Germanophobie

Der Kaiser als wilde Bestie: Karikatur aus den USA während des Ersten Weltkriegs

Das Wort „Rassismus“ bedeutet ja eigentlich, Menschen aufgrund ihrer Rasse als minderwertig zu betrachten. Mit der Zeit hat sich das Wort aber verselbständigt und wird für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit verwendet, egal ob gegen Türken, Italiener, Polen, Juden oder Muslime. Jede ethnische oder religiöse Gruppe kann Opfer von Rassismus werden. Nicht nur Türken, Italiener, Polen, Juden oder Muslime sind als eine ethnische oder religiöse Gruppe einzuordnen, sondern auch Deutsche. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass es auch Rassismus gegen Deutsche gibt.

Mit diesem Problem setzte sich jahrelang niemand ernsthaft auseinander. Allein das Wort “Deutschenfeindlichkeit” klang schon irgendwie ausländerfeindlich. In den letzten Jahren hat das Thema Deutschenfeindlichkeit durch Vorfälle in deutschen Schulen mit hohen Migrantenanteil sowie einer Welle von antideutschem Rassismus in Griechenland in die Medien geschafft. In England gibt es bereits einen eigenen Fachbegriff für Deutschenfeindlichkeit: Germanophobie.

Es gab in der Geschichte viele Fälle von Germanophobie. Die Hochphasen des irrationalen Deutschen-Hasses waren die beiden Weltkriege (ok, es gab gerade im zweiten auch viele rationale Gründe für ablehnende Haltungen gegenüber Deutschen) und nun die Eurokrise. Da es Nationalismus überwiegend erst ab dem 19.Jahrhundert gibt, gab es zuvor auch nur wenige Fälle von Germanophobie. Wie bei allen Hassideologien endete auch die Germanophobie oft tödlich, Millionen Deutsche wurden Opfer von Deutschen-Hass. Meistens handelte es sich jedoch um kleinere Handlungen wie den Boykott deutscher Waren.

Erster Weltkrieg

Während des Ersten Weltkriegs begann in den Ländern der Entente eine Propagandawelle gegen das Deutsche Reich. Deutsche Soldaten wurden als das Böse schlechthin dargestellt, die zu jeder Grausamkeit fähig waren, während die eigenen Soldaten als Helden gefeiert wurden. Der amerikanische Ökonom und Historiker C.Hartley Grattan sagte:

Incredible tales of German barbarism in Belgium and France gave rise to a myth of unique German savagery that continues to color the thinking of many persons to this day. German soldiers, the world was gravely informed, amused themselves by cutting off the hands of Belgian babies. Another oft-repeated tale related how German soldiers amputated the breasts of Belgian women out of sheer viciousness.

Diese Phase des Hasses gegen Deutschland ist heute weitgehend vergessen. Dabei beschränkte es sich nicht auf Gräuelpropaganda über deutsche Soldaten. Die Germanophobie nahm paranoide und mörderische Züge an. Deutsche Waren wurden boykottiert, deutsche Städtenamen in den USA, Kanada und Australien wurden geändert (allein in South Australia wurden 69 Städte umbenannt), deutsche Staatsbürger mussten sich bei Behörden registrieren, da sie verdächtigt wurden, Spione zu sein. Bücher in deutscher Sprache wurden aus den Schulen verbannt oder verboten, es kam auch zu öffentlichen Bücherverbrennungen.

Der Kaiser kaut an der Welt(herrschaft), französische Postkarte von 1915:

Germanophobe Karikatur von Norman Lindsay in Australien während des Ersten Weltkriegs- das „deutsche Monster“:

In den USA wurden Hamburger zeitweise in liberty sandwiches und Sauerkraut in liberty cabbage umbenannt, deutsche Pretzeln verschwanden komplett aus der Speisekarte. Am 4.April wurde der deutsche Immigrant Robert Prager in Collinsville öffentlich gelyncht, nachdem er „illoyale Bemerkungen“ gemacht hatte. Er war kein Einzelfall, viele Immigranten und „illoyale Personen“ wurden getötet. Im Juni 1918 wollte der US-Politiker John C.Smith ein Gesetz durchbringen, der den Namen Deutschland aus den amerikanischen Landkarten tilgen sollte. In den Medien wurde der deutsche Kaiser Wilhelm II. nicht selten als eine affenartige Bestie dargestellt, der die ganze Welt erobern will.

In Großbritannien kam es während des Krieges zu rassistisch motivierten Unruhen. Deutsche Geschäfte wurden geplündert und verbrannt. Deutsche oder Personen mit deutschklingenden Namen wurden überfallen, bei den Gewaltausbrüchen kam es auch zu antisemitischen Untertönen. Das Königshaus musste sich von Sachsen-Coburg in Windsor umbennen. Schon vor dem Kriegsausbruch hatte es germanophobe Tendenzen in der Gesellschaft gegeben, so veröffentlichte der Schriftsteller William Le Queux im Jahr 1906 den Roman „The Invasion of 1910„, der von einer deutschen Invasion in Großbritannien handelte und in der Daily Mail publiziert wurde.

Germanophobe Karikatur aus den USA während des Ersten Weltkriegs:

„Once a German, always a German“- Britisches Plakat ruft kurz nach dem Ersten Weltkrieg zum Boykott deutscher Waren auf:

Zweiter Weltkrieg

Die schlimmste Phase der Germanophobie war die Zeit, in der die Deutschen mit der nationalsozialistischen Regierung gleichgesetzt wurden. In den Ländern, in denen deutsche Soldaten Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung verübten, breitete sich ein radikaler Hass gegen Deutsche aus. Stalin ließ als Reaktion auf den deutschen Überfall die deutschstämmige Bevölkerung in der Sowjetunion deportieren, über 100.000 kamen dabei um. Die Alliierten waren da deutlich humaner, aber auch sie ließen deutsche Staatsbürger spionieren oder in Lager internieren (in den USA mussten auch Japaner und Italiener dieses Schicksal erleiden).

Der russische Journalist Ilja Ehrenburg ist für seine Hetze gegen Deutsche bekannt geworden. Er sagte u.a.:

Die Deutschen sind keine Menschen. Von nun an ist das Wort „Deutscher“ für uns wie ein entsetzlicher Fluch. Von jetzt an lässt das Wort „Deutscher“ das Gewehr von allein losgehen. Wir werden nichts sagen. Wir werden uns nicht empören. Wir werden töten. Wenn du nicht pro Tag wenigstens einen Deutschen getötet hast, war es ein verlorener Tag. […] Wenn du einen Deutschen getötet hast, töte einen zweiten – nichts stimmt uns froher als deutsche Leichen. Zähle nicht die Tage. Zähle nicht die Werste. Zähle nur eins: die von dir getöteten Deutschen. Töte den Deutschen! bittet dich die alte Mutter. Töte den Deutschen! fleht dich das Kind an. Töte den Deutschen! schreit die Heimaterde. Ziel nicht vorbei. Triff nicht daneben. Töte!

Solche Pamphlete waren zu der Zeit nicht selten, obwohl sie sich hauptsächlich gegen deutsche Soldaten richteten und nicht gegen die Deutschen als gesamtes Kollektiv. Ehrenburg soll auch dazu aufgerufen haben, deutsche Frauen zu vergewaltigen, die nach der Einnahme Berlins tatsächlich in Massen von den sowjetischen Soldaten vergewaltigt wurden. Sogar Stalin soll sich später von ihm entfernt haben, indem er als lächerlich bezeichnete, „Hitlers Clique mit dem deutschen Volk und dem deutschen Staat zu identifizieren. Die Geschichte zeigt, dass die Hitlers kommen und gehen, aber das deutsche Volk und der deutsche Staat bleiben.“ In Frankreich wurden französische Frauen, die Beziehungen mit deutschen Männern eingegangen waren, nach der Befreiung öffentlich auf die Straßen gezerrt, mussten Plakaten mit der Aufschrift „deutsche Schlampen“ tragen und wurden kahlgeschoren.

Nach dem Krieg wurden über 12 Millionen Deutsche aus den Ostgebieten vertrieben. Es war die größte Vertreibung aller Zeiten. Zwischen 500.000-2,1 Millionen Deutsche sind dabei umgekommen- ein Vorgang, den man nur als Genozid bezeichnen kann. Allein in Jugoslawien wurden zwischen 50-200.000 Donauschwaben abgeschlachtet, in der Tschechoslowakei kamen Zehntausende bei „Todesmärschen“ um. Kein Staat setzte sich für die vertriebenen Deutschen ein, man hielt die Vertreibung für die gerechte Strafe, und es waren dann auch die deutschen Nachfolgestaaten, die die Vertriebenen versorgen mussten. Auch die Luftangriffe auf deutsche Städte, bei denen rund 800.000 Deutsche umkamen, blieben unbestraft.

Nachkriegszeit

Der britische Historiker John Ramsdenin analysierte in seinem vor sechs Jahren erschienen Buch „Don’t mention the war“ deutschenfeindliche Einstellungen in England seit 1890. Er stellte fest: „Er sei sich im höchsten Grade bewusst, in einem Lande zu leben, in dem sich Deutsche oft unwillkommen und unbeliebt fühlen, in dem sie manchmal beschimpft und gelegentlich auf der Straße tätlich angegriffen werden. Noel Cowards „Being beastly to the Germans“ (garstig sein zu den Deutschen) sei allgemein akzeptiert, Engländer hätten geradezu „Zwangsvorstellungen“ im Blick auf Deutschland und die Deutschen… Das Deutschland-Bild der englischen Jugend basiert überwiegend auf der einseitig negativ-chauvinistischen Tendenz britischer TV-Produktionen und der Boulevardpresse, was Ramsden detailliert herausarbeitet. Eine Untersuchung des TV-Senders Channel 4 brachte 2005 an den Tag, dass elf der hundert in England erfolgreichsten Filme im Zweiten Weltkrieg spielen.“

Der Spiegel berichtete 2003: „Die oberste britische Schulaufsichtsbehörde hat die starke Einengung auf den Nationalsozialismus im Fach Geschichte beklagt. Der Unterricht in der Mittel- und Oberstufe sei so sehr auf Hitler, Nazi-Deutschland und andere Diktaturen fixiert, dass andere wichtige Themen verdrängt würden… der Lehrplan bestehe hauptsächlich aus „Hitler und den Henrys“… Die Warnung vor einem verzerrten Deutschlandbild ist nicht neu. Bereits vor knapp drei Jahren hatte die Schulaufsichtsbehörde in einer Untersuchung belegt, dass britische Schüler mehr über den Nationalsozialismus erfahren als über alle anderen historischen Ereignisse zusammen – britische Geschichte eingeschlossen. Das Thema Hitler werde zwar inhaltlich angemessen, aber zu breit behandelt und zu häufig wiederholt.“

In Israel genoss Deutschland in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg verständlicherweise keinen allzu guten Ruf. Als am 11.August 1965 der erste deutsche Botschafter in Tel Aviv ankam, demonstrierten immer wieder Israelis vor dem Gelände, so dass auf Wunsch des Botschafters ein drei Meter hoher Eisengitter errichtet werden musste. Drei Jahre später wurde das Gitter auf Schulterhöhe verkürzt. In heutiger Zeit gehört Deutschland aber wieder zu den beliebteren Nationen in Israel. Deutschland ist ein beliebtes Reiseziel für Israelis, vor allem Berlin, wo 10.000 Israelis leben, in Israel werden Lothar Matthäus und Tokio Hotel von Fußball- und Musikfans verehrt, die deutsche Nationalmannschaft wurde bei der WM 2010 von vielen Israelis unterstützt. Sogar Netanyahu sagte: „Das 4:0 gegen Argentinien war ein tolles Spiel“.

Germanophobie bei deutschen Linken

Auch die Deutschen selbst vertreten bisweilen germanophobe Ansichten. Dabei handelt es sich meist um linke „Antifaschisten“ und „Antinationalisten“. In der Vorstellung der Multikulturalisten ist alles Fremde gleich etwas Gutes und alles Deutsche eher etwas Schlechtes, zumindest etwas, womit nicht prahlen oder worauf man stolz sein soll. Einige deutsche Politiker aus dem linken Milieu machen aus ihrer Abneigung gegen alles Deutsche keinen Hehl.

Bei einer Bundestagsdebatte sagte Jürgen Trittin 1993, Deutschland sei ein „in allen Gesellschaftsschichten und Generationen rassistisch infiziertes Land“. Von Franziska Drohsel stammt der vielsagende Satz „Deutsche Nation, das ist für mich überhaupt nichts, worauf ich mich positiv beziehe- würde ich politisch sogar bekämpfen“, den sie bei einem Streitgespräch im Cicero verkündete. Claudia Roth ist oft durch radikal türkenfreundliche Aussagen aufgefallen. Im Februar 2005 äußerte sie ihre Wunschvision zum deutschen Nationalfeiertag: „Am Nationalfeiertag der Deutschen ertrinken die Straßen in einem Meer aus roten Türkenflaggen und ein paar schwarzrotgoldenen Fahnen.“ Bei einer Demonstration im Mai 1990 zeigte sie sich mit einem Plakat mit der Aufschrift „Nie wieder Deutschland“.

Die Germanophobie der Linken geht soweit, dass Autonome während der WM 2010 Arabern und Türken in Neukölln verbieten wollten, Deutschlandfahnen zu schwengen. Ihrer Meinung nach fördere die deutsche Flagge Nationalismus und wecke bei den Deutschen Nazi-Gefühle. Die ZEIT berichtete: „Der Hass auf die „schwarz-rot-goldenen Lumpen“, wie es in linksradikalen Publikationen heißt, ist unter den Autonomen nicht erst zur jetzigen WM ausgebrochen. Bereits 2006 wurden an der Rigaer Straße in Friedrichshain Fahnen vor Sportlokalen abgerissen und die Gäste mit Wasserbomben beworfen.

Während der Europameisterschaft 2008 reihten Autonome in Kreuzberg und Friedrichshain gestohlene und zerschnittene Wimpel an Leinen auf und spannten diese zwischen Straßenlaternen. Und derzeit ruft ein „Kommando Kevin-Prince Boateng“ auf der linksradikalen Internetseite Indymedia dazu auf, WM-Fähnchen „zu erbeuten“. Boateng ist der Nationalspieler Ghanas, der Michael Ballack kurz vor der WM beim englischen Pokalfinale gefoult, verletzt und so für die WM ausgeschaltet hat.“

In deutschen Zeitungen erscheinen regelmäßig deutschenfeindliche Texte. Der türkischstämmige Journalist Deniz Yücel meinte zur Sarrazin-Debatte:

Die Sandys, Mandys und Jacquelines pfeifen auf das neue deutsche Mutterkreuz („Elterngeld“) und tragen nach Kräften dazu bei, dass den ostdeutschen Volkssportarten Jammern, Opfersein und Ausländerklatschen in absehbarer Zeit der Nachwuchs ausgehen wird… Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite. Eine Nation, deren größter Beitrag zur Zivilisationsgeschichte der Menschheit darin besteht, dem absolut Bösen Namen und Gesicht verliehen… eine Nation, die seit jeher mit grenzenlosem Selbstmitleid, penetranter Besserwisserei und ewiger schlechter Laune auffällt… diese freudlose Nation also kann gerne dahinscheiden.

Mely Kiyak schrieb in der Frankfurter Rundschau nach der Mordserie der Zwickauer Zelle:

Hey, Länder dieser Erde, schaut auf unsere Republik, würde ich als Nazibraut voller Stolz rufen!… Wäre ich ein Nazi, ich wüsste gar nicht wohin mit meiner Freude… Die Umerziehung des deutschen Volkes, das sich wie zu besten Nazizeiten als genetisch homogenes Volk begreift und Angst vor seiner Abschaffung hat, ist misslungen. Köstlicher Zustand, dieses Nazi-Sein!…

Und als Randbemerkung: Im Jahr 1998 sagte niemand geringeres als Cem Özdemir „Was unsere Urväter 1683 mit Feuer und Schwert vor den Toren Wiens nicht geschafft haben, werden wir mit unserem Verstand schaffen“, aber ich nehme an, dass er sich mittlerweile von dieser Aussage distanzieren würde.

Deutschen-Hass bei Migranten

Als die Kristina Schröder auf das Phänomen der Deutschenfeindlichkeit aufmerksam machte, erntete sie viel Kritik. Man warf ihr sogar Ausländerfeindlichkeit vor. Angesichts von Parolen wie „Scheiss-Deutscher“, „Schweinefleischfresser“, „Deutsche Schlampen“, „Scheiss-Christ“, „Kartoffelfresser“ oder „Wir werden euch alle vergasen!“, ist dieses Phänomen längst eine traurige Realität in Deutschland.

Der Imam Yakup Tasci der Mevlana-Moschee in Kreuzberg fiel mit rassistischen Hetzpredigen auf, bevor er schließlich im März 2005 ausreisen musste. Er äußerte sich abfällig über die „Nützlichkeit der Deutschen“, „ihr Schweiß verbreite einen üblen Geruch, und sie stinken“. Im Jahr 2006 enthüllte der Tagesspiegel, das ein 15-Jähriger Schüler von der Polizei eine Woche lang zur Schule gebracht und von dort wieder abgeholt wurde, weil  arabische Schüler ihn massiv bedroht hatten. Die arabische Gang pöbelte ihn an: „Platz da, hier ist nur für Araber“. Der Focus berichtete im März 2007, wie 50 Türken die 21-jährige Jennifer P. und den 35-jährigen Kay L. bis in einen Supermarkt hetzten und die Parole ausriefen: „Ihr lebt nicht mehr lange, wir schlitzen euch deutsche Schweine auf!

BZ-Berlin veröffentlichte im Januar 2008 eine Chronologie deutschenfeindlicher Vorfälle in den vorangegangenen Wochen:
– 21. Dezember 2007, München. Rentner Bruno N. (76) bittet Serkan A. (20) und Spiridon (17), nicht in der U-Bahn zu rauchen. Draußen fallen Sie ihn mit dem Ruf „Deutsches Arschloch, Sau, Schwein!“ an, treten ihn fast zu Tode.
– 28. Dezember, Gelsenkirchen. Ein Zuwanderer (18) nennt einen 38jährigen „Scheiß-Deutscher„, sticht ihn in die Hand. Seine Kumpane treten ihn gegen den Kopf: Der Mann habe die Begleiterin des Anführers zu lang angeschaut.
– 10. Januar 2008, Kreuzberg. Drei 16- und ein 15jähriger springen mit dem Ruf „Alles nur Scheiß-Deutsche überall!“ in den Bus, schlagen den Fahrer ins Gesicht, flüchten.
– Als ein türkischstämmiger Polizist sie stellt, pöbeln sie: „Scheiß-Deutscher„. Anführer: Intensivtäter Mohammed H. (15), die anderen Sedat B., Burhan S., Ancelko M.

Berichte über Deutschenfeindlichkeit in deutschen Schulen:
Rassismus: Das Schweigen der Schulen über Deutschenfeindlichkeit (FAZ)
“Schweinefresser” (ZEIT)
Ich wurde gemobbt, weil ich Deutsch spreche (BILD)

„Tötet die Deutschen“- Mordaufruf in Bochum, Juli 2011:

(Quelle: Bild.de, Foto von Stefano Laura)

Die Eurokrise und die Angst vor dem „Vierten Reich“

Jan Fleischhauer stellte neulich im Spiegel zurecht fest: Was die Amerikaner in der Welt waren, sind wir nun in Europa. Alles, was wir tun, wird sofort kritisch beäugt, kann ein Skandal oder eine diplomatische Irritation auslösen, wir können es niemanden mehr recht machen, wir sind an allem Schuld. Die Empörung nach Volker Kauders Aussage „Jetzt wird in Europa Deutsch gesprochen“ spricht für sich.

Am stärksten zeigt sich die Germanophobie aktuell in Griechenland. In Zeitungen, Radiosendungen und Demonstrationen wird gegen Deutschland gehetzt, deutsche Flaggen werden verbrannt, die deutsche Regierung wird regelmäßig mit den Nazis verglichen. Aber die Germanophobie beschränkt sich nicht nur auf Griechenland. Der deutsche Schriftsteller Ingo Schulze wurde bei einer Lesung in Portugal gefragt, ob die Deutschen nun mit dem Euro das schaffen wollen, was ihnen mit den Panzern damals nicht gelungen war. In Italien reagierte eine rechtspopulistische Zeitung auf einen satirischen Beitrag von Fleischhauer über den italienischen Schiffskapitän Schettino mit der Parole A noi Schettino, a voi Auschwitz („Uns Schettino, euch Auschwitz“).

Der französische Sozialist Arnaud Montebourg verglich Merkel mit Bismarck. In der britischen Daily Mail zeigte sich Simon Heffer besorgt, dass Deutschland die Eurokrise dazu ausnutzt, um das Vierte Reich zu errichten („Wo Hitler es nicht schaffte, Europa mit militärischen Mitteln zu erobern, folgen die modernen Deutschen mit Handel und finanzieller Disziplin. Willkommen im Vierten Reich“).

Da bleibt für mich nur eine Frage offen: Warum das „Vierte Reich“? Soweit ich weiß, gab es in der deutschen Geschichte die Zeit des Heiligen Römischen Reichs (862-1806), die des Deutschen Kaiserreichs (1871-1918), die nationalsozialistische Zeit (1933-1945) und die Bundesrepublik (ab 1949). Damit wären wir also schon beim Fünften Reich! Und wenn man die DDR mitzählt, sogar beim Sechsten! Und was ist mit den all den Zwischenzeiten, also Napoleon, der Deutsche Bund, die Weimarer Republik und der Alliierte Kontrollrat? Darf man die alle einfach ausschließen?

11 Antworten to “Germanophobie”

  1. aron2201sperber Says:

    Sehr treffend hat dieses Phänomen Jan Fleischhauer formuliert:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,817794,00.html

    „Die Deutschen sind die neuen Amerikaner“

    • American Viewer Says:

      „Die Deutschen sind die neuen Amerikaner“

      In dieser einen Hinsicht mag man das so sehen.
      In jeder andern Hinsicht aber dann doch eher nicht.
      Ich sehe es nicht einmal in diesem Punkt.
      Die Deutschen machen doch alles um sich einzuschleimen.

  2. American Viewer Says:

    Schöner, langer Artikel. Klasse!

  3. Elmar Says:

    Ein schöner, aufschlussreicher Artikel, der so wohl nur noch auf Blogging-Plattformen wie dieser möglich ist.

    So traurig und beklemmend die genannten Beispiele auch sind, sie zeigen doch eindrucksvoll, daß Deutschland und die Deutschen ohne eine besondere Stellung im Konzert der Völker und Gruppen zu betrachten sind – mit all den Vor- und Nachteilen, die damit zusammenhängen…! Zumindest ist mir keine (Volks-)Gruppe bekannt, die nicht auch ihren höhnenden oder giftenden Widerpart hätte; ist zwar nicht schön, aber man kommt wohl nicht umhin, Zustände, die überall auf der Welt ihre Entsprechung finden, einfach „normal“ zu nennen ! Wie gesagt: Ist nicht schön, aber…

  4. besucher Says:

    Lesetipp zu den Hintergründen des kulturellen Selbsthasses:

    http://www.amazon.de/Verachtung-Eigenen-kulturellen-Selbstha%C3%9F-Europa/dp/3935063393/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1335000937&sr=1-1

  5. besucher Says:

    Hier eine gute Zusammenfassung des Buches:

    Vorbei. Aufgehoben, aufgelöst“, schreibt der Philosoph Frank Lisson gegen Ende seines neuen Buches „Die Verachtung des Eigenen“. Die Kultur des Abendlandes war einmal und es wird sie so nie wieder geben. Macht euch da keine Illusionen!, ist seine Botschaft: Es gibt kein Entrinnen. Das Rad der Geschichte reißt auch den Abseitsstehenden mit in die Apokalypse, in eine Welt nach den Kulturen, in die Welt der Zivilisation.
    Hieraus auf eine pessimistische Haltung des Buches zu schließen, wäre jedoch verfehlt. Vielmehr ist Lissons Abhandlung eines der wenigen Bücher der letzten Jahre, die sich nicht mit der Feststellung des kulturellen Niedergangs und der daraus resultierenden Meinungsdiktatur erschöpfen, sondern sich auf die Suche nach der tieferen Ursache begeben. Aus der Sicht des freigeistigen Kulturphilosophen ist das Aufblühen und Ermatten eines Kulturkreises ein Vorgang, wie ihn in die Geschichte nicht das erste Mal erlebt hat. In der von jüdisch-christlicher Religiosität und antikem Erbe geprägten Kultur des Abendlandes war seiner Ansicht nach vielmehr von Beginn an ihre Selbstauflösung angelegt. In dem Begriff des „kulturellen Selbsthasses“ versucht Lisson dieses Phänomen nun näher zu fassen.

    Die „revolutionäre, antiklerikale, antimonarchistische Stoßrichtung, ihr kollektivistischer und nivellierender Charakter“ als Reaktion auf das beschleunigte, technische Zeitalter der Moderne verbindet beide Totalitarismen und macht sie zu Exponenten „linken Denkens“. Dem „rechten“, dem bewahrenden Konservativismus fehlte mit dem ihm eigenen Mangel an Mut und Beweglichkeit, seiner Sucht nach Behagen und Autoritäten die Kraft zum Gegengewicht.
    Als bloße Fortführung des Nationalsozialismus betrachtet Lisson denn auch die 1968er Bewegung in Deutschland. Auf dem Weg zum neuen Menschen habe sich der „Vernichtungsfeldzug gegen die Vielfalt“ lediglich vom körperlichen Massenmord zum geistigen Tod in einer „riesigen Umerziehungsanstalt“ gewandelt. Das Aufspüren von Abweichlern sei heute das Erziehungsziel öffentlicher Einrichtungen und der Leitmedien. Das Resultat sei eine „kollektive Zwangsneurose“, der sich der Einzelne als „Verbraucherschaf“ oder „Zivilgesellschaftsäffchen“ einfügt.
    Den wenigen übrig gebliebenen „Anderen, Unbequemen und Verweigerern“ empfiehlt Lisson, sich fernzuhalten, Gegenöffentlichkeiten zu bilden, Netzwerke aufzubauen. Die Lektüre antiker Autoren oder abendländischer Philosophen, der Gang in den Wald oder ins Gebirge statt auf Parteiversammlungen, der Rückzug in eine auch noch so „verwinkelte Kammer“ im „Gebäudekomplex der Zivilisation“ sind die Kraftquellen des Homo absolutus. Dem immer schneller wirbelnden Rad der Geschichte durch politischen Aktionismus in die Speichen greifen zu wollen, ist für ihn keine Alternative. Für Lisson ist dies kein Eskapismus, sondern die einzig mögliche Antwort auf die unvermeidliche Zeit nach den Kulturen. Lisson steht hier ganz in der Nachfolge von Ernst Jüngers „Waldgang“.
    Dass diese jedoch keineswegs das letzte Wort der Geschichte haben wird, ist bei Lisson auf jeder Seite zu spüren. Das Buch ist durchdrungen von einer tiefen Sehnsucht nach Ruhe und Halt, der Erfahrung von Heimat, das Wissen um Beständigkeit und Identität, kurz nach all dem, was das Abendland, über Jahrhunderte seinen Bewohnern geboten hat. Es ist gerade die Stimmungslage der Trostlosigkeit, die das Buch zur engagierten Streitschrift für die Freiheit erhebt.

  6. besucher Says:

    Nein. Steht unter der Buchbeschreibung bei der Amazone.

  7. noch ein Besucher Says:

    zum letzten Absatz: Das Wort „Reich“ bedeutet nicht Demokratie, sondern einen durch eine Autoritätsperson (Monarch/Diktator) geführten Staat. Und da gibt es wirklich nur drei, nämlich das HRRdtN, das deutsche Kaiserreich und das NS-Regime. So ist das mit dem 4. Reich begründet.

    • besucher Says:

      Die Weimarer Republik hieß offiziell auch Deutsches Reich, es gab auch einen Reichspräsidenten 😉 wat nu?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.


%d Bloggern gefällt das: