Die Lust am Weltuntergang

Osamas Erbe in New York

Ankündigung der Apokalypse?

„Es gibt eine gewisse Unruhe in der Nostradamus-Gemeinde, dass in den Jahren 2010 bis 2012 fast so etwas wie ein Weltkrieg entstehen könnte“ hieß es 2003 im Spiegel.

Nostradamus ist der bekannteste Prophet der Geschichte. Obwohl sich bis jetzt keine einzige Prophezeiung erfüllt hat, sondern nur im Nachhinein so interpretiert wurde, glauben noch immer viele an seine Verse. Was Elvis für den Rock’n’Roll ist, ist Nostradamus für die Esoterik-Branche. Der Modedesigner Paco Rabanne verkündete 1999 seinen Rücktritt aus der Haute Couture, da Nostradamus den Weltuntergang für den 31. Juli prophezeit hatte. Die Astrologin Elizabeth Tiessier schwankte zwischen einem UFO-Angriff, einem Meteoriteneinschlag oder den Absturz einer NASA-Raumsonde voller Plutonium. Am Ende geschah nichts, aber man bekam in den nächsten Monaten noch zwei Chancen.

Allerdings geschah weder auch während der Sonnenfinsternis am 11. August noch am Milleniumstag irgendwas Besonderes. Das Y2K-Weltuntergangsszenario blieb ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Dabei waren 20% der Amerikaner überzeugt, dass im Jahr 2000 die Welt untergeht. Die Weltuntergangspropheten haben natürlich nicht aufgehört, vor dem Jüngsten Gericht zu warnen. Im Jahr 2006 sollte gemäß dem „Bibel-Code“ das Ende aller Tage kommen, 2011 prophezeite der amerikanischer Pfarrer Harold Camping gleich zweimal erfolglos den Weltuntergang (den er bereits 1988 und 1994 prophezeit hatte!), und für dieses Jahr sind eine ganze Reihe von Propheten und alten Vorhersagen den Weltuntergang überzeugt: Die Mayas für den 21. Dezember, die Hopi- und Cherokee-Indianer, die indischen Kali-Yuga, die Zulu, die alten Ägypter, die Tibeter, der irische Mönch Malachias, viele zeitgenössische Astronomen, erneut der Bibelcode und angeblich mal wieder Nostradamus. Einerseits kann man über solche Glaubensfanatiker lächeln. Andererseits ist es so, dass dank solcher Apokalyptiker bereits Tausende Menschen gestorben sind.

Der Führer der Volkstemplersekte, Jim Jones, befahl im Jahr 1978 923 seiner Mitglieder, Selbstmord zu begehen. Im texanischen Waco begangen 1993 85 Sektenmitglieder Selbstmord. In den Jahren 1994, 1995 und 1997 starben in Kanada, Frankreich und der Schweiz mehr als 70 Mitglieder der Sonnentempler. 778 Mitglieder der Sekte von Joseph Kibweteere starben am 17. März 2000 in Uganda. Maria Devi Christos, der Führer der aus Russland stammenden „Weißen Bruderschaft“ plante vor seiner Verhaftung 1993 den Massenselbstmord von 500.000 Mitgliedern seiner Sekte. Und Mahmud Achmedinedschad glaubt, dass der zwölfte Mahdi in unserem Zeitalter erscheinen wird. Um zu überprüfen, ob es sich dabei um den jordanischen König Abdullah handelt, wollte man ihn in den Iran einladen und beim Baden in einem Thermalbad heimlich beobachten – denn der Mahdi soll ein Muttermal auf seinem Rücken haben. Woher kommt diese ausgeprägte Lust am Weltuntergang? Ich habe drei Thesen:

1. Es gibt ein sicheres Gefühl, zu wissen, wann die Welt untergeht. Jeder Mensch hat irgendwann mal Angst vor dem Tod. Wenn man weiß, wann er kommt, kann das für einen Menschen tatsächlich beruhigend wirken.

2. Man hält seine eigene Kultur oder sein Zeitalter für das Höchste, was die Menschheit erreicht hat. Deswegen ist es unvorstellbar, dass man selbst untergeht, während sich die Welt weiter dreht. Als die Juden von den Römern unterdrückt worden, erschienen Dutzende Messias, die vom Weltuntergang überzeugt waren. Die Zeugen Jehovas sind immer wieder überzeugt, dass es kein Zufall sein kann, dass es in jeweiligem Zeitalter so viele Kriege, Wirtschaftskrisen, Naturkatastrophen und Krankheiten gibt. Die Folge: 1894, 1914, 1925 und 1975 wurde gleich viermal der Weltuntergang prophezeit.

Der Irrglaube, dass sich Extremen zum Schlimmeren verändern, ist kulturhistorisch keine Seltenheit. Auch heute glauben viele ernsthaft, dass wir uns in einer Zeit von ungewöhnlich vielen Naturkatastrophen, Krankheiten, Wirtschaftskrisen und  Kriegen befinden, was natürlich nicht stimmt. Ein Zitat des amerikanischen Schriftstellers William Faulkner (1897-1962) bringt es auf dem Punkt: „Die Menschen sind heutzutage nicht schlechter, als sie früher waren. Nur die Berichterstattung über ihre Taten ist gründlicher geworden.“

3. Man ist einfach verrückt. Dieser Grund darf natürlich nicht unterschätzt werden. Psychische Probleme treiben Menschen oft zu irrationalen Taten.

Eine Antwort to “Die Lust am Weltuntergang”

  1. shaze86 Says:

    Guter Artikel. Mir gehen diese Weltuntergangs-pfeiffen auch auf die Nervern.

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