Die politischen Darwin-Awards

Charles Darwin

Der Darwin-Award ist ein alljährlicher Preis, der an Menschen verliehen wird, die auf besonders dumme Weise zu Tode kommen oder sich unfruchtbar machen. Da gibt es diesen Mann, der morgens einen Anruf bekam und fälschlicherweise den Revolver „abnahm“ oder den Hot-Dog-Dieb, der, um seine Tat zu vertuschen, sein Beutegut mit einem Stück hinunterschlang- und dabei erstickte. Mit diesem Verhalten tragen diese Menschen gemäß der Evolutionstheorie zur natürlichen Selektion (Auslese) bei. Aber es sind nicht nur ganz gewöhnliche Menschen zufällig einen äußerst dummen Tod gestorben, sondern auch viele, die sich gerade auf politischer Mission befanden.

Hier die Top 5:

5. Malcolm Caldwell (1931-1978)

Der britische Marxist und Vater von vier Kindern war von Pol Pots Projekt und den Roten Khmern in Kambodscha begeistert. So machte er sich auf dem Weg in das abgeschottete Land. Im Dezember 1978 war er einer der ersten, denen es erlaubt wurde, in  das Land zu reisen. Dabei traf er seinen Idol Pol Pot. Doch er machte einen dummen Fehler: Er fragte, wo sich denn Prinz Sihanouk und andere verschwundene Minister aufhielten. Wenige Stunden nach dem Treffen wurde er auf Pol Pots Befehl hin erschossen. 30 Jahre lang ging man davon aus, dass die Vietnamesen hinter der Tat steckten, bevor die bittere Wahrheit herauskam.

4. Mitglied im „Nationalen Widerstand Jena“ (NWJ)

Ein Mitglied in der rechtsextremen Organisation aus Jena, die auch Kontakte zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ hatte, sprengte sich am 28.September 1998 beim experimentieren mit einer russischen Panzergranate selbst in die Luft und lieferte damit eine weitere Bestätigung für Darwins Theorien.

3. Robert Park (unbekannt)

Er ist zwar nicht tot, wäre es aber beinahe und gehört aufgrund seiner Geschichte unbedingt hier rein. Der aus Nordkorea stammende us-amerikanische Liebesprediger („Ich bringe Gottes Liebe“) überquerte Weihnachten 2009 den gefrorenen Fluss Tumen und gelang so nach Nordkorea. Er wurde sofort festgenommen. Dabei hatte er einen Brief mit sich, der Kim Jong-Il aufforderte, politische Gefangene freizulassen, die Menschenrechte zu achten und doch bitte zurückzutreten. Das Ergebnis: Sechs Wochen Gefängnis, Folter, sexueller Missbrauch und ein erzwungenes „Geständnis“, wonach er überzeugt sei, ein Fehler gemacht zu haben und der westlichen Propaganda nicht mehr glauben zu wollen.

Seht ihn euch an- So sieht man aus, nachdem man versucht hat, einen tyrannischen Diktator friedlich vom Rücktritt zu überzeugen:

Im Jahr 2010 wurde er in einer US-Klinik behandelt und als traumatisch gestört eingestuft, später unternahm er einen Selbstmordversuch. Im April 2011 schrieb er einen Artikel in der Washington Post: „When will we stop the genocide in North Korea?“ Auf jeden Fall wird er es wohl nicht mehr schaffen.

2. Vittorio Arrigoni (1975-2011)

Der italienische Aktivist vom International Solidarity Movement konnte im Gegensatz zum Leid der Menschen in Darfur, Sri Lanka und Tschetschenien bei den Palästinensern nicht wegsehen. Er machte sich auf die Reise in den Gazastreifen, schrieb ein Buch über seine Erlebnisse, verbreitete auf seinem Blog und Facebookseite radikale antisemitische Hetze und posierte mit dem noch radikaleren Hamas-Führer Ismail Haniyah. Doch das war der salafistischen Terrororganisation Tawhid wal-Jihad nicht genug. Sie entführten und töteten ihn nach Ablauf des Ultimatums. Immerhin: Sein Tod wurde von anderen Antisemiten für Verschwörungstheorien genutzt.

1. Giangiacomo Feltrinelli (1926-1972)

Auf Platz 1 landet wieder ein Italiener. Feltrinelli hatte als Verleger durchschlagenden Erfolg, aber was ihn wirklich faszinierte, war der Sozialismus und die Revolution. Er verbreitete ein Foto von Che Guevara, das Alberto Korda geschossen hatte, in Europa, und schuf damit eine Ikone. Später traf er sich mit Linksterroristen und ging in den Untergrund, um aktiv beim Kampf gegen den Kapitalismus mitzuwirken. Im März 1972 versuchte er, einen Hochspannungsmast in Mailand zu sprengen. Die Sprengladung ging vorzeitig los- Feltrinelli wurde tödlich verletzt und trug damit nach feinster darwinscher Lehre zur natürlichen Selektion der Menschheit bei.

11 Antworten to “Die politischen Darwin-Awards”

  1. aron2201sperber Says:

    Nummer 3 passt für micht nicht in diese Liste.

    es ist ein Unterschied, ob man beim Versuch, unbrechenbaren Tyrannen in den gefährlichen Arsch zu kriechen „verunglückt“, oder ob man eine zugegebenerweise sehr naive Tat gegen ein Terror-Regime ausführt.

    • arprin Says:

      Der Sinn des Preises ist ja: Dummheit, die den Tod kostet. Und man muss in politischer Mission gewesen sein. Beides trifft auf Park zu.

      Parks Dummheit hätte ihn fast sein Leben gekostet, dafür kriegt man den Darwin Award.

      • American Viewer Says:

        Ich halte fest:

        1. Die Aufnahme von Robert Park in die Liste ist geschmacklos. Jedenfalls aus der Sicht von aron und von mir.

        2. Park erfüllt nicht einmal annähernd die Kriterien der offiziellen Darwin Awards.

        3. Park erfüllt nicht einmal deine eigenen Kriterien für deinen Darwin Award. Du widersprichst dir nur mehrfach selbst, was die Kriterien angeht. Erst legst du fest, dass man tot oder unfruchtbar sein muss (was ja richtig ist), dann stellst du fest, dass Park beides nicht ist (was ja auch stimmt) und dann bekommt er doch den Darwin Award von dir! 😉

        Ansonsten ein guter, lustiger Artikel.

      • arprin Says:

        Wieso geschmacklos?

        Caldwell und Arrigoni sind tot. Wäre es nicht geschmacklos, wenn Park tot wäre?

        Ich hab bei den Kriterien eine Ausnahme gemacht, das steht ja auch da.

  2. aron2201sperber Says:

    wer fehlt, ist Che Guevara, der in Bolivien beim Revoluzzern umkam.

    • arprin Says:

      Ja, aber er wurde nicht von seinen eigenen Leuten oder durch einen Unfall getötet. Obwohl seine Mission natürlich ziemlich dumm war- mit 46 Mann eine Revolution zu starten. Aber nicht genung für den Darwin Award.

  3. Die imperialisten Antiimperialisten « Aron Sperber Says:

    […] https://arprin.wordpress.com/2012/01/09/die-politischen-darwin-awards/ […]

  4. rosine Says:

    O ja,die Pose stimmt.Libertärer Yuppie-Fun.
    Ihr habt niemals die cojones,euch in Lebensgefahr zu begeben,aber Leichenschändung ist chic.
    Was für traurige Helden ihr doch seid.
    Ich kannte Arrigoni.
    Schämt euch!! (Anstand ist ja unmodern,ich weiß)

    • arprin Says:

      Was ist das denn für ein Kommentar?

      Woher kommen sie auf die Idee, dass ich ein Libertärer wäre? Ich habe nichts mit H.H. Hoppe oder Ron Paul gemein. Und Yuppie bin ich auch nicht.

      Und warum sollte ich mich in Lebensgefahr begeben, um, wie Arrigoni es tat, mit totalitären Organisationen zusammenzuarbeiten? Da bleibe ich doch lieber zuhause.

  5. besucher Says:

    Prinz Norodom Sihanouk wurde jedenfalls nicht umgebracht. Der lebt immer noch und wird bald 90. Bitte korrigieren.

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