Wulff und Waldsterben

Wird er die Kreditaffäre überleben?

In den 1980ern erklärten Umweltschützer, Politiker und die Presse, dass der deutsche Wald durch den sauren Regen, der über den Wald niederregnet, vom Aussterben bedroht wäre. Eine gigantische Panikwelle rollte über das Land, zu einer Zeit, in der, wie man heute weiß, die Waldfläche in Deutschland zu statt abnahm. In Frankreich konnte man über die deutschen Ängste nur müde lächeln und erfand den Begriff „Le Waldsterben“. Nun sorgt ein anderes deutsches Thema für Verwirrung in Frankreich- die Kreditaffäre des Bundespräsidenten Christian Wulff.

Der Focus schrieb über die Reaktion der Franzosen über die Wulff-Affäre: „In den Fernsehbeiträgen sehen sich die Korrespondenten gezwungen, immer wieder zu betonen: Transparenz, saubere Kontoführung, keinen Korruptionsverdacht aufkommen zu lassen – all das sei für die Deutschen „ganz wichtig“. Denn die Franzosen ticken anders: Der vorbestrafte Alain Juppé ist Außenminister, Ex-Präsident Jacques Chirac hatte zeitweise sieben Ermittlungsverfahren gegen sich laufen – ohne dass das die Menschen besonders bewegt hätte.“

Wie man gestern bei Markus Lanz erfahren konnte, haben Politiker in Frankreich es überhaupt nicht nötig, sich so anzustrengen, um unpolitische Tätigkeiten finanziert zu bekommen. Sie können sich einfach in einem Fonds bedienen, der allen Politikern des Landes offen steht. Und Sarkozy drohte einer Zeitung, die einen nach seiner Ansicht verleumderischen Artikel über seine Carla Bruni geschrieben hatte, mit wesentlich heftigeren Worten als es Wulff mit der BILD tat. Nicht nur in Frankreich ist man erstaunt über die Kritik an Wulff.

In Großbritannien ist die Kreditaffäre nicht mehr als eine Agenturmeldung wert, in den USA wissen die meisten Bürger sowieso nicht, dass Deutschland einen Bundespräsidenten hat, obwohl es einige Korrespondentenberichte in den großen Zeitungen gibt. In einem Land ist die Affäre aber tatsächlich ein sehr großes Thema, dass in den Medien rege diskutiert wird und es sogar auf das Titelblatt der größten Tageszeitung schaffte: Die Türkei. Denn Wulff hat sich dort mit seiner Aussage, dass der Islam zu Deutschland gehört, beliebt gemacht.

Wie wird die Wulff-Affäre am Ende ausgehen? Der Stufenplan zur Vernichtung einer öffentlichen Person ist bei Wulff noch immer voll im Gange. Heute wurde mal wieder ein neuer Vorwurf erhoben: Wulff nutzte das Firmen-Handy eines Freundes. Viele Politiker fordern seinen Rücktritt. Wulff hat sich nun zwei Monate halten können. Aber das heißt ja nichts, davon kann sein syrischer Amtskollege ein Lied singen. Malte Lehming hat wohl den treffendsten Kommentar zur Affäre beigesteuert: „Die Deutschen sind von Misstrauen durchdrungen. Sie verdächtigen alle Politiker der Korruption, beschimpfen einander als Rassisten oder fordern komplette Transparenz.“

2 Antworten to “Wulff und Waldsterben”

  1. shaze86 Says:

    Tut mir leid aber ich kann deinen Zynismus nicht ganz teilen.

    Das Waldsterben war doof. Das Vorteilsnahme eine Strafbare Handlung ist, finde ich aber gut. In diesem Fall ist Frankreich auch kein guter Ratgeber. Gehörte bis vor kurzem noch sexuelle Belästigung zum guten Ton. Dass den Briten und den Amerikanern der Wullf-Fall egal ist, liegt doch auf der Hand. Genauso gut hätte man einen Arabar, einen Chinesen oder einen Inder fragen können.

    Wullf ist einfach nur noch eine Witzfigur. Das fängt schon damit an, dass er seine Ministerposten-Freunde für wahre Freunde hält…

    Allerdings, wie sieht es bei den Journalisten selber aus? Dort nehmen garantiert auch nicht zu wenige sehr oft und sehr gerne Vergünstigungen mit.

    • arprin Says:

      Nun, ich finde die ganze Hysterie einfach übertrieben, aber natürlich war Wulffs Tat auch nicht gerade klug. Dennoch sollte es ja irgendwann mal gut sein für die Presse. Ein Rücktritt Wulffs fände ich völlig übertrieben.

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