2030 in der EUdSSR

Die Flagge der Europäischen Union

Die FAZ wagte eine Prognose für das Jahr 2030. Da dachte ich mir, dass eine Prognose für die EU im selben Jahr wagen könnte.

Eine Woche im Jahr 2030

Die Woche beginnt mit einem Paukenschlag: Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad werden beim Amtsantritt des neuen, als konservativ geltenden Bundeskanzlers begnadigt, nachdem sie vor 5 Jahren bei einer Razzia in der „Welt“-Redaktion wegen integrationsfeindlicher Publikationen festgenommen worden waren. Die Tatsache, dass sie selber Migranten sind, hatte ihnen nicht geholfen. Der Kanzler beschließt, eine Anhörung am Ende der Woche durchzuführen, in denen die Inhaftierten ihren Thesen abschwören können. Man müsse mehr Toleranz zeigen, heißt es.

Am Dienstag wird die Al Gore-Statue in Berlin eingeweiht. Einige Protestanten, die auf das Massensterben von 2022 erinnern wollten, als innerhalb von zwei Wochen 10.000 Menschen durch stromausfallbedingten Chaos gestorben waren, werden in Schutzhaft gebracht. Die Regierung gibt bekannt, dass die Hälfte des BIP’s zur Bekämpfung der globalen Erwärmung gebraucht werden wird. Die CO2-Steuer sowie die Höchstwerte für Autofahrstunden, auch für die 6 Millionen Elektroautos, werden beibehalten. Im EU-Parlament in Brüssel gibt ein deutscher Abgeordneter stolz von sich, dass nun viele Länder Deutschland für die Al-Gore-Statue bewundern würden. Außerdem fordert der gleiche Abgeordnete endlich ein EU-weites Gesetz zur Nachhaltigkeit, in dem festgelegt werden soll, dass 70% der Energieversorgung aus regenerativen Energien stammen müssen.

Gemäß dem Al-Gore-Effekt rollt eine Kältewelle über die Stadt, bei der im Olympiastadion das Spitzenspiel zwischen dem Tabellenführer Bayern München und Hertha Berlin stattfindet. Bayern Münchens Superstar Noah Shawn gibt vor dem Spiel bekannt, dass er sich vorstellen könnte, in näherer Zukunft in die nordamerikanische Profiliga MLS zu wechseln, da es dort „einfach mehr Kohle und mehr fußballerische Qualität gibt“. Die Spielergehälter in der Bundesliga waren nach dem vor 3 Jahren EU-Gesetz zur sozialen Gerechtigkeit, der neben EU-weit geltenden Sozialversicherungen, Frauen- und Migrantenquoten und Gesamtschulen auch Gehaltsobergrenzen festlegte, in den Keller gesunken, keiner verdient mehr als 200.000 Euro pro Jahr. Ein linker Abgeordneter hatte sogar gefordert, dass ein Balljunge nicht weniger als das 20-fache eines Fußballers verdienen sollte.

Im Stadion befindet sich auch der Präsident der Hamas, die seit 10 Jahren auch die Westbank beherrschen und einen Staat ausgerufen haben, der in die UNO aufgenommen wurde. Die Verhandlungen über einen Frieden mit Israel stocken aber seit mehreren Monaten, da die Hamas, obwohl die Araber in Israel mittlerweile 30% der Bevölkerung ausmachen, immer noch auf ein Rückkehrrecht der 10 Millionen palästinensischen Flüchtlinge beharren. Als Werbung für seine Sache plant der Hamas-Präsident ein Fußballspiel zwischen der palästinensischen und der deutschen Nationalmannschaft.

Am Mittwoch berichtet die „Palestine Times“, dass es nun Beweise gäbe, dass Israel über atomare Massenvernichtungswaffen verfüge. Der palästinensische Ministerpräsident hält eine wütende Rede in der UNO, in der er fordert, den „rassistisch-faschistischen Apartheidstaat“ aus der UNO auszuschließen. Der UN-Generalsekretär meint, dies sei rechtlich schwer zu bewerkstelligen. Der FIFA-Präsident Diego Armando Maradona dagegen beschließt, Israel unverzüglich aus der FIFA zu schmeißen. Russland und China erklären sich in einer Sitzung der Shanghai Five ebenfalls besorgt. Der wiedergewählte russische Präsident Dmitri Medwedew verkündet, notfalls gemeinsam mit der EU eigene Atombomben in Palästina zu stationieren, um die Existenz des palästinensischen Staates zu sichern. Die Sicherheit Palästinas sei auch die Sicherheit der EU, betonte der EU-Präsident bei einer Rede in Tunis. In Tel Aviv und New York demonstrieren Zehntausende für Israel und gegen Antisemitismus.

Am selben Tag meldet die EU einen Erfolg: Der gefürchtete Terrorist Ali Harun, der in den letzten 5 Jahren mit Terroranschlägen in Paris, Dublin, Mailand, Dortmund und Malmö für Schrecken und 5.000 Tote gesorgt hatte, wird vom EU-Geheimdienst in seinem Versteck in Rotterdam aufgespürt und getötet. Der EU-Präsident Sanchez verkündet: „Wer sich nicht an unsere Regeln hält, der muss unsere Union verlassen … Multikulti ist gescheitert“. Daraufhin kommt es in einigen Scharia-befreiten Zonen in Berlin, Köln, Marseille, Brüssel, Turin, Malmö, Kopenhagen und Bradford zu Unruhen und Racheakten mit über 200 Toten. Laut Amnesty International hätten nicht nur die Terroristen, sondern auch die EU-Soldaten wahllos auf Zivilisten geschossen.

Durch das EU-weite Toleranzgesetz, dass vor 5 Jahren verabschiedet wurde, war festgelegt worden, dass es eine „gesamteuropäische Leitkultur“ gäbe und sich Migranten an alle EU-Gesetze halten müssen, Burkas wurden verboten und die Einwanderung beschränkt. Andererseits wurden integrationsfeindliche Einstellungen unter Strafe gestellt, die zur Verhaftung von mehreren Islamkritikern durch den EU-Geheimdienst führte, und den bereits anwesenden Muslimen erlaubt, die Scharia als Rechtsgrundlage zu benutzen, solange keine Folter angewendet wird. Die Folge: In über 200 Städten entstanden „Scharia-befreite Zonen“, Folter wurde zum Alltag, Terroranschläge häuften sich. Die EU beschloss, die Scharia komplett zu verbieten, die EU-Armee und der EU-Geheimdienst sollten die Scharia-befreiten Zonen zurückbefreien.

Um die immer größer werdende Armut zu stoppen und damit Arbeitslosigkeit kein Problem mehr für die Betroffenen stellt, beschließt das EU-Parlament am Donnerstag eine Ausweitung des EU-Gesetzes zur sozialen Gerechtigkeit, der die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens vorsieht. Dieses soll mithilfe einer 75%-Steuer für Einkommensmillionäre finanziert werden. Der slowakische Minister Richard Sulik spricht von der „größten Massenenteignung seit China 1950“. Der EU-Präsident Sanchez antwortet auf den Vorwurf, er sei ein „radikaler Öko-Sozialist“: „Ich bin nur für Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit. Was daran ist radikal? Wir müssen dringend nach Wegen zur Nachhaltigkeit und sozialen Gerechtigkeit suchen, denn unser kapitalistisches System ist gescheitert. Wir müssen endlich eine ökologisch nachhaltige Gesellschaft ohne Wachstum, ohne Armut und ohne soziale Ungerechtigkeit schaffen.“

Am Freitag hält der deutsche Bundeskanzler eine Rede, in der er ein EU-Austritt Deutschlands andeutet. Im EU-Parlament und im deutschen Bundestag bricht darauf regelrechte Hysterie aus. In einem geheimen Büro des EU-Parlaments in Brüssel beraten fünf Mitglieder des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), wie der „deutsche Dissident“ wieder zu Fall gebracht werden soll. Einer bringt den Vorschlag, ihn aufgrund eines von einem Unternehmer bezahlten Urlaubs von der europäischen Presse zur „korrupten Bankenmarionette“ zu erklären, dem Freiheit wichtiger sei als soziale Gerechtigkeit, der Nachhaltigkeit als ein „Verbrechen an der lebenden Generation“ bezeichnet hatte und mit Zionisten befreundet sei.

Plötzlich stürmt ein EU-Mitarbeiter ins Büro und verkündet eine niederschmetternde Nachricht. Eine Untersuchung hätte ergeben: In der ganzen EU gäbe es hunderte Milizen, vor allem in Ost- und Südeuropa, die Anschläge auf EU-Einrichtungen planen. Rechtspopulistische Parteien seien im Umfragehoch: In Deutschland hätte die Deutsch-Nationale Volksunion 15% der Wähler hinter sich, die BNP in Großbritannien 20%, die Front National in Frankreich 25%, die Lega Nord in Italien 40% und die Jobbik in Ungarn 60%. Die fünf ESM-Mitglieder wissen genau, welche Folgen dieser Bericht haben wird.

Am Samstag verkündet der EU-Präsident Sanchez zwei „erfreuliche Nachrichten“: Um die Sicherheit in der EU zu gewährleisten, werden alle rechtspopulistische Parteien innerhalb der EU verboten, rechtspopulistische Internetseiten, sofern es sie noch gibt, werden gelöscht. Der EU-Geheimdienst bekommt umfassende Vollmachten, ihm ist es nun erlaubt, jede Internetseite und jedes Telefongespräch abzuhören, falls das EU-Parlament es als notwendig empfindet. Die zweite Nachricht ist, dass ein EU-weites Nachhaltigkeitsgesetz eingeführt wird. 70% der Energieversorgung muss aus regenerativen Energien stammen, eine CO2-Steuer sowie Höchstwerte für Autofahrstunden werden eingeführt.

Allein in London demonstrieren 2 Millionen Menschen. Sie halten Schilder mit Inschriften wie „1984 is 2030“, „EUdSSR“ und „Nieder mit dem Diktator Sanchez“ hoch. In den USA erklärt der Präsident Europa zum „verlorenen Kontinent“. Die linksgrüne Einheitspartei im Bundestag bejubelt die neuen Gesetze und schlägt vor, alle nationalen Regierungen und Verfassungen zugunsten einer EU-Regierung und Verfassung aufzulösen, um somit die „europäische Einigung zu vollenden“. Verhaltene Kritik kommt von Abgeordneten, die darauf hinweisen, dass regenerative Energien noch nicht 70% des Energiebedarfs decken können und man deshalb wieder auf die Atomkraft setzen müsse, doch die „Dissidenten“ werden ausgebuht.

Am frühen Sonntag landet ein Helikopter in einem kleinen, unauffälligen Haus in Berlin. Davor warten vier Mitglieder des EU-Geheimdiensts auf einen älteren, großgewachsenen Mann. Nach einigen Minuten kommt er heraus. Er hat Tränen in den Augen. Es ist der deutsche Bundeskanzler. Das EU-Parlament hatte am Abend zuvor ein Amtserhebungsverfahren gegen ihn eingeleitet, weil ihm Kontakte zur nun verbotenen Deutsch-Nationalen Volksunion unterstellt wurden. Minuten zuvor gab er in einer Note seinen Rücktritt nach nur einer Woche im Amt bekannt. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer in ganz Europa. Der letzte „Reaktionär“ war gefallen. Er will nun, bevor ihn die EU festnimmt, in die USA fliehen, der US-Präsident hatte ihm Exil angeboten. Im Helikopter warten zwei Bekannte: Es sind Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad. Sie planen ebenfalls die Flucht in die USA. Im Radio hören sie gleichzeitig Nachrichten über Unruhen in Budapest mit 13 Toten sowie Massenproteste in Paris, Rom, Madrid und Amsterdam.

Der vier EU-Geheimdienstler sollten ihn eigentlich festnehmen, doch sie können es nicht. Sie haben einfach zu viel Respekt und Ehrfurcht vor ihm. Stattdessen verbeugen sie sich vor ihm und wünschen ihm eine gute Reise. Draußen, vor seinem Haus, haben sich rund 50 Pro-EU-Demonstranten versammelt, schwenken EU-Flaggen und jubeln über den „Rücktritt des Reaktionärs“. Dieser besteigt den Helikopter und gibt dem Piloten den Befehl zum Start. Da passiert plötzlich etwas, was sich einer der EU-Geheimdienstler, der auch ein Bewunderer von Broder ist, nicht erklären kann: Der letzte Reaktionär, der eben noch Tränen in den Augen hatte, lächelt nun plötzlich. Sein Blick ist dabei auf die lachenden EU-Demonstranten gerichtet. Erstaunt fragt der Geheimdienstler: „Warum lachen sie?“ Der letzte Reaktionär antwortet: „Weil ich weiß, dass sie für lange Zeit das letzte Mal gelacht haben.“

2 Antworten to “2030 in der EUdSSR”

  1. shaze86 Says:

    nice! Ich glaube das 2030 der menschlich bedingte Klimawandel kein Thema (außer für Verschwörungstheoretiker) mehr seien wird (ich bin halt ein Optimist). Dabei ist dein Zukunftvision gar nicht so negativ, da es immerhin noch die USA, in die man flüchten kann, geben wird.

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