Der angekündigte Völkermord

Ayatollah Chomeini nach seiner Rückkehr in den Iran

Vor fünf Tagen verkündete die iranische Website Alef, die eng mit dem iranischen Rahbar (in den westlichen Medien meist Oberster Revolutionsführer genannt) Ayatollah Ali Khamenei verbunden ist, eindeutige Vernichtungsdrohungen gegen Israel und alle Juden.

„Die iranische Regierung hat soeben erneut ein Dokument publiziert, das deutlicher als bisher zur Zerstörung Israels aufruft… Die Forderungen erschienen zunächst auf der islamischen Website Alef, die eng mit dem obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei … verbunden ist. Wörtlich heisst es „Wir sollten nicht die Möglichkeit verstreichen lassen, die Juden zu beseitigen“. Es gäbe die „rechtswissenschaftliche Rechtfertigung“, alle Juden zu töten – und Israel zu zerstören – und die „islamische Regierung des Iran muß dabei das Kommando übernehmen“.

Der Text wurde von islamischen Analytiker und Strategen Alireza Forghani verfasst, der Khamenei nahesteht – und wurde auf die meisten Websites der iranischen Regierung übertragen. Der Text erschien auch in den Meldungen der Nachrichtenagentur Fars, die von den Revolutionsgarden kontrolliert wird. Das Papier erklärt, dass der Iran nach islamischen Recht einen Grund hat, einen zerstörerischen Angriff gegen Israel durchzuführen, da Israel Irans Atomanlagen angreifen wolle. Forghani rechtfertigt Angriffe auf Zivilisten unter Berufung auf die von Ayatollah Khomeini benannte Regel, dass Muslime im Dschihad gegen Feinde, die eine islamische Nation aggressiv angehen würden, Krieg führen sollten. Forghani will andere arabische Staaten zum Krieg gegen Israel vereinen.“

Erstaunlicherweise haben deutsche Medien so gut wie nichts darüber berichtet. Die britische Daily Mail war die einzige relevante westliche Zeitung, die einen Artikel zu Khameneis Genozidaufruf brachte. Diese Funkstille ist jedoch kein Einzelfall, die deutschen Medien berichten selten über die Hasspropaganda in Palästina oder neuerdings besonders in Ägypten (wo es schon zu Mubaraks Zeiten Stürmer-ähnliche Hetze gegen Juden gab). Der iranischstämmige Dr. Wahied Wahdat-Hagh hat in der Achse des Guten über Forghanis Artikel berichtet und sich dabei auch die Leserkommentare angeschaut.

“Tod Israel. Wir sind bereit, den Märtyrertod zu sterben. Wir zählen die Sekunden bis der letzte Krieg gegen Israel beginnt. Habt keine Angst. Gott ist mit uns und er wird jeden Israeli einzeln zerstückeln.”

“Unsere menschliche Pflicht ist es, Schritte zur Vernichtung Israels zu unternehmen.“

„Nur nach der Vernichtung Israels ist ein Frieden möglich. Außerdem ist Israel auch eine Belastung für die USA.”

Aber es gab auch sehr viele kritische Kommentare, wie diese hier:

“Ihr habt den Text sogar auf Englisch übersetzt. Das ist genau das, was die Kriegstreiber in Amerika und in Israel wollen.”

“Nach dem Lesen dieses Artikels bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass Amerika und Israel recht haben, wenn sie sagen, dass Iran nicht ein Atomstaat werden darf. Herr Forqani, wenn Sie das bezweckt haben, waren Sie richtig erfolgreich.”

“Welcher kluger Kriegstreiber legt seine Strategien offen auf den Tisch?”

“Bruder, gehe alleine in den Jihad und schicke uns bitte nicht in den Krieg.”

Die Mullahs und der kollektive Märtyrertod des Iran

Achmedinedschad hat gestern, dem 33.Jahrestag der islamischen Revolution, verkündet, dass der Iran in den nächsten Tagen „wichtige Fortschritte“ im Atomprogramm bekanntgeben werde. Am selben Tag versprach der Hamas-Führer Haniyeh, dass seine (Terror)Organisation Israel niemals anerkennen wird, sondern bis zur „vollständigen Befreiung Palästinas und Jerusalems“ weiterkämpfen werde. Achmedinedschad leugnete den Holocaust, die Menge skandierte wie üblich „Tod Israel“ und „Tod USA“, nichts Besonderes.

Die kritischen Leserkommentare zum Forghani-Artikel zeigen, dass längst nicht alle Iraner die Vernichtungsdrohungen ihrer Regierung unterstützen. Aber die Geschichte hat gezeigt, dass eine friedliche Mehrheit nicht in der Lage ist, eine gewaltbereite Minderheit an ihren Taten zu hindern. Meistens wird die Mehrheit zu Mitläufern. Im Iran hat es die jahrzehntelange Hasspropaganda wahrscheinlich geschafft, eine zu Teilen genozidbereite Jugend zu hervorzubringen. In der WELT analysierte Arnon Groiss iranische Schulbücher. In seinem Bericht zeigt er auf, wie iranische Kinder zum islamischen Weltherrschaftsstreben, Hass gegen Ungläubige und, falls der Kampf scheitern sollte, den kollektiven Märtyrertod erzogen werden.

In den Schulbüchern heißt es wörtlich: „Um jetzt die islamische Revolution fortzuführen, ist es unsere Pflicht, unter Einsatz unserer ganzen Kraft den Aufstand gegen die Arroganten (gemeint sind die USA) und die Unterdrücker zu führen und nicht aufzugeben, bevor alle Gebote des Islam und die Verbreitung der erlösenden Botschaft ‚Es gibt keinen Gott außer Allah‘ die ganze Welt erreicht hat.“ Das Ziel des Kampfes sei der „völlige Sieg über die Welt der Ungläubigkeit und der Arroganz, die Ausrottung jeder Unterdrückung, das Erscheinen des Meisters der Zeit (des Verborgenen Imams) und die Einführung der Weltregierung des Islam“.

Für den Kampf gegen seine gewaltigen Feinde will sich der Iran gründlich vorbereiten. Auch Schüler werden deshalb in militärische Einheiten gegliedert. Als Teil ihrer militärischen Vorbereitung und zusätzlich zur Ausbildung in diesen Einheiten wird ab Klasse 8 (13- bis 14-Jährige) das Fach „Verteidigungsbereitschaft“ unterrichtet. Das entsprechende Schulbuch lehrt militärisches Grundlagenwissen wie Tarnen, Täuschen, Bewegung unter Gefechtsbedingungen, Waffenkunde und den Umgang mit Sprengmitteln. Dabei wird der Krieg in allen Schulbüchern als reiner Verteidigungskrieg gesehen.

Falls der Kampf aber scheitern sollte, wird der kollektive Märtyrertod des gesamten iranischen Volkes als Alternative angepriesen. Khomeini brachte die Liebe zum Märtyrertum mehrmals zum Ausdruck: „Ich erkläre der ganzen Welt völlig eindeutig: Wenn die Weltenverschlinger (die USA und ihre Verbündeten) sich gegen unsere Religion stellen wollen, werden wir uns gegen die gesamte Welt stellen und werden nicht nachgeben, bevor sie alle ausgelöscht sind. Entweder werden wir alle befreit, oder wir gehen alle in die größere Freiheit – das Märtyrertum. … Entweder schütteln wir uns in der Freude über den Sieg des Islam in der Welt die Hand, oder wir wählen alle das ewige Leben und das Märtyrertum. In beiden Fällen gehören uns Sieg und Erfolg.“

Diese Verherrlichung des Todes für die Sache Allahs findet ihren Höhepunkt in einem Beitrag ebenfalls für die 8. Klasse: „Für diejenigen, die an das ewige Leben glauben, besitzt das Leben in dieser Welt keinen Wert an sich. Sein echter Wert hängt vom ewigen Leben ab. Wenn also der Tag kommt, an dem die Erhaltung des Lebens nichts anderes als Scham mit sich bringt, vergelten sie dieses göttliche Vertrauen mit großer Hingabe und erfüllen ihre Pflicht Allah gegenüber.“

Das Ergebnis dieser Entwicklung wird vielfach und mit großem Stolz dargestellt: „In den acht Jahren der heiligen Verteidigung (des Kriegs gegen den Irak, 1980–88) wurden über 500.000 Schüler an die Front geschickt. 36.000 Märtyrer, Tausende von Verschollenen, Kriegsversehrten … wurden der islamischen Revolution geopfert.“ Der Marsch über die Minenfelder hat eben nicht nur gezeigt, wozu fanatisierte Kriegsherren fähig sind, sondern auch, dass die Kinder den Willen zum Märtyrertum so verinnerlicht hatten, dass sie, wie Iraker berichteten, fröhlich singend in den Tod gingen. In einem vor dem Einsatz niedergelegten „Testament“ eines 14-Jährigen heißt es: „Wie erbärmlich, wie niedergeschlagen, wie unwissend habe ich 14 Jahre meines unglücklichen Lebens ohne das Wissen um Allah verbracht. Der Imam hat mir die Augen geöffnet. … Wie süß, süß, süß ist der Tod. Er ist wie ein Geschenk, das Allah seinen Auserwählten vorbehalten hat.

Arnon Groiss resümiert: „Das wirft die Frage auf, ob auf eine Gesellschaft, die in diesem Geiste erzogen worden ist – und weiterhin erziehen lässt –, die Logik der Abschreckung anwendbar ist. Wenn die Möglichkeit, eine Aggression mit der Vernichtung der eigenen nationalen Existenz bezahlen zu müssen, kein Risiko mehr ist, dann ist Abschreckung obsolet. Vor diesem Hintergrund erhält die Ankündigung der iranischen Regierung, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen, eine beispiellose Brisanz. Denn niemand kann sicher sein, dass eine religiös verblendete Clique nicht doch den kollektiven Märtyrertod sucht oder zumindest in Kauf nimmt. Wer die eigene Jugend chancenlos in den sicheren Tod schickt, dem darf man einiges zutrauen. Darauf zu hoffen, dass die iranische Jugend diese Erziehung zu Hass und Krieg nicht annehmen wird oder die Eltern erfolgreich dagegenhalten, fällt schwer.“

7 Antworten to “Der angekündigte Völkermord”

  1. shaze86 Says:

    Mir fehlen die Worte.

  2. Yael Says:

    Jetzt wird es wieder heißen: Nur ein Übersetzungsfehler. Wetten?

  3. Besucher Says:

    Also doch Einmarsch?

    Wer macht mit? Russland? China? Bundeswehr? 🙂

    • arprin Says:

      Wieso Einmarsch? Es reicht doch, wenn die IAEA alle Anlagen gründlich durchcheckt. Wenn sie nichts zu verheimlichen haben, müssen sie ja auch keine Angst haben. Anstatt Sanktionen zu bekommen sollte man die Inspektoren reinlassen.

      Da sie aber ganz offensichtlich was zu verbergen haben, wäre ein Angriff auf die Nukleranlagen die letzte vorhandene Option, um den Genozid zu verhindern.

      PS: Was halten sie eigentlich vom Schulwesen im Iran?

  4. Besucher Says:

    Kim Jong-Ill wäre begeistert…

  5. Beobachter Says:

    Aber glaubst du, dass die Leute dort selber dran glauben: das wird doh sein wie in der DDR: die eigene Bevölkerung steht auch nicht darauf und glaubt dem Propaganda-Shmu nicht…

    • arprin Says:

      Natürlich glaubt nicht die ganze Bevölkerung daran, das habe ich in dem Artikel und in früheren Artikeln schon klargemacht.

      Aber es ist töricht daran zu glauben, dass die moderaten Iraner die gewaltbereiten, ideologisch Indoktrinierten aufhalten könnten. Hat bis jetzt in der Geschichte noch nie funktioniert.

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