Der neueste Broder

Henryk M. Broder (Bild: Sven Teschke)

Henryk M. Broder (Bild: Sven Teschke)

Vier Jahre sind genug. Das dachte sich jetzt auch Henryk M. Broder. In einer Woche erscheint sein neuestes, 176 Seiten starkes Buch mit dem Titel „Vergesst Auschwitz! Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage“.

Es ist sein erstes Buch seit „Kritik der reinen Toleranz“. In der Zwischenzeit hat er an zwei anderen Buchprojekten als Autor mitgewirkt. Worum es geht? Hier die Kurzbeschreibung:

„Auschwitz“ ist die deutsche Metapher schlechthin. Sie steht für den großen Zivilisationsbruch, ist aber in der tagespolitischen Auseinandersetzung längst zum billigen argumentativen Kleingeld verkommen. In die Erinnerung an den Holocaust investieren die Deutschen seit Jahren Unsummen, ihre Israel- und Nahostpolitik, ja ihr Agieren auf der weltpolitischen Bühne aber zeigen, dass diese Erinnerungsrituale oft nicht mehr sind als eine leere Geste, eine Ablenkung von der Gegenwart – oder sogar noch Schlimmeres.

In seinem provokanten Essay „Vergesst Auschwitz“ entlarvt der Publizist Henryk M. Broder den wohlfeilen Gestus des andauernden Gedenkens deutscher Politiker und öffentlicher Personen als „Erinnerungswahn“. Er sieht ihn als das politisch korrekte Deckmäntelchen eines neuen „sekundären“ Antisemitismus, der sich geschickt als Antizionismus tarnt. Dieser speist sich nicht aus den üblichen Ressentiments, sondern aus dem Bedürfnis nach Entlastung. Denn je mehr man beispielsweise das Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern dramatisiert, desto kleiner wird das schlechte Gewissen der Deutschen gegenüber den Juden. Israel ist ein „daily reminder“ daran, was die Nazis in Europa angestellt haben. Das werden die Deutschen den Juden nie verzeihen. Damit das anders wird, fordert Broder, die verfluchte Erinnerung endlich ruhen zu lassen und stattdessen Geld und Kraft zu investieren, um neue Genozide zu verhindern und menschenfeindliche Diktaturen zu bekämpfen. Vergessen wir also Auschwitz und stellen uns den Problemen der Gegenwart!

4 Antworten to “Der neueste Broder”

  1. aron2201sperber Says:

    Was ist eigentlich das Gefährliche an der Leugnung des Kapitalverbrechens der jüngeren Menschheitsgeschichte?

    Durch die Holocaustleugnung – aber auch durch die Relativierung – wird der moralische Kilometer-Zähler wieder zurückgedreht.

    Wenn er wieder auf Null steht, und es keinen Holocaust gegeben hat, gibt es auch weniger Bereitschaft, zukünftige Verbrechen ähnlicher Art zu verhindern.

    Eine wesentliche Grundvoraussetzung, die totalitäre Regime für die Umsetzung eines neuen Holocausts bräuchten.

    In Österreich und Deutschland ist die Strafbarkeit der Holocaust-Leugnung ein praktisches Mittel, um Ewiggestrige zu überführen, weswegen die 68er als selbternannte Entnazifizierer Deutschlands und Österreichs die strenge Bestrafung befürworten.

    Wenn hingegen der iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad den Holocaust leugnet, beschwichtigen uns die 68er-Nazijäger, obwohl die Mullahs wohl viel eher dazu in der Lage wären, einen neuen Holocaust zu veranstalten als ein paar Ewiggestrige in Deutschland oder Österreich.

    • arprin Says:

      Broder zum Thema Holocaustleugnung:

      „Ich werde mich dafür einsetzen, dass Holocaustleugnung als Straftatbestand aufgehoben wird. Das Gesetz war gut gemeint, hat sich aber als kontraproduktiv erwiesen, indem es Idioten dazu verhilft, sich als Märtyrer im Kampf um die historische Wahrheit zu inszenieren. Unser aller Problem ist nicht der letzte Holocaust, dessen Faktizität außer Frage steht, sondern der Völkermord, der vor unseren Augen im Sudan stattfindet. Wir brauchen nicht noch mehr Holocaustmahnmale und Gedenkstätten, sondern eine aktive Politik im Dienste der Menschenrechte ohne politische Rücksichtnahme auf wirtschaftliche Interessen. Wer vom Kampf der Dissidenten in China und der Verfolgung der Baha’i im Iran nichts wissen will, sollte auch am 27. Januar und am 9. November zu Hause bleiben.“

  2. arprin Says:

    Die Endlösung der Israel-Frage:
    http://www.welt.de/politik/ausland/article13903849/Die-Endloesung-der-Israel-Frage.html

  3. aron2201sperber Says:

    ziemlich guter Beitrag über Broder:

    http://bazonline.ch/ausland/europa/Der-heitere-Provokateur/story/29640639

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: