Archive for Januar 2012

Die politischen Darwin-Awards

Januar 9, 2012

Charles Darwin

Der Darwin-Award ist ein alljährlicher Preis, der an Menschen verliehen wird, die auf besonders dumme Weise zu Tode kommen oder sich unfruchtbar machen. Da gibt es diesen Mann, der morgens einen Anruf bekam und fälschlicherweise den Revolver „abnahm“ oder den Hot-Dog-Dieb, der, um seine Tat zu vertuschen, sein Beutegut mit einem Stück hinunterschlang- und dabei erstickte. Mit diesem Verhalten tragen diese Menschen gemäß der Evolutionstheorie zur natürlichen Selektion (Auslese) bei. Aber es sind nicht nur ganz gewöhnliche Menschen zufällig einen äußerst dummen Tod gestorben, sondern auch viele, die sich gerade auf politischer Mission befanden.

Hier die Top 5:

5. Malcolm Caldwell (1931-1978)

Der britische Marxist und Vater von vier Kindern war von Pol Pots Projekt und den Roten Khmern in Kambodscha begeistert. So machte er sich auf dem Weg in das abgeschottete Land. Im Dezember 1978 war er einer der ersten, denen es erlaubt wurde, in  das Land zu reisen. Dabei traf er seinen Idol Pol Pot. Doch er machte einen dummen Fehler: Er fragte, wo sich denn Prinz Sihanouk und andere verschwundene Minister aufhielten. Wenige Stunden nach dem Treffen wurde er auf Pol Pots Befehl hin erschossen. 30 Jahre lang ging man davon aus, dass die Vietnamesen hinter der Tat steckten, bevor die bittere Wahrheit herauskam.

4. Mitglied im „Nationalen Widerstand Jena“ (NWJ)

Ein Mitglied in der rechtsextremen Organisation aus Jena, die auch Kontakte zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ hatte, sprengte sich am 28.September 1998 beim experimentieren mit einer russischen Panzergranate selbst in die Luft und lieferte damit eine weitere Bestätigung für Darwins Theorien. (more…)

Er wird zum Mittäter

Januar 7, 2012
Kann er Syrien retten?

Jürgen Todenhöfers Lieblingsdiktator

Jürgen Todenhöfer reiste im Juni nach Daraa und schrieb über die Lage in Syrien:

„Der Einzige, der das Blatt noch wenden kann, ist Baschar al-Assad. Er muss sich an die Spitze der Reformbewegung stellen.“

Der syrische Geschäftsmann Rami Makhlouf antwortete in der NZZ auf die Frage, wie er die Medienberichterstattung zu Syrien erlebt: „Ein Bericht hat mich schockiert und geärgert: Der deutsche Autor Jürgen Todenhöfer konnte nach Daraa reisen: Er wurde bei seinem Besuch bereits in Damaskus vom Geheimdienst begleitet und manipuliert, doch schien er dies nicht zu bemerken. Er fragte sich nicht einmal, warum er die Kontrollpunkte auf der Strasse nach Daraa so einfach passieren konnte, wo doch sonst Ausländern jeglicher Zugang verwehrt wird. Von Daraa selbst wusste er nichts zu berichten, als dass er billige Kirschen kaufen konnte und einem Geheimdienstchef tief in die Augen geschaut hat. Makaber wirkte das auf die Leser, die am selben Tag sahen und hörten wie die Geheimdienste in mehreren Städten vom Helikoptern auf die Demonstranten schossen. Das syrische Regime hätte keine bessere Propaganda wünschen können“. (ich berichtete)

Im November besuchte er erneut Syrien. Dabei merkte er, dass es ein Einreiseverbot gegen ihn gab. Später stellte sich dies dann angeblich als “Fehler” heraus. Also machte er wieder Propaganda:

„Ich will wissen, wie viel Prozent in Homs hinter seinen Freunden, den Rebellen, stünden. “50 Prozent”, antwortet er. Wir bekommen einen furchtbaren Bürgerkrieg, wenn es nicht bald eine Lösung gibt.” Wieder staune ich: Nur 50 Prozent unterstützen den Aufstand von Homs? Doch ich höre diese Zahl mehrfach. Vor allem von Alawiten und Christen, die hier zwei Fünftel der Bevölkerung stellen.“

Ja, weiß der Bush-Hasser auch, wie viele Amerikaner 2000 und 2004 für Bush waren? Und wie viele Israelis für Sharon und Netanyahu? Und wie viele Deutsche für Hitler waren? Spielt es eine Rolle für die Beurteilung eines mörderischen Diktators, wie groß sein Rückhalt in der Bevölkerung ist? (more…)

Die Lust am Weltuntergang

Januar 7, 2012
Osamas Erbe in New York

Ankündigung der Apokalypse?

„Es gibt eine gewisse Unruhe in der Nostradamus-Gemeinde, dass in den Jahren 2010 bis 2012 fast so etwas wie ein Weltkrieg entstehen könnte“ hieß es 2003 im Spiegel.

Nostradamus ist der bekannteste Prophet der Geschichte. Obwohl sich bis jetzt keine einzige Prophezeiung erfüllt hat, sondern nur im Nachhinein so interpretiert wurde, glauben noch immer viele an seine Verse. Was Elvis für den Rock’n’Roll ist, ist Nostradamus für die Esoterik-Branche. Der Modedesigner Paco Rabanne verkündete 1999 seinen Rücktritt aus der Haute Couture, da Nostradamus den Weltuntergang für den 31. Juli prophezeit hatte. Die Astrologin Elizabeth Tiessier schwankte zwischen einem UFO-Angriff, einem Meteoriteneinschlag oder den Absturz einer NASA-Raumsonde voller Plutonium. Am Ende geschah nichts, aber man bekam in den nächsten Monaten noch zwei Chancen.

Allerdings geschah weder auch während der Sonnenfinsternis am 11. August noch am Milleniumstag irgendwas Besonderes. Das Y2K-Weltuntergangsszenario blieb ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Dabei waren 20% der Amerikaner überzeugt, dass im Jahr 2000 die Welt untergeht. Die Weltuntergangspropheten haben natürlich nicht aufgehört, vor dem Jüngsten Gericht zu warnen. Im Jahr 2006 sollte gemäß dem „Bibel-Code“ das Ende aller Tage kommen, 2011 prophezeite der amerikanischer Pfarrer Harold Camping gleich zweimal erfolglos den Weltuntergang (den er bereits 1988 und 1994 prophezeit hatte!), und für dieses Jahr sind eine ganze Reihe von Propheten und alten Vorhersagen den Weltuntergang überzeugt: Die Mayas für den 21. Dezember, die Hopi- und Cherokee-Indianer, die indischen Kali-Yuga, die Zulu, die alten Ägypter, die Tibeter, der irische Mönch Malachias, viele zeitgenössische Astronomen, erneut der Bibelcode und angeblich mal wieder Nostradamus. Einerseits kann man über solche Glaubensfanatiker lächeln. Andererseits ist es so, dass dank solcher Apokalyptiker bereits Tausende Menschen gestorben sind. (more…)

Wiedervereinigung zwischen Deutschland und Haiti?

Januar 6, 2012

Ein Satellitenbild der NASA aus dem Oktober 2009 zeigt Nordkorea völlig verdunkelt

Nach dem Tod von Kim Jong-Il hat sein mutmaßlicher Nachfolger Kim Jong-Un noch keine Anzeichen einer Reform oder Öffnung gegeben. Die südkoreanische Führung strebt dagegen schon länger eine Wiedervereinigung zwischen dem Norden und dem Süden an. Dafür wurden bereits die Kosten berechnet. Die Regierung machte überdies den Vorschlag, dass nordkoreanische Flüchtlinge von China aus direkt nach Südkorea kommen können. Doch da ist noch ein Problem: Die wirtschaftliche und soziale Situation Nordkoreas ist so katastrophal, dass viele Südkoreaner eine Wiedervereinigung befürchten.

Im Vergleich zu Nord- und Südkorea waren die Unterschiede zwischen BRD und DDR minimal. Die Angst vor der Wiedervereinigung ist im Süden eine politische Inkorrektheit, wird aber von vielen geteilt. Dabei war der Norden bis Ende der 1960er Jahre politisch und wirtschaftlich dem Süden überlegen. Danach begann im Norden ein wirtschaftlicher Zusammenbruch, von dem sich die kommunistische Diktatur bis heute nicht erholt hat. Südkorea stieg in der Zeit von einem Entwicklungsland zu eine der größten Industrienationen der Erde auf und im Jahr 1988 kam es nach Jahrzehnten von Diktatur erstmals zu einer demokratischen Regierung. Die Unterschiede zwischen den beiden Ländern sind kaum zu beschreiben. Anhand einiger Beispiele lässt sich das verdeutlichen. (more…)

Syrien = Sri Lanka

Januar 5, 2012

Hamza Al-Khateeb jagt Assad- Karikatur von Carlos Latuff

Der Aufstand in Syrien zeigt immer mehr die Merkmale eines Bürgerkriegs. Noch ist es ein Gemetzel der syrischen Armee und den Sicherheitskräften, die seit einigen Monaten ebenfalls von Gewalttaten islamistischer Gruppierungen oder Deserteuren beantwortet werden. Aber sollte Assad noch lange auf Gewalt setzen, könnte sich das ändern. Die Opposition ist momentan noch gegen den bewaffneten Kampf, doch viele Demonstranten scheinen keinen anderen Ausweg zu sehen, als sich Milizen anzuschließen.

Die aktuelle Lage zeigt einige erstaunliche Parallelen zum Vorgehen der sri-lankischen Armee beim Bürgerkrieg gegen die Tamil Tigers. Vom Januar bis Mai 2009 besiegte sie in einem umfassenden Militäreinsatz die Tamil Tigers-Rebellen. Für diesen Einsatz wurden sorgfältig alle ausländischen Journalisten des Landes verwiesen- genauso wie in Syrien. Präsident Rajapaksa sagt bis heute, dass kein einziger Zivilist getötet wurde- Assad sagt, dass es zumindest kein Befehl gab, Zivilisten zu töten.

In Wirklichkeit schätzte man die Zahl der Toten auf 7-9.000, andere gingen von 40.000 aus. Diese Zahl wurde auch in einer Dokumentation der BBC genannt. Manche gehen sogar von der doppelten Anzahl aus, also 80.000. In Syrien geht die UNO mittlerweile von 5.000 Toten aus, sagt aber gleichzeitig, dass es noch viel mehr sein könnten. Regimekritiker hatten schon im August die Zahl von 5.360 Toten aus, ein Deserteur schätzte Ende desselben Monats in einem Interview mit der ZEIT die Zahl auf 12.000. Eine weitere Parallele: Die Verbrechen werden von westlichen Sofastrategen regelrecht gefeiert. (more…)

Diktatorenliebe: Die wahren Fidel Castros

Januar 4, 2012
Das waren noch Zeiten: Che Guevara und Fidel Castro beim Revolutionieren

Das waren noch Zeiten: Che Guevara und Fidel Castro beim Revolutionieren

Sicher haben sie bei einer Diskussion mit einem Linken auch mal den Einwand gehört, dass, obwohl Fidel Castro ein Diktator ist, er seinem Land zumindest ein funktionierendes Gesundheits- und Bildungssystem beschert hat und Kuba dank ihm nicht mehr das „Bordell der USA“ ist. Ein Diktator ist natürlich erstmal was Schlechtes, aber wenn er seinem Land was Gutes bringt, scheinen manche gerne mal darüber hinwegzusehen. Umfragen zeigen, dass viele Deutsche sich einen „starken Führer“ wünschen. Nach dem Libyenkrieg wurde Gaddafi mit Propagandamythen (mein absoluter Liebling: „Alle Frischvermählten in Libyen erhielten 50.000 US-Dollar“) posthum zum neuen Jesus erklärt, heute zeigen viele Solidarität mit Assad und Putin. Die Demonstranten werden als „vom Ausland bezahlt“ oder gar als „Terroristen“ bezeichnet.

Fidel Castro, Gaddafi, Assad und Putin haben eins gemeinsam: Sie sind oder waren alle Gegner des Westens. Menschen auf der Suche nach Alternativen zum Kapitalismus und Demokratie findet sie allein schon deshalb anziehend. Ihr Weltbild ist einfach: Unsere Politiker verkaufen uns an Goldman Sachs, führen Angriffskriege um Ressourcen und zerstören die Umwelt – und wenn du dich wehrst, kommt die Polizei und holt dich ab. Na gut, in Kuba, Libyen, Syrien und Russland kommt zwar auch oft die Polizei und holt dich ab, aber dafür verkaufen sie ihr Volk nicht an Goldman Sachs und führen keine Angriffskriege. Also: Lieber Fidel Castro, Gaddafi oder Putin als Merkel, Sarkozy und Obama?

Es ist ja durchaus nicht so, dass es keine Diktatoren und Massenmörder gab, die ihrem Land Gutes brachten. Nur leider waren es mit Ausnahme Chinas so gut wie nie Feinde des Westens, sondern Diktatoren, die nicht selten von der CIA an die Macht gebracht wurden. Da gab es mal einen General in Chile … und einen protzigen Monarchen im Iran … aber ich würde niemals auf die Idee kommen, sie aufgrund ihrer Verdienste zu verehren – denn sie waren Diktatoren und haben Menschen zu Tode foltern lassen. Das nachfolgende Ranking soll deshalb verdeutlichen, wie lächerlich und menschenverachtend es ist, wenn man Despoten wie Fidel Castro, Putin oder Gaddafi lobt. Macht euch bereit für die besten Diktatoren der Geschichte! (more…)

Die unglaubliche Geschichte einer Moschee in Deutschland

Januar 2, 2012

Ein Bericht bei „Titel, Thesen, Temperamente“ über die Freimann-Moschee in München:

Viele ahnungslose Einwohner sind wohl einfach so vorbeigefahren und haben nie was Verdächtiges bemerkt. Kein Wunder, die Freimann-Moschee in München befindet sich an einem ziemlich ruhigen Ort. Und doch war diese Moschee alles andere als gewöhnlich. Hier spielte sich eine unglaubliche Geschichte ab, die selbst für einen phantasievollen Krimiautor zu viel des Guten wäre. Alles ist vorhanden- Hitler, die CIA, Gaddafi und die Muslimbrüder.

Die Freimann-Moschee war jahrzehntelang ein Stützpunkt des Islamismus in der ganzen Welt. Die Autoren Ian Johnson und Stefan Meining haben letztes Jahr ihre Geschichte nachgeforscht. Sie führt uns bis in die Anfangszeit des Islams in Deutschland. Meining äußert: „Hier laufen nicht nur die Fäden der deutschen Kriegs- und Nachkriegsgeschichte zusammen, sondern auch der Weltgeschichte“. Johnson nennt sie die „vierte Moschee“- neben der Großen Moschee in Mekka, dem Felsendom in Jerusalem und der Blauen Moschee Istanbul. Auf jeden Fall war sie bis vor einigen Jahren einer der wichtigsten Moscheen der Welt.

Die Nazis und der Islam

Die Nazis sahen in dem Islam einen potenziellen Verbündeten im Kampf gegen den Bolschewismus und dem internationalen Finanzjudentum. Nach der Machtergreifung begannen sie, die damals einzige deutsche Moschee in Berlin für ihre Propagandazwecke zu instrumentalisieren. Sie kooperierten mit dem palästinensischen Großmufti al-Husseini, der für die Nazis antisemitische Propaganda in der muslimischen Welt betrieb und in Bosnien an der Aufstellung einer eigenen Legion beteiligt war. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion machte die deutsche Wehrmacht Millionen sowjetische Kriegsgefangene. Zehntausende Muslime aus Zentralasien und dem Kaukasus fallen in die Hände der Nazis.

Gerhard von Mende, ein Rassentheoretiker in Diensten der NSDAP, kam auf die Idee, diese Muslime für den Kampf gegen die Sowjetunion zu rekrutieren. Der Plan ging auf: Muslime dienten in den sogenannten „Ostlegionen“ und anderen Verbänden, oft gezwungen oder um den Bedingungen in den Kriegsgefangenenlagern zu entkommen. Viele unter ihnen begangen Kriegsverbrechen und konnten deshalb nicht mehr in ihre Heimatländer zurückkehren. von Mende wurde von den Alliierten und der BRD wie viele andere Ex-Nazis verschont und begann einige Jahre nach dem Ende des Dritten Reichs, seine alte Betätigung wieder aufzunehmen. Er entwickelt den Plan, in München, wo sich viele Ostlegionäre niedergelassen hatten, eine Moschee als Verbindung zur islamischen Welt zu schaffen. Von dort aus sollten sie den Kampf gegen die Sowjetunion unterstützen. (more…)

Warum Sozialismus so anziehend ist

Januar 1, 2012

Obwohl er noch sehr lebendig ist, hat Karl Marx auch ein Grab

Einer Umfrage der Bertelmannsstiftung nach wünschen sich 88% der Deutschen ein „neues Wirtschaftssystem“. Das derzeitige System berücksichtige weder den Schutz der Umwelt, noch den sorgsamen Umgang mit den Ressourcen oder den sozialen Ausgleich in der Gesellschaft genügend. Eine andere Umfrage zeigte, dass nur 46% der Deutschen vom Kapitalismus überzeugt sind. Noch düsterer sieht es in Frankreich aus: Nur 15% der Franzosen sind vom Kapitalismus überzeugt, 33% sind der Meinung, man müsste ihn abschaffen.

Kritik am System ist natürlich legitim, aber wer kann ernsthaft den Kapitalismus als Ganzes abschaffen wollen? Es gibt keine vergleichbare Alternative zum Kapitalismus. Der Kapitalismus ist eine der, wenn nicht sogar die beste Erfindung der Menschheit. Auch wenn manche Menschen über die „schlimmen“ Verhältnisse hier meckern, so ist es zweifelsfrei so, dass der Lebensstandard der Bevölkerung nirgendwo auf der Welt flächendeckend so hoch ist wie in den Ländern mit der größten kapitalistischen Tradition.

Die einzige Alternative war der Sozialismus. Die Marxisten erleben besonders seit der Finanzkrise ein großes Comeback. Man sehnt sich nach einer Ideologie, die 100 Millionen Tote gefordert hat. Normalerweise ist es so, dass wenn ein Plan 50-mal schief geht, man sich lieber einen anderen sucht. Ein Sozialist denkt sich aber: Egal – vielleicht wird’s beim 51. Versuch besser. Welche Gründe gibt es dafür, dass so viele Menschen im Sozialismus trotz der historischen Erfahrungen noch immer was Gutes sehen? (more…)