Archive for Februar 2012

Die Zehn Gebote des modernen Antisemitismus

Februar 9, 2012
Die Palästinenser als die Juden von heute

Die Palästinenser als die Juden von heute

In den letzten Tagen haben einige offensichtlich antisemitische Gestalten den Kommentarbereich meines Blogs verunstaltet. Ihre Thesen basieren auf den üblichen rhetorischen Tricks der modernen Antisemiten. Diese glauben bekanntlich, wenn man Israel kritisiert, kann es unmöglich Antisemitismus sein. KZ Gaza, Völkermord, Apartheid- alles ist erlaubt, um Israel zu dämonisieren.

Vor einiger Zeit habe ich einen längeren Artikel zum „modernen Antisemitismus“ geschrieben. Bereits eineinhalb Jahre zuvor hatte ein User in einem Forum „Zehn Gebote für die modernen Antisemiten“ formuliert. Ich habe diese ausführlich erläutert. An dieser Stelle seien aber lediglich die ursprünglich formulierten Zehn Gebote dargestellt. Sie könnten direkt aus der PR-Abteilung der Linkspartei oder der iranischen Regierung stammen.

Erstes Gebot – Hebe so oft wie möglich hervor, dass du kein Antisemit bist! Wenn nötig, lass dir eine möglichst dumme Ausrede einfallen, weshalb du nie und nimmer ein Antisemit sein kannst, z. B. weil die Palästinenser schließlich auch Semiten sind oder weil Jesus auch Jude war.

Zweites Gebot – Betone stets, wie schrecklich du den Holocaust findest, dass es jetzt aber wohl genug damit sei! Wie lange soll sich Deutschland, nach all den großzügigen Entschädigungszahlungen, denn noch kollektiv schuldig fühlen?

Drittes Gebot – Denk immer daran, was für ein mutiger, tabubrechender Held du doch bist, weil du Israel kritisierst! Deklariere dich möglichst als Opfer der „Antisemitismus-Keule“. Ziehe aus dem Holocaust die Lehre, dass du nicht tatenlos zusehen kannst, wie die Israelis heute die Palästinenser unterdrücken. Unterdrückung in anderen Regionen dieser Erde ignorierst du geflissentlich, dort sind ja keine Juden am Werk.

Viertes Gebot – Immunisiere dich gegen jede Kritik. Die Massenmedien werden schließlich eh von den „Weisen von Zion“ – Pardon, ich meinte natürlich die „Israel-Lobby“ – kontrolliert, auch wenn statistisch gesehen rund acht Zehntel der gesamten westlichen Nahost-Berichterstattung neutral bis „israelkritisch“ und nur ein Bruchteil tatsächlich pro-israelisch ist.

Fünftes Gebot – Miss mit zweierlei Maß: Selbst das kleinste Vergehen, dessen sich Israel schuldig macht, wiegt immer noch millionenfach schwerer, als das schlimmste von Palästinensern oder Anderen verübte Verbrechen! Verharmlose „Hamas, Hamas, alle Juden ins Gas“-Sprechchöre palästinensischer Demonstranten. Das meinen die doch eh nicht so… (more…)

Warum German Angst?

Februar 5, 2012
Die deutsche Hyperinflation von 1923

Die deutsche Hyperinflation von 1923

Waldsterben, Vogelgrippe, Google Street View, Dioxin-Eier- Die deutsche Panikindustrie ist grenzenlos. Warum fürchten sich die Deutschen so gerne? Die Antwort auf diese Frage lautet fast immer: Die German Angst stammt aus der Zeit der Inflation in den 1920ern und des Zweiten Weltkriegs, in der so gut wie jeder Deutsche traumatischen Erfahrungen machte. Epigenetiker haben die Theorie aufgestellt, dass „sich die Ängstlichkeit der Deutschen aus jener Zeit bis heute vererbt hat.“ Eine interessante Theorie, doch lässt sie eines außer Acht: Waren nicht eigentlich die Sowjets, die Polen und die Juden noch schlimmer dran als wir?

Der Krieg hat für die Sowjetunion wesentlich mehr Opfer gefordert als für Deutschland. Nicht nur das: Für die Sowjets war der Zweite Weltkrieg nur eine von insgesamt fünf Katastrophen, die sie von 1914 bis 1953 heimgesucht hatte. Erster Weltkrieg, dann Bürgerkrieg, dann Stalin, dann Zweiter Weltkrieg und dann noch mal Stalin. Der Bürgerkrieg von 1917 bis 1921 hatte 8 Millionen Opfer gefordert, 1932 und 1933 waren zwischen 4-7 Millionen Sowjets verhungert, weitere Millionen starben in den Gulags oder während des „Großen Terrors“, 20 Millionen während des Zweiten Weltkriegs und nach 1945 starben immer noch Hunderttausende in den Gulags und 1,5 Millionen in der Hungersnot von 1946/47.

Und was ist eigentlich mit den Japanern, den Chinesen, den Vietnamesen und den Kambodschanern? Müssten die Ostasien aufgrund ihrer Geschichte nicht zu den ängstlichsten Menschen der Welt zählen, wenn schon nicht die Russen, Ukrainer und die Polen? Was ist mit den Hutus und Tutsis, den Irakern, den Bosniern, den Guatemalteken, Honduranern und Salvadorianern? Egal, wo man hinschaut: Bürgerkriege, Genozide und Vertreibungen sind keine deutsche Exklusivität. Eine wirkliche Erklärung für die German Angst liefert die deutsche Geschichte nicht, zumal sie schon von Churchill erwähnt wurde. Welchen anderen Grund könnte es aber geben? (more…)

Dank Russland und China: Syrien vor dem Bürgerkrieg

Februar 4, 2012
Die syrische Flagge von 1932-58 und 61-63 ist das Symbol der Demonstrationsbewegung

Die syrische Flagge von 1932-58 und 61-63 ist das Symbol der Demonstrationsbewegung

Zum dritten Mal ist eine UN-Resolution gegen das mörderische Regime von Bashar al-Assad in Syrien gescheitert. Russland und China haben wie erwartet ihr Veto eingelegt. Die Russen haben nicht nur eine Resolution verhindert, sie liefern auch weiter Waffen an Syrien. Was die syrische Regierung damit macht, dürfte klar sein. Die Assad-Fans und die westlichen Antiimperialisten feiern das als Erfolg, denn ihrer Meinung nach wurde damit eine Militärintervention der NATO, sprich ein imperialistisch-genozidaler Akt wie in Libyen, verhindert. Das ist natürlich Unsinn. Nicht nur dass die NATO keinen Einsatz in Syrien plant, die Resolution hat in Wirklichkeit den Weg für den Bürgerkrieg in Syrien freigemacht.

In Syrien gab es anfänglich eine friedliche Demonstrationsbewegung, obwohl es auch Chaoten und Randalierer gab, wie bei so gut wie jeder Volksbewegung. Die friedlichen Demonstranten waren aber in der Mehrheit, ernstzunehmende bewaffnete Aufständische (Free Syrian Army) gibt es erst seit August. Sie entstanden, weil die Gegner des Regimes nicht mehr an eine friedliche Lösung glaubten, da Tausende von ihnen verhaftet, gefoltert und ermordet wurden. In welchem Land der Welt würde es keine Menschen geben, die zur Waffe greifen, wenn jeder friedliche Protest in Gefängnis und Folter endet?

Die bewaffneten Aufständischen repräsentieren aber nicht die gesamte Opposition, dies ist eine freche Lüge der Assad-Fans. Der Führer des Syrischen Nationalrats (SNC), Burhan Ghalioun, hat sich oft kritisch über die Free Syrian Army geäußert und lehnt eine ausländische Militärintervention ab. Die Opposition ist überhaupt nicht homogen, in ihr sind säkulare Linke, Nationalisten, Kurden, sowie die Muslimbrüder vertreten. In dem Programm des SNC ist zu lesen, dass Syrien eine parlamentarische Demokratie werden und die Macht beim Volk liegen soll, außerdem werden die Rechte der Kurden, Christen und Alawiten betont.

Die Assad-Fans hetzen ständig gegen die Opposition, indem sie sie als ausschließlich 1.) bewaffnete, 2.) islamistische und 3.) vom Ausland gesteuerte Bewegung darstellen. Sicherlich gibt es auch bewaffnete Islamisten, die vom Ausland kommen, aber sie als die einzigen(!) Gegner des Regimes darzustellen, dient nur der Rechtfertigung für die Massaker des Regimes. Besonders schamlos ist dies, wenn man bedenkt, wer zu den größten Unterstützern von Assad gehört: Ayatollah Chamenei und Hassan Nasrallah- zwei Vollblutislamisten. Wie kann man eine Machtergreifung von Islamisten verhindern wollen, während man gleichzeitig zwei islamistische Barbaren als beste Freunde hat? (more…)

Fußball – Die friedlichste Religion der Welt?

Februar 2, 2012
Es ist wieder Zeit für Fußball

Das runde Leder fasziniert Menschen überall auf der Welt

Es ist der 29. Juli 2007. Im Irak hat die Polizei ein Fahrverbot verhängt. Die Sicherheitskräfte sind besorgt. In den nächsten Stunden stürmen Menschenmassen die Straßen von Bagdad, Basra und Kirkuk. Sie schießen mit ihren Gewehren, singen Lieder, die Polizei ist machtlos. Was war passiert? Der Irak hatte an diesem Tag mit einem Sieg gegen Saudi-Arabien die asiatische Fußballmeisterschaft gewonnen. Sunniten, Schiiten und Kurden feiern ausgelassen auf den Straßen. Die Gewehre geben Freudenschüsse ab. In den nächsten Stunden werden sieben Menschen durch Querschläger getötet. Für die Iraker war dieser Sieg dennoch das freudigste Ereignis der letzten Jahre. Seit Jahren oder Jahrzehnten hatten die Menschen nicht mehr so ausgelassen gefeiert, ähnliches hatte Deutschland nach dem sensationellen Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 („Wunder von Bern“) erlebt.

Es gibt nur eine Sportart auf der Welt, die so viele verschiedene Menschen, Länder und Kulturen aus den entferntesten Winkeln der Erde in den Bann zieht: Fußball. Als der FC Barcelona im Jahr 2009 alle möglichen Titel gewann, stieg die Geburtenrate in der Stadt um 45%. In Deutschland stieg die Zahl der Herzinfarkte während der WM-Spiele 2006 um das 2,7-fache. In Brasilien sanken die Einnahmen des Einzelhandels während der WM vor zwei Jahren um mehr als 50%, die Verluste beliefen sich auf umgerechnet 55 Milliarden Dollar. In Saudi-Arabien wurden Tests während der WM 2006 verboten, weil die Noten der Schüler abstürzten. In Bolivien bekamen die Schüler während der WM 1994 sogar komplett schulfrei. In Honduras wurde der Tag, an dem man sich zum zweiten Mal für eine WM qualifizierte, zum Feiertag ausgerufen. In Trinidad&Tobago unterbrach das Parlament eine Sitzung, als sie von der Qualifikation für die WM erfuhren, und rief später einen Feiertag aus. In Bangladesch streikten Studenten, um WM-frei zu bekommen. Sie könnten nicht nachts die WM-Spiele im Fernsehen anschauen und sich dann tagsüber auf ihr Studium konzentrieren, argumentierten die Demonstranten.

Vince Ebert vergleicht den Fußball gar mit einer Religion: „Fußball und Religion haben verblüffende Gemeinsamkeiten. Ihre Anhänger entscheiden sich in einer Lebensphase, in der sie jung, unerfahren und schlecht informiert sind. Dann ist für jeden ernsthaften Fan der jeweilige Verein für alle Zeiten heilig. Ohne jedoch zu realisieren, dass die Entscheidung ob Bayern oder Schalke, ob Islam oder Judentum mehr mit dem Breiten- als mit dem Wahrheitsgrad zu tun hat. Während der heiligen Messe – beim Fussball auch „Spiel“ genannt – stärkt man das Gemeinschaftsgefühl durch das Absingen von Liedern, die von Generation zu Generation überliefert wurden. Das berühmte „Ole Ole Oleee“ entspricht hierbei dem „Großer Gott wir loben Dich“. In der Bibel hieß es: Und er scharte 12 Apostel um sich. Im Fussball: 11 Freunde sollt ihr sein. In jedem Club gibt es eine handvoll Fanatiker, die vor den Kathedralen bzw. Stadien Glaubenskriege führen, indem sie sich gegenseitig die Birne einhauen. Kern der ganzen Idee ist ein immaterielles Wesen, das die jeweiligen Anhänger als „Gott“ bezeichnen. Bei den Germanen hatte der Fußballgott sogar einen Namen: Thor.“

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