Ein Antiimperialist zum Kriegsende 1945

Die Alliierten am Brandenburger Tor, 1945

Die Alliierten am Brandenburger Tor, 1945

Mirror, 18.August 1945

von Jacob Austin

Der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Die Menschen feiern immer noch auf den Straßen. Es ist gut, dass sie das tun. Es ist gut, dass der Krieg zu Ende ist. Aber es ist nicht gut, wem die Menschen auf den Straßen zujubeln.

Erinnern wir uns nochmal, warum wir in den Krieg eingetreten sind. Unser Ziel war es, die Zivilbevölkerung zu beschützen. Das Ergebnis sind 60 Millionen Tote. Die Verbrechen der Deutschen sind unbestritten. Aber müsste es nicht eigentlich auch ein Verbrechertribunal gegen Churchill, Stalin und Truman geben? Was unterscheidet einen vernichtenden Luftangriff der Luftwaffe auf polnische, niederländische oder englische Städte von dem der Royal Air Force auf die deutsche Stadtbevölkerung? Was unterscheidet ein deutsches Konzentrationslager von einem sowjetischen Gulag? Was unterscheidet die Nürnberger Rassengesetze von der Segregation in den Vereinigten Staaten, der britischen indirect rule bei den arabischen und indischen Völkerschaften oder der französischen Herrschaft in Westafrika?

Schauen wir uns einmal die Hintergründe des Krieges an. Wir haben den Deutschen 1919 einen Diktatfrieden aufgezwungen und ihre Selbständigkeit, vor allem aber ihre Würde mit Füßen getreten. Kein echtes Militär, horrende Schuldzahlungen, skandalöse territoriale Abtretungen und von dem angeblichen europäischen Zivilisationsprojekt, dem Kolonialismus, haben wir sie ausgeschlossen. Das haben wir 15 Jahre lang gemacht. Dann kam der Führer der nationalen und sozialistischen Partei, Adolf Hitler, an die Macht. Man kann von ihm halten, was man will, aber er ist demokratischem Wege an die Macht gekommen und somit der legitime Vertreter des deutschen Volkes.

Was die antideutsche Propaganda verborgen hat ist, dass er es war, der die chronische Arbeitslosigkeit besiegt, die ständigen politischen Unruhen, Regierungswechsel und kommunistische Gefahr beendet, die Macht der oft ausländischen Finanzmafia ausgelöscht und ein vorbildliches Sozialsystem mit großzügigen Urlaubsangeboten für die Arbeiter und flächendeckender staatlicher Fürsorge für jedes Kind ab 5 Jahren geschaffen hat. Es gab in Deutschland unter den nationalen Sozialisten weder einen zügellosen Kapitalismus noch kommunistische Tyrannei, Hitler fand einen beneidenswerten Mittelweg. Mit seinen Maßnahmen hat er den Deutschen ihren Stolz, den sie in Versailles verloren hatten, zurückgegeben. Deshalb ist es kein Wunder, dass die meisten Deutschen ihn noch in der Endphase des Krieges abgöttisch geliebt haben, wie es keinem anderen Herrscher im Westen vergönnt war.

Leider hatte auch Hitler autoritäre Tendenzen. Politische Gegner landeten in einigen Fällen in geheime Lager, auch die, die keine Kommunisten oder Anarchisten waren. Hitlers Nationalismus überschritt oft die Grenze zum offenen Rassismus, wie die Gesetze von Nürnberg zeigen. Hier muss man allerdings beachten, dass es sich zu Beginn wahrscheinlich nur um populistische Tiraden handelte und nicht um wirkliche Mordpläne. Antisemitismus ist in Frankreich oder Russland nicht weniger stark verbreitet gewesen als in Deutschland. Und: Es hat uns anfänglich auch gar nicht gestört. Die Wall Street machte blendende Geschäfte mit den nationalen Sozialisten, obwohl viele der kriminellen Banker selbst jüdischen Glaubens waren. Großindustrielle wie Henry Ford oder Prescott Bush machten mit Hitler Geschäfte, als er längst als Feind unserer Allianz galt. Warum taten sie das? Kann es sein, dass man um Hitlers zügelloses Temperament (gerade im Gegensatz zu den feigen Marionetten Stresemann und Brüning) wusste und man ihn als Feindbild aufbauen wollte, um einen neuen Krieg gegen Deutschland zu rechtfertigen, der angesichts der Weltwirtschaftskrise notwendig geworden war?

Um dieser Frage nachzugehen, müssen wir uns mit dem Umgang der amerikanisch-europäischen Allianz mit Sowjetrussland beschäftigen. Zuerst baute man den Kommunismus als Feindbild auf, der die Besetzung fremder Länder und die Einschränkung von zivilen Freiheiten rechtfertigte. Dann plötzlich näherte man sich an- und das paradoxerweise zu einer Zeit, in der die Verbrechen der Kommunisten zunahmen. Was hatte sich geändert? Nun, der Hitler-Plan kam zum Vorschein. Ein Krieg gegen Russland wäre zu riskant gewesen, also entschied man sich erneut für Deutschland. Eine Verschwörungstheorie? Die Fakten sind: Sowjetrussland wurde 1933 in den Völkerbund aufgenommen, Deutschland im selben Jahr ausgeschlossen. Es begann die Kriegshetze gegen Deutschland. Man stellte Deutschland völlig unberechtigterweise als Gefahr für den Weltfrieden dar. Dabei war alles, was die nationalen Sozialisten wollten, dass der deutsche Staat wirklich ein Staat für alle Deutschen sein sollte, also mit Österreich, dem Sudetenland, Elsaß-Lothringen, dem Memelland und Danzig. Niemand kann der dort lebenden deutschen Mehrheitsbevölkerung vorwerfen, dass sie in den deutschen Staat reintegriert werden wollten. Das als „Expansionswillen“ abzutun ist angesichts der französischen und britischen Kolonialreiche an Zynismus nicht zu überbieten.

Erstaunlich ist, wie es dann zum Krieg kam. Deutschland besetzte Westpolen unter nicht ganz geklärten Umständen. Geklärt ist jedoch, dass die Russen im gleichen Zeitraum Ostpolen, die drei souveränen baltischen Staaten, das finnische Karelien, das rumänische Bessarabien und Teile der Tschechoslowakei besetzten. Dieses besetzte Gebiet war größer als das, das die deutsche Wehrmacht besetzt hatte. Trotzdem riefen die Allierten keinen Kriegszustand gegen die Russen aus. Dieser wäre vollkommen angebracht gewesen. Durch die Kriegserklärung fühlten sich die Deutschen gekränkt, die Führung reagierte ziemlich erbost. Die potenziellen Verbündete der Alliierten wurden besetzt, später auch Frankreich und beinahe auch England. Aber nicht aus reinem Eroberungswillen, wie es die kriegslüsterne Propaganda der Alliierten anschließend darstellte, sondern ausdrücklich als Reaktion auf die ungerechtfertigte Kriegserklärung der Franzosen und Engländer. Hitlers Vize, Rudolf Hess, flog nach England, um mit den Alliierten zu verhandeln. Was er ihnen anbot, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben. Wenn man jedoch bedenkt, dass die Deutschen in Dünkirchen die alliierten Truppen in Frankreich entkommen ließen, kann es sich nur um ein Friedensangebot gehandelt haben.

Ein Jahr später erfolgte der Angriff auf das sowjetische Imperium. Die Alliierten hätten diesen notwendigen Kampf gegen einen wahnsinnigen Diktator unterstützen sollen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Stalin mehr fremde Länder (Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechoslowakei, Rumänien, Iran, Japan, China) besetzt als Hitler. Er hatte auch mehr Menschen umgebracht und war im Gegensatz zu Hitler nicht vom Volk gewählt worden. Die Alliierten hätten Deutschland helfen sollen, Stalin und seine für die gesamte Menschheit gefährliche kommunistische Weltrevolutionsideologie endgültig zu beseitigen. Stattdessen entschloss man sich, die Rote Armee massiv zu bewaffnen. Im Klartext: Bei Deutschland war es so, dass man sie zuerst unterstützte und dann zum Feindbild machte, bei Russland genau umgekehrt. Den Alliierten ging es immer nur um den eigenen Vorteil, niemals um das Wohl der Menschen.

In die Enge getrieben, begann Hitler wohl immer verrückter zu werden. Wenn einem die ganze Welt, von China bis Costa Rica, den Krieg erklärt, wird man leicht paranoid. An der Tötung von 4-5 Millionen Menschen, die keine militärische Bedrohung darstellten, darunter Behinderten, Menschen jüdischen Glaubens und Zigeunern, trifft uns eine gehörige Mitschuld, denn wir waren es, die den Deutschen das Gefühl gegeben haben, das überall Feinde lauern würden und mit unserem Rassismus gegen Neger, Araber und Inder haben wir auch quasi als Vorbild gedient. Nur so wurden diese Verbrechen möglich, die dennoch bei weitem nicht die Dimension der kommunistischen Verbrechen in Russland erreichen, der 40 Millionen Menschen, also das Zehnfache, zum Opfer fielen. Ich stelle mir auch die Frage, warum die Alliierten nicht die Lager bombardiert haben, in der diese Morde stattfanden. Will man jetzt diese Morde als Rechtfertigung gebrauchen, um einen Staat Judäa mitten im arabischen Kernland zu legitimieren? Hoffentlich nicht, denn dann werden die Araber wohl die Deutschen als Feindbild des amerikanisch-europäischen Imperialismus beerben.

Es ging den Alliierten nie um den Schutz von Zivilisten. Wir haben eine souveräne, vom Volk gewählte Regierung, die ihre Bevölkerung aus schlimmen Notzeiten gerettet hat, gestürzt und dabei das Land vollkommen zerstört. Dieses großartige Volk, dass Goethe, Schiller und Einstein hervorgebracht hat, macht jetzt ihre schwerste Stunde durch: Die deutsche Wirtschaft wird von uns ausgeplündert, die Frauen werden von unseren Soldaten vergewaltigt, die Männer sind in unseren Lagern gefangen, die Kinder müssen aufgrund der Ausplünderung ihrer Ressourcen hungern, die Intellektuellen werden zur Zusammenarbeit mit uns gezwungen. Über 10 Millionen deutsche Bürger sind durch die Vertreibungen aus ihren seit über 1000 Jahren angestammten Siedlungsgebieten vom Tode bedroht. Und nun geben wir ihnen auch noch die Alleinschuld an diesem Krieg, genauso wie nach 1918.

Werden wir jemals unsere Schuld zugeben? Werden wir unsere Verbrecher vor Gericht stellen? Oder werden die Deutschen jetzt die nächsten 60 Jahre oder auf ewig als die alleinigen Sündenböcke und wir als die „Befreier“ gelten? Auch Japans antikolonialer Befreiungskrieg in Ostasien, der vor zwei Wochen von den Vereinigten Staaten mit dem größten Massaker in der Geschichte der Menschheit bestraft wurde, wird von uns als Heldentat gefeiert. Dagegen wehre ich mich. Ich beweine das Schicksal der 300.000 getöteten Deutschen in Dresden, das der 500.000 pulverisierten Japaner in Hiroshima und Nagasaki, die Opfer des russischen Kommunismus, des weißen Rassismus und des zügellosen Kapitalismus. Und ich beweine vor allem, dass wir das feiern.

s.auch: Give appeasement a chance

If the world treated WWII like the war on terrorism

Wie hätten unsere Medien über den Zweiten Weltkrieg berichtet?

5 Antworten to “Ein Antiimperialist zum Kriegsende 1945”

  1. Pirat Vogel Says:

    Ein interessanter Artikel. Ein paar typische Stereotypen „antikapitalistischer“ und „antiimperialistischer“ Rhetorik kommen hier zum Vorschein.

    „Es gab in Deutschland unter den nationalen Sozialisten weder einen zügellosen Kapitalismus noch kommunistische Tyrannei, Hitler fand einen beneidenswerten Mittelweg.“

    Die Sehnsucht nach dem Mittelweg zwischen Kapitalismus und Kommunismus gibt es offenbar schon lange. Sah man in Ayatollah Khomeini nicht auch einen Vertreter eines „dritten Weges“? Blöderweise entpuppen sich die Hoffnungsträger des Mittelwegs meist schnell als Tyrannen.

    „Auch Japans antikolonialer Befreiungskrieg in Ostasien …“

    Typisch. Imperialismus nennt man es nur, wenn es westliche Nationen machen. Wenn nicht-westliche Länder eine Expansionspolitik betreiben, dann ist das „Anti-Imperialismus“.

    Einen Kritikpunkt kann man dennoch nicht ganz von der Hand weisen: Waren die Sowjets wirklich besser als die Nationalsozialisten? War es wirklich klug von den Alliierten, sich mit ihnen zu verbünden? Diese Frage kann man aber auch stellen, ohne den Nationalsozialismus zu verharmlosen und zu glorifizieren, wie es Jacob Austin tat. Edgar Dahl zeigt vor, wie man das machen kann: http://www.scilogs.de/wblogs/blog/libertarian/allgemein/2011-06-16/operation-barbarossa.

    • arprin Says:

      Das Bündnis mit der Sowjetunion war letztlich notwendig, um die Nazis zu besiegen. Denn die Sowjets hätten ohne die militärische Hilfe vom Westen womöglich früh den Krieg verloren und Europa wäre verloren gewesen.

      Zu Edgar Dahl: Hitler wollte nicht nur die Vorherrschaft in Europa, er wollte ein Großgermanisches Reich gründen, indem alle „Untermenschen“ vernichtet worden wären. Seine Absicht, alle Juden auszulöschen, hatte er schon 1919 kundgetan und 1942 in der Wannseekonferenz auch eindeutig formuliert. Und Stalin war natürlich ein Massenmörder, aber er propagierte den „Sozialismus in einem Land“, d.h. er wollte zuerst den Sozialismus in der UdSSR aufbauen, das Ziel der Weltrevolution war verschoben worden. Das es einige Funktionäre gab, die dies dennoch planten, ist klar, aber sie waren wohl nicht in der Mehrheit. Der deutsche Angriff hat Stalin völlig überrascht.

      „…wie es Jacob Austin tat.“

      Nicht doch, dies ist eine Satire. Es gab keinen Jacob Austin, das ist eine Anspielung auf Jakob Augstein vom Spiegel.

  2. besucher Says:

    Hast Du Dir den Text vom Elsässer redigieren lassen? 😉

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