Heiliger Krieg im Namen des Sozialismus

Die Flagge des kommunistischen Korea

Die Flagge des kommunistischen Korea

Wer glaubt, dass es das Konzept eines „Heiligen Krieges“ nur im Islam gibt, der sollte sich mal folgende Nachricht anschauen: „Vor zwei jährlichen Großmanövern der US-Streitkräfte mit Südkorea hat Nordkorea erneut scharfe Töne angeschlagen. Die Armee und die Bevölkerung Nordkoreas würden mit einem Heiligen Krieg antworten, drohte ein Sprecher der Nationalen Verteidigungskommission.“

Ein Heiliger Krieg in einem atheistischen Land? Das wäre in der Tat ziemlich verwunderlich, doch die einfache Wahrheit ist: Nordkorea ist kein atheistisches Land, sondern gehört zu den religiösesten Ländern der Welt. Der Kim-Kult dürfte mehrere Millionen Anhänger haben. Er ist eine Mischung aus Sozialismus und koreanischem Volksglauben (so soll Kim Jong-Il in dem heiligen Berg der Koreaner zur Welt gekommen und seine Geburt von einem Regenbogen angekündigt worden sein). Die Kims versprechen zwar kein Leben nach dem Tod, in der Märtyrer im Himmel ein Kim-Porträt erhalten. Aber sowas ist in Ostasien auch nicht üblich, auch der Konfuziamismus und der Shintoismus kommen ohne Paradies aus.

Die Hoffnung auf einen Reformer und eine Entspannungspolitik in Nordkorea sind ad absurdum geführt worden. Die Sechs-Nationen-Gespträche, falls sie wieder eröffnet werden, wird Nordkorea wahrscheinlich nur dazu nutzen, die Welt zu erpressen und sein Atomprogramm klammheimlich auszuweiten. Die internationale Gemeinschaft hat es mit dem schlimmsten noch übriggebliebenen Regime der Welt zu tun.

Es hält sich an keine Bürger- und Menschenrechtskonvention, an keine UN-Resolution, ab keine diplomatische Vereinbarung, beliefert Terroristen und Islamisten mit nukleraem Know-how und droht den mehr als 40 Millionen Südkoreanern monatlich mit einem Atomkrieg. Nirgendwo werden Christen und behinderte schlimmer unterdrückt. Unter Kim Jong-Un wird es kaum eine Besserung geben. Ein innerer Aufstand ist ausgeschlossen, und durch die Atombombe würde auch eine ausländische Intervention einem Himmelfahrtskommando gleichkommen. Die Welt ist, so scheint es, den Launen eines Verrückten ausgesetzt

9 Antworten to “Heiliger Krieg im Namen des Sozialismus”

  1. Antifo Says:

    Ich kann gut nachvollziehen, dass man in Nordkorea keine gute Meinung von den USA hat und den Vereinten Nationen gegenüber mißtrauisch ist. Die Teilung des Landes und der Korea-Krieg müssen der übergroßen Mehrheit der Koreaner völlig unverständlich gewesen sein. Als der Zweite Weltkrieg überall auf der Welt vorbei war, ging er in Korea erst richtig los und die UNO war damals ja Kriegspartei. Es ist kaum zu begreifen, weshalb der Ost-West-Gegensatz ausgerechnet in Korea zu einem Krieg führte. Es ist dieser unbegreifliche Krieg, der in der nordkoreanischen Propaganda bis heute fortlebt. Überwinden ließe sich dieser Zustand nur, wenn es endlich einen Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea gäbe.

    • arprin Says:

      Wer hat die Teilung Nordkoreas gewollt? Wer hat den Krieg angefangen? Beides war wohl nicht der Süden.

      Ein Friedensvertrag scheitert ja wohl nicht an Südkorea. Ich weiß nicht, in welcher Welt sie leben. Kim Jong-Il wollte Frieden und der Süden wollte keinen Dialog?

      Wenn sie wissen wollen, wie es im Inneren Nordkoreas aussieht, empfehle ich ihnen diesen Artikel.

      • Antifo Says:

        Mit der Gründung eines Staates hat der Süden angefangen. Das war ähnlich wie in Deutschland, wo sich erst die BRD und als Reaktion dann die DDR gegründet hatte. Hätte man die Stalin-Noten ernst genommen, dann hätte es vielleicht lange vor 1989 einen Weg zur Wiedervereinigung gegeben.

        Den Krieg hat der Norden begonnen. Allerdings ist schwer zu verstehen, weshalb ein militärisches Vorgehen gegen japanische Besatzer und deren Marionettenregierung in Ordnung gewesen sein soll, und quasi das selbe dann falsch sein soll, wenn es gegen ein amerikanisches Marionettenregime geht. Kim Il-Sung hat im Grunde das selbe gemacht wie Mao Tse-Tung in China gegen Chiang Kai-shek.

        Freilich waren beide im Ausland kommunistisch geschult worden. Das ist der Wermutstropfen, der mir nicht gefallen mag. Daß ich für das heutige Nordkorea nicht allzu viel übrig habe, dürfte ja klar sein.

  2. Antifo Says:

    Die russisch-orthodoxe Kirche ist in Nordkorea übrigens zugelassen:
    http://www.aktuell.ru/russland/politik/nordkorea_laesst_russisch_orthodoxe_kirche_zu_3181.html

    • arprin Says:

      Sie sind doch ein religiöser Mensch, oder? Was halten sie davon?
      http://www.welt.de/politik/ausland/article5751024/70-000-Christen-in-nordkoreanischen-Arbeitslagern.html

      • Antifo Says:

        Auch wenn bei den Berichten von Open-Doors(*) doch eine gewisse Vorsicht geboten ist, sehe ich das natürlich nicht gern.

        (*) Die tun auch so, als würden in Weißrussland „Christen verfolgt“. Ich halte das für Quatsch. Man kann Weißrussland sicher einiges nachsagen, daß „Christen“ verfolgt werden aber sicher nicht. Von einer Verfolgung orthodoxer Christen kann nämlich keine Rede sein. Daß solche Feinheiten ausgeblendet werden, liegt am evangelisch-evangelikalen Hintergrund dieser Organisation. Wegen dieses Hintergrunds können und wollen sie nicht verstehen, daß die orthodoxe Kirche Weißrussland als ihr „kanonisches Territorium“ ansieht; dieser Terminus nimmt Bezug auf einen Passus im kanonischen Recht, gemäß dem es immer nur einen Bischof in einem bestimmten Gebiet geben kann. Das kanonische Recht stammt aus der Zeit vor dem Schisma von 1054. Es wurde in den sieben ökumenischen Konzilen (325-787) beschlossen und beansprucht Gültigkeit für alle Christen. Auch die römisch-katholische Kirche kommt nicht umhin, es anzuerkennen.

  3. Alexander Scheiner Says:

    Das ist tatsächlich ein Heiliger Krieg. NK gegen die Welt. Auch die Arabische und Islamische Welt sind ja in einem Heiligen Krieg: gegen alles Nichtislamische, insbesonders gegen Israel und gegen Juden. Und dann haben wir noch die Heiligen Kriege gegen die Grippe, gegen Drogen, gegen den Heuschnupfen und gegen selbstklebende Briefmarken. Kim Jong-Un hat noch seinen ganz privaten Heiligen Krieg: gegen Uebergewicht.

  4. Manisch-depressive Dynastie? « Aron Sperber Says:

    […] https://arprin.wordpress.com/2012/02/25/heiliger-krieg-im-namen-des-sozialismus/ […]

  5. Art Zylberberg Says:

    Da fragt man sich ja wirklich, was diesen Einwohnern des Nordens durch den kopf geht, wenn sie diese Propaganda sehen. Und noch eine frage, die uns alle beschäftigt:
    Wie Lange hält dieses totalitärische system noch durch? Wann ist schluss???

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