Politik, sie wollten einen reinen Türkenstaat errichten. Im Ersten Weltkrieg trat das Osmanische Reich an der Seite Deutschlands in den Krieg ein. Die türkischen Nationalisten nutzten den Krieg als Vorwand, um in einem der schlimmsten Völkermorde der Geschichte etwa 1,5 Millionen Armenier zu töten und weitere Hunderttausende zu vertreiben, so dass die über 1000 Jahre währende armenische Präsenz im Nordosten der Türkei schlagartig beendet wurde. Hier liegt jedoch ein weniger ruhmreicher Teil der kurdischen Geschichte: Viele kurdische Stämme beteiligten sich an den Massakern. Und das, obwohl auch sie zu Tausenden vertrieben wurden. (more…)

Yue Yue- Kein Einzelfall

November 2, 2011

In China bestürzte vor zwei Wochen der Fall der 2-jährigen Yue Yue die Öffentlichkeit:

Ein Autofahrer überfuhr sie und beging Fahrerflucht. 18 Passanten gingen an dem verletzten Kind vorbei, ohne ihr Hilfe zu leisten. Der Vorfall löste eine Diskussion aus: Sind den Chinesen ihre Mitmenschen so egal? Tatsächlich wäre so eine Diskussion angebracht, denn Yue Yue war nicht der erste Fall, in dem es Chinesen keine Hilfe leisteten, wenn einer ihrer Mitmenschen in Not war. In der Epoch Times wurde im Mai folgendes berichtet:

Die zwischenmenschlichen Beziehungen scheinen nur noch auf Geld zu basieren. Es ist kein seltener Fall mehr, dass schon Geld verlangt wird, wenn man nur mal eben nach  dem Weg fragt. Viele Eltern machen sich Gedanken über passende Geschenke für die Lehrer ihrer Kinder. Bevor ein Patient operiert wird, überlegt er zuerst, wie viel er dem Arzt „spenden“ soll. Sogar beim Retten von menschlichem Leben wird zuerst über Bezahlung geredet.

Im Jahr 2009 sind drei Studenten im Jangtsekiang beim Versuch, einen Jungen zu retten, ums Leben gekommen. Die Fischer vor Ort handelten zuerst einen hohen Preis für die Bergung der Leichen aus und fuhren erst danach los. Aufgrund der landesweiten öffentlichen Empörung über die Zustände in dieser Region geriet die Lokalregierung enorm unter Druck. Die Lösung ist ebenso nutzlos wie lächerlich. Es wurde versucht ein, „Rettungsteam“ von Fischern zu gründen und den Preis für Leistungen, wie zum Beispiel das „Leichenangeln“, zu regulieren.

Eine Woche nach dem Yue Yue von einem Auto angefahren wurde, ist ein weiteres Kind, diesmal von einem LKW-Fahrer, überfahren worden. Der 5-jährige Xiong Maoke wurde von einem LKW-Fahrer überfahren- und das gleich zweimal, weil der Fahrer sicher gehen wollte, dass das Kind tot war, weil das für ihn billiger war als die Krankenhausrechnung zu bezahlen. Auch bei Epoch Times findet sich eine Beschreibung des Vorfalls. (more…)

Die Migrantenfrage

November 1, 2011
Multikulti in New York: Little Itlay um 1900

Multikulti in New York: Little Italy um 1900

In der deutschen Geschichte wurden schon oft Fragen gestellt und leidenschaftlich diskutiert. Marx stellte die Arbeiterfrage, bei Heydrich gab es die Judenfrage, die wir bekanntlich zu Ende gelöst haben und zuletzt hatten wir unter Klinsmann die Torwartfrage. Jetzt kommt eine weitere Frage dazu: Die Migrantenfrage.

Wenn wir uns mal ansehen, worum es bei diesen Fragen ging und wie sie zustande gekommen sind, fallen zwei Dinge auf: Erstens ging es immer um die zukünftige gesellschaftliche Rolle der betroffenen Gruppen, ob nun die Arbeiter, die Juden oder Oliver Kahn. So nun auch bei den Migranten. Zweitens wurden diese Fragen immer von den Fragestellern instrumentalisiert, wie z.B. die Arbeiterfrage von den marxistischen Revolutionären. Wer aber hat eigentlich die Migrantenfrage gestellt? War es Sarrazin oder waren es die Migranten selber?

Ich bin selbst ein Migrant und beobachte die Integrationsdebatte seit Jahren. Irgendwie fühle ich mich aber nicht angesprochen. Dies liegt wohl daran, dass ich mich einerseits assimiliert fühle und andererseits die Integrationsdebatte in Wirklichkeit ein Bestandteil der Islamdebatte ist. Wenn wir von mangelnder Integration reden, meinen wir damit in 90% der Fällen muslimische Einwanderer. Es gibt also keine wirkliche Migrantenfrage, sie ist nur ein Anhänger der Islamdebatte.

Migranten und Muslime

Warum reden wir aber so oft nur von Muslimen? Wenn wir von Migranten reden, könnten wir uns doch auch mit den Polen, Italienern, Griechen oder den Spätaussiedelern beschäftigen anstatt immer nur mit den Muslimen. Immerhin machen Muslime nur 20% der Migranten aus und die Probleme, die sie verursachen, kann man auch ganz normal kritisieren ohne ständige Talkshows und heuchlerische Debatten, die am Ende nichts mehr verursachen als mehr Frust und Misstrauen bei denen, die sich daran beteiligen. (more…)