Marxistische Tricks

Karl Marx

Vor einiger Zeit beschäftigte ich mich mit der Frage, warum Sozialismus weltweit noch immer so anziehend ist, während nationalistische Ideologien zurecht geächtet werden. Eine Schlussfolgerung von mir lautete: „Religiöse Ideologien schließen die Ungläubigen aus, nationalistische die Angehörige anderer Nationen. Aber der Sozialismus kann von allen in Anspruch genommen werden. Russland, China, Kuba, Angola, Äthiopien, Kambodscha, Nordkorea, Jugoslawien, Jemen, Algerien- der Sozialismus wurde überall ausprobiert.“ Oder, anders ausgedrückt: Die Sozialisten wollen den Klassenfeind vernichten, die Nationalisten den Rassenfeind.

Für mich besteht da moralisch natürlich kein Unterschied. Es ist nur eine Feststellung, ohne jede Form von Verharmlosung. Falls jemand einen besseren Grund findet, warum der Sozialismus noch immer so viele Anhänger hat, kann er ihn gerne vorbringen. Die Menschen scheinen leider wirklich zu glauben, dass eine Ideologie, die von Weißen, Asiaten, Latinos, Afrikanern und Arabern gleichermaßen in Anspruch genommen werden kann, auch tolerant sei (100 Millionen Tote sprechen eine andere Sprache)- ein marxistischer Trick, könnte man sagen.

Einige Wochen später fiel mir ein Artikel bei Christian Ortner auf, der sich der Frage widmete, ob Hitler aktuell bei der Occupy-Bewegung demonstrieren würde. Ich habe diese Frage bejaht, fand den Artikel jedoch recht unnötig. Denn erstens würde Hitler wohl auch bei einer EU-kritischen Demonstration teilnehmen und zweitens wurde im Artikel die Frage aufgeworfen, ob der Nationalsozialismus eine linke Ideologie gewesen sein soll. Eine meiner Meinung nach völlig irrsinnige Behauptung, die ich in einem Artikel kritisiert habe. Meine Antwort auf Ortners Artikel stößte bei den Kommentatoren auf Kritik. Möglicherweise wurde der Artikel missverstanden, ich wollte selbstverständlich nicht behaupten, dass der Sozialismus eine bessere Ideologie sei als der Nationalismus, sondern nur auf die Unterschiede zwischen den beiden Ideologien aufmerksam machen.

American Viewer schrieb jedoch: „Du fällst aus meiner Sicht auf einen ganz, ganz alten Trick der Marxisten herein“, da er der Meinung ist, dass die Linken genauso nationalistisch sind wie die Rechten. Könnte es aber sein, dass in Wirklichkeit nicht ich, sondern American Viewer auf einen marxistischen Trick reingefallen ist? Und zwar auf den, dass es schlimmer ist, jemanden aufgrund seiner Rasse/Nation zu hassen, als aufgrund seiner Klasse. Das glauben, wie bereits gesagt, viele Menschen auf der Welt. Einige Kritiker der Linken scheinen das auch zu glauben, deshalb versuchen sie, den Linken/Sozialisten zu unterstellen, dass sie nationalistisch wären, um dann sagen zu können: „Seht ihr, die Linken sind genauso schlimm wie die Nazis.“ Diese Behauptung ist aber nicht notwendig, denn: Die sozialistische Ideologie ist nicht nationalistisch, aber sie ist deshalb nicht auch moralisch besser.

Sind Linke nationalistisch?

An einer anderen Stelle wirft American Viewer mir dann allen Ernstes mangelnden Patriotismus vor:

Viele Europäer glauben offenbar heute sie könnten ihre nationale Identität abschneiden wie einen lästigen Zopf. Diese Geschichtsvergessenheit macht Europa aus meiner Sicht so anfällig für EU-Zentralismus, Kulturrelativismus und gewisse totalitäre Ideologien. Good luck with that.

Er hat zwar recht, wenn er erwähnt, dass in Europa die Freiheit weniger geschätzt wird als in den USA. Aber schuld daran ist nicht, dass der angebliche Nationalismus der Linken verschwiegen wird, das hat damit nichts zu tun. Und: Meine deutsche Identität will ich in keinster Weise abschneiden wie ein Zopf, im Gegenteil. Ich bin ein stolzer, patriotischer Deutscher.

Um den Nationalismus der Linken zu beweisen, nennt American Viewer einige Beispiele:

Du ignorierst einfach meine Beispiele von Chavez bis Nordkorea. Ich könnte auch noch die Taten und Worte von Lenin, Mao bis Pol Pot anführen. Aber das scheint dir alles egal zu sein. Du guckst nicht über deinen deutschen Tellerrand hinaus. Du bringst mir ein Beispiel von irgendwelchen deutschen Autonomen und das ist dann ganz im Ernst dein Beispiel für: “Links und nationalistisch zu sein ist praktisch unmöglich.” Solche Dinge höre ich allerdings von Deutschen öfters. Also mach dir keine weiteren Gedanken.

Chavez ist in erster Linie ein Sozialist und kein Verfechter der Überlegenheit der venezolanischen Rasse. Bei allen anderen Beispielen ist es ebenso. Das Endziel des Sozialismus ist die Diktatur des Proletariats, nicht die Diktatur der russischen, venezolanischen oder nordkoreanischen Rasse. Noch mal: Dies ist keine Verharmlosung, sondern eine Feststellung! Das Phänomen, das Linke auch Begeisterung für nationalistische Gruppierungen zeigen, liegt an einem einfachen Grund: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“

Die Nazis kooperierten mit den Japanern und bis 1941 mit der kommunistischen Sowjetunion. Die Neonazis von heute zeigen sich solidarisch mit dem „Freiheitskampf“ der Palästinenser. Heißt das, dass die Nazis Japaner, Kommunisten und Araber mögen? Nein, es heißt nur, dass sie in manchen Situationen bereit sind, aus strategischen Gründen mit den Todfeinden zusammenzuarbeiten. Islamisten wie die Mullahs oder die Hamas wünschen sich eine Welt ohne Ungläubige, aber bis es soweit ist, kooperieren sie auch mal mit Nicht-Moslems aus dem Westen, solange sie gegen die USA und Israel sind.

American Viewer schrieb weiter:

Ortner sagt es bestehen “verwandtschaftliche Verhältnisse” zwischen Nazis und Linken. Nicht mehr und nicht weniger. Diese Verwandtschaften benenne ich auch schon lange… Ich weiß, dass die Deutschen diese Verwandtschaft vehement bestreiten. Auf diesem Gebiet haben die Linken, gerade in Deutschland, einen totalen propagandistischen Sieg errungen. Bis heute. Viele Deutsche lassen sich von dieser Sichtweise auch nicht durch Argumente abbringen, das ist mir schon klar. Man fällt ja “nie” auf solche Tricks herein.

Dass es verwandtschaftliche Verhältnisse zwischen allen Ideologien gibt, ist nun wahrlich keine bahnbrechende Entdeckung. Das habe ich auch nie geleugnet. Verwandtschaftliche Verhältnisse gibt es doch wohl in jeder Ideologie, oder? Jugendorganisationen, Massenaufmärsche, Propaganda, Folterpolizei, Antikapitalismus- das gab/gibt es bei den Nazis genauso wie bei Stalin, den Mullahs und mit Ausnahme der Folterpolizei auch schon bei den grünen Öko-Sozialisten (Übrigens muss man nicht alle Deutsche in einen Topf werfen. Es gibt noch immer sehr viele kluge deutsche Intellektuelle: Henryk M:Broder, Dirk Maxeiner, Michael Miersch, Vince Ebert und viele andere).

American Viewer meint also: „Nationalismus ist schlimmer als Sozialismus= Linke unterstützen Nationalisten= Linke sind Nationalisten“. Diese Fehlargumentation spiegelt sich vor allem in dieser Aussage wieder:

Selbst der extremste Nationalismus wird bei Linken positiv gesehen, wenn er sich nur gegen den Westen richtet. Denken Sie nur mal an Venezuela, Nordkorea oder Iran. Denken Sie an die Türkei. Denken sie an den „arabischen Frühling“… Die letzten nationalen Mythen des Westens kommen nicht von rechts, sie kommen ganz entscheidend von linker Seite. Nehmen Sie die IRA in Irland oder die ETA im Baskenland. Sind das keine Westler? Sind das keine Linken? Auch der letzte große nationale Mythos wird von den Linken befeuert, nicht von rechts. Sie kennen diese „Nation“ auch. Sie heißt Palästina.

Ja, genau, er wird von den Linken positiv gesehen- aber kommt er selbst von ihnen, wird er von ihnen betrieben? Eben nicht. Die vehementesten, linken Toleranzfanatiker würden doch am liebsten Wörter wie „Rassen“ und „Nation“ verbieten und nur noch eine Weltgemeinschaft von antirassistischen MenschInnen haben. Rassistische Gruppierungen werden nur unterstützt, wenn sie Gegner der „kapitalistischen Welt“ sind. Es handelt sich nicht um einen Rassismus, der Teil der linken/sozialistischen Ideologie wäre. In der jungen Welt werden auch die PKK oder die FARC für ihren „Widerstandskampf“ verehrt, nicht nur die Hamas. Israel ist mit den USA verbündet, deswegen sind die Linken/Sozialisten gegen Israel (vor 1967 war Israel bei den Linken noch durchaus beliebt). Die Linkspartei ist antisemitisch, keine Frage, von einem Nazi- oder Hamas-ähnlichen Hass auf alle Juden kann jedoch keine Rede sein.

Die Argumentation „Nationalismus ist schlimmer als Sozialismus= Linke unterstützen Nationalisten= Linke sind Nationalisten“ ist schlichtweg falsch. Nationalismus ist nicht schlimmer als Sozialismus, das ist ein marxistischer Trick, auf den sogar Gegner des Sozialismus reinfallen. Richtig sollte es heißen „Nationalisten sind Nationalisten= Sozialisten sind Sozialisten= Beide Ideologien haben Parallelen und sind genauso totalitär“.

Der Fall Pinochet- oder: Kulturrelativismus andersrum

Bei den Linken werden Diktatoren, Terroristen und andere Massenmörder oft gelobt oder verharmlost. Typische Beispiele sind Fidel Castro, Che Guevara, Mao, Ho Chi Minh und als aktuelle Beispiele Hugo Chavez, Gaddafi und Assad. Islamistische Tyrannen wie Achmedinedschad oder die Mörderbanden der Taliban, Hisbollah, Hamas oder gar al-Qaida gelten nicht selten als „Widerstandskämpfer“, ihre Verbrechen werden relativiert, wenn sie gegen den Westen verübt werden.

Jürgen Todenhöfer schreibt z.B. über die Taliban:

Den Taliban muss man sicherlich und zu Recht einiges vorwerfen. Doch nach einem vierjährigen Bürgerkrieg haben sie die Sicherheit in Afghanistan eindeutig und objektiv wieder hergestellt. Darüber hinaus haben sie die territoriale Integrität des Landes bewahrt und das Land fast vollkommen entwaffnet. Inwieweit dies ihre vollkommen verfehlte Politik in anderen Bereichen aufwiegen kann, steht auf einem anderen Blatt.

In seinem Buch „Warum tötest du, Zaid?“ erklärt er den al-Qaida-Bewunderer Zaid, der sich das Ziel gesetzt hat, so viele Amerikaner wie möglich zu töten, zum „legitimen Widerstandskämpfer“. Achmedinedschads genozidale Vernichtungsdrohungen sind für ihn nur „Übersetzungsfehler“.

Die Methoden, mit denen Diktatoren verteidigt werden, sind fast immer dieselben: Man sagt, dass er für Sicherheit und Stabilität gesorgt habe, dass es keine besseren Alternativen gab und- mein Lieblingsargument- dass er die wirtschaftliche Lage verbessert habe. Dass Fidel Castro das Gesundheits- und Bildungssystem in Kuba verbessert hat, zählt mehr als die tausenden Toten, die seine Herrschaft gekostet hat. Diese Form von Kulturrelativismus gehört bei den meisten Linken zum ideologischen Repertoire.

Leider gilt dies aber nicht nur bei Linken. In vielen Fällen werden Diktatoren in konservativen Kreisen gelobt, solange es sich um Antikommunisten handelt. Das beste Beispiel dafür ist der chilenische General Augusto Pinochet, der von 1973 bis 1989 in Chile regierte. Pinochet hat eine echte Fangemeinde in Kreisen, die sich selbst „liberal“ nennen, sogar die Iron Lady Thatcher fand nur lobende Worte für ihn.

Bei „eigentümlich frei“, einer Ansammlung von libertären Denkern, heißt es zu Pinochet:

… der Ursprung der Militärregierung Pinochets (war) ohne jeden Zweifel sowohl rechtmäßig als auch demokratisch… Dass dieses Militärregime sich nennenswerte Grausamkeiten zu Schulden hat kommen lassen, muss definitiv abgestritten werden. Die ständig wiederholten Behauptungen sind falsch. Das Gegenteil ist wahr: Pinochet und die weiteren Führer der Militärjunta haben maßvoll, zurückhaltend und mit Augenmaß gehandelt. Ihr Ziel war es, Chile und vor allem das Leben von Chilenen so weit als irgend möglich zu schonen. Den ausnahmslos kriminellen und terroristischen Kommunisten und weiteren Mitgliedern der Unidad Popular wurde die freie Ausreise gestattet. Ich selbst habe sie in der ihnen außerordentlich sympathischen DDR zu Tausenden einreisen gesehen… Alle waren kraftstrotzend und kerngesund… Pinochet war ein nobler Mann, ein Ehrenmann und echter Liberaler, denn Freiheit und Wohlstand Chiles waren sein Anliegen.

Eine widerliche und falsche Sicht auf Pinochet. Bei „eigentümlich frei“ werden auch mal andere Diktatoren wie Assad verteidigt. Bei den aktuellen Präsidentschaftswahlen in den USA wünscht man sich niemand geringeres als Ron Paul als Sieger. Das sind einige der Gründe, warum ich „Libertären“ gegenüber kritisch eingestellt bin. Ich bleibe lieber bei den Liberalen.

Als ich American Viewer auf den Pinochet-Artikel aufmerksam machte, antwortete er:

“Diktator” allein ist nicht unbedingt ein Wort, das bei mir zieht. Es ist noch gar nicht so lange her, da gab es nur Diktatoren auf dieser Welt. Bei Augustus angefangen. Ich glaube das Thema hatten wir schon einmal.

Ja, das Thema hatten wir schon einmal. Ich schrieb einen satirischen Artikel, indem ich darauf aufmerksam machte, dass kein Diktator verteidigt werden kann, egal, mit welchen Wohltaten er seine Herrschaft rechtfertigte. Um dies zu beweisen, habe ich die „Wohltaten“ von Pinochet, Franco oder Schah Reza erwähnt, die ja allesamt Feindbilder der Linken sind. Die Botschaft sollte lauten: Wer Fidel Castro, Hugo Chavez oder Gaddafi bejubelt, sollte eigentlich auch Pinochet, Franco oder Schah Reza verehren. Ein wahrer Demokrat sollte keinen dieser Herrschaften verehren.

Da ich kein Kulturrelativist bin, verehre ich keinen einzigen Diktator. Das Wort „Diktator“ zieht bei mir schon. Es interessiert mich weder, ob ein Diktator die Wirtschaft aufkurbelt und auch nicht, ob früher alle Diktatoren waren- ob Augustus, Karl der Große, Peter der Große oder Friedrich der Große- denn unsere Errungenschaften wie Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Religionsfreiheit sind universelle Werte, dessen Missachtung durch nichts zu entschuldigen ist. Wer irgendwelche Entschuldigungen sucht, der ist ein Kulturrelativist. Todenhöfer verharmlost die Taliban, Martin Möller verharmlost Pinochet.

Dass der Islam noch rückständig ist, entschuldigt nicht die Steinigung von Ehebrecherinnen oder Apostaten, die Hinrichtung von Homosexuellen oder die Enthauptung von Hexen. Dass Franco Spanien von einem hungergeplagten Entwicklungsland zu einem der reichsten Länder der Welt gemacht hat, entschuldigt nicht die Ermordung von Hunderttausenden ideologischen Gegnern während des Bürgerkriegs. Dass Pinochet einen Kommunisten gestürzt hat, entschuldigt nicht die Folterung und Ermordung von 3.000 Regimegegnern.

Wenn wir von Herrschern im Mittelalter oder der Antike reden, ist meine Devise: Man kann einige Herrscher sicher als Reformer loben. Aber keiner, wirklich keiner, kann als Vorbild für unsere heutige Zeit gelten. Ein Beispiel: Mohamed hat zu seiner Zeit in der Arabischen Halbinsel den Frauen mehr Rechte gegeben als sie damals hatten, aber ist er deshalb als ein Vordenker des Feminismus zu bezeichnen? Friedrich der große war sicherlich ein Reformer, aber auch ein Kriegstreiber und Antisemit. Aus diesen Gründen kann man weder Mohamed noch Friedrich den Großen als Vorbild für unsere heutige Zeit nehmen.

Es geht auch anders. In einem anderen Nachruf zu Pinochet bei „eigentümlich frei“ wird der Diktator kritisch beäugt:

Der Sturz der Regierung Allende ist aus liberaler Sicht also nicht schwer zu rechtfertigen. Auch dass das Militär eine Übergangsregierung stellen würde, ließe sich noch pragmatisch als Notwendigkeit akzeptieren. Anders verhält es sich mit dem, was dann während Pinochets Machtergreifung und in der Zeit seiner Herrschaft geschah. Unmittelbar nach dem Putsch wurden zahlreiche Oppositionelle in der chilenischen Hauptstadt verhaftet und im Nationalstadion interniert. Dort kam es nicht nur zu Misshandlungen, sondern auch zu Erschießungen von Häftlingen. Andere wurden in abgelegene Konzentrationslager, wie etwa in Chacabuco oder Pisagua verschleppt. Und wieder andere „verschwanden“ einfach. Auch in den Jahren nach dem Putsch kam es zu Folterungen Oppositioneller sowie zu Verbannungen in entlegene Gegenden des Landes, während die Presse der Zensur unterlag.

Mit Kritik an Allendes Regierung kann man all dies nicht rechtfertigen. Die Erklärung vom 23. August rief die Streitkräfte auf, Allende zu stürzen. Eine auf Dauer eingerichtete Militärregierung oder die Zensur der Medien verlangte sie nicht. Die Folterung und Ermordung Oppositioneller wäre selbst dann nicht zu rechtfertigen gewesen, wenn sie in dieser Erklärung verlangt worden wäre. Der Missachtung individueller Freiheitsrechte haben sich also beide Regierungen schuldig gemacht. Und Pinochets Regime tat dies mit weitaus größerer Brutalität. Wenn Pinochet von einigen Liberalen dennoch respektiert wurde, so verdankte er dies vor allem dem wirtschaftlichen Erfolg des Landes zur Zeit der Diktatur.

Ist er deswegen als liberales Staatsoberhaupt positiv zu bewerten? Wiegt der wirtschaftliche Erfolg die Verletzung persönlicher Freiheitsrechte und die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen auf? Wer argumentiert, dass Pinochet aufgrund der erfolgreichen Wirtschaftspolitik seiner Regierung im Gesamturteil positiv bewertet werden müsse, begeht einen entscheidenden Fehler. Eine solche Argumentation beruht auf der Annahme, dass sich Unrecht in einem Bereich durch Erfolg in anderen Bereichen kompensieren lässt. Was aber heißt das in diesem konkreten Fall? Wie weit muss die Inflationsrate sinken, um Folterungen durch Elektroschocks zu rechtfertigen? Wie schnell muss das Bruttosozialprodukt wachsen, bevor die Polizei beim Verhör vergewaltigen darf?

Solche Überlegungen sind ganz einfach absurd. Sie erinnern an nostalgische Nazis, die behaupten, man müsse Hitler differenzierter beurteilen, denn schließlich habe er auch die Autobahn gebaut. Die Achtung unveräußerlicher Menschenrechte ist eine notwendige Bedingung für die Legitimation einer Regierung. Eine Regierung, die diese Rechte verletzt hat, versagt – ganz unabhängig davon, welche Erfolge sie in anderen Bereichen verzeichnen kann… Pinochet war also kein liberaler Diktator. Er war ein Tyrann, der zufällig in Wirtschaftsfragen gut beraten war.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

3 Antworten to “Marxistische Tricks”

  1. Gutartiges Geschwulst Says:

    Hallo Arprin,
    erstmal Vielen Dank, für diesen anspruchsvollen Artikel, dem ich zwar nicht durchgehend zustimme, den ich aber sehr anregend finde.
    Dich beschäftigt die Frage: „… warum Sozialismus weltweit noch immer so anziehend ist …“.
    Neben dem von Dir genannten Grund, dass der Sozialismus, wegen des universellen Klassenfeindes, von allen in Anspruch genommen werden kann, sehe ich noch einen weiteren:
    Sozialistische Demagogen bedienen sich nämlich auch der Denkschwäche und Eitelkeit ihrer Schäfchen.
    Sie erklären ihre Ideologie für einzigartig intelligent, und jeden der sie nachquatscht zum Teilhaber einer übergeordneten, dominierenden Klugheit.
    Mit dem geistigen Aufwand wiederkäuender Rinder, können sich somit auch die einfältigsten Gemüter in die selbe Reihe stellen, mit namhaften Literaten, Kabarettisten, Journalisten, u.s.w., ohne begreifen zu müssen, dass diese schleimigen Auftragsdenker lediglich dem Ruf ihrer Kasse folgen.
    Auf diesem Wege, werden auch die schlichtesten Geister zu „Intellektuellen“, sofern sie in der Lage sind wenigsten drei Parolen daher zu plappern.
    Möglicherweise, basiert der Erfolg der roten Sozialisten auch nur auf ihrem einzigen, coolen Hit, dem das Horst-Wessel-Lied einfach nicht gewachsen ist:

    • arprin Says:

      „Möglicherweise, basiert der Erfolg der roten Sozialisten auch nur auf ihrem einzigen, coolen Hit, dem das Horst-Wessel-Lied einfach nicht gewachsen ist“

      Vergiss nicht Che Guevara. Seine Trikots verkaufen sich wohl besser als die mit Reagan oder Thatcher!

  2. aron2201sperber Says:

    der Sozialismus will die Klassen auflösen, nicht jedoch zwangsweise die Individuen der oberen Klassen auslöschen (auch wenn die Praxis oft anders war)

    an der Praxis sollte man ein System allerdings messen:

    Linke beharren jedoch weiterhin auf ihren idealen Sozialismus, den sie den realen Kapitalismus gegenüberstellen

    der Islamismus ist zwar wie der Nationalsozialismus eine totaliäre rechtsextreme Ideologie, die alle Feinde bekämpft.

    im Gegensatz zum rassistischen Nationalsozialismus kann man sich dem Islam wenigestens unterwerfern.

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