Zur Jagd auf Joseph Kony

Am 5. März wurde im Netz ein Video veröffentlicht, in der die Organisation „Invisible Children“ auf die schrecklichen Menschenrechtsverletzungen des ugandischen Rebellenführers Joseph Kony aufmerksam macht. Kony ist einer der schlimmsten Kriegsverbrecher der Welt, seine christlich-esoterische Terrororganisation Lord’s Resistance Army (LRA) bekämpft seit 1987 die ugandische Regierung unter dem Diktator Yoweri Museveni. Er will einen Staat auf Grundlage der Zehn Gebote errichten ist nach eigenen Angaben vom Heiligen Geist auserwählt worden. Bei dem Krieg sind Hunderttausende umgekommen und Millionen vertrieben worden.

Das nun veröffentlichte Video hat in rasender Geschwindigkeit große Bekanntheit erlangt. In Vimeo haben sich bis jetzt 9,9 Millionen und in Youtube 7,4 Millionen das Video angesehen. Viele prominente Persönlichkeiten wie Stephen Fry, Rihanna, Taylor Swift, Christina Milia, Juliette Lewis und Zooey Deschanel haben das Video in sozialen Netzwerken gepostet. Ein besonders schlimmes Kapitel des Krieges sind die Zehntausenden Kindersoldaten und Massenvergewaltigungen, die zu Konys Kriegsmethoden zählen. Das Video zeigt die Geschichte des ungandischen Jungen Jacob, dessen Bruder von LRA-Rebellen getötet wurde:

Die Kampagne ist aber bereits in die Kritik geraten. Die Vorwürfe lauten: Invisible Children würde die politischen Zusammenhänge zu sehr vereinfachen und quasi „Werbung“ für einen amerikanischen Militäreinsatz machen. Diese Vorwürfe können eigentlich nur von einem Milieu stammen: dem linken, antiimperialistischen Friedenskorps. In Uganda werden große Ölvorkommen vermutet, die Saudi-Arabien Konkurrenz machen könnten. Das reicht eigentlich schon, um Invisible Children zum bewaffneten Arm des US-Imperialismus zu machen.

Da es auf keinen Fall dazu kommen kann, würden die Antiimperialisten also lieber weiter Tausende Kinder vergewaltigen und sterben lassen. Derselben Logik folgt der „Friedenskampagne“ für Syrien und dem Iran. Diktatoren und Terroristen dürfen sich bei ihren Massakern auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker berufen, wenn sie dadurch eine US-Invasion verhindern. Im Jahr 2005 hat der Internationale Strafgerichtshof ein Haftbefehl gegen Kony erlassen. US-Präsident Obama hat am 24.Mai den Lord’s Resistance Army Disarmament and Northern Uganda Recovery Act of 2009 unterschrieben. Auf seinem Geheiß haben die USA im Januar hundert Militärberater nach Uganda entsandt, die bei der Suche nach Kony helfen sollen.

Nun, stellen wir uns vor, es wäre tatsächlich so: Die Amerikaner wollen nur aus geopolitischen Interessen Kony gefangen nehmen. Wäre das wirklich so schlimm? Schlimmer, als Kony weiter morden zu lassen? Wer soll sich denn sonst für das Leben dieser Kinder einsetzen? Wenn man an die Masse von Hilfsorganisationen denkt, die sich für Gaza einsetzen und in der Tat die politischen Zusammenhänge vereinfachen, ist die linke Kritik an Invisible Children pure Heuchelei. Man sollte allerdings nicht unter dem Tisch kehren, dass Museveni ebenfalls massive Kriegsverbrechen begangen hat und ein diktatorisches Regime führt.

Ein Vorwurf, den man zu Recht erheben könnte, ist, ob diese Kampagne von Prominenten nur zu Imagegründen genutzt wird. Man denke nur an Madonna, die in Stöckelschuhen den Grundstein für eine Schule legte, die nie gebaut wurde (und für die eine Wohltätigkeitsorganisation nebenbei 3,8 Millionen Dollar ausgegeben hatte). Die Arbeit von NGO’s wird in der Achse des Guten regelmäßig kritisch beäugt, hier ein informativer Beitrag. Die Motivation von Invisible Children ist aber sicherlich nicht rein kommerziell. Zumindest bei Charity Navigator schneidet Invisible Children gut ab.

Deswegen hat diese Kampagne meine volle Unterstützung. Also: Anschauen und teilen!

7 Antworten to “Zur Jagd auf Joseph Kony”

  1. shaze86 Says:

    Werde mir das Viedeo bei einer Gelegenheit anschauen!

  2. Sherry Says:

    Das ist ein toller Artikel. Dieses Kritisieren und Nachdenken und Zweifeln, bevor man handelt, kann man sich nur leisten, wenn man in einer liberalen Welt lebt, in einer Demokratie, in der jede Handlungshinauszögerung nicht 1000 Menschenleben kostet. Danke für deinen Artikel. Ich weiß jetzt trotzdem nicht, wo ich die Plakate auf die Schnelle herkriegen soll, deshalb habe ich entschieden, sie selber zu drucken und in Briefkästen zu werfen, weil größer als DIN A 4 kann ich nicht drucken und die Bilder im Web sind viel zu klein, als dass sie größer eine gute Auflösung erleben würden.

  3. Dom Says:

    bevor hier eine berechtigte kritik an einer naiven, selbstherrlichen kampagne instrumentalisiert wird, um gegen böse linke zu agitieren, lohnt sich vielleicht eine auseinandersetzung mit der kritik… http://rosebellkagumire.com/2012/03/08/kony2012-my-response-to-invisible-childrens-campaign/ …eine bloggerin aus uganda, oder hier: http://visiblechildren.tumblr.com.nyud.net/ …da gibt es ganz viele weitere links von journalisten, politikwissenschaftlern etc..die welt ist leider nicht so einfach, wie das im video suggeriert wird.

    • arprin Says:

      Danke für die Information.

      Ich finde es auch nicht gut, dass Leute, die keine Ahnung von Uganda haben, sich jetzt plötzlich als die Retter des Landes aufspielen wollen. Aber es gibt sicher viele, die es ernst meinen. Und Konys Armee, auch wenn sie seit 2004 nicht mehr in Uganda ist und nur noch einige hundert Mann umfasst, begeht immer noch Kriegsverbrechen, wie z.B. im Dezember 2008, als sie in Kongo 400 Zivilisten abschlachteten. Die USA haben auch nicht nur reine Profitinteressen für ihr Engagement in Uganda.

  4. American Viewer Says:

    Lustiger Meltdown:
    http://kehraus.wordpress.com/2012/03/17/kony-2012-grunder-jason-russell-nackt-auf-der-strase-onanierend-verhaftet-das-ende-einer-internetlegende/

    Man beachte auch die eigenwillige Rechtschreibung des Blogbetreibers: Bill O`Rielley, Buffet, Condoleezza, Ban-Ki-Moon, Ophra und natürlich „Like Butten Drücker“

  5. American Viewer Says:

    Ein von mir zitierter Name ist sogar richtig geschrieben. Man darf nun rätseln welcher.

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