Interview mit einem Mahdi

Mahmud Achmedinedschad war bis jetzt noch in keiner deutschen Fernsehshow, er hat lediglich dem Spiegel in Teheran ein sehr amüsantes Interview gegeben. In den USA hat er es weiter gebracht: Er war bereits bei Larry King zu Gast und konnte dort sein Weltbild zur Schau stellen:

In dem Interview, indem Larry King ihn ständig unterbrach, äußert er 3 revolutionäre Erkenntnisse, die seine Forschungen zum Holocaust ergeben hätten:

1. Der Holocaust fand in Deutschland statt, nicht in Palästina.
2. Der Zweite Weltkrieg forderte 60 Millionen Tote, die 6 Millionen Juden werden also überbewertet.
3. Historiker sollten Forschungen über den Holocaust führen dürfen, ohne verhaftet zu werden.

Soll heißen: Da der Holocaust nicht in Palästina stattfand, sollten die Juden aus der Gegend verschwinden, am liebsten nach Deutschland oder Alaska. Dass das Existenzrecht Israels sich nicht vom Holocaust ableitet, sondern aus der UN-Resolution Nr. 181 vom 29.November 1947, wird ihn wohl genauso wenig interessieren wie dass es nach 1948 mehr jüdische als palästinensische Flüchtlinge gab. Zu Punkt 3 stellt sich bei mir die Frage: Wenn es überhaupt keinen Holocaust gab, dürfen die Juden dann nicht mal in Deutschland oder Alaska einen Staat errichten?

Um für Meinungsfreiheit zu kämpfen, organisierte Achmedinedschad im Jahr 2006 eine „Holocaustkonferenz, in dem Islamisten, Rechtsextreme und Antizionisten die „offizielle Version“ des Holocausts „überprüfen“ und über das Existenzrecht Israels „diskutieren“ wollten. Nicht nur Achmedinedschad fällt durch solche Aktionen auf. Im Jahre 2007 sorgte der iranische Atom-Chefunterhändler Ali Laridschani für ein Eklat, in dem er den Holocaust als „offene Frage“ bezeichnete. Zwei Jahre später nahm er erneut ähnliche Positionen ein.

In verschiedenen Programmen der staatlichen iranischen Sendeanstalt IRIB wird permanent der Holocaust geleugnet. Am 5. Mai 2010 strahlte das dem IRIB gehörende Al-Alam-TV eine Sendung aus, in der die Existenz von Gaskammern im Nationalsozialismus geleugnet wurde. Auf die Frage eines Interviewers, ob der Holocaust überhaupt stattgefunden habe, antwortet ein jordanischer Intellektueller Ali Hatar, dass „bis heute kein Beweis für die Existenz des Holocaust geliefert worden sei.“ Hatar meint, dass „historische Revisionisten daran gehindert worden sind den Holocaust zu erforschen.“ Er äußerte auch die Überzeugung, dass in den Konzentrationslagern niemand ermordet worden sei und bezieht sich dabei auf einen Bericht des internationalen Roten Kreuzes aus dem Jahr 1949 (siehe hier ein Video dieser Sendung).

Mahmuds Übersetzer

Seit Jahr 2005 wird Achmedinedschad vorgeworfen, Israel mit der Vernichtung gedroht und den Holocaust geleugnet zu haben. Einige westliche Lichtgestalten wie Katajun Amirpur von der Sueddeutschen und Jürgen Todenhöfer von der Taliban-Pressestelle können dies aber nicht glauben, obwohl sogar der IRIB den Satz „wiped off the map“ gebrauchte. Na ja, vielleicht haben sie ihn ja auch falsch übersetzt.

Was ist aber dann mit diesen Aussagen?

„Das iranische Volk und andere Völker werden nicht eher ruhen, bis das gesamte palästinensische Territorium befreit ist.“

„Ihr habt sie unterdrückt, also gebt dem zionistischen Regime einen Teil Europas, damit sie dort die Regierung einsetzen, die sie wollen. Wir würden das unterstützen… Deutschland und Österreich sollten „eine, zwei oder egal wie viele ihrer Provinzen“ abgeben, damit dort der jüdische Staat entstehen könne.“(Quelle)

„Kanada und Alaska haben derart große Landschaften, warum können die Israelis nicht einfach dorthin umgesetzt werden und sich dort mit den jährlichen Zuwendungen von 30 bis 40 Milliarden Dollar eine neue Existenz aufbauen.“(Quelle)

„Wie ein Krebsgeschwür, das sich im Körper ausbreitet, infiziert dieses Regime jede Region… Es muss aus dem Körper entfernt werden.“(Quelle)

Nicht nur Achmedinedschad, auch die geistige Führung des Iran ist ebenfalls permanent damit beschäftigt, gegen Juden und Israel zu hetzen. Der Revolutionsführer Ayatollah Khamenei nannte Israel einen „Krebsgeschwür“, das die Politik der westlichen Welt manipuliere und das Leben in der islamischen Welt „wie ein Tumor auffresse“. Ein Jahr später wiederholte er die Aussage und sagte, er wolle diesen Krebsgeschwür „herausschneiden“.

Noch Fragen, Frau Amirpur und Herr Todenhöfer?

2 Antworten to “Interview mit einem Mahdi”

  1. aron2201sperber Says:

    die Strafbarkeit der Holocaustleugnung in Deutschland und Österreich hat nicht das Geringste mit Israel zu tun, sondern ausschließlich mit der Strafverfolgung einheimischer Rechtsextremer

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/11/29/leugner-der-holocaustleugnung/

    in den USA oder GB steht die Holocaustleugnung nicht unter Strafe, trotzdem stehen die Regierungen enger hinter Israel als die deutschen oder österr. Regierungen, die mit den iranischen Holocaustleugnern regen Handel betreiben.

    • arprin Says:

      Es ging hierbei um Achmedinedschad, der benutzt den Holocaust zur Delegitimisierung Israels, weil der jüdische Staat ja dann in Deutschland hätte gegründet werden sollen.

      Ich finde aber auch, dass Holocaustleugnung nicht unter Strafe gestellt werden sollte. Sonst müsste man ja auch die Völkermorde in Armenien, Ruanda, Sreberenica, Darfur usw. gesetzlich „schützen“.

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