Freiheit und Gerechtigkeit

Wir brauchen mehr Freiheit!

Die Nominierung von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten hat zu Protesten bei den Linken geführt. Nicht unbedingt, weil er ein Stasi-Jäger war, denn die westdeutschen Linken können ihn genauso wenig ertragen wie die SED-Nachfolger. Vor allem eins geht den Linken gehörig auf die Nerven: Gaucks Verständnis von Freiheit. Gauck meint, dass Freiheit wichtiger sei als Gerechtigkeit. Was meint Gauck, wenn er von Freiheit spricht und widerspricht seine Vorstellung von Freiheit der “sozialen Gerechtigkeit”?

Bei einer Diskussionsrunde in Anne Will brachten es die Gäste fertig, zu behaupten, dass Freiheit ohne Gerechtigkeit nicht möglich wäre. Richard David Precht, der bekanntlich nicht weiß, ob und wie viele er ist, meinte, dass wenn Freiheit bedeutet, dass reiche Kinder in Privatschulen kommen und der ganze Rest chancenlos bleibt, es ihm wenig bedeutet. Gerechtigkeit sei die Voraussetzung für Freiheit- und dementsprechend auch wichtiger. Eine für Deutschland typische Haltung. Freiheit wird in Deutschland nicht so hoch geschätzt. Wichtiger ist die “soziale Gerechtigkeit”.

Mit diesem Begriff meint man natürlich nicht, dass jeder dieselben Startmöglichkeiten hat, sondern dass es den anderen nicht besser geht als einem selbst. Niemand darf sich diskriminiert fühlen. Das führt zu Forderungen wie Frauenquoten, Migrantenquoten, Gesamtschulen oder Gehaltsobergrenzen für Banker. Der, der diese “Gerechtigkeit” herstellen soll, ist natürlich der Staat. Mit welcher Naivität man trotz der monströsen Erfahrungen des 20.Jahrhunderts an den Versprechungen eines starken Staates glaubt, hat schon was Tragisches.

Ist der Mensch für Freiheit gemacht?

Das Wort “soziale Gerechtigkeit” hat sich mittlerweile von seiner ursprünglichen Bedeutung weit entfernt und ist aktuell ein Synonym für Sozialismus (oder zumindest Antikapitalismus und der Forderung nach einem “neuen System”). Ich bin auch für soziale Gerechtigkeit, denn soziale Gerechtigkeit und Freiheit bedeutet eigentlich dasselbe. Es ist ganz einfach: Freiheit bedeutet nicht, dass der Endpunkt gleich ist, sondern der Startpunkt.

Sozialismus funktioniert nicht, weil die Menschen unterschiedlich sind. Kapitalismus funktioniert nicht, weil die Menschen Ungleichheit nicht ertragen können. Ihnen geht es zwar besser, aber sie sind nicht zufriedener. Ich habe mich schon damit auseinandergesetzt: Warum Sozialismus so anziehend ist. Man hat Testpersonen gefragt, wo sie lieber arbeiten würden: In einem Betrieb, wo sie 50 Euro pro Stunde verdienen oder in einem, wo sie 100 Euro verdienen, die anderen aber 110. Das Ergebnis: Die meisten verzichteten lieber auf die Hälfte des Geldes, als in einem Betrieb zu arbeiten, wo sie weniger verdienen als die anderen.

Das ist kein deutsches, sondern ein weltweites Phänomen. Deswegen musste wohl auch fast jede Region der Welt den Sozialismus ausprobieren. Eine Tragödie. Wir brauchen mehr Leute wie Francisco D’Anconia in Ayn Rands Roman Atlas Shrugged. An dieser Stelle sei  folgende Aussage von ihm wiedergegeben:

“Nichts im Leben hat irgendeine Bedeutung, außer wie gut du deine Arbeit machst. Alles, was du bist, entsteht daraus. Alle ethischen Grundsätze, die man versucht, dir einzutrichtern, sind nichts weiter als Papiergeld, das Betrüger in Umlauf bringen, um den Leuten ihre Tugenden abzuknöpfen. Kompetenz ist das einzige Moralkonzept, das auf einer Goldwährung beruht.”

Das sollte man den linksfundamentalistischen Ideologie-Ayatollahs in die Stirn tätowieren.

6 Antworten to “Freiheit und Gerechtigkeit”

  1. Gutartiges Geschwulst Says:

    Wahrheit kennt keine Geschmacksfragen.
    Daher könnte ich jedem in die Fresse treten, der so verlogene Begriffe verwendet, wie „Soziale Gerechtigkeit“.
    Gerechtigkeit ist zwangsläufig sozial!
    Wer das Ideal der Gerechtigkeit aufspaltet, in „soziale“ oder sonstige Segmente, der verfolgt in Wirklichkeit säuische Absichten, indem er anders denkende Menschen von der Gerechtigkeit ausschließt.

    • arprin Says:

      Es ist schon absurd, Freiheit von Gerechtigkeit zu unterscheiden. Beides ist dasselbe, durch Freiheit wird Gerechtigkeit hergestellt. Wer da unterscheidet, plant nichts Gutes.

      Aber die Freiheit zu loben gilt in Deutschland ja schon geradezu als verpönt. Wahrscheinlich auch wegen dem Antiamerikanismus. Die Amerikaner reden ja oft von Freiheit.

  2. Besucher Says:

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    Mein Begriff von Freiheit. — Der Werth einer Sache liegt mitunter nicht in dem, was man mit ihr erreicht, sondern in dem, was man für sie bezahlt, — was sie uns kostet. Ich gebe ein Beispiel. Die liberalen Institutionen hören alsbald auf, liberal zu sein, sobald sie erreicht sind: es giebt später keine ärgeren und gründlicheren Schädiger der Freiheit, als liberale Institutionen. Man weiss ja, was sie zu Wege bringen: sie unterminiren den Willen zur Macht, sie sind die zur Moral erhobene Nivellirung von Berg und Tal, sie machen klein, feige und genüsslich, — mit ihnen triumphirt jedesmal das Heerdenthier. Liberalismus: auf deutsch Heerden-Verthierung … Dieselben Institutionen bringen, so lange sie noch erkämpft werden, ganz andere Wirkungen hervor; sie fördern dann in der That die Freiheit auf eine mächtige Weise. Genauer zugesehn, ist es der Krieg, der diese Wirkungen hervorbringt, der Krieg um liberale Institutionen, der als Krieg die illiberalen Instinkte dauern lässt. Und der Krieg erzieht zur Freiheit. Denn was ist Freiheit! Dass man den Willen zur Selbstverantwortlichkeit hat. Dass man die Distanz, die uns abtrennt, festhält. Dass man gegen Mühsal, Härte, Entbehrung, selbst gegen das Leben gleichgültiger wird. Dass man bereit ist, seiner Sache Menschen zu opfern, sich selber nicht abgerechnet. Freiheit bedeutet, dass die männlichen, die kriegs- und siegsfrohen Instinkte die Herrschaft haben über andre Instinkte, zum Beispiel über die des „Glücks.” Der freigewordne Mensch, um wie viel mehr der freigewordne Geist, tritt mit Füssen auf die verächtliche Art von Wohlbefinden, von dem Krämer, Christen, Kühe, Weiber, Engländer und andre Demokraten träumen. Der freie Mensch ist Krieger. — Wonach misst sich die Freiheit, bei Einzelnen, wie bei Völkern? Nach dem Widerstand, der überwunden werden muss, nach der Mühe, die es kostet, oben zu bleiben. Den höchsten Typus freier Menschen hätte man dort zu suchen, wo beständig der höchste Widerstand überwunden wird: fünf Schritt weit von der Tyrannei, dicht an der Schwelle der Gefahr der Knechtschaft. Dies ist psychologisch wahr, wenn man hier unter den „Tyrannen” unerbittliche und furchtbare Instinkte begreift, die das Maximum von Autorität und Zucht gegen sich herausfordern — schönster Typus Julius Caesar —; dies ist auch politisch wahr, man mache nur seinen Gang durch die Geschichte. Die Völker, die Etwas werth waren, werth wurden, wurden dies nie unter liberalen Institutionen: die grosse Gefahr machte Etwas aus ihnen, das Ehrfurcht verdient, die Gefahr, die uns unsre Hülfsmittel, unsre Tugenden, unsre Wehr und Waffen, unsern Geist erst kennen lehrt, — die uns zwingt, stark zu sein … Erster Grundsatz: man muss es nöthig haben, stark zu sein: sonst wird man’s nie. — Jene grossen Treibhäuser für starke, für die stärkste Art Mensch, die es bisher gegeben hat, die aristokratischen Gemeinwesen in der Art von Rom und Venedig verstanden Freiheit genau in dem Sinne, wie ich das Wort Freiheit verstehe: als Etwas, das man hat und nicht hat, das man will, das man erobert …

    Nietzsche, Götzendämmerung

  3. warbreak Says:

    @arprin

    Wo, verdammt nochmal, kommt dieser Antiamerikanismus nur her? 🙂

    Dabei sind die Jungs doch wirklich dabei, uns allen eine globale Freiheit zu schenken. Einfach so, weil die Jungs so, äh, so lieb und eben frei sind!!
    Undankbare Welt, blöde. Vielleicht sollten die Amis tatsächlich mehr Druck aufbauen und den Leuten da draussen zeigen, wo der Hammer hängt. Verdient hätten sie es, die Kommunisten und Sozialisten.

    • arprin Says:

      Es war schon immer so, dass Hegemonialmächte beneidet wurden. Sieht man jetzt auch an der antideutschen Hetze in Griechenland.

      Zu deinem „Argument“: Niemand hasst die Russen, Türken oder Chinesen so sehr wie die Amerikaner, obwohl sie die Tschetschenen, Kurden und Tibeter unterdrücken. Hast du eine Erklärung dafür?

      Ein interessanter Artikel dazu: Wie US-Studenten in deutschen Universitäten angefeindet werden. (Chinesen, Russen und Araber werden aber in Ruhe gelassen.)

  4. warbreak Says:

    Ja, ich habe eine/die Erklärung:

    Die Pax Americana, die neue Weltordnung, von Bush Sen. konzepiert, findet sich weder bei den Russen, noch den Chinesen.

    Es ist das über alle Maßen aggressive, globale „Breitmachen“ dieses Landes, was nicht nur in Europa sondern auch in Afrika, Asien und selbsredend Südamerika diesen Antiamerikanismus hervorruft.
    Ansonsten musst du dir schon einen anderen guten Grund aussuchen, weshalb das weltweit so ist, wie es ist!

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